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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-05-01 · 5 (1.5.1912) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
5 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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viele neue Vereine gegründet, ist es unsere nächste Auf. gäbe, das geistige Leben in diesen Vereinen zu vertiefen. In der letzten Vvrstandssitzung haben wir beschlossen, mit der Rheinlandloge in Cöln in Verbindung zu treten, um den einzelnen Jugendvereinen eine Wanderbibliothek zur Verfügung stellen zu können. Ich glaube, das; die kleinen Vereine, die sich nicht den Luxus einer eigenen Bibliothek leisten können, mit Freuden von dieser Einrichtung Gebrauch machen werden. Die Zentralstelle in Cöln hatte außerordentlich viel zu arbeiten, und ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich an dieser Stelle namens des Vorstandes nochmals Herrn Referendar Gatzert unfern Dank ausspreche für die außerordentlich zähe Arbeit, die er geleistet hat. Jeder Tag bringt reichliche Korrespondenz, jede Woche lausen 2—3 Telegramme ein, das alles muß beantwortet werden, alle Neugründungen gehen durch die Hand des Herrn Kollegen Gatzert. Sie sehen, es ist eine enorme Arbeit, und ich spreche Herrn Gatzert hier namens des Verbandes und in unser aller Namen unfern herzlichsten Dank aus. (Lebhafter Beifall.) Viel bleibt mir nicht mehr zu sagen übrig. Noch einen Wunsch des Bezirksverbandes möchte ich zum Ausdruck bringen: Falls wir in unseren Vereinen große bedeutende Männer reden lassen wollen, soll dies rechtzeitig bekannt gegeben werden, damit >vir uns von der Zentrale aus mit denjenigen, die wir ihres Namens wegen kommen lassen, rechtzeitig in Verbindung setzen können, und nicht erst im letzten Augenblick angefragt wird; dann ist zumeist bereits die ganze Vortragsliste für den Winter besetzt. Die größeren Vereine legen bereits jetzt am Ausgang des Win. ters in großen Zügen das Programm für den nächsten Winter fest, so daß nicht mehr so ohne weiteres cingegriffen werden kann. — Es haben hier mehrfach Vorstands - sitz ungen stattgefunden, und ich kann mit großer Freude konstatieren, daß die austvärtigen Vereine besonderö Bonn, Aachen, Düsseldorf, M.-Gladbach, sich lebhaft für die Verbandsarbcit interessiert haben. Es ist mir eine angenehme Pflicht, diesen Vereinen im Namen des Verbandes meinen herzlichsten Dank auszusprechen. — Die Tnrnfrage, über die Dr. Schuster (Aachen) nusführ« licher sprechen wird, möchte ich hier kurz streifen. Neben der geistigen Arbeit darf auch die körperliche Entwicklung nicht außer acht gelassen iverden; und cs muß nach dieser Richtung energisch vorgegangen Iverden. Es ist das in großen Zügen, was ich im Namen des Vorstandes des Bczirksvcrbandcs Ihnen mitzuteilen hatte. Ich muß noch unfern Dank allen aussprechen, die uns zur Seite gestanden haben, und hoffe, Sie werden überzeugt sei», daß die Gründung des Westdeutschen Bezirksverbandes eine Notwendigkeit gewesen ist, und durch unsere heutigen Verhandlungen, wie unser ferneres Zusammenarbeiten soll immer mehr die Notwendigkeit der jüdischen Jugendbewegung dargetan werden. Ich bitte Sie bei der Kritik immer von großen Gesichtspunkten auszugchen und dadurch zu dokumentieren, daß Sie den Geist der gefaulten jüdischen Jugendbewegung bereits erfaßt haben. Ich wünsche, daß die Verhandlungen einen würdigen und guten Verlauf nehmen mögen. Ich bezwecke mit meiner Berichterstattung lediglich, die sachlich wertvollen Resultate der bedeutsamen Tagung, soweit sie in Beschlüssen festgebalten wurden, mitzuteilen. Es verdient in erster Linie hervorgehoben zu werden, daß nunmehr die brennende Frage der körperlichen Ausbildung unterer Mitglieder durch die Annahme der von Dr. Schuster namens des Aachener (männlichen) Vereins eingebrachken Resolution zur Turnfragc in Fluß gebracht worden ist. