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Der Jugendbund · 1931-09-01 · 5 (9.1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
5 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Kreisen die Diskussion trotzdem weiter, und zwar in etwas gründlicherer Weise, als Issi Bayer das zu tun beliebt. In ganz ausgezeichneter Form bringt der „Israelit", Frankfurt, das Organ des orthodoxen Judentums — das übrigens selbst unserm Freund Bayer maßgebend in einer derartigen Frage sein dürfte — in "seiner Ausgabe vom 30. Juli unter dem Tife! „Verlangt das Thorahgesetz die Beibehaltung der Todesstrafe?" eine eingehende Abhandlur; von B. C. (wahrscheinlich der unerschrockene Vorkämpfer für ein aktives Judentum, Rabbiner Dr. B. Cohen, Friedrichstadt, von dem auch die seiner Zeit hier zitierten Stellen zum Thema stammten). Die Parole „Jüdische Jugend im Kampf um die Fragen der Zeit" zwingt unweigerlich zur weiteren Diskussion über die Todesstrafe. Die Vereine sollten sich die betreffende Nummer des „Israelit" besorgen, auch dann, wenn man glaubt, daß die „Sterilität" des Judentums eine Tatsache ist. In Wirklichkeit ist das Judentum niemals neben der Zeit resultatlos gestanden. J. R. Aus dem Leben des Verbandes Landes Verbandstagungen. a) Tagung des Sächsischen Landesverbandes in Zwickau am 30. 8/1931. Auf der Tagung, die der Jüdische Jugendverein Zwickau glänzend vorbereitet hatte, referierte Herbert Felsenthal vor den zahlreich erschienenen Delegierten und Mitgliedern sämtsächsischen Bünde über das Verbandsthema. Ausgehend von einer Analyse der bisher im Verband behandelten Pflichtthemata zeichnete er in großen Zügen den geistigen Standort der im Verband zusammengefaßten jüdischen Jugend bei der Behandlung der Fragen unserer Zeit. Im Mittelpunkt seiner Darlegungen stand die Auseinandersetzung mit der Schw eisheimerschen Forderung des Verbandes der sozialistischen Jugcndvercine. die auch die sich anschließende äußerst fruchtbare Aussprache beherrschte. In den Rahmen der Debatte wurde auch der Ausbau der sozialen Hilfe einbezogen, für welche Felsen'.hal und der gleichfalls an der Tagung teilnehmende Bundesleiter der Junggruppen, Kurt London, einen stärkeren Ausbau vor allem nach der menschlic;en Seite hin forderten. Die Antithese sozialistisches Bekenntnis ^- soziale Leistung, welche durch die Debatte scharf isgcworfen wurde, wird die Auseinandersetzung innerhalb* der Bünde noch lange beherrschen, ohne den alle verpflichtenden Eit'i^ der einzelnen Mitglieder zu lähmen. b) lagung des Landesverbandes Groß-Berlin-Brandcnburg in Frankfurt an der Oder am 30. August 1931. Da diese Tagung im Rahmen eines größeren Führerkurses stattfand, harte man es sich versagt, irgendwelche größeren Referate halten zu lassen, so daß sie sich lediglich auf technische und personelle Angelegenheiten beschränken konnte. In seinem Sepcht über das vergangene Jahr legte der.Vorsitzende Kurt .I.öw enstein, Berlin, Rechenschaft über die Tätigkeit des Landesverbandes ab.- Im Laufe des letzten Ja ires wurden in diesem Landesteil fünf neue Bünde ins Leben gerufen |!), welche ziim größten Teil jetzt schon ganz Vorzüglich arbeiten. Auch sonst hatte man den Eindruck, als ob trotz - gewisser personeller Schwierigkeiten die Arbeit in diesem Ländesverband glänzende Fortschritte gemacht hat.. Der bisherige Vorsitzende trat, da er für größere Aufgaben im Rahmen dof? Verbandes vorgesehen war, von seinem Posten zurück. An seine Stelle wurde Fritz Cohn, Guben, einstimmig zum t. Vorsitzenden gewählt. Wir hoffen, daß der Landen erband unter der neuen Leitung so erfolgreich wie bisher weiter arbeitel.' c) Tagung des Landesverbandes Rheinland und Westfalen in Dortmund am 6. September 1931. Im Mittelpunkt der Tagung standen zwei Referate von Ernst Hohenstein, Dortmund und Herbert Felsenthal. Ernst Hohenstein sprach über die Not der jüdischen Jugend und legte die Stellung der Jugend zum Beruf, zum Judentum und zum Krieg dar. Er verlangte e'ine eindeutige Abwehrstellung gegenüber dem Krieg und wies zwei Wege zum Judentum auf. Den einen über die Kenntnis der hebräischen Sprache zum Verständnis jüdischer Kultur, der aber nur durch die Rückkehr nach Palästina zu Ende gegangen werden kann. Der zweite Weg zum Judentum ist der Weg über das jüdische Werterlebnis, der für uns deutsche Juden gegeben sei. Im 2. Referat sprach Herbert Felsenthal