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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-06-01 · 6 (1.6.1912) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
6 (1.6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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z?i<? Jc.r Monatsschrift Preis pro Quartal 60 Pfennig. Einzelverlauf 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. Mittkilim-rn Anzeigen die diergefp. Petitzeile 20 Pf. Rellamen KO Pf. pro Zeile. Geschäftsstelle: Berlin W., Kleiststraß- 12. =£f des Verbandes der jüdischen Jugendvereiae Deutschlands. Nummer 6. Berlin, 1. Juni 1912. Jahrgang 3. Eine Frage an unsere jungen Jüdinnen. — Rundschau. — Adolf Stoecker. — Bücherbesprechungen. — Verbands- Nachrichten: Der Kampf der «Parteien um die Jugend.— Mitteilungen der Geschäftsstelle. — Aus unseren Vereinen: Kattowitz. — Anzeigen. Eine Frage an unsere jungen Jüdinnen. Bon Nahida Ruth L a z a r u s- Meran. Eine Frage! — Aber die kommt zuletzt, zuerst will ich erklären, was mich veranlaßt, aus der Ferne, aus der Stille der Villa Ruth, zu den modernen Töchtern Israels zu sprechen. Denn seit ich hier in dem streng katholischen Lande lebe und seit er, die Leuchte und die Freude meines Lebens dahingegangen, mein Gatte, Moritz Lazarus, ist Schweigen mein selbsterwähltes Los . . . Schweigen und Arbeiten. Arbeit gedeiht ja am besten im Schweigen! — Aber da tritt der Vorstand der jüdischen Jugendvereine Deutschlands mit der freundlichen Bitte an mich heran, „auch einmal zu unserer jüdischen Jugend zu sprechen". — Sein Vertrauen ehrt mich. Und man soll kein Vertrauen enttäuschen. Es handelt sich um das Erlernen der hebräischen Sprache von Seiten unserer Jugend. Viel wichtiger noch, als daß die Knaben hebräisch lernen, scheint es mir, daß die Mädchen es lernen. Sie sind die künftigen Mütter. - . irnd es liegt in ihrer Hand dem Kinde einst der künftigen Generation das spätere Studium unendlich zu erleichtern. — Noch ehe das Bübchen, das Mädelchen zum Religionslehrer und Sprachmeister kommt, hat es schon von seinem Mutting, die schöne, das Auge des Kindes ergötzende Quadratschrift gelernt und viele, viele Worte! Die Dinge, die es umgeben, die lieben Haustiere, die trauten Blumen, Vögel und sonstige lustige Sachen und besonders — Gott, den Schöpfer aller Dinge kennt und nennt es in der heiligen Sprache, die ihm keine fremde, schwere, mystische. bloß angelernte mehr ist, sondern die süße Mutter spräche — hat es sie doch von der Mutter zuerst empfangen! ist es doch von der Mutter an die heiligen Laute gewöhnt worden! — Vielleicht meinen unsere Mädchen, Hebräisch wäre schwer zu erlernen? Das weiß ich wirklich nicht. Mir ist es nicht schwer geworden. Aber freilich — ich liebte das Hebräische, noch ehe ich es kannte, als die Ursprache der Bibel. Ein wenig Liebe muß wohl dabei sein . . . Sonst geht's nicht, oder nur schlecht und dann — lieber garnicht! Es wäre wie Entweihung der heiligen Sprache, sie ohne Liebe lernen zu wollen. Darf ich — (da ich in Bezug auf hebräisches Wissen keine Gelehrte bin, sondern immer nur noch eine Lernende) erzählen, wie ich, die Christin, die diesen Dingen durch Geburt, Herkommen und Erziehung völlig fern stand, doch innerhalb weniger Jahre dahin gelangte, meine geliebte Bibel in der Ursprache zu lesen? " Freilich — Lazarus begeisterte mich dazu, indem er mich ermutigte und mir eine hebräische Bibel gab: es war sein e r st e s Geschenk. — Das Erste war nun, daß ich die wundervollen, so energischen, wie in Stein gemeißelten und doch so anmutig geformten Buchstaben auf einen meterhohen Pappdeckel malte (ach! mit meldjem Vergnügen! ich muß heute noch dazu lächeln, wenn ich daran zurückdenke). — Diese Tafel hing ich in mein Wohn- und Arbeitszimmer und hatte sie so fortwährend vor Augen. Während ich als Journalistin und Novellistin, Dramatikerin und Kritikerin in jenem Jahrzehnt (1884—1894) von früh bis Mitternacht angespannt arbeitete, lernte ich spielend nebenher das hebräische Alphabet. — Dann nahm ich mir das „Lehr- und Uebungsbuch" von H. L e e s e r vor. — Nur dieses. — Da mir durchaus die Zeit fehlte zu vergleichenden Sprachstudien, ließ ich alle übrigen theoretisch-praktischen Lehrmittel völlig beiseite und konzentrierte mich einzig und allein auf dieses eine Buch, das mir ungemein klar, einfach und systematisch erschien. — Ich lernte es auswendig. Aber ich stellte mir ganz kurze Aufgaben. Zwei Vokabeln täglich: mehr nicht, denn da ich die vorhergelernten stets repetierte, wurden es ja ohnehin immer mehr. — Bald merkte ich, wie das Buch die Regeln und Hebungen erweiterte, aber indem ich mich auf wenig Neues konzentrierte und ganz streng darauf hielt, nicht weiter zu gehen, als bis ich das Gelernte ganz fest auch als mein geistiges Eigentum besaß, — stieg ich die methodis ch 1

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