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Der Jugendbund · 1931-06-01 · 3 (6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
3 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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aus erklärt sich «las Erlebnis, das in jedem Führen und Geführtwerden liegt. In jedem Menschen besteht eine Wertwelt, unbewußt, geahnt, gefühlt, verstanden. Diese vier Stadien der Wertwelt zu durchschreiten, i-t nur wenigen Menschen aus eigener Kraft heraus möglich. Das Erlebnis des Geführtwerdens besteht darin, daß sich in einem Menschen durch die Einwirkung eines änderten -eine Wertwelt erhellt und befestigt. Daher verbindet die wahre Führung Menschen untereinander, schafft etwas Organisches, bindet Kräfte so aneinander, daß sie gemeinsam' Leben erzeugen. Jeder Mensch . in einem Gemeinschaftsleben ist in vielfache! Hinsicht zugleich Führer und Geführter und hat immer Anlaß, sich auf den eigentlichen Kern jeder Führung zu besinnen: Verlebendigang des unsichtbaren Reiches des Geistes zur Wirklichkeit. Hier liegt die Verantwortung jedes in irgendeinem Kreis, für irgendeinen .Sinn berufenen Führers. Ein Verhältnis von Mensch zu Mensch, das ohne diesen Sinn aul Kraft und Abhängigkeit beruht, ist im tiefsten Wesen unedler Mißbrauch. Ein Firhrertum. das nur darin besteht, rindcie abhängig zu machen, i-t nicht nur unfruchtbar, Sondern im wörtlichsten Sinne „Verführung". Denn: indem c-* andere zwecklos in die FiMseln einer stärkeren Katar schlägt, verblendet und hemmt es sie auf ihrem Wege zum Geistigen, zu ihrer Freiheit. J-mehr der" Führer hinter «lern Werk zurücktritt, um so wi niiier wird er -einer Idee im Wege stehen. Er muß selbstlos. u ipers/mlich und unabhängig sein, um nic ht zwischen den (iefül rten und seiner Idee zu stehen. Der Fuhrer ist dem Geführten — nicht fahrend, sondern seiend und lebend — Mittler seiner Idee, die sich in dein Geführten offenbart. F ü Ii r u n g ist W a h I v e r w a n d t s c h a f t. Franz Hevntann zeichnet sodann den [ilealtyp des geistigen Fuhrers und forderl trotz leidenschaftlicher Teilnahme am GiWhehen. trotz -lärkster Fcinfühligkcit für die I nbegTcifiichkeiten. die Bewahrung des klaren Blick-, der ferne Ziele unbedingt festhält. Der Führer muß über eine rasche Entschlußfähigkeit verfügen, um jede Mögliehkeil zu nützen. Er darf nicht alle- ..allein tun" — er niiili es aber notfalls können —. er muß jedoch verstoben, die Kräfte anderer dienstbar zu machen. Er muß organisieren, in die Ferne wirken, .ihmdas Ziel zu verlieren Hermann verlangt zudem vom Führer ein neutrale-, logisches, kosmopolitisches Denken, einen unbedingten Optimismus, vor allem: ein Vorbild. Der Rubrer muß Vertrauen schaffen, er muß Mut haben, um neue \1 cl'c zu gehen. Er muß Liebe zu den Menschen haben, die Jr führt. 1 »it Führer fällt nicht vom Himmel. Kr muß sieh bilden, durch Selbstschuluni;, durch Selbsterziehung. Der Führer muß-sich erst selber führen können. Führer sein, verpflichtet. Führer -ein heißt: Kämpfer -ein! Für den Kämpfer aber gibt es zwei Ziele: T)ie Schaffung der Gemeinschaft — die Prägung geistiger Werte! Iii/ der Aussprache, die im Gefolge der grandlegenden Ausführungen von Franz Heymann stand, wurde neben der theoretischen Theorie auch die „Theorie der Praxis" (ich glaube. Siegfried Bacharach fand diese Art der Formulierung) herangezogen; es ist unmöglich, die diversen Thesen der mitarbeitenden Freunde hier aneinanderzureihen — Walter Strauß. Alexander Sperling i Mielefeld), Levy (Paderborn), de Haas (Oldenburg). Lies! Domb (Münster), Heinz Nouma'rck | Bremen) kreuzten die Klingen miteinander, Ludwig Markreich bestritt die Fähigkeit eine- Führers zur Neutralität Ein Führer würde immer nur von -einem subjektiven Selbst geben, Den widersprach ein Osnabrücker Freund, [aenberg au- Salzwodel führt Mose aiden Typus des Führers an. Freund de Haas (Oldenburg) erklärt, daß der Führer die Gemeinschaft zur Arbeit zu bringen hat. Dann wird von einem Diskussionsredner empfohlen. dhv Biographien großer Männer in Arbeitsgemeinschaften zu behandeln. Zuletzt muß man feststellen, daß mit besonderer Lebhaftigkeit und vor allen Dingen mit wesentlichen Gedankengängen einige Mädels in die Aussprache eingreifen: Else Huben (Bremerhaven), Sigrid Maybaum (Hannover). Rena Gohl-chmidt (Verden) und ider Vorname fehlt mir leider . . .) Blomenthal (Lübeck). 