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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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|> r i n z , Joachim: „Jüdische Geschichte." tionen. Verlag für Kulturpolitik Glwd. 10 Mark. Buchbesprechungen Mit 15 Illustra- Rerlin 1030. In Ein kühner Versuch: die Geschichte eines Volkes, die einen Zeitraum von mehr als dreieinhalb Jahrtausenden umfaßt, in einem Bande zu vereinigen. Aber diese jüdische Geschichto will ja auch kein wissenschaftliches Werk sein im Sinne Graetz's und Dubnow's. Was dem Verfasser vorschwebte, war dies: „Die jüdische Geschichte in einem Zuge zu erzählen und zwar für Menschen, denen daran gelegen, ist. etwas von der Spannung, von der Dynamik, von dem Drama dieser seltsamen Gesellschaft zu spüren". Für die verschiedenen Epochen werden die typischen Menschen mit liren spezifischen Konflikten geschildert, so z. B. bei Moses. «I Jud Süß oder bei Rathenau. In drei großen Kapiteln: Die Antike", „Das Traditionsjudentum seit Esra" und .Ghettodämmerung" — das letzte scheint mir ganz besonders gelttilgen — werden die einzelnen Persönlichkeiten <-ein- •.•egliedert und eingeordnet in die Zeit und Kultur ihres :..indes, dem sie entwachsen sind. Gerade der deutsche junge lade wird Freude an diesem Buch haben, das ihn auf keiner einzigen Seite langweilt, ja, das sich fast liest wie ein -Mannender Roman, und das ihn hinführt an die Probleme thd in die Gedankenwelt seiner Gemeinschaft und ihn anregen wird, in das hier oft nur Angedeutete sich eingehender vertiefen. Gerade auch für unsere Jugendbünde halte ich Lektüre des Prinz'schen Buches für besonders wertvoll, weil ich glaube, daß unsere Jungen und Mädels — die oft recht wenig von unserer Geschichte wissen und vor der Lektüre trockener wissenschaftlicher Werke vielleicht zurückschrecken — dies durchaus subjektiv empfundene, so temperamentvoll geschriebene Buch eines geistreichen Journalisten nicht ohne vielseitige Anregung und neu gewecktes Interesse aus der Hand legen werden. •Paul Lazarus. Wiesbaden. - Indisches Leben im Mittelalter. Von J. Münz, M. W. Kaufmann, Leipzig. Das kleine Buch vermittelt ein anschauliches Bild über ■las Leben der Juden im Mittelalter. Alle Gebiete des täglichen Lebens werden berührt. Man darf von dieser Arbeit Iceine tiefgründigen Erörterungen erwarten. Das will sie mch gar nicht. Durch seine reichen Quellenangaben bietet du Werkchen die Möglichkeit, sich rasch in irgendeinem '■biete zu orientieren und ist deshalb gerade für Referate ii Arbeitsgemeinschaften, die dieses Gebiet behandeln, sehr . 'eignet. —k. I>as jüdische Volk in seiner Anekdote v. Chajini Bloch. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1931. Dieses Buch ist eine reizvolle Zusammenstellung von Anekdoten von und über Juden. Es ist keineswegs eine v immlung von „guten, jüdischen Witzen", sondern es will mehr. Es will ursprünglichen jüdischen Geist aufdocken, wie er sich im Alltagsleben draußen offenbart. Ein Buch, I iauf Fahrt durch seinen wirklich geistvollen Humor nehe Stunde verkürzen wird. ■ 0. IM« Judenfrage. Süddeutsche Monatshefte, München, September 1930. Es hat wenig Sinn, die einzelnen Aufsätze dieses Heftes besprechen; was sie wollen, sagt der Name des Verfassers ' id der.Titel von selbst: uns über die Gebiete zu orientieren, die mit Judentum zu tun haben. Es ist ein Verdienst der iiideutschen Monatshefte, dieser, gerade in unserer Zeit so 'aiten Frage ein Heft zur Verfügung gestellt zu haben. Es -t vielleicht das erste Mal, wo Juden. Philo- und Antisemiten -:'-Ii zu einer gemeinsamen