Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 1 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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' Dr. Felix Theilhabcr: „Der Untergang der deutschen Juden", eine volkswirtschaftliche Studie, München, 1911, Verlag Ernst Reinhardt. Theilhaber versucht in seinem Buche nachzuweisen, daß die deutschen Juden allmählich verschwinden werden, wenn ihre Entwickelung den jetzt eingeschlagenen Weg nimmt; daß sich schon deutlich ein Rückgang zeige. Die Ursachen dafür seien geringe Fruchtbarkeit, Taufe und Mischehe; der wahre Zustand wird nach Ansicht Theilhabers dadurch verdeckt, daß Juden von anderen Ländern zuströmen und die Zahl der in Deutschland befindlichen Juden vermehren. Am meisten interessiert das, was er über die Fruchtbarkeit sagt. Denn die anderen Momente, die den Niedergang herbeiführen sollen, hängen von dem Wollen des einzelnen ab, von seiner Stellung zum Judentum. Diese Ziffern könnten leicht geändert werden, wenn man den Juden geistig beeinflußt, ihm eine andere Anschauung über sich und sein Verhältnis zu den Juden beibringt. Anders ist es mit der Fruchtbarkeit. Wenn zwar diese geringe Fruchtbarkeit letzten Endes auch in äußeren, wirtschaftlichen Einflüssen ihren Grund hat, so bringen diese mit der Zeit eine Wesensveränderung hervor. Hier könnte nur dann Abhilfe geschaffen werden, wenn man die Juden in eine andere Umgebung, vor allem heraus aus der Stadt bringt. Theilhabers Ansichten sind von verschiedener Seite angegriffen worden?) Es mag richtig sein, daß diese oder jene Zahl und der eine oder der andere Schluß nicht ganz richtig sind. Das würde aber den Wert seines Buches nur zum kleinsten Teil vermindern. Denn der liegt nicht so sehr in dem, was er sagt, wie darin, wie er es sagt. Man fühlt hinter den trockenen Zahlen eine Persönlichkeit, die an dem Stoffe mit größter Liebe hängt, und das überträgt sich auch auf den Leser. Das Buch wird mehr als sonst ein statistisches Werk jeden anregen, sich mit dem dort behandelten Problem zu beschäftigen. Darum möchte ich wünschen, daß jeder, der über die Zukunft der Juden nachdenkt, die Schrift liest. _ Or. Gerson. „Mysteriös" oder „Der krumme Moses". Von Dr. S. Meyer, Rcgensburg. Verlag der Deuisch-JSraelttischen Zeitung, Regensburg. II. Auflage. Das Buch, welches bereits in zweiter Auflage erschienen ist, schildert in schlichter, oft humoristischer Weise das Leben und die Verhältnisse in einer größeren jüdischen Landgemeinde im 19. Jahrhundert. Derartige Gemeinden sind jetzt nur noch selten anzutreffen und werden wohl in nicht allzuferner Zeit völlig verschwinden. Beim Lesen des Büchleins dürfte sich mancher durch die warme, lebhafte Schilderung des Lebens dieser Gemeinde mit seinen Freuden und Leiden einzelner Gestalten und Erlebnisse seiner frühesten Jugendzeit erinnern. Daher ist es wünschenswert, daß das Buch durch seine natürliche Darstellung jüdischer Kultur aus dem vorigen Jahrhnndert und durch seinen Humor in allen Kreisen gebührende Würdigung findet. H. (Jl. Cingrgangene Kocher. Dr. I. Weigl: „DasJ u d e n t u tu". Verlag I. Guttentag, Verlagsbuchhandlung G. m. b. H., Berlin, 1911. Daviet Trictsch: Deutschland und der Islam, eine weltpolitiiche Siuüie. Orient-Verlag Berlin. Preis: M. 1.—. Antisemiten-Lpiegel. Herausgegeben im Aufträge des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus von E u r t B ü r g e r. Preis: geb. M. 4.