Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1932-02-01 · 1 (2.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
1 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352313-6352584--1096-4929224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

altrigen und im allgemeinen gleich entwickelten Jungen die Notwendigkeit sexueller Aufklärung zu verschiedener Zeit sich einstellen kann, muß der Führer, der ja die Entwicklung der einzelnen Jungen verfolgt, in jedem Falle entscheiden, wann die Aufklärung des betreffenden Jungen erforderlich ist. Am besten erfolgt die Aufklärung in einer Einzelunterhaltung des Führers mit dem Jungen, weil hier Dinge zur Sprache kommen, die den einzelnen sehr bewegen und nur in einer Einzelunterhaltung wirklich auf die Psyche eines Menschen eingegangen werden kann. Das Ziel der Arbeit mit den Wölflingen ist neben der Erziehung zur Gemeinschaft die geistige und körperliche Ertüchtigung der Jungen. Verfolgen wir in kurzen Zügen die Entwicklung einer Wülflingkwuzah. Nehmen wir eine Gruppe von etwa sechs bis sieben neu gekeilten Jungen von zehn Jahren. Hier wird zuerst daran zu gehen sein, die äußeren Voraussetzungen der Arbeit zu schaffen. Schaffung der Formen, Symbole, Erziehung zur Pünktlichkeit, Ordnung und Eingliederung in die größere Gemeinschaft derPlugah oder des Bundes. Nachdem erst einmal diese nötige Vorarbeit, die großenteils organisatorischer Art sein wird, geleistet ist, kann an die sachliche erste große Aufgabe, die Wölflingsprüfung geschritten werden. Ohne an dieser Stelle auf den Sinn und die Bedeutung der Prüfungen im allgemeinen einzugehen, muß doch betont werden, daß schon bei der Wölflingsprüfung der Zweck der Prüfungen überhaupt beachtet werden muß, wenn man richtig erziehen will. Die Prüfung hat eine doppelte Funktion zu erfüllen: einmal sollen die Jungen schon als Wölflinge wissen, was der Bund von ihnen verlangt, dann aber sollen auch die Führer das Ziel der Erziehung stets klar vor Augen haben. Sie sollen nicht eine so weitgehende Freiheit haben, mit den Jungen nun zu machen, was sie gerade für richtig halten; man würde dann bald wieder das Bild haben, das wir so oft in der Jugendbewegung gesehen haben, daß nämlich die Gruppen, je nach der persönlichen Einstellung des Führers, ein verschiedenes Ziel verfolgen, so daß dann von einem einheitlichen Bunde nicht gesprochen werden kann. Für die Jungen ist die Ablegung der Prüfung nur der Beweis, daß sie den vom Bunde an sie gestellten Anforderungen genügen und zu der Leistung fähig sind, die der Wölfling als solcher auch zustande bringen soll. Die Prüfung ist somit einmal Richtlinie der Arbeit für den Führer, und den Geführten, anderseits aber auch Kontrolle Uber den Erfolg der geleisteten Arbeit für Führer und Geführten. Wie im einzelnen das in der Prüfung verlangte Wissen und Können erarbeitet wird, darüber kann der einzelne Führer frei entscheiden und hat so noch ungeheure Möglichkeiten, seine eigenen Vorstellungen von Erziehung und Arbeit im Bunde zu Verwirklichen. Diese Arbeit, nach und nach alle Jungen soweit zu bringen, daß sie die Prüfung ablegen können, wird den Hauptteil der Heimabende ausmachen. Gewiß ist es nicht ausgeschlossen, im Gegenteil erwünscht und notwendig, daß nebenbei noch andere Dinge zur Sprache kommen. Die Vorbereitungen zur Wölflingsprüfung werden in der Regel mindestens eine einjährige Arbeit einer Kwuzah ausmachen. Denn es sollen doch nur solche Jungen die Wölflingsprüfung ablegen, die fest im Bunde sind und auf die man sich als Bundesangehörige verlassen kann. Außerdem muß darauf geachtet werden, daß gründlich gearbeitet wird. Es läuft nicht nur dem Sinn unserer Prüfungen zuwider, sondern ist außerordentlich schädlich, wenn nur für die Prüfung etwas eingepaukt wird. Wer sich mit seinen Jungen hinsetzt und ihnen verschiedene Knoten oder eine Heldcngeschichte eintrichtert, der hat . den Sinn unserer Arbeit' nicht begriffen. Alle Wölllingsarbeit muß sich organisch ergeben, muß' in das Leben der Kwuzah eingegliedert werden. Die erste Entwicklungsstufe der Kwuzah ist erreicht, wenn die Jungen alle nun tatsächlich Wölilinge sind, wenn sie die Prüfung gemacht haben. Das zweite größere Ziel/^das es nun zu erreichen gilt, ist die Aufnahme in die Jungpfadfinderschaft des