über das Thema dieses Winters „Die jüdische Jugend im Kampf um die Fragen der Zeit". Er schilderte die Aufgaben der Jugendvereine in der Vergangenheit und die in nächster Zeit zu leistende Arbeit Und verknüpfte damit einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des geistigen Lebens in der jüdischen Jugend. Er kam zu dem Ergebnis, daß wir innerhalb der wirtschaftlich gewandelten deutschen Judenheit uns ganz anders zu sozialen und sozialistischen Aufgaben stellen müßten, als das bisher der Fall war. Eine undiskutable Voraussetzung sei dabei die Frage der Zugehörigkeit zum Judentum als eine schicksalhaft uns auferlegte Sendung, so daß wir nicht unser eigenes Sein aufgeben und uns einer größeren sozialistischen Gruppe kollektiv anschließen könnten, sondern umgekehrt die sozialistischen Kräfte unter uns in den Arbeitsprozeß des Judentums hineinziehen müßten. Unsere Gemeindearbeit muß stärker denn je auf einem Bruderschafts- und Verpflichtungsgefühl aufgebaut sejn. — Die Diskussion ergab zu diesem Thema keine neuen Gesichtspunkte. — Dr. Wilhelm wurde einstimmig wiedergewählt. 2. Vorsitzender wurde Dr. Felsenthal, Essen. Aus den Programmen der Bünde. Naturgemäß stehen die uns alle bewegenden Fragen der Zeit im Mittelpunkt der Arbeit sämtlicher Bünde. Unter diesen Fragen nimmt der Sozialismus und seine Stellung zu ihm den größten Platz in Anspruch. Wie ein Kursus über Sozialismus mustergültig aufgebaut werden kann, zeigt das nachstehende Programm des J. J. V. G 5 11 i n g e n. 1. Einführung in den Sozialismus, 2 Entwicklung und Ueberspannung des Konzerngedankens in der Wirtschaft, 3. Was ist eigentlich Marxismus? Marx, Bebel, Tolstoi, 5. Die Frau und der Sozialismus, 6. Kapital und Arbeit. Zwischen diesen Abenden stehen noch eine Anzahl von Heimabenden, in denen der vorgetragene Stoff bearbeitet wird. Es wäre zu wünschen, daß andere Bünde ebenfalls fortlaufende Kurse obiger Art veranstalteten, da die einzelnen Mitglieder hieraus bedeutend mehr Nutzen' ziehen als aus zusammenhanglosen Abenden. Von den übrigen Vereinen seien noch erwähnt Frankfurt am Main mit einem Vortrag über „Die religiöse Krise der Gegenwart", Guben mit einer Veranstaltung „Jüdische Jugend der Gegenwart" und Dresden mit einem Abend über den „Panzerkreuzer B". Ein sehr interessanter Bericht liegt vom Jugendverein Kiel vor. Der langjährige Vorsitzende Briefer nahm in der Generalversammlung Gelegenheit, sich vom Bund, dessen Aufschwung ihm zu verdanken ist, zu verabschieden. — Die Stellung der Frau im Judentum wird seit einiger Zeit wieder mehr in, den Vereinen erörtert. Es seien hier vor allem Bremerhaven und Hannover erwähnt. — Erfreulicherweise stehen trotz oder vielmehr gerade wegen der augenblicklichen Notzeit rein jüdische Themen wieder mehr im Mittelpunkt des Interesses. So sprechen Paderborn über Bibel, Speyer über den Talmud und Jülich über jüdische Geschichte. — Aus den übrigen Programmen seien noch erwähnt: „Jüdische Wohltätigkeit ohne Geld" (M a r k t b r e i t), „Der Jude auf dem Lande" (Mechernich), „Der Wert der Zeugenaussagen vor Gericht" (Düsseldorf). Am 12. Juli fand in Bamberg ein Sportfest der nordbayerischen Jugendbünde unter der Beteiligung von Würzburg, Kissingen, Marktbreit, Coburg, Nürnberg und Bamberg statt. Dank der vorbildlichen Organisation des Bamberger Jugendvereins wickelten sich die leichtathletischen Wettkämpfe und die Handballtourniere reibungslos ab. Leider ist es unsnicht möglich, die einzelnen zum Teil recht guten Ergebnisse aufzuführen. Auch der ideelle Erfolg des Tages stand dem körperlichen keineswegs nach, obgleich diesmal wenig geistige Probleme erörtert wurden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde wieder einmal aufgefrischt. G. F. Buchbesprechungen Rygirne und Judentum. Fine SammeNclirift. Verlag Jac. haber, Gustav Löffler, Max Eschelbachrr, Jacob Segall. Die Stern licht, Prcodeti 1990. ■ Beiträge sind, wie es in Sammelschriften zumeist zu sein Am <liV=pr, Sammelsehrift haben eine Reibe in der deutpflegt, von unterschiedlichem Wert, vor allem fehlt die ein- 9i den Judenheit bekannte Jfünnrr und Frauen mitgearbeitet, heitliche Linie. Daa liegt zum Teil daran, daß die Verfasser Mnter ihnen Jo-ef Carl^baeh, Felix Goldmann, Felix Theilde* verschiedensten jüdischen Richtungen angehören, die Pro- 14

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