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Der Jugendbund · 1932-07-01 · 2 (7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
2 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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heit und kann der einzelne für sich daraus lieben. Die in allor Kürzü erscheinenden Kundbricfo für die Winteraltbeit werden hierüber in« einzelne gehende Vorschlüge bringen. Wir müssen uns jedoch hier sofort fragen, ob unsere eigono Vorbandsidoologio labil und beweglich genfig ist, solchen Forderungen nachzukommen, oder ob etwa die Gefahr einer Diskrepanz besteht. Es war j[inner ein Gutes des Verbandes, daß er in Feiner Ideologie nicht starr war oder erstarrt ist. Er hat in wenigen Jahren die Wandlung vom neutralen Verband, d. h. vom Verband mit der Umfassendsten Basis zum produktiv-positiv gesamtjüdistlicn Verband, .durchgemacht, d. h. zum Verband, der in Minor ge.-amt jüdischen Haltung eine grandsafzltcnö Erziehungsmethode sieht. Der auf uns lastende Dtpclt unserer Umwelt verlangt stärkste Konzentration und duldet auf die Dauer nicht die Vielzahl von „Judentümern", wie sie heule in vielen Organisationen zutage treten und gepflegt weiden. Es genügt nicht niebr, daß wir aus der Tatsache der breiten Basis dio Ma-se für uns haben und weiter an uns ziehen. Es Ist uns hier die Verpflichtung gegenüber der Ma«»se entstanden, die von uns verlangt, jene Menschen, die nm llande des Judentums leben, heranzuziehen um) jüdisch zu erfassen. Ich sage. di<«se Tatsache genügt uns nicht mehr und wird .Mich Bichl den durch die Entwicklung der Seil bedingten Forderungen gerecht. Es liegt für mieli auf der Hand. daß. wenn ich gesamt jüdische Arbeit im umfassendsten und positivsten Sinne forderet jeder einzelne so infiziert werden muß. daß der Verband letzli'n lindes wieder zu einer lebendigen Bewegung wird. Heute ist der Verband immer noch der Verband einer Vielzahl von Menschen, die irgendetwas Jüdisches arbeiten, die aber über diese Arbeit hinweg sich noch nicht ..in Bewegung gesetzt" haben. Ei fehlt der einheitliche Rhythmus, und es fehlt bei dem einzelnen die Erkenntnis der planvollen Notwendigkeit unserer Arbeit und dos Verbandes. Daher muß zuiiäch.-t einmal der einzelne erfaßt werden. Per einzelne VorolnsfUhror und der Ein/.eluiciisch selbst, der von der Notwendigkeit dies Verbandes überzeugt, bereit uk Opfer zu bringen. Ich erinnere hier nur an die Taktik der N.SDAP. Dort sind nicht nur/die Fahrer und Unterführer von der Notwendigkeit der Partei überzeugt, sondern ji>der SA.- M.mn beherrscht die nötigen Phrasen und ist von ihnen .so begeistert, daß er alles m.'macht und ohne weiteres für diese Sinnlosigkeit sein Leben ri-kieri. Etwas ähnliches muß bei Uns «ein. Jodet einzelne muß den Verband in sich so stark aufnehmen, daß er explosiv wild und er ihn weiterverbreitet. Es hat zwischen Verbandsleitung und Verbandsfuhrern einer* .-cit<s und zwischen Vereinsleitern und Verbandernaiso eine zu große KluTt Iii Stenden. Will der Verband weiterhin das Sammelbecken "i-. her -lugend sein, und auch als solcher hat er zweifellos -. i e KxistenzbereebtlgUng. oder will er zur Bewegung werdep? 11ic-.