Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 1 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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lehrung auf unsere Jugend wirken, damit sie in allen besseren Gesellschaften, ohne anzustoßen, verkehren könne. Maximilian Stein: Die Jugendvereine müßten an dem Neutralitätsprinzip unerschütterlich festhalten. Wohl sollen in den Jugendvereinen Tagessragen erörtertwerden, aber diezionistischenElemente müßten sich eine gewisse Einschränkung auserlegen, wenn der Zionismus zur Sprache kommt. Redner nimmt den Berliner Jugendbund in Schutz, indem er ausführt, daß der Jugendbund für die letzte Propagandaversammlung nichtzionistische Redner zu gewinnen sich bemüht habe, daß diese aber leider verhindert waren, dem Wunsche nachzukommen. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn diese Propagandaversammlung unterblieben wäre. Da der Berliner Jugendbund einmal als zionistisch verschrieen sei, müsse er jeden Schein vermeiden, um diesem Vorurteil noch neueNahrung zu geben. Wohl seien im Berliner Jugendbund in der ersten Zeit seines Bestehens manche Fehler begangen worden, jetzt aber hätten sich die Mitglieder der verschiedenen Richtungen daran gewöhnt, miteinander zu arbeiten. R.-A. N o t h m a n n - Breslau bespricht das Arbeitsprogramm des dortigen Vereins und macht darauf aufmerksam, daß die Gegenwartsfragen mehr Anziehungskraft besäßen als belehrende Vorträge. Er erzählt ferner, daß bei Errichtung hebräischer Sprachkurse im Breslauer Vereine die Frage erörtert worden sei, ob diese Kurse Sprach- oder Sprcchkurse sein sollten. Infolge des Beschlusses, daß die hebräischen Kurse in sephardischer Aussprache geleitet, und das sie mehr aus das hebräische Sprechen als auf ein tieferes Verständnis der heiligen Schrift abzielen sollten, sei ein sehr rühriges und eifriges Vorstandsmitglied aus dem Verein ausgetreten. Die Freitagabende hätten in Breslau wenig Anklang gefunden. Redner möchte sich belehren lassen, wre man die Abhaltung der Freitagabende mit Erfolg durchführen könne. R.-A. Lichtenberg betrachtet als die Hauptsache in den Vereinen die Erziehung und Bildung der Jugend. Die Vereine seien noch in der Entwicklung; man müsse auch viel Wert auf den Eindruck nach außen legen und deshalb seien bekannte propagandistische Redner der zionistischen Richtung in unseren Vereinen nicht die richtigen Redner. Das müsse zu einer falschen Neutralität führen. Es müsse ferner dafür gesorgt werden, daß die Vereine materiell sicher gestellt würden. Den noch Fernstehenden und vor allem den großen Organisationen im Judentum mühte noch in viel höherem Maße die Ueberzeugung beigebracht werden, baß die Jugendfrage viel wichtiger sei als irgend eine andere im Judentum. Redner wendet sich dann vor allem an Herrn Geh. Rat Timendorfer, in seiner Eigenschaft als Großpräsident der Logen. Nicht nur die materielle Unterstützung der Jugendvereine durch die Logen sei nötig, sondern was weit wichtiger sei, daß in den einzelnen Logen und bei ihren Mitgliedern die Bedeutung unserer Bewegung klar werde, und daß sich die Logenmitglieder vor allem durch Halten von Vorträgen rege an der Jugendvereinsarbeit beteiligten. In diesem Sinne müsse vor allem die Großloge wirken. Dr. I s i Kahn führt aus, daß im Westen die Streitfrage der Neutralität nicht vorhanden sei. Im Cölner Verein seien alle Richtungen des Judentums vereinigt. Der Cölner Verein habe einen gewaltigen Aufschwung genonimen und zähle jetzt über 1400 Mitglieder. Der Verein würde diese Höhe nicht erreicht haben, wenn nicht alle Mitglieder von dem Streben beseelt wären, das Neutralitätsprinzip durchzuführen. Für die nächste Zeit seien im Gabriel Rießer-Verein Vorträge von Liberalen, Orthodoxen, Zionisten und Antizionisten in Aussicht genommen. — Ein positives Arbeitsprogramm sei unbedingt notwendig. Man müsse sich darüber klar werden, in welcher Weise die Tagesfragen erörtert werden sollen, ohne den Bestand des Vereins durch - die Debatten zu erschüttern. — Was die Freitagabende betreffe, so habe Cöln zuerst mit ca. zehn Leuten begonnen und jetzt veranstalte der Verein k l e r n e und große Freitagabende; an den kleinen Freitagabenden erschienen ca. 80 Leute und an den großen Freitagabenden könne der große Logensaal die Besucher oft kaum fassen. — Man müsse langsam vorwärts schreiten und wenn in einem jungen Verein, wie dem Breslauer, dreißig junge Leute zu einem Arbeitsabend sich einfänden, könne man mit diesem Erfolg zufrieden sein. Als Arbeitsprogramm schlägt Redner vor: 1. Aufstellung eines Arbeitsprogrammes unter Berücksichtigung aller vereinten Richtungen; 2. die Verbreitung positiven jüdischen Wissens unter den jungen Leuten; 8. Errichtung von Kursen, in denen alle notwendigen Disziplinen gelehrt werden. 4. den jungen Leuten Gelegenheit zu geben, an sportlichen und künstlerischen Veranstaltungen teilzunehmen, sowie mit den Theatern Abkommen betreffs Preisermäßigungen zu treffen; ö. in den Debatten sollen sich die jungen Leute nicht als Gegner, sondern als Lernende gegenüberstehen. 6. Erziehung an uns selbst. Geh. Sanitätsrat M a r e tz k i: Nachdem jetzt der Verband so groß aufgebaut ist, ist es betrübend, zu sehen, daß immer noch Kinderkrankheiten Vorkommen. Wären die Fehler in dem Berliner Jugendbund nicht Sasstert, so wären auch hier alle Richtungen in Freundhaft vereinigt. Ich hoffe aber, daß die fernere Arbeit des hiesigen Vereins dem Verbände gleichfalls zum Wohl und Segen gereichen wird. Wir haben in den Logen bewiesen, daß es möglich ist, alle Richtungen zusammenzuschließen; ebenso müssen wir es in den Jugendvereinen durchzuführen suchen. Wir können Tagesfragen in den Jugendvereinen in bildender und belehrender Weise behandeln lassen. Der Verband hat außerdem auf sozialem Gebiet viel zu tun und dürfte gerade bei dieser Arbeit große Befriedigung finden. — Eine sehrbrennende Frage dürfte jetzt die Berufswahl der Jugend sein, und auch die Organisation der Mädchenvereine muß vom Verbände in der nächsten Zeit unbedingt in die Hand genommen werden. Dr. Apfel: Wir sind im Verbände neutral, und auch in fast allen unseren Jugendvereinen herrscht, soweit wir es übersehen können, Einigkeit. Wir haben alle Skeptiker zum Schweigen gebracht. Der Berliner Jugendbund allerdings hat, wie der verehrte Vorredner sagte, im Anfang seines Bestehens manchen Fehler gemacht, aber man muß zugeben, daß auch er sich jetzt bemüht, ein neutraler Jugendverein zu sein. Es wird beschlossen, die Frage der Berufswahl auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung zu setzen. Felix Meyer-Frankfurt a. M.: Wir sind, von all den Differenzen, die in Berlin stattfanden, verschont geblieben. Wir haben an dem starren Neutralitätsprinzip festgehalten und sind trotzdem weit gekommen, unser Statut hat jede Erörterung politischer oder religiöser 11