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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-01-01 · 1 (1.1.1912) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
1 (1.1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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(Frr Dr. Kahn hat mit besonderer Wärme von den kleinen Vereinen und ihrer Förderung gesprochen. Dem stimme ich ganz zu. Die kleinen Vereine sind nicht darum klein, weil sie wenig leisten wollen, sondern weil sie keine Möglichkeit haben, mehr zu leisten. Die kleinen Vereine haben mit viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als die Vereine an großen Plätzen. Ich schätze beispielsweise die Arbeit in Geestemünde relativ viel höher ein als z. B. die in Hannover oder einer anderen Großgemeinde und bitte daher den Verbandsvorstand, eine Entschließung zu fassen, dahingehend, daß Len kleineren Vereinen in den Bezirksverbänden Lie gleiche Stellung zuteil wird wie Len großen. Die Bezirksverbände können nicht überall in gleicher Weise arbeiten. Wir in Hannover z. B. sind von den einzelnen Orten viel weiter entfernt als die Cölner Herren. Redner bittet, den geschäftsführendcn Vorsitzenden des Nordwestdeutschen Beziiksverbandcs, Herrn Zacharias-Bremen, die Förderung des Vereins Bremerhaven-Geestemünde ans Herz zu legen, denn cs sei viel wichtiger, bestehende schwache Vereine, die ursprünglich einmal gut florierten, zu halten und wieder zu kräftigen, als neue zu begründen. Redner begrüßt sodann mit ganz besonderer Freude die Gründung des Vereins Hildeshei in, in einer vor allem qualitativ außerordentlich blühenden Gemeinde. Durch die lokalen Verhältnisse sei cs jedoch in Hildesheim sehr schwierig gewesen, einen Verein zu begründen trotz andauernder Propaganda seitens des Heirn Dr. Regensburger und des Redners. Nun aber sei aus eigener Kraft und tatkräftiger Arbeit einzelner Hildesheimer vor einigen Tagen ein Verein mit ca. 130 Mitgliedern ins Leben gerufen, der zu den besten Hoffnungen berechtigt. Redner bedauert cs bei dieser Gelegenheit ungemein, daß einen Tag nach Begründung des Vereins Herr Oberlehrer Schönemann-Hannover gelegentlich eines Vortrages in Hildesheim im „Kaufmännischen Verein" sich wenig günstig über die Jugendbewegung geäußert habe, trotzdem gerade die Existenz dieses nur aus jüdischen Herren bestehenden Vereins die Gründung eines Jugendvereius in Hildesheim außerordentlich erschwert habe, und nur durch unablässige Arbeit cin friedlicher Ausgleich mit diesem Verein schließlich erreicht sei, sodaß er nunmehr der Gründung des Jugendvereins nicht mehr antipathisch gegenüberstehe. Redner bespricht sodann die Bezirkstagung i n B r e m e n, die eine großeKundgebung für die Jugendbewegung war; die ganze Gemeinde habe an dieser Tagung mit großem Interesse teilgenommen. Daß der Nordwestdeutsche Bezirksverband bisher noch nicht allzuviel geleistet habe, liege an der schwachen finanziellen Lage und an den durch die großen örtlichen Entfernungen und die Kleinheit der Gemeinden besonders schwierigen lokalen Verhältnissen. Dennoch stimmt Redner mit Dr. Kahn darin überein, daß die Bezirksverbände überall durchaus notwendig seien. Der Vorsitzende dankt R.