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Der Jugendbund · 1932-02-01 · 1 (2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
1 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Arbeitsvorschläge immer nur von Fall zu Fall geben lassen. Aber ich möchte ein Beispiel nennen: Eine Gruppe will sich drei Monate lang mit der Frage der9 wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden beschäftigen. Sie hat in diesen drei Monaten 13 Heimabende. Sie wird sich ein bis zwei Abende über allgemeine Wirtschaftsfragen unterhalten müssen, sie wird an etwa weiteren zwei Abenden sich mit der Geschichte der deutschen Juden in den letzten fünfzig Jahren beschäftigen, sie wird dann auf die heutige Wirtschaftskrise eingehen, sie in ihren Auswirkungen in den einzelnen Ländern und besonders in Deutschland behandeln, dann sich zur beruflichen Schichtung der deutschen Juden wenden, das Verhältnis von Krise zur einzelnen Berufsgruppe betrachten und damit zum Schluß über die Lage der Juden in Deutschland kommen. Abschließend wird man sich mit Sonderfragen, Berufsumschichtung usw. zu beschäftigen haben. Nach Möglichkeit sollen wirkliche Sachkenner zu Referaten herangezogen werden, denn nichts ist von größerem Uebel, als die oberflächliche Behandlung dieser lebenswichtigsten Fragen. Die Arbeit auf den Heimabenden kann ergänzt werden durch den Besuch von Museen, landwirtschaftlichen und technischen Betrieben, Heimen und Asylen. Das Ergebnis einer solchen Planarbcit wäre in regelmäßigen Protokollen oder auch in abschließenden, schriftlichen Arbeiten zusammenzufassen. Diese schriftlichen Arbeiten haben den Wert der Selbstkontrolle, dann aber können sie auch als Material (ür die Arbeit anderer Gruppen dienen. Dies nur als ein Beispiel, hunderte, einschließlich Literaturangaben usw. können gegeben werden, ein Rundbrief der nächsten Wochen wird sich mit der Materie ausgiebig beschäftigen. Die in der zweiten Stufe zusammengefaßten Aelteren werden die Arbeit der ersten Stufe fortsetzen müssen, sie aber noch zu ergänzen haben durch die Beschäftigung mit pädagogischen Fragen (siehe unser Rundbrief) und mit all den Fragen, die im Mittelpunkt des Bundcslebens stehen. Besonders für diesen Kreis wird früher oder später die Führcrzcihing geschaffen werden müssen. Diese Aelteren werden auch in stärkcrem Maße von den Notwendigkeiten der lokalen Arbeit beeinflußt werden. Aber auch für sie gilt das Prinzip der Planarbeit und der Selbstkontrolle des Erreichten. Die Gemeinsamkeit der Problemstellung, die sich in allen Führergruppen ergeben wird, muß natürlich zu einer stärkeren Einflußnahme durch die Leitung des Bundes führen, insbesondere durch regelmäßige Führerschulungskurse und durch die Herausgabc von Rundbriefen rein sachlicher Natur, •i Abi-r die Arbeit der beiden jetzt genannten Stufen hält sich 'moch ganz eng im Rahmen der gesamten Bundesarbeit und stellt noch nicht das Aelterenproblem dar. Erst in der nächsten Stufe müssen wir uns mit neuen Fragen auseinandersetzen. Den Fragen, an welchen Stellen wir ganze Gruppen Aelterer oder einzelne Aeltere einsetzen können. Ich glaube, daß die Arbeitsmöglichkeilen dieser Gruppen in erster Linie auf dem sozialen Gebiet liegen. Hierüber wird grundsätzlich noch am Schluß einiges zu («gen sein, aber die Möglichkeiten sind ja unbegrenzt. Sei es, daß einer Gruppe eine bestimmte Aufgabe in der sozialen Hil'e des Verbandes oder der Gemeinde zugewiesen wird, daß sie die Aufgabe erhält, sich um die Schaffung von Heimen, von Bibliotheken zu bekümmern, daß sie Schutzaufsichten übernimmt, den Versuch der Stellenbeschaffung macht und vieles mehr. Sie kann Tagesheime für Kinder Minderbemittelter oder Erwerbsloser unterhalten, sie kann Abendheime für Angestellte errichten, Lesehallen gründen oder, möglichst gemeinsam mit den Verbandsvereinen, Vorträge und Kurse veranstalten. Sie kann aber insbesondere als aktiver Trupp innerhalb eines Verbandsvereines diesen im Sinne unserer Verbandsvorstellungen aktivieren. Von Fall zu Fall werden sich spezielle Aufgaben ergeben, Aktionen sind immer durchzuführen, ob