- Frage kann keine Leitung für sich entscheiden, hier kommt e< auf joden einzelnen an. Ich vorstehe heule den Grundsatz, daß wir eine vertiefende Arbeil leisten inü<sen. die den einzelnen erfaßt und ihn vorwärtsroißt. Unsens Grundsätze und Ziele sind zur Genüge heraus* gearbeitet worden;'eis haben nur dann Aussicht realisiert zu worden, wenn jeder sie zu seinen eigenen macht. Hierzu scheinen mir ein ganz wesentliches Hilfsmittel die von anderer Seite geforderten „Engeren Kreise" zu sein. Junge Menschen, die an unserer Arbeil interessiert sind, bezirksweise zusammenzufassen. Diese Kreise arbeiten untereinander nach einem ganz bestimmten Plan. Ich erinnere hier an meine Vorschlage betr, der Ölldenarbeji anf der Vorstand*- sitzung in Hannover im Marz v. J., sowie an die Attsarboltungen von Walter Btraus, Bielefeld. Diese „Kreise" haben aber niclit nur die Aufgabe, untereinander zu arbeiten, sondern von ihnen muß eine Zellenhildung in den Vereinen ausgehen, die allmählich das Arbeitstempo bestimmen werden. So wäre .schon eine Möglichkeit vorhanden, einen gleichmäßigen Arbeitsrhythmus zu schaffen. Es erübrigt sich zu sagen, daß die Arlmit-metlinde der Oroßstadtvereinc sich immer unterscheiden wird von der in der Kleinstadt und auf dem Lande. In der Großstadt muß in verstärktem Maße darauf geachtet werden, daß uns unsere alt -reu Menschen nicht mehr verloren gehen und daß auch dio kontinuierliche Erziehnngslinic bis zum Eintritt unserer Menschen in das Gemeindeleben tatsächlich gewahrt ist. Es müssen daher besondere Aoltoren- Arbeitsgemeinschaften gegründet werden, die sich natürlich nicht so eng an das Ve>baii<lsprogiannn zu halten brauchen, wie die anderen Gruppen. liier ist zunächst einmal dio Hauptaufgabe, die Menschen beieinander zu halten (Themen: Aktuelle, jüdische, politische und wirtschaftliche Fragen). ' Erhöhte Aufmerksamkeit müssen wir zukünftig dem Aufbau der jüdischen Arbeit auf dem Lande zuwenden. Dio Situation der Juden uuf dem Laude wird nachgerade unhaltbar. Selbst, wenn wir von der sattsam bekannten Landflucht absehen, sowie von dem Anwachsen des-,Nationalsozialismus, der gerade auf dem Lende eine zunehmende Isoliertheit der Juden zur Eolge hat, absehen, kommt noch hinzu, daß diese Menschen zum Teil abgeschnitten werden von aller jüdischen Kultur. Die Kleingemeimlen, deren finanzielle Not geradezu katastrophal ist, sind nicht mehr in der Lage, ihre Synagogen offenzuhalten und ihre Lehrer, die dort Kulturträger jüdischen Lebens sind, zu besolden. Die Folge ist eine erschreckend zunehmende Verkümmerung jüdischen Lebens, Diese Tatsache zwingt' uns, unsere Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße der jüdischen Landbevölkerung zuzuwenden Es muß zur Selbstverständlichkeit worden, «laß Großsladtvcreino als zu ihrer Arbeit gehörig nicht nur den Aufbau ihren .StadtVereins betrachten, sondern nach einem bestimmten Plan die Betreuung des Hinterlandes .-ich zur Pflicht zu machen. Man muß die kleinen und kleinsten Orte besucht hab-n, um zu erkennen, wie wenig man dort über die Entwicklung und Geschichte des jüdischen Lebens orientiert ist, dort, wo man keine Gelegenheit Kai, Vorträge zu hören, jüdische Bücher oder Zeitschritten zu lesen oder ähnliches. Auch hier sind schon begrüßenswerte Ansätze vorhanden. Die entsprechende Arbeit, die bereits von Gießen aus in diesem Sinne geleistet wurde, hat gezeigt, wie sehr man dort unseren Bestrebungen entgegen kommt und au! welch fruchtbaren