-A. Lichtenberg für seinen Bericht und bestätigt die Angaben von der Bezirkstagung. Die Versammlung sei überaus interessant verlaufen, auch das Referat des Frl. Berliner habe viel zum Gelingen der Tagung beigetragen. Insbesondere erfreulich sei die Mitarbeit kleinerer Vereine, wie Emden, Aurich rc. gewesen. Zum Schluß bittet Dr. Apfel die Bezirksverbände, für eine Erhöhung der Abonnentenzahl auf die „Mitteilurmen" Sorge zu tragen. Refer. Dr. Regensburger, der den Bericht über die Neugründung in Hildesheim ergänzt, meint, wenn die Bezirksverbände überhaupt eine Existenzberechtigung hätten, so müsse ihre Hauptaufgabe darin bestehen, sich der kleinen und schwachen Vereine anzunehmen, besonders derjenigen, die ständig zwischen Leben und Sterben schweben. Dr. S i m o n wendet sich dagegen, daß man einen von Herrn Oberlehrer Schönemann begangenen Fehler den Zionisten zur Last legen wolle. Es müsse anerkannt werden, daß die Zionisten mit geringen Ausnahmen gern in den neutralen Jugendvereinen Mitarbeiten. Dr. Apfel stimmt den Ausführungen des Vorredners zu, daß man nicht verallgemeinern dürfe. Die Entgleisung des zionistischenBcgrützungsredners in Bremen sowie das Verhalten des Oberlehrer Schönemann in Hildeshcim sei selbst von den Gesinnungsgenossen dieser Herren verurteilt worden. R.-A. Dr. B r o d n i tz: Selbstverständlich ist es, daß man Fehler einzelner nicht verallgemeinern darf, wenn aber die Frage des Berliner Jugendbundes immer und immer wieder hier angeschnitten wird, so ist das von symptomatischer Bedeutung. Ich will nicht auf einzelne Fälle eingehen und alles, was geschehen ist, den Zionisten zur Last legen, aber man hat bisher schlechte Erfahrungen gemacht, und ich kann es deshalb verstehen, daß man nach dem bisherigen.Verhalten der Zionisten kein Vertrauen zu ihrer Neutralität hat. Ich lege Wert darauf, daß in allen zionistischen Kreisen mit der N e u t r a l i t ä t ernst gemacht wird. Es werden m. E. zuviel Tagesfragen erörtert, die nicht in die Jugendvereine hineingehören. Diese sollen Bildungsstätten sein, in denen die jungen Leute viel Wissen in sich aufnehmen; nachher kann sich der junge Mann entwickeln, wozu er will. Ich unterbreite vaher folgende Resolution: Tagesfragen (wie Zionismus, Orthodoxie und Liberalismus im Judentum) sind in Jugendvereinen nur in belehrender und orientierender Weise zu behandeln. Propaganbistische Erörterungen auf diesem Gebiete sind auszuschließen. Die Jugendvereine müssen sich stets vor Augen halten, daß sie Bildungs- und Erziehungsstätten sind, die nicht im Dienste irgend einer Tagesbewegung stehen dürfen. Geh. Justizrat Timendorfer: Das Wichtigste 'für die Jugendcereine ist das Arbeitsprogramm, dasselbe wird den Vereinen auch die Richtlinien geben, was sie tun, und was sie lassen sollen. Wenn d>e Jugendvereine auf die Unterstützung der Großloge rechnen wollen, müssen sie vor allem an dem Neutralitätsprinzip festhalten. Die Großloge ist nur für gemischte Vereine, weil sie der Ansicht ist, baß man die Jugend nicht schon in frühester Zeit in liberale, orthodoxe oder zionistische Lager zerklüften dürfe. Ich hätte es gern gesehen, daß einer der Führer der liberalen Richtung an einer solchen Sitzung teilnehmen würde. Man behauptet nämlich von liberaler Seite, daß der Berliner Jugendbund zionistisch sei, und daß die Zionisten zu wenig rücksichtsvoll gegen andere Anschauungen feien. Die Vereine dürfen nicht vergessen, daß sie eine große Sache zu vertreten haben. Ich bin mit Freuden der Einladung zu der heutigen Sitzung gefolgt, und ich bin, nach dem Gehörten, überzeugt, daß die Jugendvereine von den Kinderkrankheiten bald genesen werden. — Redner bittet, in das Arbeitsprogramm für die einzelnen Vereine auch erziehliche Aufgaben aufzunehmen. Er habe gelegentlich einer Festlichkeit eines Vereins junge Leute im Konzertsaal während der Vorführungen rauchen und dann in unmanierlicher Weise tanzen sehen, was auf ihn einen deprimierenden Eindruck gemacht habe. Gerade in einem solchen Verein müßte man durch freundliche Be- 10

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