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Der Jugendbund · 1931-07-01 · 4 (7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
4 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sinne für uns nicht mehr tragbar ist,' mehren sich täglich. Sie Imaeeu darauf schließen, daß eine grundlegende Revision drr Verbandstondenz allgemeinem Verständnis begegnen wird. FiTagt sich nur. zu welcher Gesinnung. ..Richtung", Weltan-eli.iuiing sollen wir uns bekennen. Im Verband sind die mannigfaltigsten Anschauungen vertreten. Bezeichnend für manche Auffassung, was der Verband eigentlich darstellen Solle, erseheinen mir z. B. die Darlegungen von I>r. Jacobs, Kreuznach, der doch kaum weniger verlangt, als daß der Vorband sich in eine ins Jüdische transponierte religiöse Organisation, umwandeln soll, wie etwa der Christliche Verein länger Männer. Betonte Religiosität, betont jüdisch reHgiösea Wissen soll der Inhalt unserer Arbeit sein. Es nag ketzerisch klingen, aber ich — und ich glaube sehr viele unserer aktivsten Verbandsfreunde —. würden sich sehr dafür bedanken, aus dem Verband eine Art von organisiertem Lehrhausbetrieb zu machen. Wer das Bedürfnis hierzu hat. wird in unseren Reihen sicherlich genügend Möglichkeiten in dieser Richtung haben und seiner Ein- -tellung wird der selbstverständliche Respekt vor religiöser I rberzeuirung nicht versagt bleiben, . doch schließlich sind wir kein h'abbiner-eminar. noch gelüstet es uns, Religiosität und Frömmigkeit auf den laufenden Bande zu fabrizieren, wiewohl es mir natürlich verständlich erscheint, wenn manche Rabbinerkreise aus dem Verbami eine Domäne dieser Art machen möchten. Was soll man zu den Heilsoffenbarungen von Hans Fried- •>erg -asrrn? . Abgesehen davon, «laß reichlich zwei Drittel seiner Ausführungen sich mit organisatorischen Einzelheiten beschäftigen. Fragen also, die sieh zumeist erst aus der Praxis ergehen, gibt er uns den Hat. die Neutralität gegen ein Bekenntnis zum jüdischen Volke einzutauschen. Ich will mich Ihier mit Friedberg über die Richtigkeit seiner These an sich nicht auseinandersetzen, ich will vielmehr die Frage aufwerfen, was mit ihrer Annahme für die Menschen im Verband und für die Arbeit gewonnen wäre. Die Basis, die F. erstrebt, wäre nur für die tragbar, die an und für sich schon da« jüdische Volk anerkennen, der Verband wäre also allenfalls die Zusammenfassung von Jugendorganisationen, die bereits bestehen und dasselbe Ziel längst verfolgen. Wir würden also, ohne eine wirkliche Lücke auszufüllen, ohne erkennbare Existenzberechtigung, zu einer Art von Dachorganisation n.itiorialjüdischer Jugendverbände umgewandelt Verden, ein höchst anfechtbarer „Fortschritt". Hingegen stimme ich mit F. völlig darin überein, daß der Begriff der Neutralität fallen muß. soll der Verband nicht bis zur völligen Schrumpfung weiter vegetieren. Ich sehe jedoch die Lösung nif einem ganz anderen Wege als F. Er bekennt selbst, daß der ..Sozialismus die Wirtschaftsform der Zukunft, ja ein men-rhlieitliehes Problem zugleich ist", versperrt sich aber -r|l>-r den Weg mit seiner kurz vorher fixierten Behauptung „Feine Forderung, sich zu entscheiden in den Fragen der W'irtschafts- und Gesellschaftsordnung, hat einen Sinn". Nun, die Diskussion über den Sozialismus wird nicht mehr von der Tag-ordnung unserer Bünde verschwinden können. Daß Rain sieh dieser Erkenntnis nicht entziehen kann, geht schon aus der Absicht hervor, das Thema des Sozialismus zum Zentralthema der kommenden Winterarbeit, ja zum Mittelpunkt der nächsten Delegiertentagung zu machen. Es ist gut. daß man sich entschlossen hat, nicht mehr länger der Debatte über eine entscheidende Frage aus dem Wege zu gehen, der man sich unter dem Drucke der Verhältnisse doch nicht mehr hätte lange entziehen können. Die Abwanderung vieler jüdischer Menschen ins sozialistische und kommunistische Lager bereitet den Führern der Jüdischen Jugend viel Kopfzerbrechen, bedeuten doch diese Menschen meist einen entgültigen Verlust für jüdische Arbeit und jüdische Interessen. Es ist ein i>ffenes Geheimnis, daß viele und oft grade die besten unserer Verband-freunde eine sozialistische Tendenz des Verbandes anstreben. