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Der Jugendbund · 1931-06-01 · 3 (6.1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
3 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Kenntnisse, Quellen-Kenntnisse, anzueignen? Arbeit, nicht Iktriebsamkeit, Taten, niclit Worte! Jugendverband, nicht Kliille-Vereine! Es geht nicht? Schade um joden Pfennig, um die An- -trengung der Führer und Leiter! Auch ohne sie würden die jungen Menschen, was sie jetzt werden: bis 26 Jahre: begeistert vom Verband, ab dato:---ich sehe sie nicht mehr, nicht im Verband und nicht im jüdischen Gemeindeleben, jedenfalls nicht mehr, als sie auch ohne Verbandserziehung da se.in, kommen und arbeiten würden. Das ist bei anderen Verbänden nicht so, nicht im zionistischen und nicht im orthodoxen Lager. Ich frage mit Grock, und ich lasse die Frage offen, möge jeder einzelne sie ohne Phrase und Selbstzufriedenheit sich selber beantworten: Waaaruum? Videant consules! Rabbiner Dr. Jacobs, Kreuznach. Judentum und Todesstrafe Nachdem die Diskussionen über die Todesstrafo durch den Fall Kurten in letzter Zeit wieder stark in den Vordergrund getreten sind, veröffentlichen wir nachstehend einen bereits seit längerer Zeit vorliegenden Artikel zu diesem Thema. Die Zeitschrift „Chronik der Menschheit" (Schweidnitz) veranstaltete unter der Leitung von Eugen Gömöri, Wien, in ihren letzten Heften eine Enquete über die Todesstrafe, in der sich außergewöhnlich viele Mitarbeiter beteiligten! In Gemeinschaft mit Herrn Bezirksrabbiner Dr. Cohen, Friedrichstadt (Eider) übersandte ich zum Thema den Ver- Mich einer Stellungnahme des Judentums, unter Berücksichtigung der grundlegenden, in Frage kommenden Textstellen und unter Verwendung einer größeren Arbeit, die Dr. Cohen im „Israelit" Ende des vorigen Jahres („Verlangt, das Thorahgesetz den Pazifismus") veröffentlicht hat. Die wichtigsten Teile seien hier wiedergegeben, da auch in jüdischen Kreisen die Diskussion über das Problem der Todesstrafe ••ingesetzt hat. Nicht hinwegzuleugnen ist die Tatsache, daß <lioses Problem nicht von der Diskussion über eine gerechte soziale Ordnung zu trennen ist. Rabbiner Dr. Cohen stellt mit Recht die Frage: „Wer sind die Menschen, denen das Thorahgesetz das Leben ihrer Mitbrüder in die Hände gibt, wer die Autoritäten, die einen Krieg anordnen dürfen?" Die Antwort dürfen wir uns nicht — wie es von theologischer Seito versucht wird — etwa aus dem Buch der Richter oder dem Anfang von Samuelis holen, aus Büchern, die eine Zeit betreffen, in der (wie es heißt) „jeder tat, was in seinen Augen recht war", — auch nicht aus späterer Historie, vielleicht aus der Epoche nachmakkabüischer •Staatskorruption, — sondern aus dem Thorahgesetz und den Dezisoren allein! Die Kriege gegen Kanaan und Amalok -ehalten (nach all dem, was der Talmud hierzu sagt) als Kxempel völlig aus. In Ex. 18, 21 finden wir aus Jethros Munde die Eigenschaften aufgezählt und in Deut. 1,13 wiederholt, ohne die ein Jude nicht Richter seines Volkes werden darf. Dr. Cohen fährt fort: „Auf Grund -dieser Charakteristtk liefert der Talmud Sanhcdrin 37 b (und anderwärts jenes Glanzbild richterlicher Persönlichkeit für den Gottesstaat, wie os Maimonides Hilch. Sanh. 2,1 und 4,1 kodifiziert. Die Kontinuität der Ordination dieser Richter seit Moses ist (1 b 5,9) Vorbedingung ihrer Zuständigkeit für Thorahstrafprozesso überhaupt" Nicht viel geringer waren in Prozessen über Todesstrafe die Anforderungen an die Persönlichkeit der Tatzeugen. An solchen Prozeßtagen durfte der beteiligte Richter nichts essen ,und nichts trinken. Wer