Bundes, die vom Bestehen der Jungpfadfinderprüfung abhängig ist. Die Anforderungen, die die vjungpfadfinderprüfung an den einzelnen «teilt, sind bereits erheblich größere, die von den Jungen nur in jahrelanger ernster Arbeit erfüllt werden können. Besteht erst eine Wölflingskwuzah ein Jahr, haben d;e Jungen die erste Prüfung abgelegt, dann werden sich die Erfolge der Arbeit über den Rahmen der Kwuzah sehr bald auswirken. Dann wird sich zeigen, daß Bund und Zug durch gute Wölflingskwuzoth sehr gefördert werden können. Die Erfahrung hat auch gelehrt, daß die Junten dem Bunde am meisten bedeuten, die schon als Wölflinge im Bunde waren und als solche die Entwicklung von klein auf im Bunde durchgemacht haben« Noch einige Hinweise für die Veranstaltung von Hcimabenden und Fahrten seien gegeben. Ein Heimabend für Wölflirge wird am zweckmäßigsten wie folgt verlaufen: Bei Beginn des Heimabends wird das Kwuzah-Lied gesungen, dann der Wimpel oder Totem der Kwuzah gegrüßt. Sodann folgt der eigentliche Heimabend, der entweder in Form einer Unterhallung oder eines Spieles vor sich gehen wird, wie das bereits oben geschildert wurde. Auf jedem Heimabend sind am besten stests mehrere Dinge zu machen, Lieder singen, Geschichten vorlesen, Spiele veranstalten, weil der Woliling nicht die Ausdauer hat, allzu lange bei einer Sache zu bleiben. Daß die zu besprechenden belehrenden Themen auch in einer den Wölflingen leicht verständlichen, ihren Vorstellungen angepaßten, ihrer Phantasie Rechnung tragenden Form zu behandeln sind, ist schon dargetan worden. Welche Themen im einzelnen die geeignetsten sind, kann im Rahmen dieser Ausführungen nicht erörtert werden. Ueber diese Fragen wird in nächster ein ausführlicher Rundbrief erscheinen, der reichhaltiges Material enthalten wird. Eine Wölflingsfahrt unterscheidet sich ebenfalls erheblich von einer Fahrt älterer Jungen. Gehen Wölflinge mit anderen Jungen zusammen auf Fahrt, dann ist auf die Wölilinge schon darin Rücksicht zu nehmen, daß nicht übermäßig viel geklotzt wird. Man darf auch nicht den Grad körperlicher Leistungsfähigkeit beim jugendlichen Organismus überspannen. Solche Bravourkunststücke schaden mehr als sie nutzen. Es empfiehlt sich ferner, bei Handball- und ähnlichen Spielen, die Kleinen gesondert spielen zu lassen. Vor allem aber muß der Führer daraut achten, daß die Wölflinge nicht als Laufjungen von den älteren Jungen benutzt werden, was sehr häufig, wenn nicht meistens, der Fall ist. Gehen die Wölilinge allein aui Fahrt, dann kann die Fahrt ganz auf sie eingestellt werden. Auf Fahrt sollen den Jungen die scouttechnischen Dil ge gezeigt werden. Deswegen sind Zelte zu bauen, und zwar regelmäßig, auch bei schönem Wetter. Schleichspiele, bei denen eine Partei die andere sucht, sind vorzüglich dazu geeignet, sich in der Spurenkunde und der Kunst der Beobachtung zu schulen. Bei solchen Spielen, die durch die Phantasie des Führers und-Jer Jungun außerordentlich variiert werden können, kann man gleichzeitig Wegzeichen, Morsen, Signalisieren und verschiedene andere Künste erlernen. So wird den Jungen im Rahmen eines Spieles, das ihnen Spaß macht, die Möglichkeit gegeben, sich das notwendige Wissen anzueignen. Unsere Jungen spielen meistens alle gern Fußball. Auch dieses Spiel hat nicht nur einen Wert für körperliche Ertüchtigung, sondern kann auch wichtige erzieherische Aufgaben erfüllen. Vor allem ist es der Gemeinschaftssinn, der bei-jedem Mannschaftsspiel starke Förderung erfahren kann. Der einzelne muß lernen, daß es darauf ankommt, nicht für sich zu brillieren, sondern sein Spiel zum Vorteil, seiner Mannschaft einzurichten, indem er es übers Herz bringen lernt, z. B. selbst auf Torschü'.zenehrcn zu verzichten und seinem günstiger stehenden Spielkameraden den Ball abzuspielen. An diesem Beispiel kann man erkennen, wie ein verständiger (aber auch sachkundiger) Führer alle Beschäftigungen auf Fahrt zu einem sinnvollen Ganzen machen kann. Dali aui Fahrt nur gemeinsam gegessen wird, daß alles, besonders die Süßigkeiten und Obst, geteilt wird, und warum dies geschieht, braucht wohl nicht erst hier noch besprochen zu werden. Ich möchte ferner auch empfehlen, durch Spiele oder bei sonstiger Gelegenheit Uebungen zu machen, durch 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.