Boden alle Anregungen dort fallen. Die bisherige Arbeit in den Kleingemeinden muß jedoch zum Teil eine tiefgreifende Wandlung durchmachen. Unsere Erfahrung hat gezeigt; daß man sich gerade dort am allerwenigsten an die Direktiven der Verbandslcitung gehalten hat. Dies liegt einerseits daran, daß die kleinen Vereine durchweg Gemeindevereine sind, ein Umstand, der durchaus zu begrüßen ist, der jedoch auf der anderen Seite es den Führern zur Aufgabe macht, da wir gleichzeitig ein ,lu :end\ erband sind, die zur Verfügung stehenden jungen Menschen — mögen es noch so wenige sein — in besonderen Kreisen zu sammeln, um so eine Zellcnbildung herbeizuführen. Zum anderen ist es darauf zurückzuführen, daß die in Frage kommenden Vereinsführer — zum größten Teil sind es die Lehrer — glauben, nach ganz eigenen Gesichtspunkten vorgehen zu müssen, nach Gesichtspunkten, die resultieren aus ihrer persönlichen Einstellung. Es ist aber gleichzeitig notwendig, daß Lehrer als Führer in ihrer Zugehörigkeit zum Verband nicht nur eine organisatorische Verbundenheit erblicken, sondern auch eine innere organische. Auch diese Erkenntnis ist notwendig, um überall den gleichen Arbeitsrhythmus zu erzeugen. Eine weitere große Aufgabe erblickt die Verbandsleitupg in der Zusammenarbeit mit den Junggruppen. Die Jungi'ruppen haben menschlich eine gaiut andere Erziehung durchgemacht, als die Menschen des Verbandes. Sie bekennen sich jedoch in umfassendster Weise zur gesamtjüdischen Haltung. Sic gehen darüber hinaus und erblicken in unserer gesamtjüdischen Haltung nicht nur mehr eine zusätzliche Erziehung, sondern die gesamtjüdischc Haltung offenbart sich ihnen als etwas Grundsätzliches. Für sie ist die Frage der Erziehung zur Entscheidung zur jüdischen Partei eine sekundäre. Für sie ist die primäre Aufgabe die Erfassung alles dessen, was jüdisch ist, und die Erziehung ihrer Menschen zu „Gesamljuden", die sich mit allen jüdischen Fragen auseinandersetzen. Es ist hier die Aufgabe der neuen Vcrbandslcitung. dieser Entwicklung weitestgehend Rechnung zu tragen, andernfalls wir Gefahr laufen, daß die Junggruppen sich neben die brei'.e Masse des Verbandes stellen und nicht als verantwortungsbewußte Elitetruppe in sie hereinwachsen. Dieser Tatsache werden wir unbedingt gerecht werden müssen, wenn nicht unsere in Jahren mühseligsten Schaffens aufgebaute Arbeit abreißen soll. Es erübrigt sich fast, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß ' die bisherige Politik hinsichtlich unserer Stellung zu den Synagogengemeinden weitergeführt wird. Der Umbau der Gemeinden, in denen wir die umfassendsten jüdischen Organisationen erblicken, da sie zwangsläufig alle ortsansässigen Juden erfassen, wird von uns nicht nur weiter gefordert werden — das ist hinreichend geschehen —, nein, die Vereine müssen sich *o festigen, daß sie endlich einmal in die Lage kommen, diesen Forderungen auch in der Praxis Nachdruck zu verleihen, um sie realisieren zu können. Einen Schritt auf diesem Werte stellt bereits das von uns in der gleichen Nummer veröffentlichte Schreiben an das Komitee für den Reirhsverband dar. Es ist Aufgabe der Vereine, dafür zu sorgen, daß dies Schre;hen nicht nur eire Acußerung der Verbandsleitüng bleibt. Die Vereinsleiter haben die Pflicht,

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