Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 3 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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..Objekt" eines unbeteiligten Studiums und Einordnens machen. :'nd gegen die, die in der Arbeiterbewegungselbst, denimmernoch philosophischen, sogar gcistleugnenden Materialismus mit d<.-r Methode der Marxschen Geschichtsbetrachtung verwechsein ■nJ jenen als notwendige Vorbedingung für den Sieg d-is Sozialisnuil ansehen. liier ist der eigentliche Auftrag, aber auch zugleich die nnere Not des religiösen Sozialismus. Da er seinem Wesen nach die Dinge tiefer durchdenken muß, da er den unent- .^Itn und an Schlagworten leidenden (also nicht wirklich mit der Zeit leidenden) .Menschen ins Gewissen red.'ii, ifemmungen geben, sie vor Utopien und sinnlosem, rcvoljtijircin Tun bewahren muß, so kommt er in die Geiahr, als .veich, vermittelnd, unentschieden, allzu „religiös" zu er- •licinen. Und es offenbart sich wieder das alte Vorurteil, als ah Religion etwas „Weiches"' sein müsse, stets, mit verbind - ' cm Lächeln um den Kernpunkt herumgehe . . . Wie stellt sich der religiöse Sozialismus zum Marxismus? Eine Vorfrage: Welches ist der richtige „Marxismus"? Das s! schwer zu erkennen.« Denn mit der gleichen Lcidenschaitkeil bekennt sich der russische Bolschewismus zum Ma.-Xisi^, den er im „Leninismus" organisch fortgebildet findet, wie; e Führer der deutschen Sozialdemokratie. Und wir tun im gut, nur die wesentlichen Züge des Marxismus ins \w+c zu fassen, wenn von diesen Dingen hier reden. Diese ...-entliehen Züge versucht übrigens ein ganz kürzlich gedrehter (am 17. April erstmalig vor einem kleinen Kreise aufilirter) Film in recht glücklicher Weise herauszuarbeiten. I man sieht auch da wieder, daß es sich um folgend :s handelt: Die gesellschaftlichen Kräfte und Entwicklungstendenzen beeinflussen im wesentlichen die Geschicke der .Menschen und Völker. Und die großen Lcbens- 'ebiete: Recht und Politik, Religion, Kunst, Wissenschaft, deren Leben nach eigenen Gesetzen in gewissen Grenzen nicht geleugnet wird, empfangen von jenen gesellschaftlichen Kreisen ■ r im wesentlichen ihre Ausdrucksformen, ihre poliü- •i Tendenzen, ihr „Gefüge"'. Das Wort Goethes: „Wie i tter ist, so ist sein Gott", wandelt sich also in seine kollektive in": Wie eine Gesellschaft in einer bestimmten Epoche ist. ist ihr Gott, ihre Kunst, ihr Recht usw. Der Sinn des Marxismus ist also der, daß es wirkliche Wandlungen gibt, daß wirklich etwas neu wird in der Weit, Die Religionen, deren Auftrag es gewesen wäre, ihre Anhänger immer wieder mit diesem Glauben zu erfüllen — und es ist ein leidenschaftlicher Glaube, wie man an innner wie Jesaja und Jeremias sieht —, haben in erslauniem Maße versagt. Sie haben nicht nur alles beim Alt.:n ■ lassen, sondern sind auch mit den Mächten gegangen, . ren Interesse es gebot, den Menschen zu s a g e n ,' es i s e immer alles beim Allen bleiben, es könne g-ir n wirklich neu werden. Und hier hat der religiöse Sozialismus seine Rolle. Er rückt das Wesentliche in der Religion und das Wesentliche im Sozialismus zurecht. Es sollen sich wirklich neue Formen des Lebenszusammenhanges der Menschen bilden, es sollen wirklich Mächte falscher Gestaltung und des Unrechtes überwunden werden. Es soll wirklich eine Welt gebaut werden, in der Menschen füreinander die Verantwortung übernehmen können, wo sie nicht mehr nur in großen Worten davon reden, daß sie es tun sollten oder täten. Dabei wird der Religion ihr eigentümlicher Bezirk, der Bezirk des Geheimnisses, gewahrt. Hier ist Eigenrecht und Eigenständigkeit, die nicht' zerstört werden sollen. Freilich soll alle laute und aufdringliche, ebenso wie alle unlautere und hinterhältige Art, von religiösen Dingen zu reden, aufhören. Und im Grunde führt der religiöse Sozialismus seinem Wesen gemäß von der konfessionellen Zerreißung der Menschen dynamisch zu ihrer Einheit und Einigung im ewigen Gedanken und brüderlichen Tun. Aber trotz dieser „religiösen" Haltung, ja gerade aus ihr, ist er „marxistisch". Er