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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-06-01 · 6 (1.6.1912) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
6 (1.6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Stufenfolge zwar sehr langsam, aber desto sicherer empor. Als ich schon so weit war, eigene Sätze zu erfinden, fehlte mir noch immer Eins (ich lernte ja, ganz allein, ohne Hilfe) die Aussprache. — Da wandte ich mich an Professor Steinthal (Lazarus war von wissenschaftlichen und Humanitären und sonstigen Obliegenheiten viel zu überlastet, als daß ich an ihn mich hätte wenden dürfen). Er verfolgte meine Studien schon seit längerer Zeit mit Interesse und war ohne weiteres bereit, mir als Lehrer zu dienen. Ich las ihm hebräisch vor und er verbesserte mich. Ich wählte die sogenannte aschkenasische, d. h. polnische Aussprache, als die kräftigere den volltönenden O-Vokal bevorzugend, im Gegensätze zu der sephardischen, d. h. spanisch-portugiesischen, bei welcher das A vorherrscht; letztere galt zwar als die vornehmere, literarisch höherstehende, aber das war mir gleich; ich zog den Wohllaut vor. Steinthal überhörte mich nun allwöchentlich ganz regelmäßig und gab mir Erklärungen, wenn mir Grammatikalisches zu kompliziert war. Dann trieb mein Lerneifer mich an, meinen gütigen Lehrer immer wieder zur Rede zu stellen. Ich konnte absolut keine Unklarheit, kein Ungewisses, Nichtbegriffenes vertragen! Ich wurde dann ganz nervös — Steinthal auch —, dann schien es fast, ob wir, glühend vor Studieneifer, uns zankten — aber wenn ich durchaus das warum, wieso und woher wissen wollte, dann lachte er oft hell auf und wir schieden stets befriedigt von einander. Ich wußte es, er freute sich über meine Unersättlichkeit im Wissenwollen und das gab mir Mut. Als eines Tages das Unerhörte geschah, daß ich sogar den Rambam zu interpolieren wagte — doch das war ja viel später und gehört nicht hierher. Nach kaum zwei Jahren dichtete ich schon einen kleinen „Hymnus auf Jerusalem". Zur Ermutigung etwaiger zaghafter Leserinnen bringe ich hier das Briefchen eines ausgezeichneten Mannes, der damals Rabbiner an der kleinen Synagoge an der Potsdamerstraße war: Berlin, 26. XI. 86. Sehr geehrte Frau Dr.! Durch die Freundlichkeit der Frau Zerline Meyer werden diese Zeilen in Ihre Hände gelangen. Es drängt mich Ihnen zu sagen, daß Ihre kleine hebräische Arbeit, die ich der Oeffentlichkeit übergeben, allgemeines Interesse und mehr noch gerechte Bewunderung hervorgerusen. Aus der „Jüdischen Presse", die sie zuerst gebracht, ist sie in holländische und französische Blätter gewandert." Nach einigen weiteren schmeichelhaften Worten schließt er: „Ich erlaubte mir in Ihrer hebräischen Arbeit einige kleine Korrekturen vorzunehmen, die aber so unbedeutend waren, daß die Eigenart ihres Stiles unverändert geblieben ist. Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. Salomon Cohn." Er knüpfte daran in der „Jüdischen Presse" einige bittere Betrachtungen über die Lauheit der Jüdinnen inbezug auf die Erlernung des Hebräischen. Die Klage ist eine alte... Sollte es wirklich nicht besser werden können?— Rekapitulieren wir: Liebe zur Sache muß dasein; das versteht sich von selbst. Leichtigkeit des Erlernens durch nur wenige Aufgaben. Täglich nur zwei Vokabeln, aber diese müssen fest sitzen. Konzentration. Gründlichkeit. Kein flüchtiges Obenhin, kein Unverstandenes! Das erinnert mich an einen Jüngling, der, stolz aus sein „Hebräisch-Können", mir eine Bibelstelle flott herunterhaspelte. Als ich dann fragte: Nun? und was heißt das? erwiderte er ganz verdutzt ob meine Frage: „Ja — das weiß ich nicht!" — Nur noch ein Beispiel wie verlockend reich das Hebräische ist. Ich entnehme es meinen Kulturstudien über das Judentum*) jS. 291), denn aus Mangel an Uebung habe ich das Theoretische so verlernt (das Leben stellte mir andere Aufgaben!), daß ich heute nur noch ein armer Laie darin bin. „Eine der leichtesten Formen (Hüten) gibt ein anschauliches und übersichtliches Bild von dem Reichtum der Abwandlung im Stamm eines Zeitwortes. Man beachte die Ordnung und Fülle in folgender Wortgliedemng: THör Kal, activ: ich hüte. ’FHDtSO Niphal, passiv: ich werde gehütet. Soweit ist die Nebereinstimmung mit anderen Sprachen da. Nun verfolge man aber die sich jetzt ergebenden Steigerungen und Veränderungen: Fiel, activ: ich hüte sehr (bedachtsam, eifrig, angestrengt, häufig, wiederholt, andauernd). Pual, passiv: ich werde sehr gehütet (wie oben, -jnü). Ferner kommt die geistige Urheberschaft des Einen in der Handlung des Anderen zum Ausdruck, nämlich: H i p h i I, activ (im Deutschen in einigen Wörtern vorhanden: fallenfällen, trinken-tränken, stehen-stellen, saugen-säugen, sitzen-setzen usw.) Ich veranlasse, daß Einer hütet, lasse hüten, sorge dafür, daß gehütet werde. o p h a 1, passiv: ich werde veranlaßt, daß gehütet wird. Jetzt eine der interessantesten Formen: die Rückbeziehung der Person auf das Ich. •HOmDni^n Hitpael: ich hüte mich. — ppno» Ivnotp ii vnotrn THDETI ') Verlag von Carl Dunker, Berlin. 1898.

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