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Der Jugendbund · 1932-02-01 · 1 (2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
18 (1932)
Issue
1 (2.1932)
Date
1932-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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entgegen euerer Tradition heute nur ein einig«»« Judentum die I .age In—itii könnte)' Zwingt uns junge Meusehen beute nicUt «Jas ungeheuere Tempo «ier Entwicklung, in unserer Jugend bereits Erfahrungen zu sammeln, die ihr in einer nnbfwegten Zeit in langen Jahren euch aneignen konntet? Wir Wullen ehrlich, «Oer mit aller EnUchi«Htenbeit unsere Jugend und durch sie «Jas gesamte Judentum reförmieren. Es darl fttr uns keine jüdische Partei um ihrer selbst willen gehen, ekann nur eine jüdische Einheitsfront geschaffen werden. Die Einigkeit kann heute um von der Jugend ihren Atoegang nehmen. Wir lassen uns nicht mehr belehren, «laß die Bemühungen um eine Einheitsfront des Judentums erfolglos Bein müssen. Selbst wenn sie aussichtslos wären, hatten wjr als verantwortungsbewußte Menschen «lie Pflicht, wenigstenden Versuch dazu zu machen. Ks snll Einigkeit, aus drin Druck <ler Not geschaffen, zu "einer Reform «los jüdischen Lebens rühren. Freilich i.-t der Wog zum Ziel k«-in dornenloser. Er fordert von uns als Führern Verzieht auf Vergnügungen Und Annehmlichkeiten, die uns in normalen Zeiten wohl gegönnt sind. Wir werd<'ii zuerst uns reformieren müssen, um erfolgreich unsere Aufgabe zum Ziele führen zu können. Eines «her bleibt uns nicht erspart! Die Pflicht zur unbedingten Wahrheit und Offenheit. Wir müssen die Selbstbetfcn.bung und Feigheit in unserer Mitte bekämpfen. Wenn btetimnite Abwebrvercine es nicht wagen, der jüdischen ISevölkerung die wahre Lage zu offenbaren aus Angst, daß viele Anhänger darüber in Verzweiflung gerieten, so stellt die«- vi«*len unserer Schicksalsgenossen ein betrübliches Zeugni- .111.-! Dhs meisten mochten immer hören, es sei noch gar nicht -i> schlimm wie es den Anschein hätte. Dieser Willi) zur Selbsttäuschung uixl zur Selbstentsehul.ligung („wenn H um h nicht so schlecht steht, brauche ich nicht so viel zu tun uimI kann mich noch eher den gewohnten „Ablenkungen" hing.-ben*') ist ein«' Sünde wider die Gemeinschaft. Wir wollen demgegenüber die Lage in ihrer vollen Grausamkeit erkennen, nicht um zu verzweifeln, sondern um unsere junge Kraft auf «h in Bmlen der Wirklichkeit, nicht an nutzloser Stelle einzusetzen. Wir müssen au all? Nichtorganisierten, au den jüngsten Juden herantreten und ihn zur jüilischeu Gemeinschaft erziehen. Und heute noch müssen wir die „Einheitsfront der jüdisches .Jugend" schaffen mit folgendem Programm- Zur Erhaltung des .ludentuius gegen die feindlichen Machte soll eine jüdische Kinheilsfront ge-cliaffi-ii werden, die -ich folgende Aufgaben stellt: 1. Kampf für eine Zentralisierung des jüdischen Gcmeiiwlelcbens in der Gemeinileverwaltung, begonnen bei der Zentralisierung «Ier gesamten sozialen llilfstülig-. keit. 2. Kampf g<gcn die „soziale Lüge" innerhalb des Judeni t ums. 3. Verbreitung der Erkenntnis unserer Lage |in allen Kreisen des Judentums un«l Muhnung zum einheitlichen Zusammenschluß. 4. Kampf gegen die Boykottbewegung durch verstärkte wirtschaftliche Solidarität innerhalb des Judentums. 5. Erneuerung des Gemeindelebcn-s durch Mitarbeit Jugendlicher in der Gemeindeverwaltung. 6. Werbung der nichtorgunisierten jüdischen Jugond durch öffentliche Werbeveranstaltungen. 