2 Die Generation von Gestern, die an der Stirnseite de- S .ileg zu beiden Seiten von Joe Israel Platz genommen uml defc verpflichtet hat, nach Möglichkeit zu schweigen, brau< ht ,n die Debatte nicht einzugreifen. Zu dieser Schar gel,, . .,. Curt Friedmann, der (ieschäftsführer des Verbandes, fried Bacharach (Hannover), Franz Heymann und Joe 1 , , 1. Es ist wohltuend, mal die Leute zu hören, die an der Spitze des kommenden Verbandes der jüdischen Jugendv.p ,0 I »eutschlands stehen werden. Zukunftsmusik. . . Es ist i. .. h zu früh, hier ausbalancieren zu wollen. Darum ist manche In die Debatte hereinplatzende Nervosität unserer abtretend n Jahrgänge etwas komisch. * Das Intermezzo abends, der gemeinsame Spaziergang mit den Rezitationen in der ausgesucht romantischen Walde* tiebtung trug keineswegs das im allgemeinen arg vorschri- .- Geeicht einer Improvisation ( vor Jahren war mal im ...lugen I. bund" ein Streit darüber, wer den wundervollen Satz gepr t hat: „Improvisiere-sie viel du willst., aber bereite dich gni vor!" — 1 'ie älteren Semester werden sich lächelnd erinnern. 1.1, — sönderp es gab nur geringfügige Regiefehler, und an h diese /.umei.-t im Bereich des Zusehauerraumes. In der Mitte de- Lagerpiaties, wo beim Scheine einer Taschenlampe une Künstler sich produzierten» war alles in Ordnung. Aber i\\6 Namen seien verewigt. Daß Siegfried Bacharach zu wirk n Versteht, ist uns .Volleren keine Novität. El-e Ruhenlas eigene Gedichte. Infolgedessen bekam ich mit ihr einen Brief Wechsel. Audi Hau--Krämer (Hannover) bot Rezitationen. Von ungeheurer Wucht war. aber das. was Curt Fricdmann (Düsseldorf) aus dem ..Jeremias" vortrug. Die heutigen Maiabende scheinen mehr auf das Dramatische eingestellt zu sein, und zwar von Kopf bis Fuß. (Vorschlag fürs nächste Mal: Etwaweniger Lyrik — uml etwas mehr l'nmalik. Auch die Sorgen sind heute kollektivistischer _•->- worden!) Hinterher im Kluhzimmer des Hotels, unterm elektrischen Licht. OB hätte wiederum ein Schuß Lyrik nicht geschadet. Aber die Lyrik besteht aus verpaßten Gelegenhelten. . . * # her Montagmorgen fand viele bei der Morgengymnastik, viele in der Synagoge, viele beim ausgiebigen Kaffectisclu und alle sehr pünktlich (ich bin hier etwas toleranter als Joe) bei der Arbeitsgemeinschaft von Siegf r. Bucharah aber dagewiß zeitnahe Thema ..Jüdische Arbeit in unser n Bünden". Das war die vielleicht restloseste Erfassung dieses umfangreichen Gebiete-, die ich je erfahren habe, und es war besonders gnt; den Teilnehmern Gelegenheit zum Austau-ch ihrer Arbeitsresultate zu geben. Siegfried Bacharach Ii B kein Mittel und keine Methode unerwähnt, die dazu geeign t erscheinen, die jüdische Arbeit und das religiöse Bewußtsein in den Vereinen zu fördern und zu festigen. Unbedingt richtig war es, die Leitung dieser Arbeitsgemeinschaft einem Menschen mit positiv-religiöser, konservativer Einstellung tu Überträgen. Interessant war die Aussprache über das Problem der Ostjuden, das ohne Zweifel heute stark in «las Gebiet dt sozialen Fragen reicht. Curt Fricdmann gab ein .anschaulich- - Uihl von der Einrichtung der Bibelkurse, in Düssehlorf. -> daß der Wunsch laut wurde, im kommenden Herbst uiiti r der Leitung Friedmanns ähnliche Kurse in unseren nordun nordwestlichen Jugondvereinen ins Leben zu rufen. Punkt 12 I hr mittags setzte die Arbeitsgemeinscb.il ..Vereinsparlamentarismus" ein. Den heranwachsenden Füh rem wurde die Leitung und der Verlauf einer improvisierter (aber dennoch ziemlich einwandfrei gelungenen) Gemeindsitzung demonstriert. Praktisch wurden dabei die parlamentarischen bzw. unparlamentarischen Begriffe, die Finessen uml Raffinessen der Diskussionen und Gesehäftsordnungdebatten erklärt. Julius Goldstein spielte dabei seine Oppositionelle Rolle derart hervorragend, daß er die W irklichkeit übertraf. Von eminenter Bedeutung war die Arbeitsgemeinschaft von ('. E ri od mann über „Die Situation des jungen Juden". Hier wurden Dinge aufgerissen, die eben an die krasseste Wirklichkeit von Heute herandrängten. Die Gefahren der

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