Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 5 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ja bereits in Hülle am! Fülle existieren. Dann sind wir einer unter vielen, während wir honte «Hein stehen. Warum rufen die Aelteren. und hur diese — niemals die Jagend! — stets nach einenv l'anier. einer flammenden, begeisterungsfreudig^n Idee fiir unsere Menschen, wo wir diese Idee bereits festgelegt, aber nicht geniigi ml erkannt Haben. Grade dort, wo wir die Schwäche Buchen, li''gt unsere Starke. Wir müssen für die Neutralität begeistern, aber hierzu ist inotwendig, diesen Begriff erst einmal in seiner ganzen Grill zu erkennen und ihn dann zu verwirklichen. ■ iitr.il sein bedeutet „Leber der Sache stehen". Sich also nicht im Kleinkram verlieren, nicht stumpfsinnig den Weg trollen, den der Leithammel angibt. Wir wollen uns über das Partcigcz&nk erheben und aus der Vogelperspektive erkennen, was die einzelnen StrOnie wollen, und nun nicht den verhängnisvollen Fehler begehen iiikI unsere Menschen, wie •'- to schon gesagt und geschrieben worden i-t. „hergeben", damit sie dann im Kleinkram ertrinken. Nein, wir müssen versuchen, das Gemeinsame der Parteien zu finden und <Kizu schaffen, was uns allen fehlt, das Gesamt Judentum und das Gesamt-Deutschtiiin. Eine Partei zu sein, die. alle Parteien umfaßt und somit verschwinden läßt, dai-t wahre Neutralität. Darüber hinaus bedeutet aber die Erziehung zur Neu« tralität noch mehr, bedeutet kosmopolitisches Denken. Wir müssen aus der Bibel lernen und wieder innerlich begreifen, daß alle Menschen, restlos alle, Bruder sind. Wir müssen den Weg finden, diese auseinander getriebenen Brüder, die sich heute noch feindlich gegenüberstehen, zu versöhnen. Innerhalb unseres Verbandes aber muß die Neutralitat darin bestehen, daß wir sie vergessen, wenigstens die Art vergessen, wie wir sie heute haben. Dafür müssen wir &M geben, was heute in den Bünden die Wurzel allen Uebels ist, nämlich: Hilfe. E muH die innerpolitische Hauptaufgabe nnaares Verbandes sein, seinen jungen Menschen "zu zeigen, daß es noch unzählige gleichfühtcnde, gleichkämpfende Meuchen gibt, die alle die gleiche Art. das gleiche Zusammengehörigkeitsgefühl eint! Haben wir das erst einmal erreicht, d;inn wird die Arbeit in den Klein- und Mittelvereinen nicht m?hr in den Anfängen stecken bleiben. Wenn wir also schon ein Panier haben müssen, dann wollen wir darauf schreiben: Wahre Neutralität uud gegenseitige Hilfe! Franz lleymann, Bielefeld. Zwischenbemerkung (zu der bisherigen l>i-ku--iou üher iiiciix» Artikel) Entweder man hat mich nicht verstanden, oder nicht verstellen wollen. Was* soll man sagen, wenn Hermanna auf meine Darlegungen über Neutralität einfach sagt: ,,Sie ist doch positiv! 1 Wenn er zu meinen Auseinandersetzungen über Gesamtjudentum sagt, ich hätte eben diesen ..tieferen Sinn" noch g.ir nicht erkannt, ohne aber im Mindesten zu sagen, was denn diesci tiefere Sinn, diese tiefere Bedeutung, nun eigentlich endlich einmal sei! Was .soll man dazu sagen, wenn er am platonisch gebliebenen Bekenntnis zum PalSstinanufh.iugedanken einfach der Agency die Schuld gibt, arider "He von mir angeführten besseren Beweise und Vorschläge es anders zu machen? Nun. er hat es sich ein bissei arg leicht gemacht, ein bissel zu leicht, will mir scheinen. |si Häver allerdings macht es sich noch leichter. Kennzeichnung seiner Auffassung über meine Persönlichkeit und die Möglichkeit, es verflattere vom Gewollten was bei der Ausführung, oder gar es käme ein neuer „neutraler Bund '. sind docli keine ernsthaften Argumente gegen das, was Ich 6agte! Etwas ernster wird es schon bei Schweisheimer. Der fährt mit sozialistischem Geschütz aur. Aber, mein lieber