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „In den jüdischen Jugendvereincn ist die Organisation der Körperpflege, insbesondere des Turnens, wie folgt durchzuführen: 1. Den VerbandSvcreincn ist anheimzugeben, in ihren Satzungen bezw. in ihrem Arbeitsprogramm die Körperpflege, insbesondere das Turnen, als einen den geistigen und ethischen Bestrebungen gleichwertigen Punkt zum Ansdruck zu bringen. 2. Die Verbandsvereine mögen Turnausschüffe wählen, die für Einrichtnng regelmäßiger Turnabende im Sinne systematischen Turnens, für Turnspiele im Sinne volkstümlichen Turnens, und für möglichst regelmäßige Halb- und Ganztagewanderungen im Sinne von Turnfahrten, Sorge tragen. 3. Die Turnabende sind, wenn eben angängig, als eigene Veranstaltung des Vereins ins Leben zn rufen. 4. Wo bereits jüdische Turnvereine bestehen, die keine bestimmte religiöse oder politische Tendenz verfolgen, ist statt eigener Turnabende die Teilnahme an den Veranstaltungen dieser Turnvereine energisch . zn fördern. 5. Im Anschluß an das Turnen und auf den Wanderungen ist Frohsinn und Geselligkeit in zwangloser Form, insbesondere auch das deutsche Turnlied, zu pflegen. 6. Es ist durch ein als Vorturner ausgebildetes Mitglied oder in Ermangelung eines solchen durch einen bezahlten Turnwart — am zweckmäßigsten durch einen Vorturner eines allgemeinen Turnvereins - - die turnerische Erziehung, insbesondere auch die Heranbildung von Vorturnern zu leiten. 7. ES ist durch gleichzeitige Empfehlung deS Besuches allgemeiner Turnvereine seitens der geübteren Turner, sowie durch sonstige Fühlungnahme mit deren Vorständen und den allgemeinen Ausschüssen für Jugendpflege Verständnis für unsere Be» strebungen in weitere Kreise zu tragen. Insbesondere kann hier die Aufklärung darüber einsetzen, daß unsere Turnabteilungcn ebensowenig wie unsere Vereine selbst einen konfessionellen Abschluß erstreben, sondern, daß wir in unfern Verbänden ernste, erzieherische Aufgaben lösen wollen, die in interkonfessionellen Vereinen nicht gelöst werden können." Die Annahme der Resolution erfolgte einstimmig, nur gegen Punkt 7 wurde eine Stimme abgegeben Der Zentralvorstand wird in seiner Sitzung vom 12. Mai zu der Turnfrage Stellung nehmen. Es sei bemerkt, daß bereits die zweite Delegierten-Tagung auf Antrag Löwenstein (Aachen) beschlossen hatte: „Der Verbandstag empfiehlt den Verbandsvereinen, das Turnen ihrer Mitglieder eifrig zu fördern und beauftragt der Vorstand, in diesem Sinne auf die Vereine einzuwirken". (Vgl. „Mitteilung 1911, 3k. 6, S. 3, 18). Dr. Schuster begründete die Resolution folgendermaßen : „Ich möchte hervorheben, daß zu meinem persönlichen Bedauern die jüdischen Jugcndvereine bisher der Körperpflege zu wenig Beachtung geschenkt haben. Nach welchem Modus soll das Turnen gepflegt werden? Ich habe mir erlaubt eine kleine Rundfrage an sämtliche Verbandsvereinc Deutschlands zu schicken; bisher hat die Hälfte der Vereine geantwortet. Ich muß darauf verzichten, hier die Antworten im einzelnen vorzutragen, ich will sie viel, leicht gelegentlich als besonderen Aufsatz erscheinen lassen. Ich möchte Ihnen nur darstellen, wie wir in Aachen das Turnen pflegen, und wie wir speziell darüber denken, daß es andere Vereine auch pflegen möchten. Wir schreiben in unser Programm: Heranbildung von Persönlichkeiten. M. E. ist das gar nicht möglich, ohne daß auch der Körper herangebildct wird, nach dem alten Spruch: „Metis* snna in orporn sauo." Wir Juden haben in der Körperpflege nicht gleichen Schritt gehalten mit der geistigen Ausbildung, und „doch ist gerade die Körperpflege in Gestalt des Turnen- 7 —

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