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Der Jugendbund · 1932-07-01 · 2 (7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
2 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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»ich in diesem Sinne persönlich mit den zuständigen Stellen in Verbindung zu setzen und Verhandlungen anzuknüpfen. Wir geben hier bcwulit einzelne praktische Vorschläge, um euch zu zeigen, daß sich alle unsere theoretischen Forderungen verwirklichen lassen, wenn ihnen von den gührern der nötige Nachdruck verliehen wird. Auch dies sind Dinge, die nur gemeinsam mit den Junggruppen durchgeführt werden können. Es sind wiederholt Klagen darüber gehört worden, daß die soziale Hilfe innerhalb des Verbandes versagt habe. Wir müssen es zurückweisen, wenn man in dem Versagen eine Schuld des Dezernates oder der Vcrbandsleitung erblicken will. Es ist von uns alles versucht worden, die soziale Hilfe und die Stellenvermittlung in dem gegebenen Rahmen auszubauen. Aber auch hier hat das Bestreben der verantwortlichen Leiter nicht die nötige Resonanz gefunden. Eine zweite Frage ist es allerdings, ob man den Aufgabenkreis dieses Teilgebietes unserer Arbeit ändern soll. Es wird hierfür gefordert, eine zusätzliche Erwerbslosenunterstützung in gewerkschaftlicher Form durchzuführen. Es wird weiterhin gefordert, an die Gemeinden zwecks Einrichtung einer Art von Arbeitshilfsdienst heranzutreten. Es wird gefordert, den jüdischen Siedlungsgedanken weiter auszubauen. Diese Vorschläge haben unzweifelhaft sehr viel für sich. Es wäre bestimmt Gelegenheit gegeben, auf diesem Wege viel Not zu lindern und Erfolge zu zeitigen. Die Verbandsleitung ist auch gewillt, diesen Vorschlägen näherzutreten und sie auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu prüfen. Sie kann es jedoch nur dann, wenn sie absolute Gewißheit hat, daß hinter ihr ein festgefügtes Ganzes steht, wenn sie weiß, daß die von ihr gegebenen Anregungen und Vorschläge von einem schaffenden Verband aufgenommen werden. Wir möchten daher zum Schluß nochmals eindringlich feststellen: Wir sehen unsere Aufgabe nicht in Kundgebungen und Proklamationen nach außen-, wir sehen unsere Aufgabe in der Intensivierung unserer Arbeit, in der Erfassung aller, in der inneren Vereinigung mit den Junggruppen, in dem Umbau der Gemeinden und in der \ ergrößerung des sozialen Hilfswerkes. Wir wollen keine neuen Theorien aufstellen. Wir wollen als jüdische Juger.dbcwegur.i; iur Tat schreiten. Artur Hermanns. Reichsverband der deutschen Juden Ende Mai dieses Jahres fand in Frankfurt a. M. eine geschloss-ne Besprechung von Vertretern der Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschtat ds statt. Sic hatte die einzige Aufgabe, den seit Jahren von ungezählten deutschen Juden gewünschten, von unserem VJJD. in Wort nnd Schrift geforderten jüdischen ,.R eichsverband" zu schaffen oder doch die Modalitäten zu prüfen, unter denen diese Schaffung möglich wäre. Da es für Nichtdelegicrtc ausgeschlossen war. zu der Konferenz Zutritt zu erhalten, so licBcn wir durch einen der Teilnehmer den ur.ten wiedergegebenen Brief überreichen. Der ,,Reichsverband" wurde in jener Sitzung nicht gegründet, man vereinbarte vielmehr auf den 26. Juni eine neue Zusammenkunft in noch kleinerem Rahmen in Baden-Baden. Uns ging inzwischen ein Schreiben des Vorsitzenden unseres Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu, das dessen Bereitschaft zu einer Unterredung bekundete. In der Antwort baten wir um Zulassung eines offiziellen Vertreters des VJJD. zur wichtigen Konferenz in Baden-Baden. Der Bescheid lautete ablehnend. So konnten wir in entscheidender Stunde leider unsere Mahnung nicht vortragen, den werdenden ,.Reichsverband" nach streng demokratischen Prinzipien zu einem wahren ..Rcichsverband der deutschen Juden" zu gestalten. So gilt es auch weiterbin darüber zu wachen und allenfalls dafür zu kämpfen, daß das neue (ii'hildc nicht eine neue N( tabeln-Vcrsammlung werde, sondern echter Ausdruck gcsamtjüdischcn Willens in Deutschland. An das. Vorbereitende Komitee des ReicbBveibandes jüdischer . Gemeinden. Sehr geehrte Herr«»! Aus Mitteilungen der jüdischen Presse ersehen wir. daß Sie als erkorene und maßgebliche Repräsentanten deutschindischer Gemeinden bzw. von deren Landesverbänden am ITi. Mai 1932 liier weilen werden, um die lefzteti Hemmnisse zu beseitigen, die sieh seither einem Reichsverband -der jüdischen Gemeindeneutgegentürmten. I'ic-.T Umstand gibt iiiss Veranlassung, Ihre Aufmerksamkeit für einige \ugen- Mieke zu erbitten. Wir af»rechen zu Ihnen im Namen von zcliiitausenden (Hager «ieut.