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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-01-01 · 1 (1.1.1912) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
1 (1.1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Partei fragen ausgeschlossen. Wir z. B. haben in Frankfurt die extremsten Orthodoxen und Liberalen im Verein, sie arbeiten friedlich zusammen. Wir zählen jetzt 1500 Mitglieder. Betreffs der liberalen Jugendvereine erinnert Redner an unseren Vorstandsbeschluß vom 4. Dezember 1910 (s. „Mitteilungen" 1911, Nr. 1, S. 10) und stellt anheim, ob es vielleicht möglich wäre, die Herren von der liberalen Vereinigung zu beruhigen, indem man einen Beschluß fasse, daß wenn die Liberalen Rekruten werben wollen, sie dies nicht auf Kosten der neutralen Jugendbewegung tun sollen. Dr. Apfel liest den vom Vorredner erwähnten Vorstandsbeschluß nochmals vor, aus dem hervorgeht, daß jede Partei das Recht habe, die Jugend in ihrem Sinne zu beeinflussen. Es ist aber nicht wünschenswert, daß, wo eine Organisation neutraler Jugendvereine gebildet worden fei, besondere Jugendvereine gegen unseren Verband gegründet würden, und an diesem Standpunkt niüßten wir festhalten. Dr. S i m o n : Ich bin mit dem einverstanden, was Tr. Kahn vorgeschlagen hat. Es darf in keinem Verein die Erörterung von Tagesfragen ausgeschlossen werden; es ist dies unzulässig. Eine propagandistische Tätigkeit ist durch die Resolution des Herrn Dr. Brodnitz ausgeschlossen. Es heißt, unser Verein sei zionistisch, er treibe Propaganda für eine Partei. Die Herren, die zu uns kommen, wissen, daß dies der nicht der Fall ist, daß alle Vorwürfe unrichtig sind. Es wurde davon gesprochen, den Anschein nach außen hin zu vermeiden. Das geht zuweilen beim besten Willen nicht. Bei unserer letzten Versammlung im „Tiergartenhof" sprachen beispielsweise Dr. Zlocisti, Dr. Jsaac und Dr. Warschauer. Die Zusammenstellung der Redner war gegen unserem eigenen Wunsch, aber alle anderen Herren, an die wir uns gewandt hatten, hatten uns abschlägig beschieden. Die Schuld an dem Schein liegt nicht' an uns sondern an den nichtzionistischen Kreisen, die in Berlin den Jugendbundgedanken nicht genügend unterstützen, während die Zionisten in allen jüdischen Angelegenheiten stets arbeitsbereit sind. Ich muß mich gegen die Voreingenommenheit wehren, die gegen unseren Verein herrscht. Außer der letzten Propagandaversammlung battenwiruoch einefrühere, in der die Herren Verbandsvorsitzender Dr. Apfel, Dr. Klee und Dr. Walter sprachen. Herr Dr. Klee hat in seiner R-de ganz objektiv nur für den neutralen Jugendverein Propaganda gemacht. — Was die Erörterung von Tagesfragen betrifft, so meine ich, daß eine anregende Diskussion jedem erwünscht sein müßte. Was Herr Rechtsanwalt Nothmann-Brcslau erzählt hat, ist sehr wichlig. Die vercinstechnischen Schwierigkeiten sind mit der Vereinsgründung nicht erledigt, die Erhaltung des Interesses ist wichtiger und schwieriger als die Erweckung. Bezüglich der hebräischen Kurse glaubt man in unseren Kreisen, daß durch die Sprechknrse in der neuesten Methode die Teilnehmer besser gefördert werden und das Hebräische schneller erlernen. Sehr wichtig erscheint mir gleichfalls das Moment, welches Herr Geh. Justizrat Timendorfer vorgebracht hat, nämlich: die erzieherische Einwirkung auf unsere Mitglieder. Allerdings bleibt die Frage, auf welche Weise diese Aufgabe zu lösen wäre, durch Vorträge oder durch Artikel wie der in den letzten Verbandsmitteilungen von Dr. Emil Eohn erschienene. Wir haben auch inBerlin daran gedacht, eine Dezentralisierung herbeizuführen, wie es in der letzten Vorstandssitzung Dr. Kahn-Eöln vorgeschlagen hat. In Rixdorf und