Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 1 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber all dies« Fehler In der Erziehung sind nur möglich, weil man eben das Kind aus seinem jugendlichen, natürlichen Erlebniskreis herausreißt und ihm einen Standpunkt der Erwachsenen, also für ein Kind unnatürlichen, aufzwingt. Hier setzt die Scouterziehung entscheidend ein. Sie versucht sich ganz dem jugendlichen Erlebniskreis anzupassen und aus diesem Erlebniskreis heraus zur Leistung zu erziehen. Nicht mehr wird der Maßstab der Erwachsenen angewandt, sondern der der Jugendlichen. Sie messen ihre Leistung innerhalb ihrer Gemeinschaft mit eigenem Maßstab in ihrem Wert für die Gemeinschaft. Und sokommt der Jugendliche ungehemmt zur vollen Auswirkung seines Könnens und zur vollen Entwicklung seiner Fähigkeiten. Und von Stufe zu Stufe seiner Entwicklung ändert sich sein Weltbild, ändert sich aber auch entwicklungsangepaßt sein Wirkungskreis und damit seine Wirkungsmöglichkeit. Dem natürlichen, abenteuerlichen, romantischen Empfinden des Jugendlichen ist die äußere Form der Scouterziehung angepaßt. Lager und Fahrt, Form und Symbolik, bunt und phantasievoll, spielerisch und doch ernst. Und jedes Spiel, jede kleinste Arbeit gewinnt Wert, weil sie für die Gemeinschaft geleistet werden. Der Bau des Zeltes gilt nicht nur dem eigenen Schutze, er gilt dem Schutz der Gruppe, das Wettspiel ist der Kampf eines jeden bis zur letzten Kraft für den Sieg der Gruppe. Und der Wimpel, das Abzeichen, sind Symbole einer Gemeinschaft, verpflichten den Träger, der Gemeinschaft Ehre zu machen. Sagt nicht, dieses Gefühl kann man auch auf andere Weise anerziehen, bei e»ch Aelteren, ja — vielleicht —, weil ihr erkennt oder erkennen solltet, aber dem Jugendlichen fehlt eine Erkenntnis, die erst die Entwicklung mit sieht bringt. Die Menge des technischen Könnens, die vom Scout gefordert wird, ist keine militärische Spielerei, sondern wohlüberlegte Methode der Erziehung zum praktischen Denken, zum schnellen Handeln, zur Entschlußkraft, zum Mut, zur Leistung. Da wird mir immer gesagt, wozu der Unfug des Knotenknüpfens. Ich will nicht werten, ob jeder gelernte Knoten unbedingt eine praktische Bedeutung hat. Aber die Tatsache, daß der Junge in jeder Situation den richtigen Knoten anwendet, daß er schnell erkennt, schnell ausführt und richtig handelt, ist. der Wert dieses spielerischen Lernens. Denn der Junge lernt überhaupt alles im Leben seiner Gruppe unter dem Gesichtspunkt dieser Gruppe. Leistung für die Gemeinschaft, Gruppenwollen und Gruppenarbeit. Hundertfach sind die kleinen, aus dem Leben des Jungen gefundenen spielerischen Arbeiten, deren Wert nicht in sich, sondern in der Auswirkung dieses Könnens steckt. Die Menge der äußeren Formen hat ihren Wert nur in Hinsicht auf das Leben in der jugendlichen Gemeinschaft, sie mit Maßstäben der Erwachsenen zu messen, führt immer zu einem Verkennen. Die Hallung des Jugendlichen wird bestimmt durch sein jugendliches Milieu, keine Haltung der „Großen", aber eine wahrhafte Haltung. Das Kennen des Seouls wird bestimmt von der Möglichkeit jugendlichen Aufnahmevermögens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger wird verlangt. Stufe für Stufe baut das Scouting auf. Die Wölflinge, die noch vor der Pubertät Stehenden, werden in starken, dem Herdenbewußtsein angepaßten Gruppen zusammengefaßt. Ihr Erlcbniskreis wird bestimmt durch den Bandensinn, sie hängen aneinander wie die Kletten und ihre Arbeit in der Gruppe, diese Arbeit, die noch Spiel ist, ist gänzlich auf die Grupp« eingestellt. Die nächsten beiden Stufen sind die Jungpfadfinder und die Pfadfinder, die in der Pubertät Stehenden. Ihr Kollektivsinn ist stark getrübt durch die starken seelischen Erschütterungen, die die Reifezeit mit sich bringt. Ihre Arbeit, immer noch auf die Gruppe eingestellt, ist schon bestimmt durch die sich entwickelnde