Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1 (1910)
- Issue
- 1 (1.10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jsr. Familienblatt Hamburg Sir.!t<» vom 8. Lept.: „Max Nordau über den Bildungsgang der jüdischen Jugend." In einem Briefe, den Max Nordau in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage über diesen Gegegenstand an Herrn Jacob Landau in Baden richtete, beißt es: „Es wäre falsch und verhängnisvoll, jüdische und europäische Kultur als Gegensatz a» konstruieren und zu empfinden. Dieser Gegensatz besteht nicht. Es gibt keine jüdische und keine euroväische, es gibt nur eine menschliche Kultur, unter der ich die Gesamtheit der bis heute erworbenen sicheren Kenntnisse von den Wirklichkeiten der Welt, zu der auch die Menschen und ihre Gesellschaften gehören, und deren Anwendungen auf die Lebensführung der Gesamtheiten und der Einzelnen verstehe. Das Judentum erwartet und fordert, daß seine intellektuelle Jugend sich diese Kultur möglichst gründlich aneignet. Strebende und begabte junge Juden sollen sich zu durch und durch gebildet en, in ihrem Fache tüchtigen Menschen ausbilden, so daß sie den Vergleich mit keiner andern Jugend zu scheuen haben, ohne sich zu fragen, ob sie ihre Wissenschaft oder Kunst hier oder dort auszuüben berufen sein werden. Die Mathematik, die Physik, die Chemie, die Logik, die Geschichte sogar, sind keine andern für den Wiener oder den Palästinenser. Daneben soll der junge Jude allerdings hebräisch in Wort und Schrift beherrschen lernen und eine solide Kenntnis seines Volkes in Vergangenheit und Gegenwart erlangen. Das genügt im Alter des Werdens. Dem Alter der Reife bleibt die Ausbildung in Sonderfächern Vorbehalten!" — Diesen Richtlinien und ihrer Begründung wird man beistimmen und vielleicht nur dahin ergänzen wollen, daß in das Programm des Bildungsganges für die reifere Jugend auch jener Wissensstoff ausgenommen werde, der unsere Stellung im und zum engeren Vaterlande betrifft. „Allgemeine Zeitung des Judentums" Nr. 31. 5. August. ,,U eber das Seibstbeivußtsei u" von F. Co h u. Als Heilmittel gegen den Abfall der Jugend empfiehlt Verfasser die Begründung von Vereinen, in denen Vorträge mit Diskussionen, ausschließlich für junge Männer und junge Mädchen, gehalten werden sollen. Wir erwarten vom Verfasser nun noch Projekte einer Alliance Jsraelite Universelle, eines Deutsch-Jsraelitschen Gemeindebundes, eines Zentraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens u. s. w. Der „Israelit" Sir. NN vom 8, September. Unter der Ueberschrift: „Zionistisches Assimilantentum" wird der prinzipielle Unterschied zwischen Orthodoxie und Zionismus, die „unversöhnbar" bezeichnet werden, als der „Gegensatz zwischen dem religiösen und dem Rassennationalisinus" definiert, der aber nur ein „konträrer'' sei. Das nationale Element, hier das religiöse, dort das rassige, sei aber wenigstens e i n Gemeinsames, das zugleich den kontradiktorischen Gegensatz bilde, in welchen: sowohl zu Zionismus wie zu Orthodoxie jene Richtung (das Assimilantentum) stehe, die den Nationalismus verneine. Zugleich wird in dem Aufsatz das „Prinzip der Souveränität des orthodoxen Judentums, seines unveräußerlichen Anspruchs, das Judentum schlechthin zu sein", proklamiert. Dann heißt es über die Stellung der Orthodoxie zum Zionismus wörtlich: „Die Orthodoxie in seinen Reihen zu sehen, wird der Zionismus auf immer verzichten müssen. Die Orthodoxie geht in kein anderes Lager. Sie hat das historisch wohlerworbene Anrecht zu warten, daß man zu ihr kommt. — „Der Zionismus braucht die Orthodoxie. Nicht umgekehrt". — Das „Zionistische Affinst lantentum" aber konstruiert sich der „Israelit" aus der Erwägung, daß der Zionismus nicht allein Nationalismus, sondern auch Kulturbcweaung sei; die Kultur aber, die er bringe, sei keine nationaljüoische mehr, sondern fei „durchaus und vollkonimen die Kultur Westeuropas". Das sei das assimilatorische Element im Zionismus, das zu den: assimilationsfeindlichen jüdischen Nationalismus in schärfstem Widerspruch stehe." Diese Gedankengänge über Wesen und Stellung der Orthodoxie beruhen auf einer in den Tatsachen nicht einwandfrei begründeten Identifizierung der Orthodoxie mit deren journalistischer Vertretung. Hervorragende Männer der strengsten Orthodoxie, deren unerschütterliche Treue zum traditionellen Judentum absolut feststeht, haben sich tatsächlich auf einen Standpunkt gestellt, der von dem hier eingenommenen abweicht. Die Proklamierung des Prinzips der Souveränität des orthodoxen Judentums ist vom Standpunkt des „Israelit" ebenso verständlich, wie es verständlich ist, daß diese Souveränitätserklärung bei einem gewichtigen Teil der deutschen Juden keine Anerkennung finden wird. Die Koustruicrung des Begriffes: „Zionistisches Assimilantentum" endlich klingt aus den ersten Blick wie ein Nordan'scües Paradoxon. Briefkasten. Rfd. I. 0»~, in Köln. Korrektur- und Revisionsbogen von Artikeln, die wir zun: Abdruck bringen, können wir an die Herren Verfasser leider nicht senden. Einer sorgfältigen Korrektur und Revision aber wird die Redaktion ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. M. B., Breme». Ihr Antrag, betreffend Stellenvermittlung, Stellenlosenversicherung und Krankenunterstützung wird als elfter Punkt die im November stattfindendc Vorstandssitzung beschäftigen. I. K., Eschlvege. Die Rednerliste des Vorbandes wird in der nächsten Nummer dieses Blattes erscheinen. A» unsere Leser in Görlitz. Ist einer unserer dortigen Leser imstande, uns die Adresse des Herrn Louis Wurm, des Verfasser des Gedichtes „Am Abend nach der Schlacht bei Wörth" anzugeben? L. Z., Frankfurt. Ein wenig Geduld I — Auch Feuilletonistisches werden wir bringen. Brannschweig. Wir bitten auch bei Einsendung von Berichten darauf achten zu wollen, daß immer nur eine Seite des Blattes beschrieben wird! Akomlemenls-Kedingmigeii. I. Diese Zeitschrift kostet für Mitglieder der Verbandsvereine 30 Pfennig pro Quartal. II. Die Nerdondonritgiieder mnsfen das Platt dnrch ihren Uereinsvor stand bestellen; dieser tritt dem Verbände gegenüber als Abonnent ans. III. Für Nichtmitglieder beträgt der Abonnementspreis 60 Pfennig pro (Hrmrtal. IV. Nichtinitglieder beziehen das Blatt unmittelbar von der Geschäftsstelle, Berlin W., Kleiststr. 12, oder durch die Post.