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Der Jugendbund · 1932-02-01 · 1 (2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
1 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Wegen seines Unglaubens schelten. Denn entweder man gl iuIiI oder man glaubt nicht Und dennoch sind allo diese Menschen .Juden, »"eil sie sich entweder als solche fühlen oder in das Judentum hineingeboren wurden. Und weil sich der Verband aus einer weit, weit überwiegenden Majorität so eingestellter jüdischer .junger Menschen zusammensetzt, kann § 2 der Vcrbandsstatuten niemals mit Liebe und Freudigkeit erfiillt werden: darum würde die „Kanone"' es unbegeillich finden, wollte man ihr zumuten, entweder schon an den Halb- (eiertagen zu koünnen oder aber überhaupt seinen Vortrag auf einen anderen Termin zu verlegen. Für ihn, wie dio überwiegende Mehrzahl seiner Hörer stellt es schon ein so erhobliehes Maß an Takt dar, daß er „in aller Stille" angefahren kommt und sich nicht offiziell am Hahnhof abholen läßt, daß iedc weitere Forderung über das nach seiner Meinung ihm Zumutbare hinausgeht. Parum erfüllen derartig eingestellte Menschen den § 2 der Satzungen dem Wortlaut nach in einschränkendster Interpretierung und nicht mit Hingebung und Liehe. Und man darf sie nicht darum schelten. Hilft da lernen? Js there a way? Nein. Und warum „nein"? Weil lernen bestenfalls von solchem Standpunkt aus als eine Beschäftigung mit jüdischen Dingen im weitesten Sinn unter religionsgeschichtlichen, philosophischen, ethischen, völkischen, sprachlichen oder zahlreichen >: anderen Gesichtspunkten geschähe, also bestenfalls um den Kreis der jüdischen Allgemeinbildung zu erweitern. Aber eine Bereitschaft, den Erkenntnissen und Lehren nachzuleben, wird dadurch in der Hegel niemals erreicht. Geradezu spezifisch für diese durchaus boi den Führern lanirst bekannte Erfahrung ist ein Beispiel, das ich dem J. J. V. Mainz, dem ich angehöre, entnommen habe. Der J. J. V. Mainz hat im Kähmen seines Programmen eine Arbeitsgemeinschaft; Die Gc- und Verbote dos Judentums. Ohne wettere« habe ich nun erwartet, daß alle Teilnehmer oder wenigstens der' weitaus größte Teil von den Ge- und Yerhoten des täglichen Lebens, von den SabbaJi-, Speise-, Ehegesetzen hören wollten. Aber gerade umgekehrt verlangte die Majorität die Darstellung und 'Erläuterung entweder überhaupt gänzlich unaktueller, weil historischer Gesetze (etwa Schmitt«- und Joboljahr) oder für die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft praktisch bedeutungsloser Gesetze. Etwas, was tavorderat nötig wäre, das wäre die Erziehung unserer jungen Menschen zu gläubigen Menschen. Unsere jungen Menschen lernen fast ausnahmslos gern, auch judisclio Dinge. Aber sie nehmen dieso gehörten Dingo bestenfalls interessiert zur Kenntnis und als Stück Wissen in sich auf, aber den gewonnenen Kenntnissen nachleben, das tuen sie nicht. Denn es verpflichtet sie ja nicht dazu,, selbst nicht S-2 der Satzungen. Nur der Glaubo an Tauroh min haschomajim, den göttlichen Ursprung der Lehre, könnte und müßte sie verpflichten. Wie aber schafft man diesen Glauben? Die Antwort darauf wäre dio Lösung. Das hat Dr. Jacobs vergessen, und ich mache es ihm ebensowenig zum Vorwurf, wie ich es den Freunden aus dem „anderen Lager" anrechnete. Wie steht der junge Jude zu seinem Judentum? Jezt ver-teht Ihr wohl meine Antwort: wie er eben steht. Und darum wird § 2 der Statuten immer so erfüllt werden, wie beschaffen die Menschen sind, dio mit ihm zu arbeiten haben. Darum ist es meistens keine Takt-, sondern Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit. Der „Kanone", für die das Fahrtverbot am Feiertag nicht verbindlich ist,'weil nicht anerkannt, ihr kam wahrscheinlich gar nicht in den Sinn, daß ein Mi n-ch an Beines Fahrten Anstoß nehmen könnte. In sedchen Fällen könnte vielleicht-noch der Ortsverein, wenn