Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 1 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinne des Friedens, im Sinne der Befreiung der Unierdrückten, müssen wir uns selbst aufs stärkste wappnen. — Wir sind ghettoschwach, denerviert, überspitzt kritisierend, mehr negierend als gestaltend. Und wir sehen öfter den Taten zu, als daß wir sie selbst durchführen. Wir brauchen unsere Gemeinschaft, sonst sind wir verloren in unserer Eigenart und irf unserer Leistungsfähigkeit für die Menschheit, wir brauchen die Form unseres Jugendlebens. uns angepaßt, inmitten der Jugendbewegung der Welt, nicht isoliert, sondern gemeinsam mit den anderen, geschlossen in unserem Behauplungswfllen. Wir brauchen die Fprm für unsere Jungen und Mädels, die uns als jüdische Pfadfinder gerecht werden muß; schärfste Selbstdisziplin als Vorbereitung des Lebens, nicht Kommando von oben, sondern Erkenntnis des einzelnen. Wir brauchen all die Buntheit der Eindrücke, die Erlebnismöglichkeit und Erlcbnisfähigkeit eines die Not der Zeit erkennenden, die Konsequenzen ziehenden, aber doch innerlich unbeschwerten Jugendkreises. Wir brauchen all das, was jüdischem Aufbauwillcn in den Ländern der Zerstreuung und im alten Lande unserer Kultur sich uns als Ideal darbietet. Der jüdische Pfadfinder hat seine Formen, übt seine Tatkraft, will stark werden an Körper und Geist, um sich vorzu-, bereiten für das Leben, für die Zukunft seiner Gemeinschaft. Er steht in der. jüdischen Gemeinschaft und kämpft für deren Zukunft. .Er erfüllt die Pflichten des Pfadfinders gegenüber seiner Umwelt, er zeigt seine Leistung überall da, wo er sich hinstellt oder hingestellt wird. Auch außerhalb seiner Gemeinschaft, in der Umwelt des Landes, in dem er lebt und mit dem er eng verbunden ist, und für die Gemeinschaft der Völker. Vieles kennen und prüfen, leislen und wieder leisten, sein Leben lang; denn das unterscheidet den Pfadfinder von irgendwelchen Jugendträumern romantischer Jugendbewegungen. Man ist Pfadfinder sein Leben lang. Im Jugendbund bereitet man sich dazu vor, als Erwachsener beweist man, daß man es ist. ' . Der Inhalt des Pfadfindergesclzes umfaßt das alles, wie die Form des Lebens gestaltet wird, sie mag sich dann und wann ändern, Gemeinschaften brauchen Formen. Zeitlos jedreh ist jener Begriff des über den Menschen schwebenden Ideals, das das Leben erst lebenswert macht und uns befreit von der Last täglicher Sorgen, von dem niederdrückenden Elend des Alltags. Das Ideal gibt uns Mut zur Tat. Für uns gilt es, sie zu leisten in der jüd. Gemeinschaft. Wie. wo, wann, das hängt von vielem ab, aber die grundsätzliche Tatbcreilschafl muß vorhanden sein, und wenn wir sie haben, sie steigern und zur Vollendung führen, hat der Bund einen Sinn und damit unser Leben: denn wir sind der Bund. Dr. Leo Goldhaber. Scoutingals pädagogischer Weg Aus der praktischen Erfahrung heraus ist eine Erziehungsmethode entstanden, mehr als eine Methode, eine Erziehungsbewegung. Millionen junger Menschen aller Länder in allen Erdteilen sind in dieser Bewegung geeint, dieser Bewegung, die es sich zur Aufgabe macht, Pfadfinder, Pioniere des menschlichen Lebens, zu erziehen, deren Idealbild nicht der romantische Junge, das spielende Mädel, sondern der kämpfende Mann, die kämpfende Frau ist. Die Bewegung der Scouts hört nicht mit dem Heraustreten aus dem „Jugendland" auf, nur der erste Teil der Erziehung ist damit abgeschlossen, der zweite Teil, die Auswirkung in der Gesellschaft und die Selbsterziehung zum gestaltenden Mitglied dieser Gesellschaft, beginnt. Boy-scout ist man, solange man Junge ist, Scout ist man sein ganzes Leben lang oder man ist es überhaupt nicht. Scouting ist die Methode, aus dem. Jungen einen Scout zu erziehen, in einer jugendbewegten Umgebung, die jungenhafter Art und jungenhaftem Sein gerecht wird, ohne den Versuch zu machen, Jungenhaftigkeit zur Weltanschauung zu gestalten. An das Ziel der Scouterziehung mag