Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 5 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Energien der jungjüdischen Kreise ist nicht mehr viel da. Die anti-emit ischc Zermürbungsarbeit, die ins Gigantische emporwachsende Wirtschaftsnot, ,die Schlaf mützigkeit der Priminenten haben das ihrige getan, um den Zerfall zu beschleunigen. Rund nm den Zionismus und um die Orthodoxie ist so etwas wie ein jüdischer Aktionsradius übriggeblieben. Aber auch diesen Aktiven müssen wir sagen, daft 11 n-«ro jüdischen Sorgen langst den Sorgen um Palästina nder den r>isku=sj,men über talmndische Feinheiten weit über den Kopf gewachsen sind. Wehe, wer heute kein jüdischer Optimist i.-t! Hans Kuhn nennt diesen Zuband mal folgendermaßen: ,.T>er Jude lebt in der Zeit Fr schaut nicht so sehr, als er hört . . ." Ein jiidifeber .Tugendverbnnd, der zehn Oerechte lieber hört, aldaß er zwölftaiuend Parademenschen sieht, hat in dieser Epoche des Zusammenfallcns nur die Aufgabe des „Höre"! Der Schrei nach Brot muß gehört werden! Der Schrei derer muß gehört werden, die arbeiten wollen, und die von den barbarischen Methoden eines durchaus unjudischen Wirtschaftssystems planmäßig ruiniert werden. Es gibt für eine aktive jüdische Jugend nur den einen Kampf: die Führung de3 Rechtsstreites in der Auseinandersetzung um den Schutz der nackten Existenz. Hier liegt der jüdische Optimismus im Pfeffer! Mit ihm müssen wir einen Keil in diese Situation der Verhärtung treiben, so wie man ins widerspenstige Holz einen Keil treibt. Optimismus —! Nicht, um der saturierten jüdischen Jugend was vorzuschwärmen — sondern, um sie mit dem schweren Ringen aller dynamischen Kräfte unsrer Epoche zu verkoppeln! J. Raphael. Die jüdische Jugendbewegung am Scheidewege f.. Daß die jiidisi;ie Jugendbewegung tot ist, stimmt nicht, am h wenn sie an Kraft verloren hat. Und sie hat an Kraft « «rljaren. darüber herrscht bis weit in die Kreise der hündischen Bewegung hinein kein Zweifel. So bleibt die 1 : ige, ob es sich um eine Zeiterseheinung oder um den Abstieg handelt, <>b der Tiefstand überwunden wird oder die Jugendbewegung überhaupt sich überlebt 'hat. IL v -\- ■ ^Nichts w.ire n dKrlieher» als daß eine Jugendbewegung riebt. Sie i-t ein zu lebendige-. Gebilde, sie muß das S; Li i'. allen Lebendigen tragen, sie muß sich entwickeln, '•ritirn Höhepunkt erreb-heti und dann, absteigen, bis zum "v •<••-••••> Erlös ';. Nur kann sie zuvor ihre Kraft einer Ii ...... jung* iiMiewesrung übertragen., ihr Geist braucht nicht aufzuhören Das muß niau erkepih n. - III; Mir ' Jugendi. e.vegung läßt sich nicht werten auf f«d de» AeiißeiHiigeM ijirer Führer, nicht an Hand der . biiu4i.-i lieh Programme. Sendern nur unter dem einen Ge- •w •'-•|Miiik: :jWi U heu i-:iiffluG hat sie beute auf die Erziehung ihre» Menschen ur.d auf die jüdische Gemeinschaft überhaupt. Gehen wir in der Geschichte der Jugendbewegung k. so finden wir. daß ihr Einfluß auf Menschen und Geiuein-ehan aulierordentlii h w ir. Noch heute wirken an b - \..ti lgender Stelle in der jüdischen Öffentlichkeit ehemalige Angehörige der Bunde, fast die ganze junge Generationj die aktiv Anteil am judi-eherr GesamUeben nimmt, Ftamini aus der Jttseridb'wesmig. l'nd die Eid Wicklung der jüdischen Getneitideih die Belebung des. Jüdischen in den 1 iinilien. hat gezeigt; daß die Forderungen der Jugendbewegung M< )| duich-etzt.eii. heil, plötzHch ti.it eine Stagnation ein. Der Nachwuchs aus der Jugendbewegnng«fehlt. Zwar i^t diese selbst zahlenmäßig nicht schwächer geworden, aber die Zahl' verkörpert nur den Augenblicksstand, nicht den Erfolg. Die Verluste der Jugendbewegung an Menschen sind größer und können au. Ii Qieht durch den ständigen Zustrom ausgeglichen werden. Entscheidend i-t nicht, wie <rr>>ß die Zahl der erfaßten jungen Menschen i-t. entscheidend bleibt nur, wer von diesen Menschen in positivem Sinne Anteil am Leben der jüdischen Gemeinschaft nimmt. IV. Ich will nicht die Intensität des jüdischen Gemeinschaftslebens i n den Runden bezweifeln. Sie mag da sein. Aber Jugend iJt kein Dauerzustand, die Zeit der Jugendbewegung für den einzelnen hört auf, er entwächst dem Bunde. Entweder i-t Jugendbewegung Selb-tzweck. Dann hat sie ihr Zi 'i erreichtrTiat ihren Menschen ein schönes Jugenderlebnis vermittelt und ihnen zweifellos manches Positive für ihr späteres Leben gegeben. . Öder aber die Jugendbewegung gliedert sich organisch i'> das Leben einer Gemeinschaft ein, erzieht den Jugendlichen in einem Abschnitt dieses Gemeinschaftslebens und leitet ihn in einen anderen Abschnitt über. Dann hat die jüdische Jugendbewegung vertagt Die Zahl derer, die den Weg in die jüdische Gemeinschaft finden, die 10 ihre persönliche Aufgabe in dem sich Einsetzen für diese Gemeinschaft sehen, ist verschwindend gering geworden Trotzdem sind die Bünde zahlenmäßig nicht kleiner als früher. Warum finden so wenig junge Menschen deu Weg in die Gemeinschaft und wo bleiben diejenigen, die ihn nicht finden? - ' V. Erziehung zur Gemeinschaft ist das betonteste Moment in der bündischen Bewegung. Hört der Bund für den einzelnen auf, weil er ihm altersmäßig entwächst, so sucht er sich einen neuen Leben^kreis. Die Gemeinschaft braucht er. Nur findet er sie nicht im jüdischen Kreise, sondern viel eher im sozialistischen oder kommunistischen. Die jüdische Jugendbewegung ist in den letzten Jahren Durchgangsbewegung zum Kommunismus geworden. Das läßt sich zahlenmäßig beweisen. Wir haben also unsere Pflicht getan, werden die Jugeudhünde sagen. Es liegt an der heutigen jüdischen Gemeinschaft, daß sie nicht imstande ist, unsere Menschen aufzunehmen, weil sie in Wirklichkeit keine Gemeinschaft dar-tellt. Ihr habt versagt, wird man ihnen erwidern müssen. Ihr habt eure Menschen zu einem idealen Gemeinschaftsgedanken erzogen, nicht aber zur jüdischen Gemeinschaft der Wirklichkeit. Eure Menschen sollen-aber nicht den Weg in eine ideale Welt gehen, sondern den Weg in die Wirklichkeit. Sie sollen die Kraft haben, die Wirklichkeit zu gestalten. Ihr habt ihnen das Ideal einer jüdischen Gemeinschaft gezeigt, nicht aber den Weg, es zu erkämpfen. So zweifelten sie an der Möglichkeit einer jüdischen Gestaltung und gingen dorthin, wo sie wenigstens den Gemeinschaftsgedanken verwirklicht sahen, in die sozialistische oder kommunistische Bewegung. Mapcher mag diesen Weg nicht bedauern. Aber ohne Urteil hierüber, hat dann die jüdische Jugendbewegung noch eine Existenzberechtigung? vi Die jüdische Jugendbewegung entfernt sich immer mehr von der Wirklichkeit. Das kann sie tun, solange sie ein Eigenleben führt. Aber ihre Menschen führt sie nicht in die jüdische Gemeinschaft. In den Anfängen der Bewegung, zur Zeit ihrer größten Stärke, war sie wirklichkeitsnah, nahm selbst Anteil am Lehen der Gesamtheit. Sie erzog nicht nur die ihr angehörenden jungen Menschen, sie erzog insbesondere das jüdische Elternhaus. Das ist das größte Verdienst der jüdischen Jugendbewegung. Sie kämpfte gegen alle Verfallstendenzen, sie wirkte revolutionierend. Dann kam die Zeit, in der allgemeine Forderungen der Jugendbewegung erfüllt waren. Die Stellung des Jugendlichen in seiner Umgebung hat sich seit 1914 geändert. Heute rennt man offene Türen ein. Das Ziel der Erziehung fehlt. Vieles, was vor zehn Jahren noch erkämpfenswertes Ziel war, ist heute zur leeren Phrase geworden. VII. Und noch ein Wort zur Erziehung zur jüdischen Gemeinschaft. Die Zersplitterung in der jüdischen Jugendbewegung ist nicht nur Willkür ihrer Führer. Sie ist das Spiegelbild