Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 5 (1.5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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schaft fühlen. Ich weiß mich frei von jeder Intoleranz, meine Arbeit in unserer Bewegung zeugt dafür; aber das muß ich sagen: Wenn man einen Freitagabend veranstalten will, dann kann man keine Dinge an diesem Abend treiben, die dem Freitagabend, die dem Sabbath Hohn sprechen! Damit wird der Zweck der Freitagabende nicht erreicht; die Freitagabende können nicht so ausgestaltet werden, daß sie ebenso gut an jedem Dienstag-, Mittwoch- oder Donnerstagabend der Woche stattfinden könnt e n. Die Freitagabende sollen ja nur den Geist des Judentums vermitteln, sie sollen allen Parteien innerhalb des Judentums Raum und Lebensmöglichkeit gewähren. Ich bin glücklich, daß wir in Cöln unsere Freitagabende so gestalten konnten! Während der Sommerszeit müssen wir versuchen, die jüdische Geschichte und Literatur zu pflegen. Noch mehr jüdische Geschichte, noch mehr jüdische Literatur als bisher! Alles dies ist notwendig, um innerhalb des Vereins eine gediegene Vereinsarbeit zu leisten, das Leben ini Verein zu vertiefen, auf das es nicht verflacht. Unsere Aufgabe besteht nunmehr darin, daß wir in diese Furchen, die wir gezogen, die Fluten des Lebens bringen. Daß wir aber da nicht einseitig unserm Vaterlande gegenüberstehen, daß wir keine einseitige Ausbildung der jüdischen Jugend wollen, dafür sprechen unsere staatsbürgerlichen Kurse. In ihme n werden unsere jungen Leute zu tüchtigen Staatsbürgern erzogen, die lebendigen Anteil nehmen an der Geschichte unseres Vaterlandes. Dabei sind wir frei von jeder einseitigen Tendenzpolitik. Gerade das Bestreben, einem jeden individuell das zu geben, was ihm liegt, kann uns innerlich stark machen. Wir bieten viel, aber nicht alles ist für jeden. Ein jeder darf nur soviel davon nehmen, als er gründlich und exakt für sich verarbeiten kann. So kommen wir zum Schluß der Wintersaison, unserer eigentlichen Arbeitszeit. Viele sagen: Ter Winter ist vorüber, der So in mersch las kann beginnen! Aber nein, meine lieben Freunde! Im Sommer muß der Winter vorbereitet werden. In der Jugend lege die Früchte, damit sie im Herbst und Winter, wenn es stürmt und tost, reichliche Lcbensnahrung gewähren! Aber auch Sie, Herren des Vorstandes der einzelnen Vereine, arbeiten zur Sommerszeit, damit Sie im Winter nicht überlastet werden! Manchen können Sie im Sommer eher zum Verein heranziehen als im Winter, wo man gar zu häufig mit gesellschaftlichen Verpflichtungen und Dingen anderer Art sich überlastet wähnt. Legen Sie besonders zur Sommerszeit schon das Winterprogramm fest, auf daß Sic, wenn unsere hohen Feiertage vorbei sind, ausrufen können: „Das Feld ist beackert, der Winter kann loSgehcn!" In diesem Sinne will ich schließen. Mögen die Methoden der Arbeit, die ich Ihnen zeigte dazu beitragen, ein großes, starkes jüdisches Geschlecht hcranzuziehen! Mögen die Arbeitsmethoden insbesondere dazu dienen, harmonische Persönlichkeiten aus den einzelnen Mitgliedern heranzubilden, auf daß loahr wird an uns allen, auf daß wir alle, auch der Jüngste von uns, es lebendig empfinden: „Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit!" Zur Fra»«e»lfrage lag eine Resolution Aachen des Inhalts vor, daß mit Rücksicht auf die noch nicht genügende Klärung der Sachlage die vorläufige getrennte Konstituierung männlicher und weiblicher Jugendvereine zu empfehlen sei. Diese Resolution wurde gegen die 5 Stimmen des Aachener Mädchenvereins abgelehnt. Hingegen gelangte einstimmig ein Antrag Gotts ch a l k (Cöln) zur Annahme: „Den Verbandsvereinen wird es zur Pflicht gemacht, die weibliche jüdische Jugend mit den Verbandszielen bekannt zu machen und sie in zweckmäßig erscheinender Weise zur Organisation zu veranlassen." Der Zentralvorstand wird am 12. Mai seine Stellungnahme zu diesem Anträge kundgeben. Ohne Erörterung wurde ein Antrag O r z e g o w (Düsseldorf) gebilligt: „Der Vorstand möge in geeigneter Weise dafür sorgen, daß die Bestrebungen des Verbandes und seiner Vereine in möglichst weiten Kreisen bekannt werden; insbesondere irrtümliche Auffassungen über seine Bestrebungen und seine Tätigkeit ausgeräumt werden." Ich selbst entwickelte das positive Arbeitsprogramm der jüdischen Jugendbewegung. Ueber meine Ausführungen wie über so vieles Andere kann wegen Raummangels nichts berichtet werden. Die nächste Bezirkstagung findet in Aachen statt. Die Tagung unserer rheinischen Freunde hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Sie war bei aller jugendlichen Frische von sachlichem Ernst und von hohem Berantwortlictikeitsgefühl durchdrungen. Ich habe selten eine solch mustergültige Disziplin in Haltung und Rede angetroffen und es war gewiß keine Uebertreibung der „Kölnischen Zeitung", daß sie behauptete, „die Tagung habe die gesamte Jugendbewegung um ein beträchtliches Stück vorwärts gebracht". Mitteilungen der Geschäftsstelle. Unser 1. Vorsitzender, Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel, sprach in den letzten Monaten in folgenden VerbandSvereinen: Berlin (Propagandaversammlung), November 1911, in Kattowitz am b. November 1911, in Posen (Gründungsveriammlungk am 28. Januar 1912, Breslau, am 10. Februar 1912, Hamburg, am 18 April 1912, Neukölln, 17. April 1912, Hannover, am 20. April 1912, Magdeburg. Ferner nahm Herr Dr. Apfel an den Bezirkstagungen des Westdeutscben Bezirtsverbandes in Cöln am 23. März und deS Mitteldeutschen Bezirksverbandes in Cassel am 27. und 28. April 1912 teil. Am 5. Mai er. ist Herr Dr. Apfel in Königsberg i. Pr. Unserem Vorsitzenden war es zu seinem lebhaften Bedauern nicht möglich, die zahlreichen Berbandevereine aufzusuchcn, die darum gebeten hatten. Er sichert denjenigen Vereinen, die seinen Besuch noch in diesem Winter erwartet hatten, zu, daß er sie im Herbst in erster Linie berücksichtigen wird. Er wird sich in den nächsten Wochen mit den betreffenden Vereinen in Verbindung setzen. In der Vorstandssitzung am 12. Mai er. wird dafür Sorge getragen werden, daß möglichst alle Verbandsve>eine im Laufe des nächsten Winters von Vorstandsmitgliedern besucht werden. Wir richten jetzt schon die Aufforderung an die Verbandsvereine, ihre diesbezüglichen Wünsche umgehend der Geschäftsstelle mitzuteilen. Wir bitten dabei zu beachten, daß die ' meisten Herren nur am Sonntag abkömmlich sind. Der Berbandsvorsttzende erklärt bereits hierdurch auf das bestimmteste, daß er an anderen Tagen aus beruflichen Gründen verhinoert ist. 10