Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 4 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492456-6352312-6352578--1059-4929193- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
hobt der streit an. welche Aufgaben jenseits dieser Grenze tieften. W ir wollen ilrr kommenden LTntersuehung. der sich It. Bahn nicht entziehen wird, nicht vorgreifen. Nim kommen zwei bedeutende Männer als Gäste zu Wort, deren IdeengSnge ja nicht unbekannt find. 11 ■ 11 glaube nicht, daß die bebten Männer iimerhnlb ihrer Glaubensgemeinschaften jemals ein Publikum gefrind.cn haben. das ihnen so froudiü Zustimmt, wie wir es tun. Wobei es auf das einzelne nicht ankommt. Ohne .ein Vcrbnndsamt zu besitzen, darf nun den Dank unserer Menschen /um Ausdruck bringen. ..I>ie jüdische Frau im Beruf." Am Schluß erst spricht ..Kin Mädel"' und vorher «Ii—i .Ttmccns. I!- hätte umgekehrt -ein Rollen, denn diese ernsten Ringe gehen zuerst unsere MüdAts an. Ich will dazu sagen: die Proletarisierung der Jiiden schreitet.fort, aber hüten «ir uns. aus der Nut eine Tiigeno zu machen uml dert jüdischen Proleten zum Moaltyp zu stempeln. Nein, wenn schon Individualwirtschnft, dann ipögli..li-l hm h hin.Ulf auf die soziale Stufenleiter. AVer aber tief unten landet, soll dennoch lernen, sich möglichst komfortabef, emztirichten, in -einen inneren wie äußeren Bedürfnissen. Da er nämlich Jude i-t. mit jüdischen Bedürfnissen und Soiidernöten.- kann er sich nicht ohne weiteres dem allgemeinen Proletariat hinzufügen und muß weiterhin Tu - dividn.rli-t Meibom. Die nllsremeineh kollektivistischen Aushilfen fVolkstums. Kulturbund! sind eben nur-teilweise für ihn. Also, keine schematische Gleichmacherei, wo keine < ilcichheit ist." l'ehjrtgeris i-t oft rein kalkulatorisch die Doppplarbeit vi>n Mann und Frau eine Fehlreehnnnsf, Gar manchmal kann ni. Ii rein ziffernmäßfi: die Frau zu Hause mehr verdienen. Die nächsten Jahrzehnte mit ihren starken Veränderungen der Alterspyramide werden noch manche ungeahnten Ergebnisse zeitigen. . .Hans Friedberg-Karlsrnhe entpuppt sieh als ein kleiner Mussolini. Berauschemi schön sedachf. aber mir scheint, in der Praxizerflattert viele-. Manches besteht schon. Rund oder Verband, das kann niebt dekretiert werden, l ud wenn wir heute einen Rund gestalten, die Kompromißler und Peripheren abstoßen, was dann? Dann entsteht morsen ein anderes Sammelbecken, das diese Verbandslente aufnimmt, denn es ist 'nötig. Zur Zeit -ind wir dieses Sammelbecken und bilden einen Verband mit einem biindischen Kern. Mas das auch -ehr nach Halbheit klingen, mögen auch manche faulen Kompromisse dabei entstehen, es ist gut so. Vor allem ist es notwendig, daß so ein Verband besteht. Pie Rabbiner generel} auf den Numerus nnllus zu setzen i-t natürlich heller 1'iisinn. Nächstens werden dann die Lehrer drankommen, weil sjo angeblich der Jugend gegenüber zu autoritär seien, übermorgen sehts den Kanflenten an den Kragen, weil durch die bekannt miserable Lehrlingsausbildung, sofern man von einer solchen überhaupt noch reden kann, nur noch ein paar Fertigkeiten, nicht aber Persönlichkeiten entwickelt werden, somit von den Kanflenten. nichts zu erwarten s,.i. .Natürlich müssen auch bald die Rechtsanwälte von den Fülirerstelleu gelten, weil sie nur noch juristisch, nicht aber menschlich und jüdisch denken können. Soweit wird un- Maus Friedberg sicher füllten. Wenn wir folgen. Sonst -ticken viele gute Gedanken und ernstes Wollen in dem Aufsatz. Aber wenn er eine Revolution ist. dann doch nur eine papierene. . . Nun kommt für meine Begriffe der Artikel dieser Zcitiliiir. das i-t die Auslassung von Dr. Jacobs. Zunächst: hesser gar kein Vorwort als dieses fast schnoddrige. Zudem: es geht ja bei I>r. Jacobs gar nicht um den Antrieb, sondern um die Kenntnisse. Wer aber Kenntnisse hat. <ler hat einen indisch,-n ..Resonanzboden", das ist es. Per Antrieb, jüdisch zu -ein. der i-t hei unseren Mensehen Wold da. Aber es wird individuell wie verbändsoffiziell immer vergessen, daß zu allem ein Mindestquantum au Wissen gehört Und das Judentum spricht eben zu allererst aus <!,.!, literarischen Quellen. Man darf nicht hei den Quellen stehen bleiben, aber man muß an ihnen gewesen -ein. man muß von ihnen aussehen. Ob :Vs. richtig ist. gerade Gemarah zu lernen, das sei