Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 6 (1.6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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das «Jüdische Weib" kannten. 'Es sollte ein umfaffendes Werk werden, ganz populär, derKsErweckung und Festigung des Judentums gewidmet: 1. Band: Gebete der Juden, 2. Band: Gebote der Juden, 3. Band: Gebräuche der Juden. Die totale Gleichgültigkeit der Juden hat mich gehindert, die zwei letzten Bände zu schreiben. Sie find tot noch ehe sie geboren wurden. Dank vom Hause Israel I — Entschuldigen Sie, wenn ich bitter wurde. Es fehlt mir die Zeit meine Briefe erst zu entwerfen . . . und warum sollt' ich nicht ausrichtig sein —? Mit vorzüglicher Hochachtung Nahida Ruth Lazarus. Rundschau. Die jüdische Jugendbewegung marschiert! — Ueberall regt's sich und bald wird der Verband das erste Hundert solcher auf neutraler Basis errichteter Jugendvereine aufzuweisen haben. Die von gewisser Seite propagierten Sondervereine mit bestimmter einseitiger Richtung können diesen Siegeszug nicht hemmen. Die Erscheinung mag psychologisch erklärlich sein, sie konnte und kann natürlich nur dort hervortreten, wo auf dem Gebiete jüdisch-jugendlicher Organisation erhebliche Mißstände sich zeigen, wo man das neutrale Jugendvereinswesen nicht von allem Anfänge an auf gesunder Basis errichtete und erhielt. Es ist zu erwarten und zu hoffen, daß mit der Vermeidung gewisser Fehler, die gemacht worden sind, sich auch die Gesundung einfinden wird und die Notwendigkeit des absolut neutralen Charakters der jüdischen Jugendbewegung das Gemeingut der Erkenntnis aller Beteiligten werden wird. Die Worte, die der Verbandsvorsitzende erst jüngsthin auf dem Verbandstage der jüdischen Jugendvereine des Bezirks Westdeutschland in Köln gesagt hat, werden, wenn sie in die Tat umgesetzt werden, den ersehnten und wünschenswerten Zustand erfreulicher Weise gewiß herbeiführen. Eine Gesundung und einheitliche Gestaltung des jüdischen Jugendvereinswesens erscheint dringend wünschenswert. Die Jugendvereinsbewegung ist in unseren Tagen schon heute in die Reihe unserer bedeutsamsten Gemeinschaftsvrganisationen eingetreten, der man auch außerhalb unserer engeren jüdischen Kreise die ihr gebührende Aufmerksamkeit und Beachtung schenkt. Es liegt somit schon im wohlverstandenen allgemein-jüdischen Interesse, daß auch dieses bedeutsame Glied gemeinsamer Gegenwartsbestrebungen und Zukunftshoffnungen den Charakter der Geschlossenheit und einheitttchen Willens zeigt und der unselige Separatismus, der die ruhige Entwicklungsarbeit so vieler unserer Gemeinschaftsaufgaben stört und hemmt, seine verhängnisvolle Rolle nicht auch in der Jugendvereinsarbeit spielt. Das Ansehen, dessen sich gerade unser Verband in der breiteren Oeffentlichkeit bereits erfreut, trat u. a. auch darin hervor,, daß auch er zu einer Aussprache eingeladen war, die die „Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge" unter der Initiative erster Kreise, wie der Fürstin zu Wied, des Staatsministers a. D. Heutig rc. im Plenarsaals des Herrenhauses veranstaltet hatte (s. weiter S. 11) und in der neben hervorragenden Persönlichkeiten der Oeffentlichkeit wie einer ganzen Reihe von Reichstags- und Landtagsabgeordneten unter besonderer Aufmerksamkeit und außergewöhnlichem Beifall auch der Geschäftsführer unseres Verbandes zu Worte kam. Ohne zu übertreiben, darf man sagen, es war ein Kiddusch Haschem. Das vornehme, bewußt jüdische Auftreten des Herrn Rabbiner Dr. F i n k e l gereichte sicher wie der jüdischen Jugendbewegung so dem gesamten Judentum nur zur größten Ehre. Hier erfuhr die aufhorchende geistige und soziale Elite der Reichshauptstadt sicher zum ersten Male etwas von der segensreichen Arbeit und den Zielen des Jugendverbandes und es mußte denjenigen, der den interessanten Verhandlungen beiwohnte, mit aufrichtigster Freude erfüllen, daß die Worte des Vertreters der jüdischen Jugendbewegung den ungeteilten Beifall dieser Versammlung erfuhren. Die Gegensätzlichkeiten, die in der Jugendbewegung doch nur leise unterklingen, sind in einer Reihe anderer jüdischer Gemeinschaften gerade in letzter Zeit viel kräftiger aufeinandergeprallt. Vor allem in der „Alliance Jsraelite Universelle". Es soll hier nicht weiter untersucht werden, auf welcher Seite mehr gesündigt worden ist. Es ist nur natürlich, daß die Entziehung der allgemeinen Wahlen und deren Ersetzung durch die Kooptation seitens des Zentralkomitees recht böses Blut machen mutzte, ganz abgesehen von den sonstigen Gegensätzen zwischen Berlin und Paris. Die Stellung des soeben begründeten „Deutschen Landeskomitees," das an die Stelle der „Deutschen Konferenzgemeinschaft" treten sollte, da dieser die Vertretungsbefugnis der „Alliance" in Deutschland entzogen war, mußte durch begangene Fehler gegen den von Paris betrauten Sekretär Dr. Markus, gegen welchen man sogar die Staatsanwalt anrief, unhaltbar werden. Auch die übrigen Mitglieder des Zentralkomitees standen durch dieses Vorgehen dem Landeskomitee gegnerisch gegenüber; man wollte von Berlin nichts wissen und organisierte die Zersplitterung zu einer.einheitlichen Opposition gegen das Präsidium der ehemaligen Konferenzgemeinschaft. Nun scheint aber doch der Frieden wieder angebahnt. Eine Konferenz am 16. Mai hat die Versöhnungsaktion eingeleitet, der man nur von ganzem Herzen den besten Erfolg wünschen mag. Die besten Freunde des Alliancegedankens stehen an der Spitze der Versöhnungsaktion. Zu den Gütern, die nun einmal in jüdischen Herzen durch traditionelle Weihe verankert sind, zählt auch die „Alliance Jsraelite Universelle" und es ist verständlich, wenn man um des großen Gedankens willen, ihr die Treue wahren will über die vergängliche Wirrnis des Tages hinaus. . Zudem