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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-11-01 · 2 (1.11.1910) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Humanitären, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bestrebungen betätigt, bezeugt den Siegeszug der Erkenntnis vom Werte der Organisation in der deutschen Judenheit. Studenten- und Sportsvereinigungen, Handwerkervereine und Organisationen zur Förderung des Handwerkerberufes, Institutionen, die jüdische junge Leute zur Landwirtschaft überführen sollen, Ferienkolonien, Kinderheilstätten und Kindergenesungsheime, Altersheime, Blinden- und Taubstummenanstalten, Krankenpflegerinnenvereine, Arbeitsnachweise und Stellenvermittelungsvereine, Volkslesehallen und Toynbeehallen, Haushaltungs- und Kochschulen, Wohltätigkeits- und gesellige Vereine, sie alle sind die Gebilde des Organisationsgedankens. Ihn zu verwerten und in die Tat umzusetzen, lehrte uns vielfach, besonders auch in unseren großen Organisationen, der judenseindliche Geist unserer Tage. Vor 32 Jahren leitete Adolf Brüll, der Präsident des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M„ einen Vortrag über den „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" mit den folgenden Worten ein: „Der gefährlichste Feind aller besseren Bestrebungen im Judentume ist dessen Organisativnslosigkeit, die dasselbe oft mehr schädigt als alle von außen gegen dasselbe gerichteten Angriffe. Nnr daraus erklärt es sich, daß auch die heilsamsten Bestrebungen, welche entweder eine äußere formale oder eine innere geistige Organisation zum Zwecke haben, bei uns, die wir oft mit Jdeenblindheit geschlagen sind, nicht die nötige Teilnahme lind Unterstützung finden, ja daß dieselben sogar oft mit einem Eifer bekämpft werden, der einer besseren Sache wert wäre!" Diese Feststellung aus der Zeit vor 30 Jahren zeigt uns, wie mächtig der Siegeszug des Organisationsgedankens seitdem im Judentums gewesen ist. Heute kann man wohl behaupten, das Organisationswesen der deutschen Juden wird von keiner anderen Gemeinschaft übertroffen, von wenigen nur erreicht! Alb. Jacobp. »M- Schlußtermine der Redaktion. H a) für den Allgemeinen Teil 21. jeden Monats b) für den Verbandsteil 28. „ „ c) für den Inseratenteil 25. „ „ Zusendungen, die uns »ach den angegebenen Daten zugehen, lönnen für die nächste Nummer nicht mehr Berücksichtigung finden. Die Redaktion. An hie “ V des Verbandes. Die nächste - Vorstands-Sitzung wird am 4. Dezember in Kerlin stattfinden. Der Nkrbandg.jiorlitzksdt. Rundschau. In Berlin, wo heute bereits fast ein Viertel der gesamten deutschen Juden wohnt, geht es zurzeit einigermaßen lebhaft zu. Die jüdische Gemeinde der Reichshauptstadt mit ihren 140 000 Seelen, wird bekanntlich, wie auch manche wesentlich kleinere Provinzialgemeinde, von einem nur 21 gliedrigen Repräsentantenkollegium und einem von den Repräsentanten gewählten nur 7 gliedrigen Gemeindevorstand „regiert" und verwaltet. Dieser Zustand, der hinsichtlich der Gemeindevertreter zahl die jüdische Riesengemeinde Berlin etwa mit der 20 mal so kleinen Gemeinde Königsberg und noch kleineren gleichstellt, ist aber leider zurzeit unabänderlich, da die Ziffer von 21 Repräsentanten als Maximum gesetzlich festgelegt ist durch das noch heute geltende sog. Judengesetz vom Jahre 1847, das offenbar an Gemeinden von so großer Seelenzahl gar nicht dachte. So ist die Würde eines Repräsentanten hier mehr als anderswo ein vielbegehrtes Ehrenamt, obwohl auch die Verantwortung eines solchen unendlich größer ist, als in anderen kleineren Gemeinden. Gestaltung und Ausbau der jüdischen Gemeindeinstitutionen, die Art des Gottesdienstes, des Kultus, kurz das ganze jüdische Gemeindeleben wird durch die Zusammensetzung des Repräsentantenkollegiums beeinflußt. Die Wahlen zur Repräsentantenversammlung sind die einzige sichere Gelegenheit, wo das Gros der jüdischen Bevölkerung auch einmal etwas und zwar das entscheidende Wort zu sagen hat. Die nun einmal innerhalb der Judenheit bestehenden Verschiedenheiten der religiösen Richtungen, die alle gern zur Geltung und zum bestimmenden Einfluß auf die Gemeindeverwaltung gelangen möchten, führen natürlich zu einem harten und scharfen Wahlkampf. Die Zeiten der Interesselosigkeit an jüdischen Gemeindeangelegenheiten sind erfreulicherweise dahin, auch für Berlin. Und so sehen wir denn jetzt, da am 24. d. Mts. nicht weniger als 13 neue Repräsentanten zu wühlen sind, sich einen ungemein lebhaften Wahlkampf entwickeln. Auf der einen Seite steht die religiös-liberale Richtung, die ihren Besitzstand zu verteidigen hat, auf der andern Seite eine aus Anhängern der verschiedensten religiösen Richtungen zusammengesetzte antiliberale Koalition, an der auch der Zionismus, wenngleich nicht offiziell und als Partei, beteiligt ist. So hat es bereits heftige Redekämpfe in einer ganzen Anzahl von jüdischen Versammlungen gegeben, in denen wieder einmal Zionismus und Aiitizivnismus aufeinanderprallten. Die gegenseitige Erträglichkeit und Verträglichkeit inden verschiedenen Gruppen und Parteiungen, wie wir sie ja erfreulicherweise in den meisten unserer Jugendvereine zu verzeichnen haben, ist in diesem Repräsentantenwahlkampf bisher wenig zu verzeichnen gewesen. Der Zionismus als Weltorganisation, der eine gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina anstrebt, hatte übrigens im Laufe des letzten Jahres zum ersten Male in einer deutschen Stadt, in Hamburg, seinen IX. Kongreß, die 5 4469756555

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