Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 4 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„ Arbeit «lerer hindert, die bereit sind, wirklich Positive» SU leisten. Wohl schon jeder von denen, die etwas schaffen ttixl formen wollten, wird erlebt haben, daß Ihm mm der .j:- lh Anzahl der AHzubequcmen. der Nichtskönner, der Ki lioniire und Besitzer von Horizonten, die mit .modernen K iwtwnhnungen wirkungsvoll konkurrieren könnten, wie schmetternde Fanfare der Huf entgegentBnte: Die ralitüt ist verletzt worden, Verrat, cradfige! So neben wir uns tiber die Resultate dieser ..Politik" nicht wundern. Eingedenk des Dichterwortes: ..Wer viele« .,,gt. wird jedem etwas bringen." wird in den Iiiinden diskui über Wirtschaft und Religion, Kunst und Politik. Alter- Mittelalter und Neuzeit, hündische und nii htbündischc eit. alle Programme iiik! Parteien worden durchgehechelt. Bücher und Zeitereignisse erörtert und kritisiert — eins was willst du noch mehr?! hoch wo ist die große Linie, nach der dies, alles er- •Ret wird, wo der gemeinsame Ausgangspunkt, von de» - wir an die Arbeit gehen? In Wirklichkeit stellen unsere hde sehr häufig ein bedauernswertes Konglomerat von uscben <ler verschiedensten Riehtungen. 'Anschauungen, l-trebigkeit dar, ohne daß das W.undor vollbracht wurde, - allein eine Rechtfertigung dieses Durcheinanders hatte n können, ohne daß es nämlich gelungen wäre, alle diese rogenen Elemente auf einen gemeinsamen Hauptnenner Ill ingen, sie für ein großes Gemeinsames zu begeistern. Kntwcder sind wir eine Gruppe von' Menschen, die ihre itglieder unter bestimmten Gesichtspunkten nach dorn rinzip der Auslese wählt und nicht wahllos jeden in ihre ■ihen aiifniiiiiiit. der oft und oft nur die Zahl der Mitläufer ■iiuehrt, oder wir sind die Organisation der Masse. In ' •'■in Falle muß allerdings die Forderung an den einzelnen ihr herabgesetzt und zu erreichen versucht werden, umgibst viele indifferente Menschen jüdischem Leben und dischein Milieu nahezubringen. Nur immer ein Weg ist lllgbar. Heute sind wir Weder Ausleseorganisation noch .--enbewegung! Letztere wollen wir zwar offenbar sein ihI dennoch befinden sich auffallenderweise grade in den adten mit stark entwickeltem jüdischem Leben, keine oder reht nennenswert starke Gruppen des Verbandes. Hamburg, Breslau, Königsberg weisen überhaupt keine. Frankfurt a. M., •ilin, München, mit der dortigen jüdischen Bevölkerungsuke verglichen, nur schwache Bünde auf, deren Kinfluß ieM sehr bedeutend ist. Wie aber sieht es in der-Mehrzahl n-erer BüihIc selbst aus:" Viele existieren beinahe nur noch tu Namen nach. Ks wäre mir ein leichtes, eine ganze Reihe -finde aufzuzählen, von denen ich mich persönlich überzeugen onnte, daß sie zwar in actis, nicht aber in mundo ihr Dnsein Inen: und wie erschreckend groß ist die Zahl derer, die tr kümmerlich vegetieren, wo das Interesse der Mitglieder gering ist. daß die schönen Programme aus mangelnder "leiligung leider nur geduldiges Papier bleiben?! Die Bilanz ist deprimierend, darüber dürren weder Hellte über Veranstaltungen der Bünde und Landesverbände uwegtäusclien, noch die obligatorischen Reden auf Delertentaguiigen und Seitens oiner ,,jovialen" Gemeindouxokrstie. Tausende und aber Tatutende junger jüdischer Menschen I durch unsere Reihen hindurchgegangen. Wo sind sie? erst beiden sie sich auch nur in-etwas von denen, die nie- Ieiner Bewegung angehörten, die unbeeinflußt von dogio" und „Gemeinschaftsarbeit" ihren Weg gingen? Lang es uns etwa, diese Menschen irgendwie zu formen, m ihrer seelischen und geistigen Haltung bemerkenswert «eindrucken? Die Antwort könnt ihr euch selbst geben, n ihr diese Menschen sucht, sucht und kaum wenige . .