Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 3 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Es kann nicht Aufgabe weniger Zeilen sein, dieses Problem EU lösen, wie etwa dem jüdischen Hause wieder eine Portion Judentum zugeführt werden kann, wie das Manko, das durch die Berufsarbeit der Frau entstanden ist, wieder durch andere Momente ersetzt werden könnt«, da nun einmal in vielen Fällen . ine Eheschließung ohne die Mitarbeit der Ehefrau an der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage nicht möglich ist. Ob iBer eine Beantwortung dieser Frage nur durch die Frau erfolgen sollte, der man Umstellung auf ihre nunmehr doppelte Lebensaufgabe empfiehlt, oder ob nicht auch der Mann sich umstellen und seinerseits versuchen sollte, einen Teil des früher der Frau überlassenen Arbeitsgebietes mitzuibernehmen und auf diese Weise einen gebührenden Ausgleich tu schaffen — etwa auf dem Gebiete der Kindererziehung und der Wahrung jüdischer Kultur im FamHicnhausc, — das soll Iiier wenigstens zur Diskussion gestellt werden. Es bedarf unter unseren Menschen keiner Erörterung mehr, (hfl die Forderungen, die unser jüdischer Mittelstand — secher liwrocho — an die Schließung einer Ehe oder vielmehr vorher -teilen zu müssen glaubte, die er heute noch als Vorbedingung für das In-die-WcltrSetzen von Kindern stellt, überaltert sind "nd in unserer Generation bewußt bekämpft und unterdrückt werden müssen, um überhaupt den Fortbestand unserer Gemeinchaft zu ermöglichen und nicht der Schließung von Misch- und ' inderlosen Ehen weiterhin Vorschub zu leisten. Um so mehr müssen wir jungen Menschen uns aber mit -'^eser Frage befassen, ehe die sofortige Beantwortung von uns »erlangt werden wird, damit wir.mit gutem Gewissen sagen '.önnen, daß wir mit Verantwortungsbewußtsein das Erbe übernehmen, das uns die vor uns schreitende Generation überläßt, ■■nd wir nicht in wenigen Geschlechtern all das Wertvolle verloren haben, was von den Aufgaben der jüdischen Ehe jahr- ■ uindertelahg umschlossen wurde. Ernst Strauß. Düsseldorf. IV. Eine Sonderstellung unter der Frau im Beruf nimmt die berufstätige Frau in der Ehe ein. Diese Gattung ist unter den Jüdinnen bisher sehr wenig vertreten, weil die Jüdinnen zum Teil erst später in das Berufsieben eintreten, zum anderen Teil aber bisher durch eine Heirat wieder aus dem Beruf herausgingen. Unter Berufsleben verstehen wir nicht Hilfe im eigenen Geschäft, sondern die Anstellung in einer fremden Firma. In Zukunft wird sich dies Bild etwas ändern, da die „guten Partien" immer seltener werden und die Jüdin trotzdem nicht auf den Beruf als „Mutter" verzichten will und darf. Die Pauperisierung der Juden nimmt täglich zu und man findet immer häufiger den Typ des Angestellten unter den Juden, während der selbständige Kaufmann für die jüngere Generation fast als Utopie zu betrachten ist. Von der Möglichkeit der Mischehe in diesem Zusammenhang abgesehen, wird der Jüdin in Zukunft nichts anderes übrig bleiben, als ihre Ansprüche an die Ehe in finanzieller Hinsicht ganz bedeutend zu reduzieren. Ja, es wird der Fall eintreten, daß eine Ehe nur dann zustande kommen kann, wenn beide Partner im Beruf tätig sind. Daß unter einem solchen wirtschaftlichen Druck das Familienleben leiden muß, ist selbstverständlich. Dies speziell jüdische Moment gerät durch die berufstätige Frau in der Ehe in Gefahr. Ich will hier nicht die Frage aulwerfen, ob die Ehefrau überhaupt in den Beruf gehört oder nicht, sondern lediglich die Tatsache ins Auge fassen, d!ie die Jüdin zwingt, neben der Ehe weiter im Beruf tätig zu sein. Dann leide.t natürlich im Zusammenhang mit dem Familienleben die Erziehung der Kinder, auf die wir Juden ganz besonderen Wert legen. Auch die religiösen Gesetze werden nicht mehr wie früher erfüllt werden können. Trotzdem müssen