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich ein offizielles Bekenntnis des Verbandes zur sozialistischen Weltanschauung unter Opferung der Neutralitatsklausel als einzige Möglichkeit ansehe, künftig erfolgreiche Arbeit zu lei Die Bemühungen mancher Verbandsfreunde, bereits jetzt > Rahmen der gegenwärtigen Verbandsform sozialistisch Gedankengänge in den Vordergrund der Arbeit zu - müssen fast in jedem Falle zum Scheitern verurteilt sein sie natürlich den Gedanken der Neutralität verletzen i: weil ferner alle Voraussetzungen fehlen, die nötig wär statt Flickwerk wirklich etwas Ganzes zu schaffen. Bei i nordwestdeutschen Delegiertentagung im Vorjahre in Brei. an der ich als Vertreter des Landesverbandes Sachsen I nahm, machte ich deshalb mit Raffael-Beckum zusammen Versuch, den ich später auf der mitteldeutschen Delegier: tagung in Erfurt wiederholte, ein Versuch, der m Wissens wohl damit erstmalig gemacht wurde, die Delegi i zur Annahme einer Resolution zu bewegen, die die solistische Einstellung des Verbandes als integrierenden i st amiteil der Tendenz, zum Inhalte hatte. Wrir waren natürlich klar darüber, daß eine solche Resolution nur dem" strativen Charakter haben konnte, da eine definitive En scheidung ja nur einer Reichsdelegiertentagung vorbehal: sein kann: aber die mit nur knapper Mehrheit erfolgte > lehnung des Antrages zeigte uns, daß der Gedanke des So7: lismus unaufhaltsam im Verband Terrain gewinnt, und d einmal festzustellen, war der Zweck unseres Vorstoßes. V* aller Klarheit hebe ich hervor, daß es sich bei diesen B strebungen nicht darum handeln kann, für irgendeine Part Propaganda zu machen, das muß um eventl. Einwände will, entschieden zurückgewiesen werden, sondern hier geht . um viel,- viel mehr. Es gilt, die Phalanx aller der Menseln zu bilden, die im Sozialismus die Weltanschauung sehen, di allein die Möglichkeiten in sich birgt, ein Leben aufzubaur; da.s in wirtschaftlicher wie politischer, in geistiger wie i sittlicher Beziehung, eine von uns erstrebte Neuordntin menschlicher Beziehungen gewährleistet. Hier tut sich eir Perspektive auf, die geeignet ist, über die Grenzen religiös Ansehauung, der Abstammung, beruflicher Gliederung binwi sich die Hand zu gemeinsamer Arbeit zu reichen. Wer hierbei darauf hinweisen wollte, ähnlich wie i. das in bezug auf die Forderung Friedbergs getan habe. <11 es doch für die unserer Freunde, die sozialistisch eingestel! seien, genüge, sich irgendeiner der sozialistischen Organi sationen anzuschließen, daß aber der Verband damit doe> nichts zu tun habe, würde damit nur eingestehen, daß er di. Entwicklung, die die jüdische Jugend Deutschlands genommn hat, nicht begreife. Diese Entwicklung wird, wie bereit erwähnt, deshalb mit großer Sorge verfolgt, weil durch di Abwanderung jüdischer Menschen ins sozialistische Lag' notwendigerweise eine Entfremdung allen jüdischen Aufgabe und dem jüdischen Leben gegenüber eintreten muß. Es kan kein Zweifel darüber sein, daß der fortschreitende Pauperisi. rungsprozeß — um das mit unrecht in jüdischen Kreisen noe! vielfach verpönte Wort Proletarisierung nicht zu g. brauchen —, der jüdischen Gesellschaft, insbesondere de Mittelstandes, auch einen allmählichen Frontwechsel der jüdischen Menschen mit sich bringt, die — entgegen anti semitischen Behauptungen —, bisher sehr bürgerlich mi' stark konservativer Grundnote eingestellt waren. Die Erkenntnis, daß durch den sich immer mehr intensivierende: Kapitalismus dem individuell eingestellten'jüdischen Menseln der Weg zu ersehnten Selbständigkeit verschlossen wird, ohn. ihm aber andererseits die Vorteile kollektivistischer Ord nung zu gewähren, treibt naturgemäß insbesondere <l jüdische Jugend dem Sozialismus immer mehr in die Arm Es wäre indessen ungerecht, nur rein materielle Ursach.'! als Triebkräfte der fortschreitenden sozialistischen Umorieii tierung anzunehmen. Erfreulicherweise kann festgestel' werden, daß grade die Menschen mit geistiger Weite, rti offenem Blick und mit sozialer Einsicht Bannerträger '1 Sozialismus sind. Menschen, die erkannt haben, daß es en«l lieh an der Zeit ist, sich loszumachen von der Pflege ehe „staatsbürgerlichen" Gesinnung, bei der der Accent Inmu r auf der letzten, fast nie auf der ersten Silbe lag, und der. i verschwommener Umriß, denen, die Weltkrieg, Revoluti. -u

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