Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 2 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492456-6352313-6352585--1111-4929238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Chemnitzer Gemeinde ist Heil widerfahren! Man hat einen JJV. 1932 gegründet. Wenn diese Gründung nicht so traurig wäre, würde sie beinahe lächerlich wirken* Zur besseren Charakterisierung sei nur angeführt, daß man grundsätzlich zu innerjüdischen politischen Fragen keine Stellung nimmt. Palästinaaufbau hat nicht zu existieren, das Wahlrecht in Chemnitz scheint so herrvorragend zu sein, daß nichts dagegen einzuwenden ist. Politische Diskussionen sind streng verpönt, ein klares Programm existiert nicht, man steckt in jeder Beziehung den Kopf in den Sand. Aber für Chemnitz scheint es zu genügen, wenn man Bälle veranstaltet, die von 400 Personen besucht sind, während draußen die jüdischen Friedhöfe zerstört werden. Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, daß der Verband mit diesem Verein nicht das geringste zu tun hat, C. F. Der Jüdische Jugend verein Halle bittet uns um Vcr öflcnl lieh jnjj folgender Notiz: Ein Kapitel aar praktischen Gemeindearbeit! Alle, die es einmal versacht haben, diesen wesentlichen Punkt unseres Verbandsprogrammcs Tat werden zu lassen, werden es empfunden haben, wie wenige Menschen der Gemeinde Verständnis für unsere Forderungen haben, wie wenigen wir überhaupt bis heute unsere Gedankengänge auf* /uzeigen in der Lage waren. Meist ist es Mangel so Gelegenheit, sich zu .-uDcrn, die Menschen, auf die es ankommt, sind und bleiben uns ui»- (.rrcichbar. Wenige von uns sind schon so weit in den Ideen unseres Verbandes gefestigt, daß sie diese anderen mitteilen konnten. Unser Mitarbeiterstamm ist zu klein, als daß wir — Jeder ein Sokrates _ durch persönliche Fühlungnahme und Beredsamkeit — einen nach dem anderen zum Prosclytcn machen könnten. w ir können auch nicht warten, bis wir eine Generation in unseren Reihen zu ,,Gesamt juden" erzogen haben. Schon jetzt müssen wir Außenpolitik treiben, auch wenn wir davon über« zeugt sii.d, daß die Innenarbeit im Verband beute noch erste und heiligste Aufgabe sein muß, um unsere Menschen für unsere Idee reif zu machen. Der Jüdische Jugendbund in Halle hat aus diesen Erkenntnissen beraus versucht, auf die Mitglieder der Gemeinde einen Einfluß zu gewinnen, in dem er sich ein eigenes Gcmcindcblatt geschaffen hat. Die örtlichen Verhältnisse bedingten es, daß uns keine Gelegenheit gegeben war, unsere Forderungen zur Geracindearbeit im offiziellen Organ der Gemeinde zu vertreten. Leider mußten wir nach dem Erscheinen der ersten Nummer und nach ergebnislosen Verhandlungen mit der Gemeinde und anderen Jugendorgan isationet* über die gemeinsame Finanzierung die Arbeit einstellen; wir sind aber nach wie vor der Ansicht, daß diese zweifellos wirksamste Beeinflussung durch eine eigene Presse eine der praktisch durchzuführenden Aufgaben unseres Verbandes ist. Dieser ~ Umstand veranlaßt uns, an dw Verein« und Bünde die Aufforderung zu richten, in ihrer Gemeinde zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, zusammen mit uns ein monatlich erscheinendes Blatt zu finanzieren. Wir bitten Euch, uns gegebenenfalls Aufgaben über die Anzahl der für Eure Gemeinde notwendigen Exemplare und über die Höhe eines Euch erträglichen Kostenzuschusses zu machen. Nach Eingang Eurer Antworten werden wir das Material zusammenstellen und Euch über die praktische Durchführung unterrichten. Jüdischer Jugendbuod Ball«. Ernst Strauß, Grälestraße 6. Adressenänderungen Beirat: Studienrat Levy Wolff, Köln, BismarckstraBe 53 II. Baden: 4. Heidelberg: Alfred Rosenbusch, Hauptstraße 215. 9. Mannheim: Michel Katz, Ludwigshafen a. Rh., Ludwigstr. 31. 167. Murgtaljugendbund: E. Pappenheim, Gernsbach i. Baden. 12. Pforzheim: Ulli Adler, Bcllortstraße 16. Bayern: 15. Bamberg: Carl Ehmann, Hainstraße-5. 18. Ichenhausen: Gustav Erlanger, Bahnhofstraße. 160. Memmingen: Heinz Böhm, i. Fa. Wohlwert, Kramerstraße. Groß-Berlin: 22. Berlin: Waldemar Strauß. SW 68, Ritterstraße 52. 