Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 1 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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liegt in der Bindung seiner Menschen, nicht in einer Phrase, nicht an gemeinsame Schlagwortc, sondern an den gemeinsamen Kampf um ein Lehen und um ein jüdisches Leben. Die Idee des Zhfch ist die Idee des für seine Gemeinschaft Kämpfenden, des Pionicrhtms. Jeder Aeltere ein Kämpfer in urscrem Kampf um Leben und Judentum, jeder mit der Waffe, die ihm gegeben, Watten des Könnens und'der Arbeit. Ein Aeltercr. der nicht weiß, warum er im Bunde ist, gehört auch nicht in den Bund hinein. Aber die. die wissen, warum sie im Bunde sind, müssen heraus aus spielender Tätigkeit, müssen heran an die Aufgaben der praktischen Verwirklichung unserer Ziele. Rund. Verband. Gemeinde. Drei Stufen, die eine nach der anderen erklummen werden müssen. Unsere Aelteren stehen noch im Bund und schon im Verband. Der Verband steht schon in der Gemeinde. Untrennbar werden die Aufgaben in diesen drei Stufen jüdischen Seins unserer Menschen. Jede Stufe bedeutet Kampf und Arbeit. Aber der Bund wird nur seiner Aufgabe gerecht werden können, wenn die heutige Acltcrengeneration im Bunde den einzig möglichen Weg jüdischer Solidarität geht. Dieser Aufsatz soll erste Anregungen geben. An die Aelteren im Bund und unsere Freunde im Verband ergeht der Ruf, sich einzureihen in unsere Front und mit uns den Angriff zu einer neuen jüdischen Gemeinschaft vorwärts zu tragen. Zwingenberg Das einzige durchgeführte Winterlager des Bundes in Zwirkenberg Bergstraße hat nicht nur zufällig das Gesicht und die Verantwortung des Bundes getragen. Man hat im Gesprach und in den Erörterungen der Tagung den lebhaften Wandlungsvorgang mitgefühlt, der durch die Vereinigung der Bünde sich vollzieht. Es wurde allen jetzt ohne Ausnahme, und .so vielleicht manchen nur schmerzlich, bewußt, daß die Zielstrebigkeit des neuen Bundes festgestellt und ernst ist, daß deshalb die Forderung des Bundes an den einzelnen wächst; Schrittfalten mit dem Tempo des Bundes einmal innerlich im Prozeß des Zusammenschmelzen* beider Teile, dann nach außen in der Bejahung des klaren Weges. Die Orientierung rundum — der Leitgedanke für die Referate, der etwas allgemein gedacht war: Geschichtlich gewordene Situation der Joden, Lage in Europa, Wirtschaftskrise. Palästina — diese Orientierung rundum \ w urde überraschenderweise für den Bur.d zu einer Orientierung seiner Richtung und in seinen positiv brauchbaren menschlichen Kräften, wenigstens für Süd Ji ti tschl i rd. Es war trotz aller Schwierigkeiten bedeutsam, daß fast 100 Mensehen zum Lager kamen, daß die Zwingcnbergcr Herberge nicht ausreichte, daß Tagung,, Aufenthaltsräume und Schlafen mit kleinen' Hindernissen verknüpft waren. Heina Gochsheimer und die Mannheimer haben aber trotz alledem die Lagerleitung tadellos durchgeführt. Der Eröffnungsabend war /» ir Kiin Heiliger Abend; aber in weihevollen Reden über die Zeit " und ihr wesentlichstes Bundescreignis, die Fusion, «teilte man sich doch auf die Umwelt rücksichtsvoll . ein, ' . Ana nächstes Morgen referierte Herr Lehrer Rosenthal, Mannheim, über die geschichtlich gewordene Situation der Juden in Deutschland. Die Tatsachen fügten sich zu einem übersichtlichen Bild der geschichtlich wirksamen Faktoren der jüdischen Vergangenheit zusammen. — Albert Salzer legte dann die Verhältnisse der europäischen Judenhcit dar. Die heute nun fast gänzlich erloschene Wanderungsbewegung der Juden von Osten nach Westen schuf die drei großen Zentren jüdischen Lebens. New York, Berlin und nach dem Krieg besonders Paris. Verhältnismäßig am ruhigsten zeigt sich die Lage der .lüden in den romanischen Ländern. Die Strömung des Judenhasses in den slawischen Ländern ist nur wenig verdeckt, in den angelsächsischen Ländern scheint sie, wenn auch noch