sieht sehr deutlich, wie stark das wirtschaftliche und' gesellschaftliche Sein das religiöse Denken und das praktische — meist sehr egoistische — Tun der Religionsgesellschaften beeinflußt hat. Er versteht, daß und warum sich die breiten Massen der Arbeitenden von solcher Religion und von diesen Religionsgesellschaften freimachen mußten. Aber er versteht das mit liebender Seele und mit einer Leidenschaft des Geistes, die sich an diesem Zustand als solchem nicht genügen lälU. Vielmehr weiß er, daß nur eine w i r k 1 i c h e Aenderung unserer gesellschaftlichen Struktur dem* kollektiv gewordenen Menscjten der Masse wieder die Möglichkeit gibt, von ewigen Dingen etwas zu schauen und zu wissen. Solange die Menschen, die das Heft der Dinge in der Hand haben, das Gegenteil von dem tun, was die Religionen ihrem Wesen nach meinen, solange ist jedes „Wiedergewinnenwollen" der Massen für die Religion sinnlos und aussichtslos. Erst wo neue Gestaltung, neue Form der wirklichen Dinge wächst, wird der Mensch wieder in ein sinnvolles Verhältnis zum Religiösen treten können. Denn dann ist es ausgeschlossen, daß man ihn im Namen der Religion unterdrückt. Darum ist der religiöse Sozialismus „r a d i k a 1" — wenn anders Radikalsein bedeutet: eine w i r k 1 i c h e Veränderung und Neuordnung der Dinge wollen. Darum finden wir auch bei seinen Führern das brennende Interesse an Rußland, weil dort neue Kräfte in die Menschengeschichle hereinbrechen wollen. Wir finden die schroffe Ablehnung alles Halben, Weichlichen in Religion und Kirche, auch wenn es aus subjektiv reiner „sozialer" Gesinnung kommt. Denn, so sagt man nicht mit Unrecht, die Nutznießer dieser sozialen Gesinnung sind ja die alten Mächte, die doch vergehen sollen und auch schon grundsätzlich der Vergangenheit angehören. Die religiösen Sozialisten aber wollen dem Neuen dienen . . . Liz. theol. Dr. phil. Hans Hartmann. Warum katholische Sozialisten? Die christlichen Kirchen beider Konfessionen sind den 'dornen sozialen Problem bisher nicht gerecht geworden. Ii mehr: die maßgebenden kirchlichen Kreise — sowohl Protestantismus wie im Katholizismus — haben die uere «los Problems und seine eigentliche Ursache noeh t richtig er k mint. Das mag daran liegen, daß diese kirchlichen Kreise sieh zum größten Teil oder sogar aus- ■ Mießlieh aus feudalen und b il r g e r 1 i c h o n Volks- ■ fliehten zusammensetzen, die das soziale Uebel selbst nicht '^tark errahren, wie die prolei.irischen Schichten. Nicht ii Ut ja der beste Wille (und «er kann leugnen, daß ich in kirchlichen Kreisen guter Wille vorhanden Ist?), cistande, einem Uebel wirldich abzuhelfen, einlach de<-!h, weil die tiordringendo Einsicht fehlt, die für alle lende Arbeit die notwendige Yoiau.-setzung ist. Die Er'; .....tnismöglichkcit aber ist eeht eng an <lie eigne gesell- .Wiehe Lage gebunden. Diie sehen wir heute: die Tat- ■ ••. e. daß die kapitalistische W eltkrise auch bürgerliche Ischichten und das Bauerntum bis an die Wurzel der Existenz angreift, führt dazu, daß plötzlieh sozialistischrevolutionäre Gedankengange auch in «Uesen Kreisen Eingang finden. Erst jetzt, nachdem die eigne soziale Situation dazu drängt, ahnt man und versteht man das sehwere Unheil, das der Kapitalismus als System (nicht bloß durch sub- V'ktive Schuld der Kapitalisten) über die Welt gebracht hat. Im Katholizismus ist die soziale Frage schon verhältnismäßig früh, in «1er Anfangsperiode «los modernen Kapitalismus, hier uml da erkannt und behandelt worden. In I Vutschlond hat der berühmte Bischof Freiherr von Ketteier schon in den vierziger Jahren des vorigen .lahrhiimlerts (um dieselbe Zeit, als Marx uihI Engels den w i.-seiKK'haftliehen Sozialismus begründeten) mit aller Kraft uihI mit großem Mut <Iie Oeffentliehkeit auf «las kapita- M-tische Unheil hingewiesen. In scharfen und teils sehr treffenden Analysen hat er das Wiesen, die Eigenart des kapitalistischen Wirtschaftssystems boschrieben ~und daran gezeigt, daß dieses System mit den christlich-sozialen Gruml- Iehren und mit der katholischen Sozialanschauung unver-