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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-11-01 · 2 (1.11.1910) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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-1 iHittriliimiru des Uerbandes der jüdische« Illgendoereine De«tscht«nds. Nummer 2. Berlin, den 1. November 1910. Jahrgang 1. ff =h Monatsschrift Preis pro Quartal KO Pfennig. Einzelverkauf 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. — .... ...JJ ff"-'- . Anzeigen die diergefp. Petitzeile 20 Pf. Rcllamen LO Pf. pro Zeile. Geschäftsstelle: Berlin W., Kleiststratze 12. —Ir Alle Jufetiimngcn für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verband der jüd. Jngendvereine Deutschlands z.H. d. Herrn Dr. E. Finkel, Berlin W. 62, Kleiststr. 12. zu richte«.. Der Orgarrisationsgrbanke in der deutschen Judenheit. Organisation ist die Forderung des Tages. Wie in den großen Zielen menschlichen Fortschrittes, so ist auch in dem wirtschaftlichen und geistigen Ringen unserer Tage, in der Geltendmachung von berechtigten Ansprüchen an die Allgemeinheit die Einzelpersönlichkeit, selbst ragender Intelligenz, meist machtlos. Mehr als zu jeder anderen Zeit gilt heute Schillers Rat, sich als dienendes Glied dem Ganzen anzuschließen. Durch die Umformung aller Lebensbedingungen und durch die gesteigerten Kraftanforderungen, die unsere Zeit dem Ringen der Menschen stellt, sind Wert und Bedeutung der Organisation ins Ungemessene gestiegen. Sie ist insbesondere auch die einzige erfolgverheißende Waffe der Schwachen gegenüber der Macht der Starken. Es ist keine neue Weisheit, daß den vereinten Kräften gelingt, wo die einzelne unterliegt. Die reiche Fülle der Sonderausgaben, die der j ü d i s ch e n Bevölkerungsniinorität in deutschen Landen nicht nur auf religiösem, gemeindlichem, sondern auch sozialem, wirtschaftlichem, politischem und sogar internationalem Gebiete gestellt sind, hat, in Verbindung mit dem regsamen Ziel- und Ziveckbewußtsein des jüdischen Wesens an sich, einen Ausbau des Organisationswesens innerhalb der deutschen Judenheit bewirkt, auf den wir fast stolz sein könnten, wenn ihm einstweilen nicht noch die letzte zentrale Krönung der staatlichen Gesamtorganisation fehlte. Kaum einem jüdischen Spezialzwecke von Bedeutung fehlt heute die Organisation, die seine Erfüllung anstrebt. Nicht getragen von der Sonne der Gunst der staatlichen' oder auch nur kommunalen Behörden, selten auch nur von der wohlwollenden Sympathie einzelner unserer nichtjüdischen Mitbürger, oft gehemmt und gehindert durch Widerstände von außen, hie und da auch aus unseren eigenen Reihen, verdanken wir die reiche Blüte unseres tausendfach verästelten Organisationswesens unserer eigenen Kraft und ausschließlich nur unserer Kraft. So breit flutet dabei der Strom unseres Organisationswesens, daß demjenigen, selbst unter, uns, der der Entwicklung nicht andauernd gefolgt ist, die Orientierung nicht ganz leicht fällt. Für unsere jüdische Jugend aber, die einst berufen sein wird, indiesen jüdischen Organisationen zu wirken und als tätiges Mitglied an der Erreichung der gestellten Ziele mitzuarbeiten, ist es eine Notwendigkeit, auf! diesem Gebiete unterrichtet zu sein. Fundament und Ausgangspunkt fast aller großen jüdischen Vereinigungen ist die G e m e i n d e. Sie ist zugleich die älteste und ursprünglichste Form der jüdischen Organisation, in der und aus der sich die anderen entwickelt haben. Sie ist noch heute die einzige vom Staate anerkannte Repräsentantin der jüdischen Gemeinschaft. Alle übrigen Organisationsbildungen der deutschen Judenheit, und mögen sie noch so groß sein, entbehren der staatsgesetzlichen Unterlage, die die Gemeinden haben. Sie beruhen ausnahmslos auf Freiwilligkeit und ersetzen daher nur unvollkommen das Fehlen einer Instanz, die dem Staate gegenüber legitimiert wäre, inr Namen der gesamten deutschen Judenheit zu sprechen oder aufzutreten. Jede einzelne Gemeinde, so wollte es wohl auch der Wille der Gesetzgeber, sollte eine Welt für sich sein, und die Zersplitterung der Judenheit in lauter kleine, von einander völlig unabhängige Gemeinwesen die Aktionsfähigkeit und jede Geschlossenheit des Vorgehens hemmen und hindern. Die vielgestaltige Gemeinsamkeit der Interessen gab aber der Entwicklung des jüdischen Lebens in Deutschland eine andere Richtung. Eine Fühlungnahme der einzelnen Gemeinden hat wohl zu allen Zeiten nach Möglichkeit bestanden. Für gewisse Aufgaben hunianitärer und geistiger Art entstanden zunächst in den Einzelgemeinden selbst gleichartige organisatorische Gebilde. So auf dem Gebiete des jüdischen. Krankenpflege- und Beerdigungswesens (die Chewras), der Wohltätigkeit (vielfach auch Frauenvereine), so die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur oder Vereinigungen, die einem ähnlichen Zwecke der Verbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens dienten- 1 — SUdtu. Unlv. - Bibi. . Frankfurt/Mn In

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