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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-11-01 · 2 (1.11.1910) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Die überhaupt älteste der heute bestehenden jüdischen Organisationen aber sind die Bnei- Britz-Logen, von denen eine reiche Fülle des Segens in Humanitären und sozialen, in Werken der Bruder- und Nächstenliebe, in der Uebung aller edlen Tugenden, in der Verbreitung jüdischen Wissens und in der starken Förderung aller großen jüdischen Gemeinsamkeitsaufgaben ausgegangen ist. Der jüdische Logengedanke ist von Amerika zu uns herübergetragen worden. Der Großloge des Bnei - Briß - Ordens, deren Gründungsjahr bis 1862 zurückreicht und deren Tätigkeitsgebiet sich über ganz Deutschland erstreckt, sind heute insgesamt 79 Logen angegliedert. Ihr humanitäres Wirken erstreckt sich so ziemlich über alle Gebiete der jüdischen Wohlfahrts¬ und Wohltätigkeitspflege. Die Logen-Organisation ist also eigentlich die älteste der heute bestehenden großen jüdischen Vereinigungen. Wesentlich jüngeren Datums sind jene Institutionen, die wir uns zur Abwehr antisemitischer Angriffe und Durchsetzung unserer verfassungsmäßigen Rechte geschaffen haben. Die erste Abwehrorganisation war, wie schon nebenbei oben bemerkt, der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund", der in der ersten Hochflut des „modernen" Antisemitismus in den 1880er Jahren wacker für unsere Rechte und gegen antisemitische Angriffe auftrat. Erst seit dem Jcihre 1890 wurde er teilweise, 1893 fast völlig von dieser Aufgabe entlastet. Ende 1890 wurde nämlich ein besonderer „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" begründet, an dessen Spitze die nichtjüdischen Abgeordneten v. G n e i st und Rick er t traten und dessen Mitgliederbestand sich aus Staatsbürgern jüdischen wie christlichen Bekenntnisses zusammensetzte. Eine spezifisch jüdische Organisation ist also der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" nicht. Den Grundsatz: „Sich selbst wehren, bringt Ehren" verkündete dann der 1893 begründete „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Diese Vereinigung, die heute etwa 120 000 Juden umfaßt, Hai in zähem Rechtskampfe gegenüber dem Antisemitismus Hervorragendes geleistet. Dadurch, daß er Schmähungen und Verleumdungen einzelner Glaubensgenossen oder unserer Gemeinschaft zielbewußt im Rechtswege verfolgte, wurde der Antisemitismus zur Vorsicht und Zurückhaltung erzogen. Vor allem aber hat der Zentralverein auch erzieherisch auf die Juden selbst gewirkt, das jüdische Selbstbeumßtsein gehoben und das Vertrauen zur eigenen Kraft gestärkt. Das durch die Organisation im .„Zentralverein" vertretene Prinzip der Selbstverteidigung, Selbsterziehung und Stärkung des Selbstbewußtseins ivar allerdings, wie historisch festgestellt werden nmß, bereits mehrere Jahre vor der Begründung des Zentralvereins und sogar vor dem Abwehrverein, in den auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung stehenden jüdischen Studentenverbindungen, wie in der „Viadrina"-Breslau, der „Badenia"-Heidelberg, zum leitenden Gedanken erhoben. Aber der Gedanke trat doch erst durch den Zentralverein in die breite jüdische Masse. Neben dem Zentralverein und in enger Fühlung mit ihm strebt nach den gleichen Gruudzielen der „Verband der deutschen Juden". Er ist wohl die umfassendste aller jüdischen Organisationen, gewissermaßen die „Organisation der Organisationen". Er umfaßt sämtliche Verbände und gemeindlichen Organisationen. Selbst der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" ist dort nur ein einfaches Mitglied. Der „Verband der deutschen Juden" bezweckt die Vertretung aller den Juden im Reiche gemeinsamen Interessen. Seine im Jahre 1904 erfolgte Begründung sollte dem oft fühlbaren Mangel einer autoritativen Vertretung der deutschen Gesamtjudenheit abhelfen. Seine Hauptversammlungen, bisher in Berlin, Frankfurt a. M. und Breslau, konzentrierten daher nicht nur das Interesse unserer gesamten Glaubensgemeinschaft, sondern auch der weiteren ^'ffentlichkeit und selbst der staatlichen Behörden. ^>er letzten Breslauer Tagung im vorigen Jahre wohnte der Oberpräsident von Schlesien bei, auf der vorhergehenden 1907 in Frankfurt a. M. war die Regierung gleichfalls vertreten. Bei der Gesetzgebung der letzten Jahre suchte der Verband bei den Vorlagen, durch welche jüdische Gemeinschaftsinteressen berührt wurden, wie z. B., beim preußischen Volksschulgesetz, beim Gesetz betr. die Sonntagsruhe usw. seinen Einfluß zu gunsten unserer Interessen geltend zu machen. Das Hilfswerk für die ausländischen, besonders auch die russischen Juden, deren entsetzensvolle Lage das Mitleid der Juden der ganzen Welt wachruft, ist nn „HilfsvereinderdeutschenJuden" geradezu glänzend organisiert. Im Jahre 1901 begründet, bezeichnet er als seine Aufgabe die „Förderung der sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Glaubensgenossen". Er hat sich also ungefähr die gleichen oder doch ähnliche Ziele gesetzt, wie die „Alliance Israelite Universelle“. Er nimmt sich besonders der jüdischen Auswanderer an, in deren Interesse er eine ganze Reihe von Grenzbüreaus eingerichtet hat, und unterhält resp. subventioniert eine Reihe von Bildungsstätten im Orient, besonders Palästina. Eine Anzahl blühender jüdischer Kindergärten in der Türkei und Palästina zeugt von seinem humanitären und segensreichen Wirken. Palästina, das Land der Sehnsucht vieler Juden, hat eine ganze Reihe jüdischer Organisationen auch in Deutschland erstehen lassen. 13 Jahre, bevor sich die „Zionistische Vereinigung für Deutschland" konstituierte, war im Januar des Jahres 1884 der Verein „Esra zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien" begründet worden, der sich über ganz Deutschland erstreckte und im vorigen Jahre sein 26. Jubiläum begehen konnte. Die „Zionistische V e r - e i n i g u n g für Deutschland" ist imr ein

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