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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-11-01 · 2 (1.11.1910) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Diese organisatorischen Gebilde innerhalb der Einzelgemeinde fehlen heute in keiner einzigen größeren und Mittelgemeinde. Diese Vereine traten daim später, vielfach erst in neuester Zeit, mit einander zwecks Förderung der gemeinsamen Ziele in engere Fühlung, die dann zum Zusammenschluß und zu einer Gesamtorganisativn führte, die dann wiederum fördernd, helfend und anregend auf die Entstehung immer neuer Einzelvereine einwirkte. Aber schon vorher, wenig über 20 Jahre nach dem Inkrafttreten des sog. preußischen Judengesetzes von 1847, das noch heute die Grundlage der staatsrechtlichen Stellung der preußischen Gemeinden ist, brach sich die Erkenntnis Bahn, daß es eine ganze Reihe von Aufgaben gebe, die nur durch einen engerenZ u s a m m e n - s ch l u'ß aller Gemein den gelöst werden können, und daß nur durch eine geschlossene Organisation die Möglichkeit gegeben sei, die auch nach der Judenemanzipation nicht zum Schweigen gebrachten Angriffe gegen Juden und Judentum wirksam abzuwehren. So entstand vor jetzt vierzig Jahren der „D e u t s ch - Israelitische Gemeindebund". Er ist alseine freiwillige Vereinigung der jüdischen Gemeinden Deutschlands organisiert, deren Interessen er wahrnehmen wollte und ursprünglich auch war er als Abwehrvereinigung gedacht. Die Sorge für die Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlfahrtsanstalten der einzelnen israelitsichen Gemeinden, für jüdischen Religionsunterricht und Heranbildung eines tüchtigen jüdischen Lehrerstandes, ferner für Hilfeleistung an die leistungsschwachen resp. leistungsunfähigen Klein- und Zwerggemeinden, Fürsorge zur Ermöglichung würdigen Gottesdienstes, Pflege der Wissenschaft des Judentums und der Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland sowie eine Reihe kultureller und sozialer Aufgaben, das war und ist noch heute das Programm, das sich der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" gestellt und zu einem großen Teile mit schönem Erfolge durchgeführt hat. Der politisch, Partei- und religiösvöllig neutralen Organisation haben sich heute über 1000 Gemeinden, die großen und Miltelgemeinden fast vollzählig, neben' einer ansehnlichen Zahl kleiner angeschlossen. 1869, anläßlich der ersten israelitischen Synode in Leipzig, auf besonders eifervolles , Betreiben E m i l L e h m a n n s, des Autors des Weckrufs: „Höre Israel", und des Leipziger Gemeindevorstands und ersten Präsidenten des „Deutsch Israelitischen Gemeindebundes". Moritz Kühner, begründet, fand er, besonders so lange der Sitz des Bundes Leipzig war, keineswegs die verdiente Anteilnahme der Gemeinden. Erst mit der Uebersiedelung des Sitzes des Gemeindebundes mach. Berlin datiert der Aufschwung, den seitdem diese große Organisation der deutsch-israelitischen Ge meinden genommen hat. Heute unterstehen ihr 24 Anstalten, Stiftungen und Abteilungen, darunter die sozial hochbedeutsmnen, wie die jüdische Arbeiter- 'kolonie Weißensee, die Knaben- und Mädchen-Fürsorgeerziehungsanstalten in Repzin und Plötzensee, die Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz, die Friedrich Wilhelm-Victoria- Stiftung (Zentral - Versicherungskasfe für jüdische Gemeindebeamte) usw. In diesen Tagen reihte sich die Schaffung einer „Zentralorganisation der jüdischen Wanderarmenfürsorge" an, ein Gegenstand, der bereits die erste Tagung des „Gemeindebundes" vor vierzig Jahren beschäftigte und dessen einheitliche Regelung erst jetzt in der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" gelungen zu sein scheint. Das Bild der gemeindlichen Organisationen aber wäre nur unvollkommen, wenn man nur diese eine ganz Deutschland umfassende erwähnen wollte. Fast überall, wo nicht, wie in Baden, Bayern. Elsaß-Lothringen usw., staatliche Zentralbehörden für die jüdische Gemeindeverwaltung existieren, besteht noch eine provinziale Organisation der jüdischen Gemeinden, teilweise sogar eine solche von Gemeinden nur eines Regierungsbezirks. Die Zahl dieser Provinzial-, Landes- und Regierungsbezirks-Gemeindeverbände beträgt zurzeit 18. So sehen wir denn heute, wie sich über der Einzelgemeinde die freiwillige Organisation der Gemeinden in den Provinzialverbänden und als Krönung des jüdisch-gemeindlichen Organisationswesens der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" erhebt. Der zukünftige Geschichtsschreiber des jüdischen Organisationswesens in Deutschland wird gewiß nicht verfehlen, auch hier auf die für das jüdische Wesen charakteristische Note hinzuweisen, daß die Sorge für die Schwachen, Armen, Kranken, das Humanitäre und Edle, die Pflege der Brüderlichkeit, wie zu allen Zeiten, auch in der neueren Periode, zu allererst den Inhalt des organisatorischen Strebens gebildet hat. Fast zehn Jahre, bevor der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" hier in Deutschland begründet wurde, hatte der von Paris ausgehende Ruf der als jüdische Weltorganisation gedachten „Alliance Israelite Universelle“ gerade unter den deutschen Juden einen Widerhall-gefunden, wie bei den Juden keines anderen Landes. Einer Organisation, die als ihre Aufgabe verzeichnet: „Ueberall für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken, denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksame- Hilfe angedeihen zu lassen und endlich jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, die geeignet ist, diese Ergebnisse herbeizuführen," brachte die deutsche Judenheit die wärmsten Sympathien entgegen. In keinem Lande, der Erde fand diese jüdische Weltorganisation zahlreichere Anhänger als in Deutschland. Obwohl die hier bezeichneten Aufgabenkreise der „Alliance" nicht immer die gleiche wünschenswerte Berücksichtigung gefunden haben, bewahrte die deutsche Judenheit doch immer ihre Treue dem Allianzgedant'en. Auch heute noch ist die Zahl der Allianz-Mitglieder in Deutschland, die in der „D e u t s ch e n K o n f er e n z g e m e i n - schuft der „Alliance Israelite Universelle ““ organisiert sind, größer, als diejenige in allen anderen Ländern,

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