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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-01-01 · 1 (1.1.1912) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
1 (1.1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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wirkte er durch seine jüdisch-historischen Romane und Novellen, die die interessantesten Epochen unserer Geschichte in anziehender Weise schilderten, so z. B. die Zeit unserer Größe an den maurischen Höfen in Spanien, „Hispania und Jerusalem"! das Suchen und Finden »euer Heimatsstätten nach der Vertreibung aus Spanien und Portugal, „Jacob Tirado"; die letzten schweren Zeiten des Ringens um staatliche Selbständigkeit, „Sepphorts und Rom". Alle diese Werke, wie auch jüdisch-historische Dramen, wurden in viele fremde Sprachen übersetzt und waren von tief einschneidendem Erfolg auf empfängliche Gemüter. Philippson wirkte 30 Jahre in Magdeburg als Rabbiner mit heißer Begeisterung. Seine Predigten wurden gedruckt und in kleinen Gemeinden ohne Seelsorger an Sabbat und Fest verlesen. Doch ein zunehmendes Augenleiden zwang ihn, erst 50 Jahre alt, seine liebgewordene Stellung aufzugeben und sich nach Bonn zurückzuziehen. Aber die Arbeit für sein Volk rastete nicht; fast des Augenlichts beraubt, kämpfte er unablässig für Judas Rechte in Nord und Süd; so im preußischen Landtage, als man wagte, die politischen Rechte der Juden zu vernichten, und, Gott sei Dank, mit Erfolg; so für die russischen und rumänischen Juden, leider oft ohne Frucht; so beim Papst und an weltlichen Thronen. Sein Name war Symbol des gemäßigten Fortschritts auf historischer Basis. So kam das Alter; aber der abgeklärte Weise rastete nicht, bis ihm der Tod mitten im rüstigen Schaffen still die Feder aus der Hand nahm und ihm nach feierlich schöner Sabbateinweihung im Kreise seiner Lieben aller Erdensorge enthob. Das Gebet noch auf den Lippen ging er dahin, am 29. Dezember 1889, gerade 78 Jahre alt. Seine Bahre umstanden würdige Rabbiner, und edle, treue Worte wurden ihm nachgesandt in die stille Gruft auf dem Friedhofe zu Bonn. Die Zeitungen aller Schattieryngen feierten sein Andenken und würdigten sein Lebenswerk. kr. vr. C.—P. Rundschau. In beit nächsten Wochen wird im Deutschen Reiche die Hochflut der W a hl beweg un g einsetzen. Die reifere Jugend unserer Glaubensgemeinschuft tvird den diesmaligen Wahlvorgüngen wahrscheinlich mit noch lebhafterem Interesse folgen, als dies früher der Fall gewesen sein tnag. Wie nientals vorher eine Wahl seil Jahrzehnten kamt die diesmalige, die am 12. Januar des irächsten Jahres stattfindet, auch für die Zukunft der staatsbürgerlichen Stellung der deutschen Inden eilte schicksalsschwere iverden. Es kann keittesfalls schaden, wenn auch die junge jüdische Welt Die Bedeutung dieses politischen Ereignisses für unsere Gemeinschaft kennen lernt und sich ihrer bewußt tvird. Es handelt sich um ilichts tveniger dabei, als um die aussichtsvolle Niederwerfung jener politischen Partei, die den ausschlaggebendsten Einfluß auf die Regierung und den Kurs unserer inneren Politik ausübt. Dem überragendett Einfluß dieser Partei, durch deren Anhänger fast alle leitenden Stellen des Staates besetzt sind, ist es zuzuschrciben, inehr als allen der vielen Gruppeit und Grüppchen der sogenannten reinen antisemitischen, daß man 'jetzt hundert I ahre nach Einführung der Juden - emanzipation uns noch immer das Vollmaß unserer bürgerlichen Gleichberechtigung vorenthält, daß alle die Bestrebungen unserer großen Organisationen, uns die Gleichwertung im Staatsleben zu erkämpfen, bisher ohne entscheidenden Erfolg geblieben sind. Die diesmaligeit Reichstagswahlen, die ein wenigstens in der Mehrzahl der Fälle einheitliches taktisches Vorgehen aller Parteien von den Nationalliberalen bis zit den Sozialdemokraten gegen die agrarischen Konservativen erwarten lassen, finden nun unter den möglichst günstigsten Auspizien einer allgenteinett Mißstimmung der breitesten Volksmassen gegen das konservativ - reaktionäre Regime statt, das sich freilich der Unterstützung des mächtigen Zentrums erfreut. Trotzdem sind die Aussichtett, die unseren Rechtsforderungen widerstrebenden machtvollsten Kräfte in ihrem Lebensnerv zu treffen, diesmal günstiger denn je, tntb das rechtfertigt es, daß das Interesse unserer Jugend an diesen Vorgängen unseres öffentlichen Lebens nicht achtlos vorübergehen soll. Das deutsche innerjüdische Leben wurde in der letzten Zeit vorzugsweise berührt von der endgültigen Gestaltung des A n g e st ell t en v ers i ch etutt g sgesetzes, dessen Einwirkungen auf die Gemeinden und von der Frage der Statutenänderung des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes" lvie der Abschaffung der allgemeinen Wahlen in unserer großen jüdischen Weltorganisation, der „Alliance Israelite Universelle“. Das Angestelltenversicherungsgesetz, von dem ziveifellos sehr viele unserer Jugendvereinsmitglicder betroffen werden und über dessen tvesentlichste Bestintmutigen tvohl auch ein großer Teil unserer Leser unterrichtet ist, wäre freudig zu begrüßen, wenn durch dasselbe in der Tat eilte halbwegs befriedigende Versorgung unserer Kultnsbeamtenschaft herbeigeführt würde. Die Leistungen der staatlichen Kasse aber bleiben, wie bekannt, hinter diesen berechtigten Ansprüchen, was aber iticht verhindern .sollte, es freudig zu begrüßen, als hier nun wenigstens ein A n f a n g auf dem Gebiete der Sozialfürsorge für das Alter und die Invalidität unserer Kultusbeamten gemacht wird. Um für die gleichen Beiträge, lvie sie die staatliche Versicherungsanstalt einfordert, höhere Rettten und sonstige Vorteile den Versicherten zuznwenden, hat man sich sehr stark, besonders in den Kreisen der jüdischen Lehrerschaft und ün Deutsch-Israelitischen Geuteindebutid bemüht, eine besondere Kasse, eine sogenannte Ersatzkasse für die jüdischen Kultnsbeamten zu schaffen. Am 2. Januar soll nun hier in Berlin eine Tagung der beteiligten Kreise stattfinden, in der die Frage einer besonderen Kasse und die rechtliche Möglichkeit der Schaffung einer solchen erörtert und ntöglichst gelöst tverdett soll. Für den Etat der kleinett und tveniger leistungsfähigeit Getneindett bedeutet die 4

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