-< Ii-jüdischer Menschen im Verbände der jüdischen Zagend vereine Deutschlands und den ihm angegliederten .Itinggruppen de- Ifidischen Pfaidfindcr-Bunde* r>cutsehlands (I. I'. I >. t. Wir sind uns aber auch bewußt, daß wir auch tn dem Geiste vieler innerlich stark bewegter Männer und Krauen reifen Alters zu Ihnen reden, mit denen wir in der Sorge um ikis Wohl unserer jüdischen Gemeinschaft verluitidcn Riad und die sich hier in Frankfurt zu einem kleinen, losen. aber starkgespannten Arbeitskreis zusammenfanden. W ir -begrüßen aufrichtig Ihr Mühen andem seitherigen Nebeneinander der verschiedenen Landesverbände jüdischer (n-meinden. im ReichsTerbnnd ein Ganzes weiden zu lassen, wir begrttßcn Sie selbst bei diesem Mühen und wünschen llnieii in den Mauern unserer Stadt vollen Erfolg. Aber wir fühlen aus unserer eigenen seelischen Not und unserem starken Mitgefühl mit der seelischen und materiellen Kot ungezählter Juden in Deutschland uns gedrängt, Ihnen zu singen, «laß wir von dem Reichsverband ganz anderes als eine bloße Organisation der bisherigen Landesverbände oder eine Art Ixu hverbaml erwarten. Besonders aus Kreisen der .Hingen Generation verlangt man seit Jahr und Tag in zunehmendem Mate statt «1er Organisation die organisch "gewachsenen und wachsenden jüdischen „Genieinden'* (Geai e i n:s c halt e n) und statt der Nachahmung des nicht ohne fantat] heute stark umkämpften Parlamentarismus durch jüdische „Notabein", die zeitweiligen Zusammenkünfte lebendiger jüdischer Persönlichkeiten, die wahrhaftige Repräsentanten der Auffassungen und Stimmungen verantwortuugs- ' i waßter jüdischer Menschen und so zugleich wahre Führer «ier jüdischen Massen in Deutschland sind. Von allen jüdischen Menschen Deutschlands, die das Judentum auch heute und gerado heute als eine gestaltende Kraft empfinden und nicht nur in ihrem Leben, sondern dem der Allgemeinheit, der Gesellschaft und des Staates eingesetzt sehen möchten, wurde es in zunehmendem Maße als qualvoll empfunden, daß man an das Judentum immer wieder den Maßstab der Parteien anlegte, während doch zu seiner wahren <'.c-taltgebung allein der Gemeingeist fähig ist. Ereignisse peinlichster Art, wie sie die jüdische Parteipolitik gerade in den letzten Wochen zeitigte und die von einer kaum glaublichen inneren Zerrissenheit Kunde ablegten, haben nach unserer besten Kenntnis unter der jungen jüdischen Führergencration geradezu eine Si iiiimuiig des Aufruhrs ausgelöst. Wir erwarten darum von dem zu schaffenden Reichsverband, daß er sich nun nicht zur Vermeidung ähnlicher Zwischenfälle entschließt, entscheidenden Zeit fragen aus dem Wege zu geben und lediglich verwaltungsteehnischo Fragen zu erörtern und gelegentlich auch nach außen hin pathetische.oder abweisende Gesten zeigt. Vielmehr erwarten wir, daß er aus gemeinschaftlicher Bejahung des Wesens unseres Judentums und unserer Judenheit zu einer Tal - gemeinschaft werde, einer Tntgemeinsehaft gegenüber den schweren, aber bedeutsamen Aufgaben gerade unserer Zeit. Das bedeutet nach dem Willen zahlloser jüdischer Mensehen unserer Tage, daß man das Wirken jüdischer Gemeindevertreter und ihrer Repräsentanten im Reiclrsvcrband nicht mehr wie seither vorwiegend oder vorherrschend auf das kultische Bereich beschränken, sondern, daß man sich als Wächter und Förderer einer lebendigen, schon geformten und neu zu formenden jüdischen Kultur fühle. Wir verbinden mit diesem Begriff der „Kultur" nicht die Auffassung einer bestimmten jüdischen Gruppe, die daraus in den letzten Jahrzehnten leider einen umstrittenen Parteibegriff werden ließen. Jüdische Kultur umfaßt für uns „religiöses** und „völkisches**, umfaßt Geist und Materie, Schule, Synagoge und Wirtschaft, darum erwarten wir, daß der Reie'tsverband mit ganz neuer Intensität seine Aufmerksamkeit und seinen'Gestaltungswillen dem S t r u k t u r w andel der Gesellschaft und der jüdischen im besonderen zuwendet, und daß er vor allein die gewaltige Aufgabe erkennt, die ihm wie uns allen aus der ungeheuren Spannung zwischen Judentum und Sozialismus in dit*er W:eltstunde gestellt ist. Das Gespenst der roten Assimilation, das ja in weiten Kreisen der deutschjüdischen Jugend heute umgeht, wird nicht mit Protesten und Aeußcmngen der Empörung, noch weniger durch Bagatellisierung gebannt, sondern durch den entschiedenen Willen zu einer Synthese von Judentum und neuen Gesellschafts- bzw. Wirtschaftsformen, sowie durch das Mühen um Beschaffung von Arbeitmöglichkeiten für Arbeitslose und von zusätzlicher sozialer Fürsorge für alle die, denen voi >rst keine A r b e i t s m ö g 1 i c h k e i t beschafft werden kann. Der Reichsverband, der solcher Art jüdisches Leben ■eisten will, soll nach unserem Wunsche natürlich vor allen Dingen Repräsentanz der deutschen Judenheit sein, sowohl nach außen, als auch nach innen. Diese Bekundung nötigt uns zugleich zu der Erklärung, daß der Reicbsverband. der wohl zunächst als Verband der seitherigen Landesverbände in Ersdheinung treten wird, alsbald zu einem wahren „Reichsverband" der deutschen Juden werde. Dies kann selbstredend nur durch eine nach demokratischer Weise zu vollziehende allgemeine und geheime Wahl geschehen. Nur ein 6olcher Reichsverband aber entspricht dem Bilde, das die Besten

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