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Der Jugendbund · 1931-07-01 · 4 (7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
4 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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„I was dieser Kleinigkeiten noch mehr sind, verschlafen Ii haben scheinen, auch heute noch vorschwebt. So wird es ersichtlich, daß es für die jüdische Allgemeinst eine Frage von eminent wichtiger Bedeutung ist. ob es dingt, diese zum Sozialismus hindrängenden fangen [Hachen Menschen auch jüdischen Gedankengangen, der klischea Interessensphäre in ihrer Gesamtheit zu erhalten, der ob wir sie als definitiv verloren für jüdisches Wirken '.(•trachten müssen. Will der Verbami diese Aufgabe, die ihm hiermit in eindringlichster Formulierung gesteilt wird, erfüllen, eine AufirrfbQi deren Größe und Grndlinigkeit begeistern und mit- •vifien kann, muß er zum Reservoir all der Kräfte umgestaltet werden, die bereit sind, als bewußt jüdische Menschen für ihre sozialistischen Ideale zu leben und zu h irken. Wir wollen, trotzdem oder grade weil wir uns zum Sozialismus bekennen, nichts aufgeben, was unser spezifisches jüdisches Sein ausmacht, was wir als unlöslichen Bestandteil unserer Person empfinden und was uns Prägung und Eigenart gibt. Wir wollen aber auch nicht m einer Zeit, die einen ungeheuren Schmelztiegel darstellt, in der Nietzsches Wort von der Umwertung aller Dinge in so ungeheuerlichem Maße Leben gewinnt, tatenlos beiseite stehen und vor lauter Neu- •lalitätsduseloi unsere Kraft, unsere Zeit versenden. Marbt udlich Schluß damit! Die Armee der Kämpfer für den Sozia- ';-mus, die sich so wundervoll mannigfaltig zusammensetzt ins Menschen aller Kassen, aller Religionen, aller Völker. ■ Her Schichten, wird zu einem großen zielbewußten Ganzen zusammengeschweißt, einer einzigen Einheit, durch die ethische Kraft des Sozialismus. Werden wir das jüdische Bataillon dieser geistigen Streiter! Die praktischen Folgerungen des offiziellen Bekenntnisses zur sozialistischen Weltanschauung werden vielfältig sein. Eine ganze Anzahl von Verbandsfreunden, die glauben, diese Wandlung des Verbandes mit ihrer Anschauung nicht in Einklang bringen zu können, werden den Verband verlassen, andere, sozialistisch orientierte, die bisher abseits standen, nunmehr zu ihm stoßen. So schmerzlich auch der Verlost von manchen Verbandsfreunden sein wird, lieber reinliche Scheidung der Geister als ein Fort vegetieren in bisheriger Weise, das schließlich eine gradezu lähmende Wirkung auch auf die ausüben muß. die noch aktiv tätig sind. I'ie Vorteile würden sieh bald zeigen: Wir könnten endlich, endlich einmal an die, die sich zu uns bekennen, Fordeningen stellen. Man vergegenwärtige sieh die heutige Situation. Bequemlichkeit und unbedingte Ablehnung auch des kleinsten Opfers allenthalben (erinnert ihr euch noch des '«■schämenden Feilschens um den Beitrag für die soziale Notliilfe in München?!). Ein kleinerer aber durch eine Uber- 1 mende Idee verbundener Kreis von Menschen würde nicht Mir höhere Forderungen an sich stellen lassen, sondern sie luch erfüllen! Wer kümmert sich heute bei uns um die Erching von Forderungen, soweit man sich überhaupt wagt, reiche zu stellen! Die Abwehrarbeit! Kämpft der Sozialist an und für sich -i hon mit Aufbietung aller seiner Kräfte gegen Faschismus ind Reaktion, wird der jüdische Sozialist seine Kräfte verdoppeln, wenn es gilt, antisemitisches Verbrechergesindel .li/.uwehren. (Nur hoffnungslose Ghettojuden werden ruhig zusehen, wie man, um nur ein Beispiel von hunderten zu nennen, jüdische Studenten und gar Studentinnenvon nationalsozialistischen Verbrechern blutig schlagen läßt, wie es kürzlich wieder in der Wiener Universität geschah.) Sozialisten wissen sich ihrer Haut zu wehren und ihre Rechte zu verteidigen! Ihr klagt darüber, daß es beinahe unmöglich ist, in sozialer Beziehung etwas zu tun und stellungslosen jüdischen Menschen zu helfen? Es gäbe keine Stellungen