—. Notizen. Herr Dr. M. B r a n n, Dozent des Jüd. theol. Seminars^ in Breslau, hat uns anläßlich der Nebersendung unserer „Mitteilungen" für die Bibliothek des Seminars gedankt und der Jugendbewegung sowie unserem Verbandsorgan seine Sympathie ausgesprochen. Einige Sätze aus dem Schreiben des rühmlichst bekannten Gelehrten mögen hier folgen: „Wenn ich persönlich noch ein Wort hinzufügen darf, so ist es die Bemerkung, daß ich mein Versprechen, gelegentlich für die „Mitteilungen" ein Aussätzchen zu schreiben, nicht vergessen habe. Nur bin ich durch die außerordentliche Ueberlastung mit anderweitigen literarischen Verpflichtungen bisher außerstande gewesen, die Zusage zu erfüllen. Sobald ich etwas freier bin, will ich daran denken, mein Wort einzulösen. Nichts kann mir erwünschter sein als die Gelegenheit, zu weiten Kreisen der jüdischen Jugend zu reden." Jüdischer Volksliederabend in Berlin. Die Redaktion der Zeitschrift „Ost und West" veranstaltete am 10. Dezember einen jüdischen Volksliederabend im Saale der „Gesellschaft der Freunde", der von der russisch-jüdischen Kolonie, aber auch von bekannten jüdischen Persönlichkeiten gut besucht war. Die Lieder, die die bekannten Musiker Bogumil Z e p l e r und Arno Nadel bearbeitet haben, und die wir an diesem Abend auf uns haben wirken lassen dürfen, sind dem jüdischen Leserkreise aus beit Veröffentlichungen in „Ost und West" zum Teil bekannt. Als Interpreten dieser einfachen wehmütigen und anheimelnden Musik haben reichen Beifall geerntet: Frl. Bella Falk, der bekannte Tenorist Leo G o l l a n i n und der begabte Cellist Gottfried S z k o l n y , der in Rußland übliche Hochzeits melodien vorlrug. Besonders ergreifend war das Lied „Aheim", das manchem der Zuhörer Tränen entlockte. Dem westeuropäischen Publikum haben die Lieder: „Alef Beiß", „Im Beiß Hamildosch" und „Freitag aus der Nacht" besonders gefallen. Dem Veranstalter des Liederabends, Herrn Leo Winz, wäre zu empfehlen, seine Sammlertätigkeit auf die jüdischen Volkslieder aus G a l i z i e n auszudehnen, die zum Teil in den „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde" von Dr. M. Grün« wald veröffentlicht worden sind, sowie auf die in Galizien bekannten Hochzeitsmelodien. Die beiden Mustkerfamilten in Ostgalizien, die Familie Weingarten (Czortkower Klesmer) in Brody und die Familie Wolfsthal (Tysmenicer Klesmer) in Tarnopol haben sehr anmutige, ergreifende Weisen für das Besingen der Braut, das sogen. Bedecken, u. bergt, m. besessen. — Eine Wiederholung eines solchen Liederabends könnte in Berlin und in anderen Städten versucht werden; der Erfolg dürfle nicht ausbleiben. ek. Aus den „Mitteilungen der Organisation für hebräische Sprache und Kultur", Zentralbüro: Berlin-Charlottenburg, Kantstr, 98, entnehmen wir, daß diese Organisation sich z. Z. mit der Ausarbeitung einer geeigneten hebräischen Lehrmethode in der Form von Unterrichtsbrief e n für die Juden in Westeuropa befaßt. Von den jüngsten Neuerscheinungen auf dem Gebiete des (hebräischen Büchermarktes seien u. a. besonders erwähnt die Ausgabe sämtlicher Gedichte von Tschernichowski (Vertag „Haschiloah", Odessa); der 3. Band des großen „Millon" von Ben-Jehuda; der 1. Band einer hebräischen Tolstoi-Ausgabe (Verlag „Misrach umaarab“, Wilna); der 6. Band der Enzyklopädie „Ozar Jisrael" in New-Uork, sowie der 2. Band der gesammelten hebräischen Schriften von Mendel e Mocher Seforim (Verlag „Moriah", Odessa). *) Siehe September- und Dezemberheft der Zeitschrift „Jnr Deutschen Reich" und November-Nummer der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden" Seile 162. D- Red. 8