165. Eberswalde: Hermann Aron, i. Fa. S. Goldschmidt. 26. Guben (N.-Laus.): Dr. Julius Voß, Grüne Wiese 73. 29. Wriezen: Thea Stein, Markt 12. Grenzmark: 32. Jastrow: Gerda Neumann, Postlach. Mitteldeutschland: 169. Meiningen: Senla Rosenbach, Ernestinerstraße 37. Norddeutschland: 66. Lübeck: Edith Blumenthal, Reiherstieg 29/31. Nordwestdeutschland: 71. Bremen: Rolf Rothschild, Osterstraße 56/57. und Neugründungen 75. Hameln: Lehrer H. Schearer, Kastanienwall 17. Pfalz-Saar: 166. Grünstad (Pfalz): Margot Seelenberger, Kirchheimer Str. 27. 171. Rockenhausen (Pfalz): Walter Frank, Kreuznacher Str. 8. 168. Rülzheim (Pfalz): Kantor B. Glusmann. 94. St. Wendel (Saar): Siegmund Zodick. Rheinland-Westfalen: 101. Borken i. W.: Fritz Rosenzweig, i. Fa. M. &- E. Gans. 103. Burgsteinfurt: Georg Hirsch, Schlietenstraße 11. 112. Münster i. W.: W. Albersheim, Ludgeristraße 28 all. 161. Ibbenbüren i. W.: Harry Rosenthal, Poststraße 101. Sachsen: Vors. u. Anschr.: Max Schweisheimer, Chemnitz, Moritzstr. 12. 119. Dresden: Heinz Lewinberg, Reitbahnstraße 32, bei Eger. 123. Plauen i. V.: Josef Wormser, Rädelstraße 8. Schlesien: 162. Rosenberg (O.-S ): Erich Lewin. Westdeutschland: 159. Eschweiler: Robert Heumann, Kirchstraße 8. 132. Euskirchen^ Sclma Jülich, Frauenbergerstraße 35. 131. Düsseldorf: Curt Friedmann, Königsallee 66. 137. Koblenz: Lotte Holzapfel, Kurfürstenstraße 10. 142. Meckenheim: Ilse Mendel, Bahnhofstraße 24. 170. Simmern (Hunsrück): Albert Unikower, Koblenzer 3traßs. Mitteilung: der Verbandsleitung 1. Infolge beruflicher Ueberlastung hat Herr Rechtsanwalt Dr. Walter Einstoin, Stuttgart, sein Amt als Mitglied der Vcrbamlsloitung niedergelegt. Der Poeten ist vorlaufig noch nicht neu besetzt worden. 2. Wir bitten die Vereine wiederholt um regelmäßige Uebcisendung der Arbeitsberichte. 3. Es sind durch das Verbandsbüro Verbandsabzeichen (Nadeln) mit einem Durchiiie«ser von einem halben Zentimeter zum Preise von 50 Pf. zu beziehen. Buchbesprechungen Soeben erscheint im Verlag Ernst Reinhardt, München .in neues Buch des vor einem Jahre verstorbenen Essener Kant-Forschers Krnit Marens: ,.Das Rätsel der Sittlichkeit and seiae Lüsahs." Wenn auch das Buch nicht ganz leicht zu lesen ist. so werden die darin behandelten Probleme sicherlich die Leser unserer Zeitung auBerordentlich interessieren. Mit Genehmigung des Verlages bringen wir einen Abschnitt aus ditsein nachgelassenen Werk zum Abdruck. A. D. Gurewitsch: „Zur Grundlegung des Daseins." Der Neue- Geist-Verlag, Berlin. Der „Neue-Geist-Verlag" macht seinem Namen durch die Herausgabe des nachgelassenen Werkes von Gurewitsch alle Ehre. Es ist ein durchaus neuer, freier, an kein schulmäßiges System gebundener philosophischer Geist, der hier zu uns spricht. Gurewitsch, der einer rüdischen Kaufmanns- (amilie aus dem weißrussischen Städtchen Witebsk entstammt, kam mit 16 Jahren nach Berlin, um ganz der Philosophie zu leben. Nach seinen an vielen Universitäten des In- und Auslandes verbrachten Studienjahren verbrachte er den Rest seines frühvollendeten Lebens in vollkommener Zurückgezogenheit. Seine Philosophie erstrebt eine neue Erfassung des Abgründig-Namenlosen, eine restlose Inbeziehurgsetzung mit dem Seienden selbst. „Ich kam von mir selbst zu mir selbst durch mich selbst", mit dieser Feststellung will der Verfasser die Unabhängigkeit seines Weltsystems feststellen. In der Tat ist die Sprache und Gedankenfügung dieses Buches eigenwillig und nicht leicht durchschaubar. Wer sich aber in stillen Stunden in diese eigenartige Welt einzulegen versucht, der wird die Erkenntnis bestätigt fühlen, mit der Gurewitsch sein Werk krönt: „Die absolute Universalität, Grenzenlosigkeit und vollkommene ewige Vollwertigkeit aller und jeder Realität ist das Pathos unserer Weltanschauung." Dr. Hugo Hahn, Essen. Der Schwerpunkt im Kampf gegen den ethischen Zweifel. Probleme bei Galsworthy: Swans Song. Deutsche Ausgabe S. 339 (Kap V T. III), Englisch S. 254. „Ist es ein Zufall, wenn man aul dem geraden Wege bleibt?" Die Fraj>e. verehrter Problematiker, ist sehr leicht zu beantworten durch die Gegenfrage: Ist es ein Zufall, wenn