Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-06-01 · 6 (1.6.1912) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
6 (1.6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4926451-6352287-6352465--0308-4929281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

In einigen wenigen Zeitworten besteht dieser Begriff auch im Deutschen: ich wasche mich; aber stets mit Zuhilfenahme des Pronoms als Subjekt und Objekt. Wichtig ist die zweite Bedeutung des IV 2 Fiel: öftere Wiederholung derselben Handlung: ich habe schon wiederholt sehr gehütet. V 3 die dritte Bedeutung des Fiel: die Abschwächung, Verminderung, Vernachlässigung der Hut. und VI 4 gar noch eine vierte Bedeutung des Fiel: das Gegenteil der Hut: das Gefährdende . . . ein Begriff, für den es ein einzelnes Wort im Deutschen und meines Wissens auch im Italienischen, Französischen und Englischen nicht gibt. Im Deutschen wird zuweilen, um diesen Gegensatz anzudeuten, eine Silbe angefügt: ehren-entehren, wurzeln-entwurzeln." Es würde viel zu weit führen, wollte ich noch auf die prägnante Kürze und Schärfe des Hebräischen eingehen: wo es ein Wort braucht, braucht das Deutsche eine Umschreibung mit 6—8 Wörtern. Deshalb kann auch keine Uebersetzung, selbst die mustergültigste, die Fülle des Inhalts und den Lakonismus der Form wiedergeben. — Ehe ich Zunz u. A. kannte, als ich noch lediglich auf meine Lutherische Bibel angewiesen war. machten mich Dunkelheiten und Seltsamkeiten oft stutzig; so las ich z. B. im Segen Jakobs, als er von Josef spricht: „Josef wird wachsen wie an einer Quelle. Die Töchter treten einher im Regiment". — Was heißt daS? Was für Töchter? und wieso marschieren sie, wie im Regiment? Und Josef soll „wachsen". Er ist doch schon gewachsen! Und wozu die Quelle? Ein Mensch wächst überall . . . kurz so viele Rätsel als Worte. — Da las ich dann den Urtext: ein schwaches Reis an der Quelle — (aber) Schößlinge wachsen über die Mauer ... ein wundervolles, einfaches und wahres Gleichnis für den über die nationale Grenze hinausgewachsenen strebsamen Josef! — (Die neueren Luther-Ausgaben haben übrigens die Textstelle verbessert, der treffliche E. Kautzsch: „Schößlinge ranken empor an der Mauer.") Dann — wenn man den Urtext lesen.kann, welch feiner, hoher Genuß, die verschiedenen Deutungen suchen! die verschiedenen Uebersetzungen vergleichen! — Da ist z. B. im Abendgebet vom Wechsel zwischen Licht und Finsternis die Rede, „läßt wälzen das Licht vor der Finsternis" übersetzt A. Geiger. M. Sachs sagt rollen, aber rollen und wälzen bedeutet beides nur Fortbewegung. daher übersetzte ich „läßt kreisen", denn dieses bedeutet zugleich die Rückkehr, das Ziel, die Dauer im Wechsel, ist also naturwissenschaftlich geschaut . . . usw. unendlich viele Beispiele ließen sich geben für die verschiedenen Auffassungen und Deutungen, in denen dem Geist, dem Scharfblick, dem Humor, ja dem Witz und dem zarten Spürsinn des Gemüts unbegrenzter Spielraum gegeben ist. Und nun meine zu Anfang dieser Zeilen angekündigte Frage: sollte unsere Jugend in solchen teils ernsten, teils launigen, immer aber eifrigen Untersuchungen und Wortgefechten, hitzigen Meinungsverschiedenheiten und friedlichen Forschungen über Bibeltexte und Kommentare nicht eine fesselndere und freudigere Unterhaltung finden, als etwa in leidigem Alltagsgeschwätz und Geplappere über Toiletten und — neue Hüte? — Not täte es bei diesem Thema noch zu verweilen, aber — der Sprung von den lichten Höhen auf die platte Niederung ist mir zu peinlich . . . und dann müßte ich zu den Müttern sprechen dürfen, welche die Töchter von klein an erziehen... was man so „Erziehung" nennt . . . nvidr d’Vw "id-id-i vbjn w dti nino Dem versiebenden Artikel hat die gesch. Verfafferin folgendes Schreiben beigesiigt: Sehr geehrte Herren l Mit bestem Dank für die mir gesandten „Mitteilungen" und den darin enthaltenen Aufsatz über „Bd. 2 Ethik d. Juden t." meines Mannes, will ich nur bemerken, datz ich von dem reichen Inhalt der Nummern noch keine genaue Kenntnis nehmen konnte, und ihn mir auf freiere Zeit aufsvaren mutz; nur. Ihrem freundl. Ersuchen entsprechend, habe ich mich mit den Artikeln über die weibliche Jugend beschäftigt und insbesondere mit dem so warm geschriebenen Aufsatz in Briefform: .Unsere hebräischen Sprachkurse".*) Zu diesem Thema sende ich Ihnen einliegend einen Beitrag zur beliebigen Verwendung. Der Stoff ist ja so unermeßlich I — Aber gerade deshalb mußte ich mich zur Kürze zwingen: ich hätte sonst kein Ende gefunden. Ihnen, hochgeehrter Vorstand, will ich es im Vertrauen sagen und nicht ohne tiefe Gemütsbewegung: ich halte das Erlernen der hebräischen Sprache (aber von frühester Kindheit an I) für ein eminent wichtige« Pädagogisches Heilmittel für die Heranwachsende neue Generation der Juden; aber ich bezweifle, daß es anwendbar ist, ja, ich — verzweifle an jeglichem Erfolg. ... Die Mütter sind nicht da, welche die Kinder lehren, sie einleben in diese Dinge. — Kein Borwurf und keine Kritik, nur meine Beobachtung: keine Frage ist den Frauen s o wichtig als die Toilettenfrage. Entschuldigen Sie, daß ich da» kleinliche Wort auch nur hier geschrieben habe — aber das kleinliche Wort enthält einen Abgrund ... oh. ich übertreibe nicht. So lange da» weibliche Kind, kaum, daß es stehen kann, schon von der Mutter zu Putz und Eitelkeit verführt wird, und dieses beide» ihm fein Leben lang die Seele und den Geist verflacht — ist das Judentum in Gefahr. Es fehlt mir die Zeit Weiteres anzusügen, von dem mein Herz voll ist. Wozu auch 'i Wenn Ihren.Mitteilungen" usw. damit gedient ist. stelle ich cs Ihnen frei au» meinen „Kulturstudien über das Judentum" zu entnehmen, wa» al» Propaganda für Ihre Ideen zu verwerten ist. Lazarus war über diese» mit meinem Herzblut geschriebene Buch so begeistert, daß es zum Teil die tiefere Ursache war, datz er es wagte sein Leben an da» meine zu knüpfen. . . . Die Juden kennen das Buch kaum. Sie haben e» nicht beachtet, obwohl sie mich schon al« Verfafferin de» Buches *) Gemeint ist der in den „Mtteilungen" 191Ü Nr. 3 von Rabb. vr. E. Finkel erschienene Aus,atz, den wir unseren Vereinen, die ihn nicht besitzen, aus Wunsch gern einsenden würden. D.R. 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.