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Der Jugendbund · 1931-06-01 · 3 (6.1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
3 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Gemeinden und Landesverbände müssen in stärkerem Maße, als dies he,ute der Fall ist. finanziell interessiert werden. Vertreter des Bundes müssen in die Gemeindevertretungen entsandt werden (öffentliche Forderun::'). Fin Verein Förderer des Jugendbundes soll im ganzen Reich gegründet werden, mit vierteljährlich zu erhebenden Beiträgen, von denen ein Teil dem betreffenden örtlichen Bund verbleibt. Oberstes Prinzip der Finanzvorwaltung. «leren Vertreter in der ober-ten Leitung Sitz und Stimme hat. eigens vom Bundestag gewählt wird und diesem verantwortlich ist. bat zu sein: Keine Schuldenwirtschaft. Die Finnnzverwaltung bat segen Beschlüsse der obersten Leitung, die finanzier, nicht tragbar sind, ein unbedingtes Vetorecht. 'Noch ein Wort zur ^Genleimlenrbeit". Wir sollen Vertreter in Gemeinde- und Landesverbänden haben, aber die wirkliche Arbeit an und in der Gemeinde, im Sinne jüdischer Gemeinschaft sollen wir ruhig zurückstellen. Lrst einmal sehen, ob aus uns selber Gemeinschaft werden kann, erst einmal mit uns selber fertig werden, dann allerdings -oll es weiter und immer weiter gehen, deirn wir wollen uns niemals Selbstzweck sein. Bis jetzt sind wir nur ein loser Verein, und wenn es auch Ari de Jönge war. der ihm in München einige bittere Wahrheiten sagte, s-o haben diese de— halb weder damals noch bis heute etwas von ihrer Richtigkeit eingebüßt. Es gibt einige, die dies damals wußten und auch heute noch nicht vergessen haben. Schiaß. An diese geht zuerst der Ruf aus diesen drei Artikeln. Dann aber an den ganzen Verband. Ich möchte hoffen, daß er nicht ganz ungehört verhallt, daß, wie auch immer die Diskussion über diese Dinge, Uber die sicher, besonders in ihrer praktischen Seite, noch manches zu sagen ist, wach bleibt. Dann wird sich zeigen, daß unser Pessimismus sich positiv ausgewirkt hat. Dem Verband bietet sich „in dieser Zeit, in diesen Tagen"' eine niewiederkehrende Chance, die er erkennen sollte: Dem jüdischen Volke fehlt es an einer geeinten, tatkräftigen, unbekümmerten Jugend. Es wurde müde und etwas letargisch in den letzten Jahren. Aber es regt sich in ihm. Es möchte aufgerüttelt, vorwärts gewiesen werden. Und die Jugend merkt dies, sie spürt dunkel, daß sie allein zu dieser Aufgabe fähig ist. Es bedarf nur eines energischen Rucks, der einiges ab und hinter sich wirft und der Verbami wird der Mittelpunkt dieser Jugend, die auf ihn irgendwie wartet, die erfaßt, bewegt sein will, um selber bewegen zu können. Wird sie vergeblich warten? Hans 'Friedberg. Karlsruhe. Krisis der Zeitung oder Verbandsidee-Krisis Wir bringen die nachstehenden Aeußerungen unseres Verbandsfreundes. Rabbiner .Dr. Jacobs, Bad Kreuznach, gerade weil er slaubt. daß für seine Meinung kein Platz in einer jüdischen Zeit- schrift sei. Es ist nicht das erste Mal. daß von 'Menschen -unseres Verbandes die Aneignung jüdischen Wissens als unentbehrliche Voraussetzung jüdischer Arbeit und jüdischer Gemeinschaft "gefördert wird. Ob allerdings diese Forderung in dieser Zeit und angesichts der allgemeinen Krise der jungen Generation unseren jüdischen jungen* Menschen den ihnen fehlenden Antrieb bringen kann, das ist eine Frage, die zur Diskussion gestellt wird. Wenn der Verfasser zu dem Ergebnis kommt, daß die Krisis der Zeitung eine Krisis des Verbandes sei. so darf die weitere Schlußfolgerung gezogen werden, daß die Krisis des Verbandes eine Krisis des deutsehen Judentum^ ist. deren Ueberwindung bisher allen Kräften des deutschen' Judentums nicht gelungen ist. Mir ist zweifelhaft, ob die folgenden Zeilen Aufnahme finden in der Zeituflg des Jugend-Bundes: Mein Wunsch sagt:-'ja: denn der Artikelschreiber sind wenige, stand zu leserR also freut sich die Redaktion.' wenn