Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 5 (1.5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Srphardisch oder Aschkenaftsch? Von Emil Breslauer« Kempen i. P. In dem Protokoll über die IX. Vorstandssitzung in Nr. 1 der „Milteilungen" las ick unter anderem die Mitteilung des Herrn R.-A. Nothmann-Breslau, ^daß bei Errichtung hebräiicher Sprachkurse im Breslauer Vereine die Frage erörtert worden sei, cb diese Kurse Sprach- oder Sprechkurse sein sollten. Infolge des Beschlusses, daß die hebräischen Kurse in sephardiscber (portugisiicder) Aussprache geleitet und daß sie mehr auf das hebräische Sprechen als auf ein tieferes Verständnis der heiligen Schrift abzielen sollten, sei ein sehr rühriges und eifriges Vorstandsmitglied aus dem Verein ausgetreten". Diese Mitteilung, daß der hebräische Sprachkursus in sephardischer Aussprache nicht allgemeinen Anklang findet, hat mich nicht sehr überrascht. Herr stud. math. Fritz Apt- Charlottenburg hat in Nr. 1 der Mitteilungen des vorigen Jahrganges bereits das Wort zu dieser Frage ergriffen, und zu meiner Verwunderung hat auf diese von ihm angeregte Diskussion bisher niemand von berufener Seite in den Verbandsmitteilungen geantwortet trotzdem das Thema von ungeheurer Wichtigkeit ist, nachdem der Verband seinen Vereinen die Errichtung hebräischer Sprachkurse anewpfohlen hat. — Meine persönliche unmaßgebliche Ansicht ist die Gleiche wie die des Herrn Apt, nämlich, daß in den von unseren Jugendvereinen veranstalteten hebräischen Sprachkursen einzig und allein die aschkenasische (deulscke) Aussprache gepflegt werden solle. Außer den von Herrn Apt angeführten Gründen gebe ich noch folgendes an: I. Die aschkenasische Aussprache (in ihren verschiedenen Dialekten) ist diejenige, welcbe von ca: 90 Proz. aller Juden gebraucht wird. Das Bestreben, die sepbardische Aussprache unter den anderen aschkenasischen Juden einzusühren, reicht bis etwa in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. „Damals nämlich hatte sich ein Bestreben hervorgetan, alles, was das alte Judentum der Neuzeit übrrliefert, verächtlich zu machen. Dahin glaubte man auch die Aussprache des Hebrä schen bei den deutschen Juden rechnen zu dürfen, die man im Gegensätze zu der sogen. Portugiesischen als ein korruptes Jargon verurteilte, ohne zu bedenken, wie denn doch schon die herabgeerbte grammatische Bezeichnung Komez (fDp Mundschließen) für T und Paihach (nnö Mundöffncn) für — gegen die portugiesische und für dre deutsche Aussprache zeuge." (Hirsch, Vorwort zur 2. Auflage der „Versuche.) II. Das Erlernen der hebräischen Sprache ist an und sür sich für einen, der nicht von frühester Kindheit an mit ihr etwas vertraut ist, nicht zu leicht, wenn es auch bei einiger Beharrlichkeit nicht gar zu schwierig ist. Aber ohne Zweifel wird das Erlernen wesentlich erschwert, wenn man von einer schon fast in Fleisch und Blut übergegangenen Aussprache — und ich glaube annehmen zu dürfen, daß in unseren jungen Leuten, die in der Jugend beim Religionsunterricht wenn auch nur wenig hebräisch gelernt haben, unsere aschkenasische Aussprache schon fest wurzelt — plötzlich zu einer ganz anderen übergeht. Und wir wollen doch unserer Jugend das Erlernen der hebräischen Sprache erleichtern, nicht aber noch unnötig erschweren. Bei dieser Gelegenheit möchte ich, wenn nicht dieser zweite Grund dagegen spräche, für