Schweisheimer, man muß auch damit schießen können! Solltest Du. verehrter Genosse, vielleicht so etwas wie eine reale Ba-is und eine dialektische Entwicklung kennen? Solltest Du nicht wissen, daß eine reale Basis, dadurch, daß es Menschen gibt, die sie nicht anerkennen mögen, noch lange nicht unreal wird, und ist Dir diese Basis, des Juden, sein Volk, unbekannt als Sozial i-t f Ich hoffc^zwar als Marxist, daß eine dialektische Betrachtung der Dinge, also ihre gesetzmäßige Entwicklung aus sich selbst heraus, unter Aufzeigung aller hierbei entstehenden inneren Widersprüche, -wie ich es für Neu tralität und Gesamt Judentum versucht habe zu tun, zum Heil derer gereicht; die sie anwenden, das „Heil", aber kann nur aus dem 'I' 11 u kommen, nicht aus der Botschaft. Du erlaubot wohl, daß ich Deinem diesbezüglichen ..... Scherz eine ernste Seit.- abgewinne. Dann wirst Du in Zukunft sieher hiebt mein- Sätze aus dem Zusammenhang herausreißen, gelt?. Es hat keinen Sinn, sagte ich (auf eine klare Forderung der J ungg nippen hinweisend), zu fordern, sich in Wirtschaftsfragen zu entscheiden, wenn der Fordernde selber noch nicht entschieden i.-d, wenn ferner die Basis zu solcher Entscheidung fehlt. "Solltest Du jene Sätzo wirklich niißrerstanden haben, solltest Du wirklich nicht gehört haben, daß ich alles versuch! wissen will, daß in Basis und Folgerung g-e 1 e r n t werde, damit nrau gcrü-Ut sei zu dieser Entscheidung. Fa.-t muß ichs glauben, da Du mir mit erhobenem Zeigefinger "meine eigene Forderung entgegenhältst, die Diskussion ütjer Sozialismus usw. würde nicht mehr aufhören. Allerdings, mir geht es weniger um Diskussion, mehr um Lernen und E r k e n n e n. Ich will nicht weiter diskutieren, sondern Dich nur fragen: _ . Warum eigens sozialistische jüdische Jugendbiiiidc? Von welcher realen Basis gehst Du hierzu ktts? Welches ist die rcalo Basis aller Juden, ob gläubig oder nicht, auf der sie stehen, ob sie wollen oder nicht? ,'r Kaiin ein bürgerlicher Bund durch Beschlußfassung seiner Generalversammlung, einfach dadurch^, sozialistisch werden? Bist Du Dir klar, was Du von Deinen Menschen im sozia— listischen Bund verlangen mußt? Ich meine klar bis zur letzten Konsequenz.? Wenn Du Dir klar bist, dann betrachte nochmal die beiden ersten Fragen ganz genau!! Ich halte nämlich Deine Forderung vom sozialistischen her für total verfehlt, eben weil nicht sozialistisch, sondern offenbar, rein gefühlsmäßig (idealistisch) fundiert.! Ith bitte um Antwort. Hans Friedberg. Bemerkungen zur Winterarbeit Dio Bedeutung des Verbandes ist nicht von der Zahl 6cincr Rundbriefe, von häufigen Aussprachen über die Verbandsidee oder Ideologie und von noch so sorgsam aufgestellten Arbeitsprogrammen abhängig, sondern von der Denkart und dem Persönlichkeitswert der Mehrheit seiner Menschen. Es wird demgemäß bei uns als Schwäche und als Mangel ah Einsicht betrachtet, die Grenzen unserer Arbeitsmöglichkeiten aufzuzeigen und in diesen zu arbeiten; so vergleicht man Projekt und tatsächliche Leistung und ist mit der gegenwärtigen Arbeit unzufrieden. Statt aber von der wirklich vorhandenen Basis aus den Neuaufbau zu beginnen, stellt man Forderungen auf. die programmatische Auseinandersetzungen enthalten, und glaubt dio bisherigen Grundlagen ablehnen zu müssen. Der Ton all der Artikel, die im Jugendbund über unser künftiges Programm geschrieben worden sind, war daher fast durchweg radikal, kompromißlos. Ich halte keineswegs alles, was geschah und was ist, für einwandfrei. Ich gebe zu, daß unsere Politik unserer inneren Stärke nicht immer entsprochen hat und nach Prestigegesichtspunkten stark tendierte. Ich räume auch ein, daS unsere soziale Nothilfe am Anfang ihrer Arbeit steht, daß sia