Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 3 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492456-6352312-6352577--1033-4929168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
^^^s^^me Den ,|tJG€lMftBUlNP tniFfeH-unGcn pss vegBanpfes d« jüoiscHen ju6enpv£B€in€ peuTSCHiflnps 17. Jahrgang Düsseldorf, Juni 1931 Nummer 3 Wir brauchen Führer Kin Bericht über den Führerschulung-.kur*us In (Ion Versuch einer Einleitung schmuggle ich jene berühmt gewordene, stereotype Weisheit, mit der Christian M irgenatern einen Teil seiner Lieder zu dokumentieren sucht: ..Wir leben in einer bewegten Zeit." Und dann heißt es weiter: „Ein Tag folgt dem anderen, und neues Leben sproßt den Ruinen." I>as ist sehr sinnig: Morgenstern hatte überhaupt — irgeikiwie, irgendwo — einen leisen, korrekten Kontakt mit unserer Verdener.Tagung: nicht etwa im Sau-«.In der Rhythmen voii „Fisches Nachtgcsaiig"", nein, wahrhaftig nicht! Viel eher auf der Linie seiner Worte, die da lauten: ...Mir ist beinah, ich wäre wer!" Pas klingt! Das macht Mut, sogar im Zeitalter der Notierordnungen! End deshalb war diese ganze Tagung, diese in den nllcrsehünstcn Frühling Iii nein verlegte Arbeitswut, dieser erhabene Fußtritt gegen alles, was hei uns stagniert, so außerordentlich gut gelungen. Nur mit diesen — rund fünfzig — notorisch jungen Menschen, den Führern von ( ebermorgen, mit denen, die noch nicht erste Vorsitzende. Schriftführer oder Bozirksgruppenleiter sind, konnte man bei einem ganz raffiniert strahlenden Wetter ein umfangreichel'rogramm (von Joe Israel und seinen Mannen fein ausgeklügelt und zusammengefaßt) prompt, reibungslos, ohne Hast und lebermüdung erledigen. Man durfte, wenn man sich anderthalb Tage diese jungen Freunde ansah und anhörte, wieder einige optimistische Anwandlungen bekommen. Wir leben in einer bewegten Zeit, jawohl. — aber: „Mir ist beinah, ich wäre wer!" So raunte es. Zunächst war schon das gesamte äußere Mild typisch. I'ic Stadt Verden soll ein schöner Ort sein; in dem gedruckten Fahrer sieht man nette Fotos; trotzdem werde ich in absehbarer Zeit nicht den Weg vergessen, den ich Pfingtsonntag, zuMittagszeit, vom Bahnhof zur Jugendherberge machen mußte. Wäre ich Alfred Kerr, dann würde ich diese Tippelei durch idyllische, unbekannte und darum reichlich neckische Straften gebührend analysieren. Es war tröstend, daß in der Jugendherberge selbst sehr weite, kühle Räume die bei einer Anzahl von Celsius-Graden ins Kochen gerateno Seele wip mit einem milden Courths-Mahler-llauch umschwebten und ins G ii hgewicht brachten. Zudem gruppierten sich bereits die Teilnehmer der Tagung, junge Menschen aus der Gegend von la.siock und Güstrow bis Hannover, Bielefeld, Bremen, eck, Harburg, Emden, Oldenburg, und dann von *Salzwedel, Wesermünde, Kiel bis hinunter ins Gebiet der roten Erde, bis Paderborn, Hamm, End naturlich waren auch die dazwischen liegenden Vereine. Herford, Osnabrück zum Bei- Ipiel, vertreten. Interessant ist auch ein Querschnitt durch weltanschaulich-politische Struktur: es ist noch möglich. Ii« |«üge Menschen verschiedenster Gesinnungen um einen grollen Tisch zu gemeinsamer Arbeit zu bringen. Die Einheitsfront, die Jugend heißt, ist immer noch die ehrlichste Und aufrichtigste aller „gemeinsamer Plattformen", die man in Verden (Aller) am 24. und 25. Mai 1931. heute draußen sucht und — nicht .findet. Das kommt daher, weil Jugend kein Intcressentcnhaufen ist. Derartige F.rwügungen werden in «lern Moment unierbrochen, in dem Joe Israel. Hannover, den Kursus mit ein paar sachlichen Worten eröffnet. Siegfried Bacharach zitiert Verse von Stefan George — einige Augenblicke der Abkehr von Raum und Zeit, aber dann geht es gleich mit beiden Beinen ins Kartoffelfeld der Probleme, und noch dazu an den I rgrund der Probleme dieser ganzen Tagung: Franz Heyin a n n , Bielefeld, übernimmt seine Arbeitsgemeinschaft zum Thema „F ü h r e r t u m". Das einleitende Referat verdient eine ausführliche Behandlung, und darum habe ich es sozusagen rekonstruiert (geholfen hat mir dabei Sophie^Girdisky, Hamm: also Dank!). Franz Heymanns Ausführungen hatten ja den Zweck, der Tagung in Verden die Idee zu geben. „W i r brauchen Führer!" rief er. „Führer in Politik, Wirtschaft, Kunst. Das Streben nach Geineinschaft, das Hinzielen zum Kollektivismus bedeutet eigentlich einen Widerspruch zur Forderung nach dem Führer; denn Führer ist. Persönlichkeit, ist der Einzelne gegenüber der Masse—Wozu brauchen wir den Führer in der Gemeinschaft? Genügt nicht ein parlamentarischer Vorsteher in der Selbstführung der Masse? Die Masse hat keinen Willen. Es war und ist immer Aufgabe einer bestimmten Menschengruppe, geistige Werte zu prägen und diese zu vermitteln. I>ie Masse ist praktisch, sachlich, .läßt sich vom Geist führen, formen und wandeln. Die Masse sich selbst überlassen, hieße die Rückkehr zum LTrmensehen veranlassen. Ks würde den Kampf aller gegen alle bedeuten. Daher die Forderung: Führer! Die Menschen rufen nach der geistigen Kraft. Sie können im Chaos keinen festen Punkt, gewinnen, um die Betrachtungen zu beginnen. Es ist leichter, den Führer, als die W a Ii r h o i t zu erkennen. Führertum, das ist die Beziehung zwischen Menschen, die dorn einen Macht über den anderen gibt. Diese Macht besteht, wie Franz Heymann darlegte, aus drei Teilen: Verbundenheit durch Kraft, Gefühl und Tat. Kraft, das ist der stärkere Wille, die größere Lebonsenergie. Eine Gefahr liegt im Mißbrauch der L'eberlegenheit, bei der die Qualität unwesentlich ist. Führertum ohne Seelen- und Sachverbundenheit, ohne Sinn (Militär?). Gefühl: Liebe, Dankbarkeit, Verehrung, Schwärmerei. Der Führer muß nicht geistig überlegen sein. Tat:-Das ist Führung im eigentlichsten, wahrsten Sinne. Kraft und Gefühl unterstützen, sind aber nicht die Hauptsache. Das Eigentliche ist die werteschaffende Tat. die in den Geführten Kräfte weckt und entfaltet, die bildet und das Schaffen sachlicher Werte verursacht. Immer ist persönliche und sachliche Wertbildung verbunden. Der Wesenskern der Führung ist geistig, Helfer sind Fuhrerkraft und gefühlsmäßige Verbundenheit. Diese drei Teile sind bedeutsam für jede Art der Führung. Hier- ■ i