eine von der bei uns üblichen abweichenden Ausspiache des y beim hebräischen Sprachunterricht eintreten: Das y wird bei uns bekanntlich wie ein ausgesprochen, während es grammatikalisch z. T. die Gesetze eines richtigen Konsonannten hat, also etwa wie das p. Nun wird das y in manchen Gegenden, z. B. in Holland, wie der französische Nasallaut des n in clianson, also wie ein mildes „ng" ausgesprochen, was beispielsweise die Erlernung der praktischen Anwendung der Regel von PÜ2PK2 ». a. m. sehr erleichtert. Z. B. müßte nach unserer Aussprache in 'PyM das p ohne stehen, während es nach jener, in der das y hörbar ausgesprochen wird, richtig mit IJVn versehen ist. Selbstverständlich stehe ich auf dem Standpunkte, daß die hebräische Sprache in den Kursen vornehmlich in der Absicht gepflegt werden soll, um den jungen Leuten das Eindringen in die jüdische Literatur, hauptsächlich das grundlegende altjüdische Schrifttum im Urtext zu ermöglichen. Die Zeit in den Kursen mit hebräisch Sprechen zu verbringen, ist in Anbetracht der ohnedies nur knappen für die Kurse zur Verfügung stehenden Zeit nicht sehr zu empfehlen, da weder dem Judentum noch dem Lernenden selbst hieraus in der Regel ein wesentlicher Vorteil erwächst. Wenn jedoch wirklich ausnahmsweise viel Zeit vorhanden ist, dann läßt sich allerdings auch das Hebräischsprechen pflegen. — M. E. wäre cs viel empfehlenswerter, die Lernenden auf Korrespondenz in hebräischer Sprache hinzuweisen. Dies ist viel mehr in die freie Zeit jedes Einzelnen gestellt und dient sehr zur Fortbildung. Für diesen Fall ist das Lesen einer hebräischen Zeitschrift, wenn auch nicht unbedingt erforderlich, so doch sehr empfehlenswert, weil man sich wohl auf diese Weise neuhebräische Ausdrücke am leichtesten aneignet. — Es würde mich freuen, wenn diese Zeilen eines Laien auf dem Gebiete des hebräischen Sprach-Unterrichts dazu beitragen würden, daß die jüdischen Jugendvereine, sür die dieses Gebiet ein so großes Arbeitsfeld ist, darin Ersprießlicheres leisteten als bisher. — Eine rege Aussprache über alles damit im Zusammenhang stehende, insbesondere selbstverständlich von Fachleuten, könnte für die Sache nur von Vorteil sein. Kirchrrdesprechrrrrgen. Dr. Elias Auerbach: „Palästina als Judenland". Her-usgegeven von Aitionskomilee dec Zionijilsa.en Organisation, in Kommission beim Jüdischen Verlag. Berlin und Leipzig 1912. Der Verfasser, der seit längerer Zeit als Arzt in Haifa tätig ist. spricht über die Auswanderung und Kolonisation, die jüdische Bevölkerung Paläuinas, die Sprachenfcage und Schulfrage in Palästina, die Ergebnisse der Kolonisarton und die nach Meinung de» Verfassers zu erstrebenden Ziele. Das Buch, das als Agrtatioiisbcoschüre gedacht ist, süyrt in die wichtigsten Fragen des Zionismus, soweit es sich um die bisherige und zukünftige Palüstmaarbeit handelt, em. A. hat es verstanden, alles Wissenswerte kurz zu bieten und dadurch eine recht brauchbare Schrift geschaffen. Dr. G. Gingrgangene Köcher. Der jüdische Student. Monatsschrift des Bundes jüdischer Korporationen. Herausgegeben vom Präsidium. Oeffcntliches Heft. Redaktion Erich Lohn, Bureau des B. I. E., Cparlott.vburg, Schlüteistc. 4. Dr. Felix Pcrlcs, Jüdische Skizzen. Verlag Gustav Engel, Leipzig. Protokoll des 10. Zivnisten-KongreffeS. Davis Trietsch, Patamna - Handbuch, lll. Auflage 1912. Juoischer Verlag, Berlin. — 4