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Der Jugendbund · 1931-09-01 · 5 (9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
5 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Denkt an die $öröctcrliftc de« Dcibanöcs! Manchmal nicht viel mehr als ein technisches Büro ist und daß bei ihr «las wichtigste, die soziale Gesinnung, nicht immer zu finden ist. Ich will nicht leugnen, daß die Vorträge, die bei sehr vielen Bünden gehalten werden, lebensfremd sind und jungen Menschen nicht genug geben. Man hat auch durch zu häufige und nicht immer sachgemäße Behandlung derselben Themata eine gewisse Müdigkeit und, was noch schlimmer ist, ein Scheinwissen selbst bei solchen Menschen erreicht, die in der Führung sind. Wir haben Vorsitzende, deren Ansichten unjugendlich sind und deren Kenntnisse nicht größer sind als die derjenigen Persönlichkeiten in den Gemeinden, denen sie neue richtunggebende. Anregungen übermitteln sollten. Die drei Mittel, die der Verbandsleitung zur Aufrcchtaltüng ihrer Verbindung mit den Bünden und den Einzeltgliedern bei ihrer Arbeit zur Verfügung stehen — Jugeiwlnd, Hundbriefe und Verbandsreferenten —, sind nicht eintlich genug nnd nach keinem durchdachten Plan eingesetzt worden. So gelangt man zur Feststellung, daß das Ergebnis langjähriger Arbeit Im Verband beschämend gering ist und daß die gegenwärtige Leistung einen interessierten jungen Menschen nicht befriedigen kann. Und nun beginnt man zu fordern! Wer fordert? Man sollte auch das einmal ein wenig prüfen. Denn die Geschichte des Verbandes zeigt, daß nicht immer, von den aktivsten, nicht immer von den wirklich in der praktischen Arbeit stehenden Menschen die großaufgema< liten Programme verkündet, die „entscheidenden" neuen Zielsetzungen gefordert werden. Was für Forderungen also? Uns werden Vorschlage entwickelt, die nichts mehr mit dem Grundgedanken des Verbandes gemeinsam haben und die einen Teil der jetzt aktiven Menschen zwingen würden, aus"dem-Bund herauszugrhen. Ich kann, weil ich die Zusammenhängeknm . nicht eo bedenkenlos wie z. B. Friedberg:Karlsruhe schreiben: „Alle jungen Juden b^is auf die CV.- und Naumann-Jugend würde dieser Bund dann einen." Mir beweist schon die Gleich-itzung der CV.- mit der Naumann-Jugend allein die erschreckende Unkenntnis über eine Gruppe junger Menschen. Wieviel Falsches mag da sonst noch geschrieben sein! Die Unzulänglichkeit unserer früheren Arbeit soll als Begründung herhalten. Aber man übersieht, daß man dann Ursache und Wirkung verwechselt. Denn was uns nottut, Ist nicht programmatische Xeuformung, glänzende Projekte, Prestigepolitik, sondern Innenpolitik, Durcharbeitung von innen heraus, Konzeutrierung auf den Menschen Im Bunde. Die bescheidene Tatfür den einfachen Menschen in der Klein- und Mittelstadt ist mehr wert, als "die großartige Fa---adenpolitik der geforderten Resolutionen. Wir im Verband, bei unserer so ungleichartigen Struktur, haben kein Recht, von jedem Mitglied eine Entscheidung in ganz bestimmter, vorstandsmäßig festgelegter Richtung zu verlangen. Nehmen wir uns dieses Recht, dann sind alle so oft gehörten Worte, daß wir uns freudig der Masse verpflichtet hätten, weil wir tausende junger Menschen, gleich welcher Richtung, gleich welcher Kenntnis von jüdischen Dingen, erfaßt hätten, nicht ehrlich gewesen und wie ohne Echo verhallt Theoretisch sei alles zugegeben: Wir könnten ein jüdischsozialistischer bzw. zioni-li-eh -ozialistischer Bund sein. Unser Niveau würde endlich die scheinbar doch so heiß ersehnte Stufe des ..Intellektuellen" erreicht haben. Unsere* dann noch vorhandenen Mitglieder würden viel aktiver sein — aber ein Verband der jüdischen Jugendvereine Deutsch« lands würden wir nicht mehr sein. Ich höre schon die Redner auf dem nächsten Delegierten- -''tag. überzeugend und schwungvoll sprechen: Wir müssen uns für den Sozialismus entscheiden — oder wir müssen Anschluß an eine größere Bewegung finden. Von der Rednertribüne . herab werden wir das Jonglieren mit dem Proletarierbegriff wieder anhören dürfen. Man wird begeistert klatschen, wenn man gegen das Bonzentum losziehen hört. Gefühlsmäßige Ausbrüche werden die Vernunft ersticken, und man wird dio erlösende Tat feiern, indem man revolutionierende Beschlüsse faßt. Bei dem negativen Ergebnis unserer Arbeit, bei der Geisteshaltung der Mehrheit unserer Mitglieder, die mit der Richtung der neuen Politik entweder nicht einverstanden sein werden oder für sie noch nicht genügend entwickelt sind, wird nicht viel mehr übrig bleiben als eine großartige, aber leero . Demonstration. Die Tätigkeit der neuen Verbands- Icitung würde nach dem System Diogenes im Suchen nach neuen Menschen in den Bünden bestehen müssen. Sie würde nicht mehr von den Tausenden ihrer Geführten reden können, sondern würde eine trotz allem fragliche Qualität gegen eine ganz sichere Quantitätsminderung eintauschen. Es entspricht, wenn es auch manchem schmerzlich in den Ohren klingen mag, unserer wirklichen Situation, wenn ich feststellen muß, daß wir vom Verband im wesentlichen nur die Anregungen vermitteln können: Wissen von unserer Situation, Kenntnis von den Dingen unseres Seins (sowohl in jüdischer als auch in deutsch-politischer Hinsieht), die Aufgaben aufzeigen, die sich aus den Erkenntnissen hierzu ergeben, ist die Pflicht unserer Leiter. Aber inwieweit die Mehrheit unserer Mitglieder die Konsequenz daraus ziehen wird, kann nicht generell vorausbestiinml werden. Die Qualität des Führers wird dabei genau so ausschlaggebend sein, wie die alters« mäßige Zusammensetzung der Geführten. Die Entscheidung kann dann dem einzelnen nahegelegt, aber von ihm nicht erzwungen werden. Wrir sehen es als Erfolg unserer Arbeit schon an, wenn sich durch unsere Arbeit Menschen, die vorjjer ganz uninteressiert waren und abseits gestanden haben, für irgendeine Bindung entscheiden. Es ist für einen Jugendbund nicht wenig, eine wichtige Periode, eine Durchgangsstation in dem Lehen des Individuums zur eignen Zielsetzung gewesen zu sein. Ich bin also mit vielen Kritikern bei der Beurteilung des Geleisteten der gleichen Meinung, nicht aber mit ihren Folgerungen. Ich fasse zusammen: Reformbedürftig ist nicht dio Basis, sondern die Methode. Mehr Politik nach innen als Politik des Prestiges. Keine Radikalisierung, sondern Konsolidierung. Keine „Notverordnungen", sondern Er« fassung der Einzelpersünlichkeit. Es liegt bei nns, schon durch die Tatsache unseres Be- ' Stehens unsere Existenzberechtigung täglich zu erweisen —> nicht daß wir sind, auch nicht wie wir sein wollen oder «ein werden, ist entscheidend, sondern wie wir sind. Kurt Löwenstein.

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