geringe. Symptome zu zeigen. — Am Nachmittag sprach Herr Benjamin. Frankfurt'Main, über die jü- . dische Sozialpolitik. Grundlage einer jüdischen Sozialpolitik ist eine besondere jüdische Not, die zur allgemeinen Notlage hinzukommt. Diese besondere Not ist natürlich vorhanden in ihrem umfassenden Ausmaß und in ihren besonders erschwerenden Momenten für den Juden und die jüdische Gemeinschaft uns allen täglich vor Augen und täglich fühlbar. Dazu ist die jüdische Sozialpolitik in heftigster Krise, ein völliger Zusammenbruch der sozialen Hilfsinstitutionen griff um. sich und greift weiter um sich. Die Jugend, um deren Existenz es geht, fordert heute nicht mehr für sich, sondern für die Zukunft des Judentums und der gesamten jüdischen Gemeinschaft die Lenkung der nur noch spärlich vorhandenen Hilfsmittel an die bedrohten Stellen. Was können wir, die jüdische Jugend, nun unmittelbar dagegen tun? Erstens, etwa am Rande der Möglichkeiten, steht die Einsatzbereitschaft des einzelnen und der einzelnen Gruppe im Sinn der pfadfinderischen Helferschaft. Zweitens kann der Wirkungskreis des einzelnen und der Gruppen auf die Gemeinden schon im Sinne der Forderungen ausgenutzt werden. Drittens und wichtigstens hat der Bund die Pflicht, sämtliche Einflußmöglichkeiten, die er hat, in der Richtung der Umwandlung der Sozial- und Gemeindearbeit einzusetzen. Darüber hinaus gibt es noch die Verpflichtung, die jüdische Sondererscheinung als Ausschnitt der Gesamtnot zu betrachten und daraus die radikalen Folgerungen zu ziehen, der Gesamtnot im ganzen abzuhelfen und der besonderen jüdischen Not damit zugleich zu Leibe zu rücken. Der letzte Weg fällt aus dem Rahmen der ßundesaufgaben, ist Sache des einzelnen und seiner notwendigen Entscheidung. Am späten Nachmittag kam dann KL. In einer Führcrbesprechung wurden aus dem Kreis heraus Fragen grundsätzlicher Art gestellt, die drei Wochen nach der Vcreinigurc der beiden Bünde sich als wichtig erwiesen. Bedenken ur;i Erklärungen ergaben schließlich eine klare Linie, auf der alle ohne Aufgabe des eigenen Standpunktes sich einigen konnte- . Am nächsten Morgen sprach KL. in 2'.'stündJger Rctie über die Lage des Bundes und seine haltungsmäßige Grundlage. Am Nachmittag leitete KL. eine A. G. Führerbildungs-, fragen, die Anregungen der praktischen Erziehungsarbeit, vom Führerstandpunkt aus gesehen, gab. Die restliche Zeit des Tages teilte sich in Sonderbesprechungen einzelner technischer und persönlicher Fragen auf. — Im „Marannengewölbe" fanden abends in bunter Reihenfolge die Vorführungen der Gruppen statt. Titel war etwa: Gaufusion oder Fusicnsgau (wau). Zugleich führten nämlich Verhandlungen zu einer Arbeitsgemeinschaft der südwestdeutschen Gaue. Der Bundeskreis umfaßt Hessen, Schwaben, Pfalz und Saar, gibt Rundbriefe gemeinsam heraus und hat eine Beratungsstelle für Scoutarbeit und eine für Mädels. Am nächsten Morgen, Sonntag, durchschwebte die Tagung Oppositionsgeist: nach allzu heftig gefeierten Fusionen jeder Art ist eine solche Erscheinung nur begreiflich. Sie erwies sich als recht ungefährlich. Heinz Gochsheimer sprach eindringlich über die Erziehungsaufgabe des Bundes, über Zofiuth, den Erzichungsgedanken jüdischer Pfadfinderschaft. Daran anschließend leitete Albert Salzer eine A.-G. über Gesetz und Verpflichtung, ein Anschauungsmittel zur Erziehungsforderung. Es erwies sich als nicht annehmbar, die Gesetze der Pfadfinderei, die bewußt weit gefaßt sind, nun eng und in jedem Falle nur einer Deutung fähig auszulegen. Zu jedem Gesetz, das schon allgemein eine Normforderung sittlicher oder praktischer Art darstellt, muß die vernünftige Anwendung im besonderen Fall treten. Einengung führt zu Verkehrtheiten. In einem großen Schlußappell endete das Lager, das grundsätzlich, aber vor allem menschlich, die Basis befestigte und ausbaute, auf der der neue Bund steht. Leonhard Felsenthal. I '