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Der Jugendbund · 1932-07-01 · 2 (7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
2 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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es andererseits eine Selbstverständlichkeil für die sogenannten religiösen Menschen sein müGte, sich nicht den brennenden Problemen der Politik unserer Tage zu entziehen. „In göttlichen Dingen ehrfürchtig, in menschlichen aktiv! Dort verehren, hier angreifen! Verehren und helfen!" — Das muß nach Max Brod die Parole des neuen Menschentyps, der im Entstehen begriffen ist. werden. Dr. Hugo Hahn. Aus dem Leben des Verbandes Tagungen, Tretiahrten usw. a) Tagung des LV. Hessen in Mainz. Anfang Januar fand in Mainz eine Führerbesprechung der hessischen Bünde statt, die von über 70 Teilnehmern besucht war. Speziell wurde die Programmgestaltung der Klciuvereine behandelt und als wichtigste Programmpunkte die Beschäftigung mit rein jüdischen Themen sowie mit akuten Tagesfragen aufgezeigt. Ferner wurde die Intensivierung der Mädelsarbeit sowie ein engeres Zusammenarbeiten mit dem .IPD. gefordert. Den Abschluß der Tagung bildete ein Referat des Leiters des ji' ' ''en Arbeitsnachweises in Frankfurt a. M. über die wirfscha .e Krise der deutschen Juden. Er propagierte in stärkstem Maße eine vollkommene Umgestaltung der Gemeinde und legte die Aufgaben der Jugend in der Gemeinde dar. b] Tagung der Bezirksgruppe Thüringen am 31. Januar 1932 in Eisenach. Im* Mittelpunkt der Zusammenkunft folgte ein Referat von Richard Cohn über das Thema: „Wie steht die jüdische Jugend zum Judentum?" Nach seinen Ausführungen über den Begritf Judentum ai-, solchem, wies er stark auf die unbedingt notwendige Einigung im deutschen Judentum hin. Gerade der Verband zusammen mit dem JPD. seien in Deutschland der natürliche Mittelpunkt aller Kräfte, die auf eine Einigung hinaustendicren. Der Verlauf der Tagung war ein glänzender und man konnte aus demselben entnehmen, wie wichtig die Arbeit des Verbandes gerade in den Thüringer Gemeinden Ist. 0 Führerschulungskursus der Landesverbände Westdeutschland und Hessen in Idstein, Ostern 1932. I'n Jen Tagen \ om 25. bis zum 28. März fanden sich über 100 Verbandsfreunde zu einem Führerkursus in Idstein im Taunus zusammen. Das Thema lautete: „Kampf der Juden um ihre Zukunft." Es wurde^aufgeteüt in fünf Referate, die von hervorragenden Sachkennern der Materie gehalten wurden. Die Diskussion stand erfreulicherweise auf einem sehr hohen Niveau. Obgleich manchmal die Ansichten sehr scharf auieinandcrplatzten, so erkannte man doch recht bald die Bcrührung>punk!e, die allen gemeinsam sind. Besonders hervorzuheben vind der jugendliche Geist und Elan, die der Tiiiung ein besonderes Gepräge gaben. Es war der erste größere Versuch, einen Verbandskursus gemeinsam mit dem JPD. abzuhalten, und man kann ohne weiteres feststellen, daß dies Kxperimcnt restlos geglückt ist. d) Trefien des Landesverbandes Mitteldeutschland in Schmalkalden, Pfingsten 1932. Vi enn Ostern in Idstein drr Versuch gemacht worden ist, Verband und JPD. in einem rührerkursus zusammenzufassen, so geschah es Pfingsten in Schmalkalden zum erstenmal, daß Gruppen des Verbandes und des JPD. ein gemeinsames Treffen \ eranslalteten. Im Mittelpunkt des Treffens stand ein hervorragendes Referat von Martin Seliger über „Unsere Situation". Die anschließende Aussprache gab vielen Freundin willkommene Anregungen. Aus dem Bericht wollen wir zur Charakterisierung, der Tagung nur folgende wenige Zeilen hervorheben: „Alles in allem waren es zwei herrliche Tage. Der Konnex zwischen den Vereinen und den JPD.-Gruppen ist ein sehr guter geworden.-die Teilnehmer waren befriedigt, der Verband wird es auch sein, und der Verband hat sogar bündische Menschen. Ein "geglückter Versuch!" e) Abrtreffen der westdeutschen Bünde, Pfingsten 1932. Zur seihen Zeit träfen sich eine große Anzahl Mitglieder westdeutscher Vereine in Remagen zu einer Fahrt ins Ahrtal. Es war einmal ein Treffen ohne Referate, man war ganz auf Entspannung und Erholung eingestellt. Man sah. daß man, auch ohne ganz zunitmäßig gekleidet zu sein, wandern kann, und sehr viele Freunde, die zum erstenmal eine mehrtägige Wanderung gemeinsam mit anderen Bünden mitmachten, sahen, daß auch außer in ihrem kleinen Wcsterwalddörfchen noch Menschen leben, die vom gleichen Rhythmus getragen werden, wie sie selbst. f) Treffen der niederrheinischen Gruppen in Nottuln. An einem schönen Sonntag im Mai trafen sich sechs niederrheini*che Gruppen zu einer Besprechung