-t! l erner, was haben wir, die wir so gerne mit den)Gedanken en, die Repräsentanz der jüdischen Jugend Deutschlands Z erkörpern, getan, um diese Macht, die uns durch die Ko Zentrierung eines sehr, großen Teils der jüdischen Jugend ii mseren Reihen gegoben ist. z. B. innerhalb der Verwal- 11 der jüdischen Gemeinden zur Geltung zu bringen? u wir verstanden durch gesammelte Kraft und klaren \\ ng der jüdischen Jugend in diesen Gremien den ihr schon längst gebührenden Kinfluß zu verschaffen. Verständnis für die BedOrfniase und Hoffnungen der jungen Generation zu wi-cken: ist es uns gelungen, die schlimmsten AnswftehM eines höchst untnleranteiK undemokratischen Wahlrechts, wie enoch in vielen Gemeinden herrscht, zu beseitigen, ist durch unseren Kinfluß der unselige Kampf zwischen ..Ost" und „West" merklich gemildert, die veralteten soziologischen Anschauungen der judischen Gesellschaft revidiert worden? Die Antwort? Schaut euch um in euren Gemeinden und seht wie überall die ßalbattim die Schanzen besetzt halten und höchstens bei Generalversammlungen der jüdischen Jugendorganisationen ihrer angeblichen Sympathie und ihrem Verständnis durch ehrwürdige, meist etwas geistig antiquierte Redner Ausdruck geben, die seit 10 Jahren immer wieder dieselben, bereits schon Tradition gewordenen Worte, nichts als Worte für euch übrig haben. I'ml unsere Arbeit? Soziale Nothilfe und Abwehr sollten zwei Fundamente unserer Tätigkeit sein. Damit wollten wir wieder den Anschluß gewinnen an die Probleme unserer Zeit, die gebieterisch von uns forderte, uns mitten hinein in den Tag mit seinen Kämpfen und Aufgaben zu stellen. Was ist daraus geworden? Ich bin der letzte, der grade aus seiner Kenntnis der Tatsachen heraus verkennt, welche Unsumme von gutem Willen, Aufopferung und Pflichterfüllung das Dezernat für soziale Nothilfo aufgebracht hat. Aber — und grade deshalb das Resultat? Was wir erreichen konnten, bedeutet angesichts 'der furchtbaren Not. die sich täglich steigernd, uns angrinst, einen Tropfen auf einen glühenden Stein, eine Oase inmitten riesiger Wüste. Uni die Abwehr? Mit heißem Herzen riefen wir die jüdische Jugend auf, sich invorderste Front des Abwehrkampf es zu stellen. Wer denn, so sagten wir uns. ist in orster Linie berufen, zu kämpfen um unser gutes Recht, unsere Wiürdc als Mensch, Jude und Staatsbürger, wenn nicht wir. die Jugend, die es dem Alter im Abwehrkanipf nicht nur gleichtun, nein, es Übertreffen, ihm Ansporn und Stütze sein sollte? Was ward daraus? Die ganze Aktion, sorgfältig vorbereitet und durchdacht. ist in der theoretischen Schulung unserer Freunde stecken geblieben. Nur ganz vereinzelt erfolgte der Einsatz der ausgebildeten geistigen Streiter im praktischen Abwehrkanipfe. auf den es doch in allererster Linie ankommt. In unserer Zeit, in der jeder Tag neue Vertiefung des Hasses, höher steigende Giftwcllen mit sich bringt, kommt alles darauf an. die verfügbaren und geeigneten Kräfte zur richtigen Zeit am richtigen Platz einzusetzen. Ks gehört schon ein gerüttelt Maß von naivem Optimismus dazu, alles. Nothilfe, Abwehr, als selbstverständlich hinzustellen, so wie es Friedberg in seinen programmatischen Ausführungen tut. Kin ungerechtfertigter Optimisuiu-.- der glaubt, die schwierigsten Dinge in Parauthcse abtun zu können, ist ebenso verderblich wie allzu übertriebener Pessimismus. In unseren Reihen ist leider auch das Selbst1 verständliohste noch lange nicht selbst verständlich, geschweigewirkliche Notwendigkeiten, die Opferfreudigkeii und Verantwortungsbewußtsein voraussetzen. Wenn es nur des Ruckes bedürfte, den Friedberg ersehnt, damit sich alles, alles wende, dann wäre der Verband längst aus seiner Stagnation heraus: die Dinge licgeji_ eben doch tiefer und schwieriger. Was ist zu tun? Nicht „Ideologie" und „l'rogra in in a t i k" muß gepflegt werden, solidem aufrecht bekenntnisfreudige Gesinnung. Nicht Botrieb und" Betriebsamkeit tut uns not, sondern zielbewußte Arbeit. Kr strebt muß werden, nicht möglichst jedem etwas zu bieten, sondern untor Stellung höchster Ansprüche an jeden Verbands fround, Konzentration nuf ein gemeinsames Ziel in gemeinsamem Geiste! Sind diese Forderungen im Verband in jetziger Form durchzuführen? — Nein! Die Stimmen, die von der Fr konntnis getragen sind, daß die Neutralität im bisherigen