man allgemein gültige Maßstäbe anlegen, an die Erziehung zum Scout darf man nur den Maßstab pädagogischer Zweckmäßigkeit anwenden. Ueber das Ziel spricht in diesen Seiten Leo Goldhaber, diese Zeilen sollen nur einen Einblick in die Methodik der Scouterziehung bieten. Haltung, Können und Leistung sind die Voraussetzungen, die den Scout ins Leben begleiten sollen, zur Haltung, zum Können und zur Leistung soll ihn die Pfadfindererziehung erziehen. Der größte Fehler, der allgemein in der Erziehung gemacht wird, ist, daß auch für die Haltung des Junten 'ei Mädchen der Maßstab der Erwachsenen angewandt wird. Längst hat man erkannt, daß der jugendliche Mensch eine eigene Vorstellung seines Weltbildes in sich trägt, daß er eigene Maßstäbe in der Beurteilung seiner Umwelt und ihrer Erscheinungsformen hat, bestimmt '(durch sein jugendliches'.Empfinden und daß er die Maßslabe, der Erwachsenen nicht versteht, weil er eben noch nicht erwachsen ist, weil ihm die zur Erkenntnis der Erwachsenen erforderliche Reife rein altersmäßig fehlt. Man kann ihm die Maßstäbe der Erwachsenen einhämmern, verstehen wird er sie nicht, weil er sie nicht verstehen" kann. Aber der Versuch, ihn über seine eigene Erkenntnis hinaus zum „Verständnis" zu führen, zeitigt im besten Falle das, was wir so nett mit „altklug" bezeichnen, jenen Knirps mit Vollbart. Meistens ist aber der Erfolg viel gefährlicher, weil das erzwungene Verständnis gegen eigene Erkenntnis, zu einem. Haß gegen die Formen führt, denen er sich anpassen muß. Daß dies gerade noch während der Pubertät, der empfindsamsten Zeit jugendlicher Entwicklung, erfolgt, verschlimmert nur das negative Ergebnis. Auf junge Menschen einwirken wollen, heißt, sich ihrem jeweiligen Vorstellungskreis anpassen müssen, heißt, in jeder Stufe ihrer Entwicklung mit ihnen gehen. Und nur wer aus wirklich pädagogischem Wissen erkennt, wieviel Stufen dieser Entwicklung es beim jugendlichen Menschen gibt, wie sich jede dieser Stufen bei so vielen anders auswirkt, wird die Möglichkeit dieser Anpassung haben. Die Haltung jugendlicher Menschen wird sich stets von der der Erwachsenen unterscheiden, wenn man die jungen Menschen sich in ihrer Welt entwickeln läßt. Ich möchte ein Beispiel von vielen nennen. Der Persönlichkeitsbegriff ist beim Jugendlichen wesentlich stärker, als beim kritischen Aelteren. Er begeistert sich daher leichler für die Taten eines einzelnen, für Winnetou und Sherlock Holmes, für den Helden der Antike und der Gegenwart. Weil in seiner kindlichen Welt noch nicht Erfahrungen über die Zweck, mäßigkeit des Knllektivwollens eine Rolle spielen, weil er in seiner Persönlichkeitsbetrachtung dort steht, wo auch einmal eine Welt in ihren jüngeren Jahren stand, so ist sein jugendliches Leben und Erleben ausgefüllt von der Leistung des Einzelnen. Aber diese Helden seines Lebens kämpfen immer für eine gute Sache. Ganz im Unbewußten steht nämlich die Gemeinschaft, für die sie sich einsetzen. Nun reißt man das Kind aus diesem Erleben heraus und läßt es lernen, nicht für sein augenblickliches Leben, sondern für „später". „Wenn Du einmal groß bist, mußt Du das alles können." Aber das Kind ist nicht groß und glaubt nicht an das Später, weil es davon keine Vorstellung haben kann. Und es muß ein Wissen in sich hineinpauken, dessen Wert es nicht versteht Es darf zwar etwas leisten, aber es weiß mit dieser Leistung nichts anzufangen und der schönste Erfolg auf diesem Erziehungsweg ist immer nur der persönliche Ehrgeiz, nicht das Bedürfnis, auch für den andern zu leisten, sondern nur mehr als der andere zu leisten. Diese Erziehung führt zu einer ausgesprochen egoistischen Haltung. Die eigene Leistung tritt stärker in den Vordergrund, je schlechter die Leistung des anderen ist, das eigene Betrogen wirkt besser, je schlechter das Betragen des anderen wirkt. Versteht ihr jetzt, warum Kinder oft in der Schule den Kameraden einen Schabernack spielen, sie von der Arbeit abhalten?