jemand schreibt und iei es auch einer, der die Dinso beim Namen nennt. Meine Erfahrung sagt: nein, denn es is"t noch gar nicht lange her. da sandte ich einen Aufsatz an eine jüdische Wochenzeitung. in dem ich von den detitschen Rabbinern verlangte, mehr als bisher gegen die Mischehen aufzutreten, nicht jedes Mädchen in- Judentum aufzunehmen, weil es ein Verhältnis mit einem Juden hatte, das nicht ohne Folgen blieb usw. Prompt kam zurück: solche Dinse kann min vor dem jugendlichen Teil unserer Leserschaft nicht erörtern. Lies: es ist unangenehm und in Zeiten politischer Hochspannung gefährlich, so etwas zu drucken. So gefährlich mag es auch sein, in diesen Blättern festzustellen, daß die Krisis der Zeitung identisch ist und resultiert aus der Krisis des Verbandes, die schon nicht mehr als Krisis. sondern als Agonie angesprochen werden muß. Ich sah neulich im Kino den großen Musikclown Grock. Er -pielt mit dem Geigenkünstler zusammen, der sagt: ..Ich habe eine wunderbare Idee." Grock: „Wo denn?" Der Geisenküristler: „Hier im Kopf." Groek: „Nit möglich." So ähnlich ist es mit der Verbandsidee. Sie hat ihr völliges Fiasko erlebt. Sie ist nTcht vorhanden. Sie ist. milder gesagt, nicht lebenskräftig und nicht lebensfähig. Was will der Verband? 14 Jungen jüdischen Menschen, die Sucher sind, gemeinsame Plattform sein. Sie suchen, zum Teil von IS bis 25 Jahren, auf allen möglichen Gebieten:' sozial, politisch, wirtschaftlich — nur nicht jüdisch. Mit dem Judentum steht es schlecht innerhalb des Verbandes. Das Judentum wird ..neutral" behandelt P sowiß, man konnte sogar Umfragen stellen und beantwortet lesen: was zieht mich zum Gottesdienst? Prachtvolle Phrasen von Menschen, die mindestens dreimal im Jahr einen Gottesdienst (lies: eine Predigt) besuchen, denen es ansonsten selbst dann, wenn sie gar nichts anderes zu tun wüßten, nicht einfallen würde, ins Gotteshaus zu gehen, da sie der Sache völlig fernstehen, schon deshalb, weil sie ihr gar nicht folgen kennen. Da liegt auch eines der Hauptübel. Ich frage: Welcher junge Jude hat durch die Zugehörigkeit zum Verband sieli nennenswertes Wissen vom Judentum erworben? fNicht: Geschichte, Philosophie") Praktisch gefragt: Wer kann sein Chumosch (Sie wissen, was das i?t?1 übersetzen? Was treiben die Arbeitsgemeinschaften? V*Q. stand das Problem 0;t-Westiuden mal wieder erörtert. Teh weiß eine, und mir scheint, die einzige volle Lösung. "Wir. d. h. die ganz Jungen, lernen jeden Morgen nach dem Gottesdienst Mischna. iedon Abend vor dem Abendgottesdienst Chaie odom. nachher Gemarah (schrecklich, diese Fremdwörter!"), und da sitzen auch Ostiuden dabei und durch den semeinsamen Gottesdienst, zumal am Sc.habbns. morsen«, ehe die .Tungens zur Schule sehr-n. und durch das semeinsame lyernen wird das jüdische Gemeinschaftsgefühl erzengt, das das Problem Ost- West gegenstandslos macht. Das Gemeinschaftsgefühl und damit die Usberwindung der Krise, kommt in dem Augenblick, in dem in den jungen Menschen das Gefühl der Dankbarkeit sich rest für die innere Bereicherung, die sie durch den Verband erfahren. Sie war — man möge mich steinigen ob dieses Frevels — auf jüdischem Gebiete bisher wenig mehr als Xull. Man hat Angst — auch im Verband —, zu viel jüdisches Wissen könne seelische Konflikte heraufbeschwören, man möchte nicht gerne anstoßen. Man ist sonst gar nicht ' so ängstlich. Es ist nur — leider — auf dem Gebiet des jüdischen noch nicht modern sewonlen. Franz Rosenzweig ist gebührend beweihräuchert worden, seine Philosophie ist nicht allsemein verständlich, und. er hat zwar die „Formen" streng eingehalten, aber ..orthodox" war er nicht. Ueberhaupt: Alles, nur nicht das! Lieber nicht so viel lernen, wir haben genug andere Probleme zu lösen. Wie wäre es, wenn der Verband allen seinen Mitgliedern die Pflicht auferlegte — Wege zur Durchführung sind zu finden —, sich

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