mehr für jüdisches Personal. Wißt ihr aber, daß in jüdischen Geschäften, in Warenhäusern und Banken, in Fabriken und Büros Tausende und aber Tauaende von geschworenen Judenfeinden, von Stahlhelmern und Nazis in Brot und Arbeit stehen und sich nicht genieren, von jüdischem Gelde — pecunia non olet — zu leben, ihre Beiträge für die antisemitischen Organisationen prompt zu entrichten, Hitlerversammlungen zu finanzieren, auf daß es besser durch die Straßen gröle „Juda verrecke!". Habt ihr schon gehört,daß jüdische Arbeitgeber solche ..Mitarbeiter" auf die Straße gesetzt und euch, die ihr hungert und doch irgendwie in alten Büchern einmal jüdische Brüder und Schwestern genannt wurdet, dafür die Möglichkeit zum Leben gegeben hätten? Wenn man fragen würde, ob Hitler oder der Selterswasserfabrikant Seldte jüdisches Personal beschäftigen, würde man mit recht an dem normalen Geisteszustand des Fragers zweifeln, aber umgekehrt, mit Verlaub, alles in Ordnung? Was nützen unsere Appelle, unsere ehrerbietigen Bittgesuche, die in den Papierkorb wandern oder günstigenfalls mit leeren Floskeln, auf die Zukunft vertröstend, beantwortet werden. Jüdische Jugend aber, die sozialistisch geschult ist, würde diesen Zuständen ein Ende machen, die Maske herab, ihr Notabein, die ihr oft gar nicht genug in 100 Prozent Judentum machen könnt, wenn es gilt, sich vor der jüdischen Oeffentlichkeit zu „bewähren". Und schließlich, jüdische Jugend, die sozialistisch orientiert ist, wird sich auch in den Gemeindestuben den Einfluß zu sichern wissen, der ihr schon längst gebührt. Zu Endo wäre es mit leeren Versprechungen, zu Ende mit mittelalterlichem Wahlrecht, das jeder Demokratie ins Gesicht schlägt, zu Ende mit der Anschauung, daß der Wirkungskreis dor Gemeinden sich nur auf Kultus, Religionsunterricht und Steuererhebung beschränkt, während das pulsierende lebendige Leben, während Kultur und Wissen, soziale Einsicht und Toleranz vor den Türen stehen und betteln gehen können. Es kann nicht der Zweck dieser Zeilen sein, alle die Möglichkeiten aufzuzeigen, die das Bekenntnis zu einer Idee, einer begeisternden und packenden Idee, wie säe der Sozialismus darstellt, in sich birgt. Die nächste Reichsdelegiertentagung muß uns den „Verband der sozialistischen jüdischen Jugendbünde Deutschlands" bringen. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag! Die jüdische Jugend hat es selbst in der Hand, darüber zu entscheiden, ob sie einen Strich unter eine Entwicklung ziehen will, die sicher viel Gutes und Richtiges in der ihr zugrunde liegenden Idee hatte, heute aber Uberlebt und hindernd ist für fruchtbare Arbeit, der der Weg erst noch geebnet und gewiesen werden muß. . . Max Schweis heimer, Chemnitz. Unsere letzte Zeitung - ir so interessant, daß es vielleicht auch mal interessant in mag, darzustellen, wie sie wirkte und was dazu zu sagen '. Es soll aber möglichst kurz geschehen. „Wir brauchen Führer," sagt Jack Raphael, schwungvoll fiel immer. Die Antwort aber steht schon im Bericht, der lehr ist, als nur ein Referat, nämlich: „Der Führer muß lieht geistig Uberlegen sein." Wirklich beherzigenswert. i \ iele Landvereine jammern, sie hätten keine Führer. Sie ■ •inen eigentlich, sie hätten keine Akademiker. Aber man kann auch mit bescheidenen geistigen Potenzen, diese aber Isicher eingesetzt, einen Bund hochführen. Es ist ein alter Irrtum, Religion als Idee und Religionsgemeinschaften zu identifizieren. Es ist gut, daß Dr. Hahn die Erklärung einer politischen Richtung, des religiösen Sozialismus, zum Anlaß genommen hat, diesbezügliche Irrtümer, auch in den Köpfen unserer Menschen noch reichlich vorhanden, sauber hinauszufegen. Er möge es doch einma' unternehmen, darzustellen, wie unter diesem MißverstMi«1- . das Judentum religiöser Betonung leidet. Viellei''1 sich dann heraus, warum unseren jungen Mer Synagoge nichts bedeutet. Allerdings wird sich herausstellen, wo die „Grenze der Synagoge" is

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