in seinem Vorstand Leute aus dem gesetzestreuen Lager sitzen, Abhilfe schaffen. Wie aber, wenn es sich um die Hamllungen dea einzelnen auf Fahrten usw. dreht. Kann der gosMlsobaftliehe und nicht bündisch organisierte Verein verbieten, daß der einzelne tiefe ißt usw.? Doch wohl nein. Darum gibt es nur einen Weg: jüdischo Menschen heranzuziehen, deren Judentum auf dem Glauben basiert. Gibt es den Weg? Walter V o g o 1, Mainz. Facit (Ein Bericht über den Stuttgarter Führerschulungskursus des Verbandes, Weihnachten 1931) I. Wer am Freita.jmittag am Stuttgarter Hauptbahnhof gestanden und die Massen der anströmenden jungen Juden beobachtet hat, mußte sich fragen, ob allein der Schloßbrand eine solche Anziehungskraft auf sie atisgeübt hat Wenn man jedoch wußte, was in ganz Süddeutschland (außer in Stuttgart) bekannt war, daß an den Weihnachtstagen ein Führerkursus des Verbandes in Stuttgart stattfand, dann ist diese Ueberfiiile der F.isenbahnzüge sehr schnell erklärlich. Es gab sogar Freunde, die aus dem tiefsten Bayern mit fünf Mann in, einem kleinen Opel zum Tagungsort geeilt sind. — Nach dem gemeinsamen Abendessen begab man sich zur Freitagabendfcicr in die von der Stuttgart-Loge liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellten Räume. Dies Zusammensein verlief jedoch (wir wissen nicht, ob es wegen des Schloßbrandes war oder weshalb sonst) nicht so harmonisch, wie man es eigentlich hatte erwarten dürfen. Man zog sich daher schon recht bald zurück und unterhielt sich noch bis in die frühen Morgenstunden über die Tagung und die sie bewegenden Fragen. II. (Samstag, 26. Dezember.) Trotz kurzer Nachtruhe sind schon einige Unentwegte mit dem (in bezug auf das Aufstehen und Zubettgehen) „ersten und letzten" Curt Friedmann beim Morgenkaffee und in den Synagogen. Die anderen kamen zwar später nach, aber — wir dür;en nicht intolerant sein! ~j Der Nachmittag fand fast alle Teilnehmer bei den drei Arbeitsgemf in schatten dieses Tages: Curt Friedmann „Wege zur Bihei ', Julids Wißmann ..Praktische Verbandsarbeit" und Bruno Danziger „Soziale Hilfe". Die Behandlung des ersten Themas ist (durch einen früheren Rundbrief) zu bekannt, als 14 daß ich noch einen Ueberblick zu geben brauchte. Festgestellt sei nur, daß infolge einer ausgedehnten Diskussion über den ersten Teil des Themas, die eigentliche Bibellesung aus« fiel, die nach meiner Meinung vielleicht den besten Weg zur Bibel gezeigt hätte. Die Debatte wäre weniger lang und bestimmt produktiver gewesen, hätte man ihr eine richtige Bibcllesung vorausgeschickt. Es ist ja allemal leichter über eine Sache zu reden, die man noch gar nicht kennt, als über eine solche, von der man wenigstens einige Begriffe bekommen hat. — Es erübrigt sich, die Arbeitsgemeinschaft „Praktische Verbandsarbeit" hier zu rekonstruieren, da fast nicht» von Gemeinplätzen abweichendes oder wenigstens tiefer schürfendes erzielt wurde. Am Schlüsse des Kurses abgehalten, hätte diese Arbeitsgemeinschaft bestimmt besseren Erfolg gehabt. — Von beonderer Bedeutung aber war die von Bruno Danziger abgehaltene A.G. „Soziale Hilfe". Als äußeres Ergebnis der Aussprache hierüber kann man die lolgcnde Zusammenfassung betrachten: „Die soz. Hilfe unseres Verbandes muß sich infolge der geringen zur Verfügung stehenden Mittel im wesentlichen auf Berufsberatung, geldliche Unterstützung zur Fortbildung im Beruf und in den einzelnen Bünden auf den Versuch einer Linderung der Arbeitslosigkeit beschränken". — Am Abend befestigte ein in jeder Beziehung fauch auf ,.soz. Hilfe") befriedigendes gemütliches Beisammensein (übrigens jetzt auch mit dem B. A. V. Stuttgart!) die über der gemeinsamen Arbeit des Nachmittags entstandene Bindung zwischen den Teilnehmern. Zum Gelingen des Abends trugen unsere Freunde Dr. Keßler, München, Rapp, Frankfurt (und

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