wir versuchen, eine Grundlage zu schaffen, auf der die Möglichkeit ist, uns als Galtin und Jüdin zu erhalten, selbst wenn wir einein Beruf nachgehen müssen. Ich sprach davon, daß wir unsere Ansprüche herabschrauben müssen. Eine Hausangestellte zu halten, wird uns nicht möglich sein; auch werden wir uns in Aeußcrlichkeiten Beschränkungen auferlegen müssen; wir müssen uns den gegebenen finanziellen Verhältnissen in jeder Weise anpassen, ohne hierbei die Lebensbedingungen, unter denen wir geboren Mnd, zu berücksichtigen. Weiterhin müssen wir nach der Berufsarbeit noch die Kraft finden, unserem Mann Gattin und den Kindern Mutter sein zu können. Dieses erfordert naturgemäß eine doppelte . Belastung, aber wir müssen sie auf uns nehmen, wenn wir nicht auf die Ehe überhaupt verzichten wollen. Gewiß sind diese Aussichten nicht rosig, aber wir müssen uns nun einmal mit den geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen abfinden und versuchen, einen Weg zu erkennen, der uns über diese Schwierigkeiten hinweghilft. Zusammenfassend möchte ich also sagen, daß für uns zunächst Erkennung der wirtschaftlichen Lage notwendig ist und darauf aufbauend die Herabsetzung unserer Ansprüche, ohne zu klagen. Ein Mädel. Programm - Idee - Arbeit * Ich habe bis heute geschwiegen. Aus zweierlei Gründen. Erstens >vollte Seh d.-i- Echo meines '^ersten Artikels abwarten, zweiten* seinen es mir aber auch ratsam, der Entwicklung des Verbanden etwas zuzusehen. Diese Entwiekinn« gab mir, nach allem, was ich höre und sehe, recht in meinen Ansichten und bestärkte mich in ihnen. Auch die inzwischen allerorts erfolgenden Gründungen von CV.-.Iiigendirruppcn bestärken mich in ihnen. Was das Eeho anlangt, so ließ es, in der Zeitung wenigstens, lange auf sich warten. Ich freue mich, «laß wenigstens eine Gilde nun vor einiger Zeit 'geantwortet hat. DT. Idee. (>. Oktobernünmer des „Jngendbiina"4.) Die Vorwürfe, die mir die mitteldeutsche 'üble macht.-!. Reben eine gute Einleitung zu diesem Artikel. „Auf Programme kommt es nicht, an." Damit meinte ich ie. re Programme. AIsolches schien mir das Programm dos V erbandes, obwohl Ich zu der Leitung und .zur Gilde das — leider übertriebene — Zutrauen hatte, sie würden etwas Positives vollbringen. Verkörpert ein Programm eine Idee, dann kommt es sehr wohl auf Programme -an. (Um! in der Geschiente großer Bewegungen spielen wirkliche Programme immer eine gewichtige Rolle, Man denke nur z. B. an das S. a. „JugeiwIbuiKl", Jahrgang i960, Nr. 10; Zionistische Basier Programm oder an das Kommunistisch" Manifest u. a. m.) .Kr-t regulieren wir Essen und Schlafen!" Ja, wenn ihr das könntet: Zur Regulierung würde eine f'eberwindung der Ursachen des dauernden mehr oder weniger schlecht) Rnguliertseins gehören. Diese Ueberwindiing gehört nicht; zu den Zielen des Verbände.-;, wie er. heute ist. Wird wohl nie zu seinen Zielen gehören. Die feierliche Erhebung des Punktes „Soziale Sdthilfe" ins Programm vermag indessen die gefährliche Illusion zu erwecken, wir könnten etwas zur tatsächlichen ..Regulierung" beitragen. Dies beweist der zitierte Satz der (iilde. < „Soziale Nothilfe" ist nur eine Präventivmaßnahme der herrschenden Klasse in der vorherrschende"« Wirtschaftsform Und dient, In pHlerer-ter Linie der Erhaltung der herrschenden Klasse ulid der vorherrschenden Wirtschaftsform. Eben dadurch, daß sie das Elend nicht zu «roß werden läßt bzw. es zu mildern Sucht, seine Ursachen überdeckt, damit keine Explosionen großer um sich greifender .Art entstellen mögen. Audi jegliche Hilfe innerhalb solcher Hönde, die etwa dem Proletariat angehören, aufgebracht durch eigene Mittel, ist nur präventiv, eine Selbstverständlichkeit. Eine ähnliche Selbstverständlichkeit ist auch unsere Nothilfe. Man sollte das ominöse Wörtlein „soziale" vermeiden. Schließlich sind