im Laufe der richterlichen Diskussion bei Todesstrafe einmal zuungunsten des Angeklagten eine Meinung vorgebracht hatte, konnte diese zurückziehen (Mischnah Sanh. 4,1), — nicht aber, wer zu dessen Gunsten gesprochen hatte. Die Mindestzahl des Richterkollegiums über Todesstrafen beträgt 23, die Höcbstzahl 71. Ein Gericht, das mehr als einmal in siebzig Jahren ein Todesurteil gefällt hatte, galt als drakonisch (MakVoth 1,10). So kann nach alledem heutzutage selbst dann, wenn irgendwo einem jüdischen Gerichte in rein jüdischer Gegend staatlich jede gewünschte Rechtsgewalt verliehen wird, ein solches Gericht schon deshalb nicht ein Todesurteil fällen, weil ihm außer allen Vorbedingungen an der Persönlichkeit seiner Richter die zu einem Todesurteil unerläßliche Kontinuität ihrer Ordination seit Moses fehlt, und sogar wenn eine besondere Aktion aller Gelehrten des Heiligen Landes nach Maimonides Hilch. Sanh. 4,5 ff. diese Kontinuität erneuern sollte, so böte auch solchem Kollegium sich nicht in jedem Jahrhundert die Gelegenheit zur Vxrhängung der Todesstrife. Zum Schluß fordert Dr. Collen, der Anhänger der orthodoxen Richtung ist, zur aktiven judisch-religiösen Mitarbeit in allen Verbünden auf, die für Versöhnung und Vervollkommnung der Menschheit kämpfen. Nicht „gegen" ein Problem wird ein Kampf kommandiert, sondern jüdische Pflicht ist es, das Leben der Menschen nur den Menschen in die Hände zu geben, die vom Gottesgeist der Verantwortung erfüllt sind. J. Raphael. Wir jungen Juden Randbemerkungen zu einem jüngst erschienenen Buch. Eigenartig, wie gerade im letzten Jahr die Diskussion über die Judenfrage sich wieder belebt. B r u n n e r schreibt sein Buch von den Pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates, Klatskin legt sein Buch über „Die Probleme des modernen Judentums" erneut auf, ein homo novus, Karl Lieblich, veröffentlicht drei Vorträge unter dem Motto: Wir jungen Juden. Wer und was ihn berechtigt, im Namen jüdischer Jugend zu reden, bleibt wohl allen unklar, denn allein die Tatsache, daß ihn der Berthold-Auerbach-Verein zu Stuttgart bittet, seine Ideen dem Kreise seiner jungen Menschen vorzutragen, ist doch keine hinreichende Legitimation. Dieses Uebennaß an Anspruch braucht uns nicht weiter zu stören, da es sich bei seiner Behandlung jüdischer Problematik in keiner Weise insbesondere um die Jugend handelt, sondern vielmehr, wie bei Brunner urid Klatzkin, um das ganze Judentum. Es ist möglich, .daß Lieblich glaubt, daß seine Ideologie ungen Menschen eher eingeht, als den mehr oder minder in ihren Anschauungen gefestigten oder schon vergreisten Menschen der älteren Generation. Das tut aber nichts zur Sache. Was sagt Lieblich, was will er? — Drei Vorträge sind's, die er zu einem Buch vereinigt: .Judenhaß und Judenschicksal — Wozu? — Wir jungen Juden. Haß und Liebe, Sich-Abstoßen und Sich-Anziehcn, Sich- Bekämpfen, ja Sich-Zerfieischen und aus dem Kampf als Sieger hervorgehen, Untergang des schwachen Individuums zugunsten des Erstarkens der Gemeinschaft, Kraft der wenigen Starken gegen die Verweichlichung der großen Menge — das schienen ihm die Kräfte im Spiel der Geschichte zu sein. So erfolgt die Auswahl der Besten, so zerfällt das Lebensunwerte, so erhält sich das Wertvolle. Die Juden haben sich, wenn auch in kleiner Zahl, wenn auch unter schwierigen Bedingungen bis auf den heutigen Tag erhalten, ja vielleicht nur der Schwierigkeiten wegen, und in der Ueberwindung dieser Schwierigkeiten ihre Stärke bekundet. Gerade der Haß, der sich immer wieder 15

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