Charlottenburg sind bereits Jugendvereine gegründet worden, zum Teil mit Hilfe unserer Mitglieder. Wir wollen auch einen Berliner Bezirksverband gründen, obgleich der Wert eines solchen fraglich ist. Unser Wille ist der beste; wir tun nichts, was gegen die Neutralität verstößt. — Geh. Justizrat Timendorfer regt an, auch Redner liberaler Richtung zu Vorträgen im Berliner Jugendbund einzuladen, worauf Herr Brünn bemerkt, daß er bereits Herrn Prediger Lewin von der Reformgemeinde gebeten habe, im hiesigen Jugendbund einen Vortrag zu halten. Geh.Baurat Professor Dr. Landsberg berichtet, daß bei einer vor längerer Zeit stattgehabten Aussprache, bei der auch die Herren Brünn und Stein anwesend waren, die Frage angeschnitten worden sei, warum liberale Jugendvereine in den Verband nicht aufgenomme>l werden könnten. Er habe sich gesreut, hier zu hören, daß es den Vereinen Cöln und Frankfurt gelungen sei, alle Richtungen in Harmonie zusammenzuschließen, was bei uns in Berlin leider nicht möglich gewesen sei. Er müsse auch heute erklären, daß er keine Gründe einsehe, weshalb der Verband liberale Vereine nicht aufnehmen dürfe. Berlin sei so groß, daß man mit der Absicht umgehe, kleine neutrale Vereine in den verschiedenen Vororten zu gründen. Die Schwierigkeit sei aber, dieselben wirklich neutral zu gestalten. Man habe wohl die Absicht, neutral zu sein, aber die Mitglieder seien es nicht. Aus diesem Grunde wäre es besser, wenn die einzelnen Vereine in verschiedenen Gruppen arbeiteten, die sich aber dann im Verband zu gemeinsamer Arbeit zusammenschließen würden. Dr. Brodnitz: Ich bin erfreut über das, was ich von Herrn Dr. Simon gehört habe; wir müssen ihm dankbar sein, daß er sich an die Spitze des hiesigen Vereins gestellt hat. Der hiesige Jugendbund hat sehr viel Schuld auf sich geladen; es ist sehr schwer, das Vertrauen, welches er sich verscherzt hat, zurückzugewinnen. — Mit meiner Resolution wollte ich keineswegs Diskussionen über Tagesfragen ausgeschlossen wissen. Es sollen Tagesfragen in den Jugendvereinen jedoch nur in belehrender und orientierender Form behandelt werden, eine Diskussion im b e l eh ren d e n S i n n e ist zulässig. Gerade weil die Durchführung der Neutralität sehr schwer ist, wollen wir durch diese Resolution den Vereinen einen gewissen Halt geben. Die Resolution soll gleichsam auch eine authentische Interpretation des Beschlusses sein, der auf der Delegiertenverfammlung auf Antrag des Herrn Goslar gefaßt wurde. (Pause.) Schönenberg: Ich habe mich schon in Hannover gegen den Vorstandsbefchluß vom 4. 12. 1910 bezüglich des liberalen Vereins gewandt. Folgerichtig müßte man nach diesem Vorstandsbeschluß gegen alle Tenbenzvereine Vorgehen. Ich habe daher folgende Resolution beantragt: „Der Verband nimmt vom Entstehen einer jeden Organisation, die geeignet ist, die jüdische Jugend dem Judentum zu erhalten, gern Kenntnis und erwartet, daß alle diese Organisationen ihre Mitglieder veranlassen werden, sich dem Verbände anzugliedern und seine Bestrebungen zu fördern." Wir können uns mit dem Entstehen von Tendenzvereinen einverstanden erklären, solange sie unser Arbeitsprogramm nicht stören. R.-A. Will' regt an, daß die Großloge den Logön empfehlen solle, in den Jugendvereinen intensiv milzuarbeiten. Die Logen sollten sich nicht mit der materiellen Förderung oder der Hergabe ihrer Räume begnügen. Nur auf diese Weise könnte die Loge auf die gedeihliche Entwicklung der Jugendvereine wirken. Die Resolution D r. Brodnitz, die die Herren Geheimrat Timendorfer, Meyer und Dr. Kahn unterstützen, wird angenommen, die Resolution Schönenberg wird a b g e l e h n t. 12

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