Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 1 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Uerbands-Nachrichteii. Protokoll über die IX. Uorftandssitzung. Berlin, den S8. November 1911, in den Logenräumen, Wilhelmstraße 118. 9^/2 Uhr vormittags. Anwesend sind: 1. R.-A. Dr. Apfel (1. Vorsitzender). 2. Dr. Simon, Schönenberg und Abrahamsohn (Jugdb. Berlin). 3. R.-Ä. Nothmann (Jugdv. Breslau). 4. Referendar Dr. Regensburger (Jugdb. Braunschweig). 5. Referendar Dr. Ist Kahn (Gabriel Riesser-Verein, Cöln). 6. Felix Meyer (Montefiore-Verein, Frankfurt a.M.). 7. R.-A. Lichtenberg (Jugdv. Hannover). 8. vr. meci. Bloch (Jugdv. Straßburg i. Elf.). 9. Rechtsanwalt Will (Jugdv. Thorn). 10. Geh. Justizrat Timendorfer, Geh. Sanitätsrat Maretzki und Direktor Maximilian Stein (Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B.). 11. R.-A. Dr. Brodnitz (Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens). 12. Geh. Banrat Prof. Dr. Landsberg (Deutsch- Israelitischer Gemeindebund). 13. Siegfried Brünn als Gast. 14. Frl. stud. rer. pol. Cora Berliner als Gast. 15. Dr. Finkel, Berlin (Geschäftsführer). Der Verbandsvorsitzende Dr. Apfel eröffnet die Sitzung und begrüßt die Vertreter der Organisationen und Vorstandsvereine wie die als Gäste Anwesenden, die mit dem Erscheinen zu der heutigen Sitzung von neuem den Beweis geliefert haben, wie sehr ihnen die Jugendbewegung am Herzen liege, und welches Interesse sie unseren Arbeiten entgegenbrächten. Insbesondere begrüßt Dr. Apfel Frl. Berliner, die zu der Sitzung hinzugezogen wurde, um über die Organisation der weiblichen jüdischen Jugend zu berichten. Der Vorsitzende erteilt den Referenten über die Bezirk s v e r b ä n d e das Wort und bittet, nach folgender Reihenfolge zu berichten: Zusammensetzung, Propaganda, schwache Vereine und Vorschläge. Referendar Dr. Jsi Kahn-Cöln begrüßt es mit Freuden, daß heute Gelegenheit geboten sei, sich auch in der Vorstandssitzung über die Bezirksverbände ausznsprechen, da dieselben von außerordentlicher Wichtigkeit für die Jugendbewegung seien. In Westdeutschland, führt der Redner aus, sind in letzter Zeit durch uns viele neue Vereine entstanden. Wir haben angeregt, daß sämtliche Vereine bis nach Westfalen und südwärts bis Frankfurt a. M. soweit es die Arbeitsinteressen des Bezirksverbandes zulassen, dem Bezirksverbande angegliedert werden. Der Westdeutsche Bezirksverband zählt bis jetzt ca. zwölf Vereine und wir hoffen bald noch einige kleinere Vereine heranzuziehen. Wir haben in Cöln die Zentralstelle, wo Herr Referendar G a tz e r t sich außerordentlich der Sache widmet und mit Arbeiten fast überlastet ist. Damit bei Neugründungen keine Fehler begangen werden, hat unser Vorstand beschlossen, alle Neugründungen an den verschiedenen in Betracht kommenden Plätzen nur durch den Verband bewirken zu lasten. In der letzten Zeit haben wir drei neue Vereine gegründet. Wir treiben eine vorzügliche Propaganda; es fehlt uns nur ein einheitliches A r b e i t s p r 0 g r a m m. Ich habe daher diesen Punkt auf die heutige Tagesordnung setzen lasten. Wir müssen ein Arbeitsprogramm, insbesondere für die kleinen Vereine haben; denn sie wissen in der Regel nicht, in welcher Weise sie arbeiten sollen. In den kleinen Vereinen oder auf dem platten Lande, zeigt cs sich geradezu mit überwältigender Deutlichkeit, wie notwendig unsere Bewegung ist. Wir sind bei unserer Tätigkeit auf Dinge gestoßen, die man gar nicht für möglich halten sollte; die Leute haben sozusagen eine Sucht, einen Heißhunger, sich in unseren Jugendvereinen weiter zu bilden. Um die einzelnen Ortschaften mit unserer Tendenz genauer bekannt zu machen, haben wir ein Flugblatt herausgegeben, das wir der Zentralleitung in mehreren Exemplaren ebenfalls übersandt haben und das heute hier ausliegt. Um den jungen Leuten auch an solch kleineren Plätzen, an denen Wege» der geringen Zahl Jugendvereine nicht zu halten sind, Gelegenheit zu geben, sich weiter fortzubilden, habe ich vorgeschlagen, Z w e ckverbände zu begründen, d. h. einige Plätze zusammenzulegen und abwechselnd an einem dieser Orte alle drei Wochen interessante Referate historischen bezw. jüdischen Inhalts halten zu lassen. Gerade an den kleinen Plätzen fehlt den jungen Leuten die Anregung und die notwendigsten Kenntnisse auf jüdischem Gebiete. Es wäre empfehlenswert, einen vom Verband angestellten Herrn herumreisen und alle 14 Tage Vorträge halten zu lassen. In Cöln finden keine größeren. Vorträge oder Festlichkeiten statt, zu denen wir nicht die Mitglieder der angeschlossenen benachbarten Vereine ein laden. — Um unsere Nachbarvereine noch mehr zu fördern, haben wir eine Rednerliste veröffentlicht, in der sich 30—40 Damen und Herren den kleinen Vereinen zur Verfügung stellen. Für die im März 1912 in Aussicht genommene Bezirkstagung haben wir hauptsächlich die schwachen Vereine zu Referenten bestimmt, um gerade ihnen Gelegenheit zur Betätigung zu geben. Was wir in Cöln selbst geleistet haben, erfahren Sie aus einem Bericht in der'Dezember-Nummer der „Mitleilungen". Wir stehen auf dem Standpunkt, daß zunächst die Ignoranz, die leider bei unserer Jugend noch in großem Maße anzutreffen ist, beseitigt werden muß. Wenn unö das nicht gelingt, dann ist unsere Arbeit vergeblich. Eine unserer Hauptaufgaben ist daher, positives W i s i e» zu verbreiten. Wir dürfen hier sagen, daß wir in Cöln eine erstaunlich große Mitgliederzahl in den letzten Wochen erworben haben. — n Ich hoffe, daß Ihre allgemeine Ansicht dahin geht, daß die 'B ez ir ks v e r b ä n d e du r ch a u ö notwendig sind. Der Vorsitzende dankt dem Redner für die Ausführungen und bezeichnet die Arbeit des Westdeutschen Bezirksverbandes als geradezu mustergültig. R.-A. L i ch t e n b e r g - Hannover, der über den Nordwestdeutschen Bezirksverband referiert, führt aue: 9