7. Kampf gegen deu Nationalsozialismus. Es ist 1 Minute vor 12 . . . Koch ist es Zeit, wenn auch reichlich spat, mit der Verwirklichung des Einheitsgedankens zu beginnen. Daher fordern wir sofort: Bildung einer „Kampfgruppe für die Einheitsfront", (frei, willige Meldungen von Verbamlsfreunden hierzu sind erwünscht). Aufgabe dioses .Ausschusses: Sofortige Fühlungnahme mit den anderen jüdischen Jugend verbänden zwcclta Schaffung einer gemeinsamen Arbeitsbasis. Forderung an die Gemeinden um Heranziehung Jugendlicher zu den Gemeindeverwaltungen. Hinter diesem Programm steht der Wille einer bewußten, ei ki nntni-gen iften Tat. Wir scJireiten.zuin Angriff nicht um zu vernichten, niederzureißen und fruchtlose Kritik zu üben, sondern um alle zu gemeinsamer Tat zu vereinen. 1 Minute vor 12 . . . Wir greifen an! Seppl Garai, Nürnberg. Wie sieht der junge Jude zu seinem Judentum? t Wen» im „Jugendbund" im allgemeinen auch nur jugendliche Menschen das Wort nehmen, so sei es ausnahmsweise einem im höheren Alter Stehenden gestaltet, ein kurzes Wort zu sprechen. Mit aufrichtigem Interesse verfolge ich die Bestrebungen unserer jüdischen Jugend. Ich freue mich ehrlich darüber, dzÜ sie bei aller ' Achtung vor dem älteren Geschlecht ihre t ebenen Wege sucht. Gern lese ich einen Aufsatz, wie Jen vor» K. C. in der letzten Nummer: „Wir greifen an!". Mag der Verfasser immerhin vielleicht etwas zu weit gehen, in »einen Worten steckt edle Begeisterung, und eben darauf kommt c*. an. Ganz anders verhält es sich aber mit dem Aufsitz von Rabbircr Dr. Jacobs in Kreuznach: „Wie stchl der junge Jude zu seinem Judentum?" Seine Ausführungen können m. E. fraßen Schaden anrichten. Ich denke da nicht sowohl an jt berfiächljche jugendliche Leser, die vielleicht glauben, solche «.«isfübrungen m;t Spott abtun £u kennen, ah vielmehr an diejenigen Kr...,- m unserer Jugend, die es mit ihrem Judentum ernst nehmen: auf sie muß der Artikel abstoßend wirken. Die Schnüffelei, ob ein auswärtiger Vereinsredner, der am Ausgang eines Sabbats oder Feiertags einea Vortrag hält, vor Schluß eine Fahrgelegenheit benutzt hat, um an den Ort des Vortrags zu gelangen, die Forderung an junge Männer, die 4 ganze Peßach- oder Sukkauswoche unbarbiert herumzugehen, die- Ucbcr: pannung der Speisevorschriften („Käse ist auch trete"), die Zumutung an die Mitglieder der Jugendvereine, bei ihren Veranstaltungen Essen und Trinken bedeckten Hauptes zu sich zu nehmen, das alles' ist m. E. wenig geeignet, die heutige Jugend an unser Judentum zu fesseln. Dr. Jacobs verlangt jüdischen Takt. Wer wird nicht wünschen, daß die Jugend sich vornehm und taktvoll führe, wo immer sie sich befinden mag? Es aber als eine Taktlosigkeit gegen das Judentum zu bezeichnen, wenn die jungen Menschen bei ihren Veranstaltungen nicht die zahllosen minutiösen Vorschriften und Bräuche innehalten, die im Schulchan aruch niedergelegt sind, das isl völlig abwegig. So ist der § 2 der Verbandssatzungen bestimmt nicht gemeint, so. kann er nicht gemeint sein, weil auf solcher Grundlage die neutralen Jugendvereine einfach nicht bestehen könnten. Dr. Jacobs nennt den § 1 des Kreuznacher Jugendvereins ein «Monstrum, weil der Paragraph religiöse Propaganda verbietet. Man muß zugeben, daß er etwa ungeschickt gefaßt ist. Was er aber sagen will, ist jedem Unvoreingenommenen gleichwohl klar: er will verhindern, daß durch parteireligiöse Propaganda Unfriede in den neutralen Verein hineingetragen wird. Niemals aber will er jüdische Belehrung und jüdische Erziehung unterbinden, so weit sie sich von parteircligiöser (Fortsetzung auf Seite IX)

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