dahin- ■ 'eilt. Ich würde Tenach und Misehna vorziehen. Aber I it muß «erden, das steht fest. Man schaue.die Programme unserer Vereine durch, da figurieren alle möglicher Themen obenan, daß man meinen könnte, man sei in einen ..Iii" hineingeraten. Wir hier in Ringen haben das Prinzip aufgestellt, «laß mindestens drei der monatlichen Hcimabendr jüdischen Themen gewidmet sein müssen und wir gehen immer mehr zu lehrhaften Themen über. Wir haben dabei Wider -lande zu überwinden, denn es gibt andere Themen, die leichter und müheloser sind, aber wir werden nicht nachgeben. Es wird allgemein zu viel über Judentum gesprochen und zu wenig \ um Judentum Paher ist vielen Menschen weder dajndisebe Altertum, noch das Mittelalter und erst recht nicht die Neuzeit, verständlich. Der zahlenmäßig doch sehr beachtlichen Orthodoxie stehen sie mit vollendeter Versttodnteloslgkeit gegenüber. Pazifismus, Buddhismus and Relativitätstheorie, alles schön und gut, aber sind das unsere ersten Aufgaben? Zuerst müssen wir das Judentum kennen lernen, -eine Geschichte, seine grundlegenden Rücher, die ja allbekannt lieh mehr sind als nur Literatur, weil sie eine überliterarische Bedeutung gewonnen haben. Mit liberal, orthodox, zionistisch, poalezionistisch, mirlachistisch usw. hat das alles nichts zu tun. Diese" Kenntnisse sind üherparteiisi h. Man muß sie erlernen, l'nd wer dieses Wissen, diese Kenntnisse ..erlernt" hat, gemeinschaftlich erlernt hat. der ist so jüdisch, daß er das erwähnte < .einein-rhal't-gel'ülil wirklich besitzt. Ks gibt für ihn kein I'.ilä.stinaprohlem. sondern mir eine l'alästinaarbeit und keine Ostjudenfrage mehr. Vielen Dank. Herr Dr. Jacobs, daß Sie einmal unverblümt an diese Dinge rührten. Sie haben mich dadurch -ehr in meiner hiesigen Arbeit unterstützt. Notabene: wenns paßt, sagen unsere Juden, darf inanin die Sch'mpne Essig) einschalten: da fällt mir ein, auf daneue Buch von Dr. Joachim Prinz hinzuweisen. ..Jüdische < o'-chichte" heißt es. mal es ist an vielen Stellen vorzüglich und für Unsere Bande geeignet. Der Vorleser muß ab und zu die burschikose Sprache etwas ändern, ab und zu eine Stelle ergänzen und ausdeuten, aber es ist ein;.sehr gutes Buch. Vor allem von nktivistischcr Grundhaltung. Ks legt Wert darauf, zu zeigen, daß wir Juden nicht nur eine Leidensgeschichte haben, .sondern oft auch aktiv in die Weltgeschichte eingriffen. Viele -luden scheinen das vergessen zu haben. Mancherorts nennt mau sie Abwehrjuden. Aber — ich verliere mich. Ich wollte nur, weil schon vom Lernen die Hede war. auf ein ..Lernbueh" hinweisen. ...Judentum und Todesstrafe." Seien wir doch einmal ehrlich. Nach dem Kride des jüdischen Staates wurde das Judentum gesetzgeberisch steril. Ks gab und gibt, noch bedeutsame „llerleitungen". aber nicht grundlegende neue Gesetze, Die alten Gesetze kennen die Todesstrafe; gebieten aher vorsichtigste Anwendung. Mehr kann man nicht sagen, l ud'mehr sollten wir nicht sagen. Inhaltlich bat Jack Raphael vielleicht auch nicht mehr gesagt, aber doch haltungs- Cemäß. L'nd das ist — nicht ganz, in Ordnung. Karl Lieblich mit Rrunner zu vergleichen, Verzeihung, ich meine in eine Reihe zu stellen, ist schon fast zu viel Ehre. Aber meinethalben, ich mag Rruuners Willkürkonstruktioncn nicht, ich gönne' ihm diese Behandlung. Aber wenn auch Klaizkin ein Pilpulistikcr ist, so doch ein grandioser und ein radikaler Denker, der von Wirklichkeiten ausgeht und so zu Begriffen kommt. Ich hätte nicht gedacht, daß unser Redakteur ihn neben Lieblich nennt. Aber im übrigen hat Alfred Philip)) die ästhetische Schaunischlägerei des „Bundes für neues Judentum" gut zerblasen. Man nehme .... man rühre — in.in schlage... <l i e Rezepte hat das Judentum schon lange hinter sich. Zum Schluß i— ich übergehe zwei kleine Beiträge, die -ich zur kritischen Beleuchtung nicht eignen — zu Rolf Schweizer. Zweifellos, kann Abwehrarbeit unsere Situation erleichtern. Die erste Abwehrarbeit ist wiederum „lernen", lernen was das Judentum eigentlich ist. Die zweite, wesentlichere Abwehrarbeit, können nur die jüdischen Gemeinden leisten, die Landesverbände, Reichsverbände und eine autorisierte wirklich umfassende, weltweite Jowish Agemy. Line Jcwish Agency, die alle Juden umfaßt und sich ohne Mimikry zu jüdischen Zielen bekennt. Issi Bayer, Bingen.