es sich um Arbeiten Ifir den Verband, für die Gemeinde, für den Bund, für den Palästinaaufbau oder im Rahmen einer politischen Abwehrmaßnähme handelt. Auf gleicher Basis liegt die Tätigkeit der Aelteren der vierten Stufe, nur daß sie im allgemeinen stärker auf sich selbst gestellt sind und nicht mehr den Rückhalt der Gruppe haben. Diesen Aelteren fällt als wichtigste Aufgabe die Zellenbildung im Verbände zu, die Schaffung von kleinen Kreisen aktiver junger Verbandsfreunde, die bereit sind, mit uns an eine gründliche Umgestaltung des Verbandes zu gehen. Denn hier liegt der entscheidende Punkt unserer Aelterenarbeit überhaupt. Wir wollen dem Verband und seinen Vereinen in ihrer heutigen Gestalt gerecht werden, sie haben Aufgaben übernommen und sie, zum Teil wenigstens, erfüllt. Sie haben jungen jüdischen Menschen in einer bestimmten Situation einen gesellschaftlichen Zusammenhalt und jüdisches Wissen gegeben, sie haben teilweise auch praktischen Anteil am Leben und der Gestaltung der jüdischen' Gemeinde genommen. Aber für den Verband gilt in vielem das gleiche, was ich in der vorigen Nummer dieses Blattes von der jüdischen Gemeinde sagte. Er wird in der heutigen Situation seinen Menschen nicht mehr gerecht. Was tun wir heute in unserer Erziehung? Wir geben unseren Menschen eine Haltung mit auf den Weg. wir erziehen sie zum Wissen und zum Können und zur Leistung, aber weder die Haltung, noch das Wissen, noch das Können, noch die Leistung können sie davor bewahren, durch die wirtschaftliche und seelische Not den Boden unter den Füßen zu verlieren. Dann kommen unsere Aelteren zu uns und fragen, was sollen wir tun? Was nützte uns der Bund und was nützt er uns? Wir verkommen, weil wir nicht arbeiten können, weil wir hungern müssen und weil uns die letzte Möglichkeit persönlicher Lebensgestaltur?g fehlt. Wir sind nicht mehr Menschen, sondern nur noch Nummern der Arbeitslosenämter. Ihr habt uns zum Gedanken der Solidarität erzogen. Solidarität?!" Sinn und Zweck unserer ganzen Arbeit fällt mit dem Solidaritätsgedanken. Wir müssen unseren Menschen in dem Augenblick zur Seite stehen, in dem nicht mehr wir sie zur Erreichung unserer Ideen, sondern sie uns zur Gestaltung ihres Lebens brauchen. Erst dann erfüllt sich der Sinn des Bundes. Haltung wird Ausdruck einer Phrase, wenn Menschen eben' nicht mehr Haltung bewahren können. An anderer Stelle wird über die entscheidenden Aufgaben zu sprechen sein, die Bund und Verband in gleicher Weise angehen, vielleicht das stärkste bindende Moment, darstellen. Berufsberatung und Hilfe zur Berufsausbildung, Schaffung von Arbeitsmöglichkeilen in Form von Stellenvermittlung, von Notstandsarbeiten oder von Kollektivun' rnehmen. Unterstützungskassen jnüssen gebildet werden, nicht unter dem Gesichtspunkt der philanlropischen Hilfe, sondern als Verpflichtung des einen den anderen, des Ganzen dem einzelnen gegenüber. Die Beiträge an den Verband müssen gewerkschaftlichen Charakters sein, das Recht auf Unterstützung gewährleisten, gleichviel in welcher Form. Die Verbandsvereine dürfen nicht weiter Literaturzirkel sein, sie müssen Gemeinschaften junger jüdischer Menschen werden, in denen jeder ein gleiches Recht auf Arbeit und Leben hat. Ob der Verband diese Aufgaben gemeinsam mit anderen Organisationen oder mit den Gemeinden erfüllt, ist eine andere Frage. Aber der Bund kann nur gemeinsam mit den .Verbandsvereinen an die Aufgaben gehen, die allein den Aelteren im Bunde gerecht werden. Und hier setzt die Arbeit aller unserer Aelteren ein, gleichviel in welchem Kreise, in welcher Stufe und an welcher Stelle sie stehen. Schritt für Schritt werden wir Vorwärts gehen müssen, wir brauchen keine Bekenntnisse zu irgendwelchen „Ismen", es ist gleichgültig, ob man die Solidarität aus Gründen sozialistischer Weltanschauung oder jüdischer Ethik fordert, sie zu verwirklichen ist erste und letzte Aufgabe des Bundes und seiner Aelteren. Hundertfach sind die Aufgaben, die der einzelne hat, im Bunde und außerhalb des Bundes, aber der Sinn des Bundes 11

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