in Nottuln. Die Tagurg. d e in jeder Beziehung harmonisch verlaufen ist, befaßte sich in der Haup'sache mit rein organisatorisenen Fragen der dortigen ßezirksgrjppe sowie des Verbandes. Die 6 Zentrale kann als begrüßenswertes Ergebnis dieses Treffens einen erfreulichen und anregenden Briefwechsel mit der Gruppenlcitung feststellen. Aus den Programmen der Bünde. Bei der Durchsicht der uns vorliegenden Berichte (die leider nicht allzu reichlich sind) kann man die Feststellung machen, daß bei den Programmen der Bünde eine ziemlich klare Veränderung eingetreten ist. Wenn früher die Beschäftigung mit dem Fragenkreis des Sozialismus allenthalben im Vordergrund stand, so kann man heute bemerken, daß in sehr vielen Orten wieder die Beschäftigung mit jüdischen Fragen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. So hat Mannheim eine Arbeitsgemeinschaft über jüdische Geschichte, Bielefeld einen Zyklus über den Ausdruck des jüdischen Kults. Gladbach liest seit längerer Zeit schon Bibel. In Cleve spricht man über positives Judentum. In G ö t t i n g c n über Religion und Wissenschaft im Judentum. Auch Schönlanke, Regensburg, Frankfurt a. M. und Harzburg beschäftigen sich sehr stark mit rein jüdwehen Problemen. Von den übrigen Themen ist ein Zyklus: „Unsere Berufe sprechen zu uns",, der in Bremen, Bielefeld und Düsseldorf läuft, bemerkenswert. Offenbach hat einen politischen Schulungskursus: „Was erwidere ich einem politischen Gegner?" In Mannheim läuft eine Arbeitsgemeinschaft: „Die Zeitung und der Leser." In Neuwied eine solche über wirtschaftspolitische Fragen, Mainz setzt sich mit dem freiwilligen Arbeitsdienst auseinander, andere Bünde beschäftigen sich mit der Frage der Siedlung, mit der sich der .1.1 V. Bingen schon seit längerer Zeit in vorbildlicher Weise auseinandersetzt. Es liegen uns noch ausführliche Berichte aus Flatow, Kippenheim, St. Wendel, Gernsbach, F r.c iburg, Grünstadt und Konstanz vor, die wir leider wegen Platzmangels nicht ausführlich behandeln können. Ebenso liegt ein hervorragender Bericht über die Tätigkeit des norddeutschen Landesverbandes vor, welcher ausführlich über die Vereine Kiel, Harburg. Lübeck, Rostock und Güstrow berichtet. Jüdischer Jugendverein Speyer. Wir haben bisher immer davon Abstand genommen, ein-in Verein besonders zu erwähnen. Wenn wir heute gerade dm JJV. Speyer hervorheben, so geschieht das aus dem Grunde, weil die Arbeil dieses Bundes in jeder Hinsicht vorbildlich ist. Die Mitglieder kommen ■'mindestens dreimal wöchentlich zusammen und beteiligen sich intensivst an den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften. Der Aktivität der Freunde aus Speyer ist es zu verdanken, daß wir in der letzten Zeit einen starken Zuwachs an Vereinen aus der Pfalz zu verzeichnen gehabt haben. Gerade dieses Beispiel möge darauf hinweisen, daß es sehr wohl möglich ist, auch in der heutigen Zeit trotz unserer beschränkten Mittel und Kräfte wirkliche produktive Arbeit für den Bund und den Verband zu leisten. Es ist in vielen Fällen lediglich eine Sache des guten Willens. Erfreuliches und Unerfreuliches. Im Verband ist seit längerer Zeit der Ruf laut geworden, daß unsere Mitglieder mehr als früher mit den Angelegenheilen der Gemeinde vertraut gemacht werden und insbesondere in stärkstem Maße aktiv in die Gemeindepolitik eingreifen sollen. Leider wurde diese Forderung in den wenigsten Fällen erfüllt. Erfreulich ist hier das Vorgehen des jüdischen Jugendverei'!« in Mainz. Die dortige Gemeinde beschloß, ihre Satzungen 7V ändern und gab einen Entwurf, für die neuen Satzungen he-- aus. In diesem Entwurf sind mehrere Stellen, welche de' Prinzipien des demokratischen Wahlrechts widersprechen. A! Kuriosum sei hier verzeichnet, daß von der Stinimberechtiguderjenige ausgeschlossen ist, über dessen Vermögen Konkursverfahren eröffnet ist!!! Hier wird also ein Mens" der der wirtschaftlichen Entwicklung zum Opfer gefallen ■ gleichgestellt mit einem Verbrecher, dem die bürgerlic*- Ehrenrechte entzogen sind. (Denn von solchen handeln vorhergehenden Absätze.) Daß es so etwas wie ein Fraue Wahlrecht gibt, scheint in der Mainzer Gemeindestube no nicht bekannt zu sein. Der JJV. Mainz wandte sich in eine ausführlichen Schreiben an die dortige Gemeinde und lejtfl' ausdrücklich Protest gegen verschiedene Punkte des Enlwur' ein. Wenn auch nicht alle Vorschläge des JJV. berücksichti''1 sind, so war das Vorgehen dennoch von Erfolg gekrönt. Wiedeein Beispiel, daß bei einigermaßen gutem Willen immer elw' zu erreichen ist.

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