Persönlichkeit. In der freien Entfaltung ihrer Kräfte läßt sich leichter ihr Persönlichkeitssinn erkennen. Die Bandenform wird stärker ersetzt durch die Persönlichkeitsbindungen, aber immer bleibt die Gruppe Lebens- und Wirkungskreis. Und dann kommt die letzte Stute der Scouterziehung. Die Aelterenschaft, die Rovers. Die Zeit des Spiels und der Vorbereitung hat ihren ersten Abschluß gefunden, die Zeit der Leistung beginnt. Aulgaben innerhalb und außerhalb des Bundes heist es erfüllen, das Gesetz des Pfadfinders, das Gesetz jugendlicher Solidarität, wird zum Gesetz der Gemeinschaftsgestaltung. Der Rover muß beweisen, daß der Bund seine Aufgabe an ihm erfüllt hat und er jetzt beginnt, seine Aufgabe am Bunde zu erfüllen. Vielfältig ist das System der Arbeit in der Scoutbewegung. Gesetz und Verpflichtung als Ausdruck einer Haltung, nicht als Forderung zu einer Haltung, Prüfungen als Beweis eines Könnens, nicht als Ziel des zu Erreichenden. Es gibt keinen Abschluß der Ausbildung, es gibt keine „Reifeprüfung". Es gibt nur Stufen der Leistung, hunderte von Stufen. Keine Stufe ist dem einzelnen unerreichbar. Alle Forderungen werden der persönlichen Struktur des einzelnen angepaßt, ein Erziehungssystem und doch kein „System", weil ihm alles „Systematische", alles „über-einen-Kamm-scheren" fehlt. System in der bewußten Einstellung auf den jugendlichen Menschen, in der bewußten Erziehung zur Persönlichkeit im Sinne der durch die Anlagen gegebenen Leistungsmöglichkeiten. Aber keine Erziehung zur körperlichen oder geistigen Kraftmenschennatur. Denn über alter Leistung steht das Prinzip der Gemeinschaft, steht der Wert der Leistung für die Gemeinschaft Heute ist es eine Gemeinschaft der Zwölfjährigen und der Wert wird bestimmt von dem Maß eben der Zwölfjährigen, morgen ist es die Gemeinschaft der Siebzehnjährigen und bald ist es die Gemeinschaft ernster Männer und Frauen. Der Wert der Leistung liegt heute in ihrem Wert für die jungenhafte Gruppe, ehrlich, frei und stark, morgen in dem Einsatz für die Gemeinschaft, der man angehört. Was als kindliches Spiel nur allzuoft im Sinne altväterlicher Betrachtung verworfen wird, gestaltet sich in jugendlicher Gemeinschaft zur Perscnlichkeitsleistung. Leider gibt es k»ine Möglichkeit, einmal festzustellen, wieviel Künstler der Welt verloren gingen, weil man dem Kind in der Jugend erste Formen künstlerischen Ausdruckes verboten hat. Leider gibt es keine Statistik der Fälle asozialer Haltung, wo man es nicht verstanden hat, von kindlicher Erkenntnis getragene Haltung im sozialen Geiste v :ugestalten und wo man durch den Druck nur die Ablehnung gegenüber der Gesellschaft verstärkt hat. Am nächtlichen Feuer, im tobenden Spiel, hinter wehender Fahne im gleichen Tritt mit den Kameraden wirkt jurfend'iches Erleben sich aus. Dieses Erleben mit sachlicher Arbeit, mit Wissen und K<"nnen zu erfüllen, chne den iungen Mensrhen aus seinem E^eb^n zu reißen, d-s ist der päd?gofi:s'-he Weg des Scmit-'ngs. Will man dieser Bewegung andere Motive unterschieben, so beweist man nur Unkenntnis. Kurt London. Wölf läng sarb eil In den einzelnen Kwuzoth werden die Jungen und Mädchen züsemmengefaßt, die alters- und entwicklungsgemäß zitsamnenpassen. Wir unterscheiden im Bunde drei Generationen, deren Aufgaben und Erziehung verschieden sind. Im folgenden seilen die Grundsätze behandelt werden, die für die einzelnen Generationen rraßgebend sind; dabei sind unter Wülflin.,,en die Jungen von 10 bis 13 Jahren, unter Jungpfadfindern Jungen von 13 bis 15 Jahren und unter Pfadfindern Jungen von 16 bis 18 Jahren zu verstehen. Wenn sich auch diese Einteilung nicht schematitch durchführen läßt, kann sie doch als Regel den folgenden Ausführungen zugrunde gelegt werden. Häufig werden Bedenken laut, ob es richtig sei. sehen zehnjährige Jungen und Mädchen zu werben und in die Arbeit des Bundes einzugliedern, ob denn dies nichts anderes sei als eine 7