Arbeit vereinigt haben. Deshalb mag das Heft interessant wirken, oder vielleicht noch mehr: mfklärend in beiden Lagern! —r— s.tlomo". Von Eduard Fleg. Piper-Verlag. München. Wie bei seinem „Moses" hat auch hier wieder Fleg aus len alten, jüdischen Legenden und Midraschim das Lebens- 'lilil des gefeierten Friedensfürsten Salomo entstehen lassen. Ina doch hat hier vielleicht Fleg mehr versucht und ge- Waffen, als eine bloße Biographie aus Sagen. Salomo ist Wl ungewöhnlichen Geistesgaben ausgestattet. Die Ent- ■ cidungen, die seinem Vater beim Rechtsprechen Schwie- - ketten machen, löst er spielend. Weisheit hat er von Gott empfangen, er strebt nach der Weisheit letztem Schluß, nach dem Lebensziel. In seiner Jugend entsteht das „Hohelied". Er lauscht es der schönen Sulamith ab. die sich nach ihrem Liebsten sehnt. Er selbst begehrt Sulamith, verspricht ihr sein Reich. Die Hirtin bleibt standhaft und folgt ihrem Geliebten. Der König erkennt, daß das reine Glück der Liebe nicht mit den Schätzen der Erde zu erkaufen sei. Enttäuscht glaubt er in der Sinnlichkeit das Lebensziel zu rinden. Ihn umgeben Pracht, Reichtum und Macht über die ganze Erde, die Engel sind ihm Untertan, nur Gott steht über ihm. Er könnte ein Segen der Menschheit sein, aber Sinnonlust nimmt ihn gefangen. Sein Lehrer SimeV mahnt ihn; es entstehen „die Sprüche". Immer tiefer sinkt Salomo. er wird blind gegen alles umgebende, er folgt wie ein Sklave den Launen seiner Frauen. Aschmodai gelingt es, ihm die Macht zu entreißen, er setzt sich auf seinen Thron, während Salomo vertrieben wird. Im Elend, in das er gestoßen ist. beginnt die Läuterung. Er wird Lohnarbeiter und empfindet zum erstenmal den Segen der Arbeit. Sich durch eigene Kraft emporringend, gewinnt er die Liebe der moabitischen Königstochter. Geläutert kehrt er nach Jahren der Schmach in sein Land zurück. Der „Kohcleth" ist aus dieser Lüutorungszeit entstanden. Mit meisterhafter dichterischer Stärke hat Fleg diese Gestalt des „Salomo" als den „Faust" des Judentums herausgearbeitet, dessen Lebensergebnis: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen," wie das des Salomo ist: Das Schlußwort ist: alles wird gehört: „Gott chrfürchte und seine Gebote halte: denn das macht den ganzen Menschen aus." (Koh. 12, 13.) M. •T Jesus von Nazareth. Von Josef Klausner. .Indischer Verlag. Berlin. Ks ist einem langgehegten Bedürfnis Genüge getan worden, wenn dieses großartige Jesuswerk, das zuerst in hebräischer Sprache erschienen ist, an einer Stelle, wo der Held des Buches selbst gewirkt und untergegangen ist, nunmehr in die deutsche Sprache übertragen wurde. -Es ist schon sehr viel über diesen Rabbi aus Galiläa geschrieben worden, aber eine zusammenhängende und zusammenfassende Bearbeitung hat bisher noch immer gefehlt. Man kann in diesem Buche, das sich aus acht Büchern zusammensetzt, drei große Teile unterscheiden. Im ersten Abschnitt unterzieht der Ver fasser die Quellen einer eingehenden Prüfung, und bringt in- Talmud und Midrasch sämtliche Beweisstellen für die Existenz eines Jesus; natürlich fehlen auch die Beweisstellen aus Flavius Josephus, und den griechischen und römischen Autoren nicht. Sehr interessant sind die eingehenden Schilderungen der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zustände der damaligen Zeit, ohne die Jesus, die Menschen und seino Lehre gar nicht verstanden werden können. Der zweite Teil behandelt das Leben Jesu an Band der Lebensbeschreibung der Evangelien: selbstredend prüft der Verfasser standig die Echtheit und die historische Glaubwürdigkeit der Berichte. Der dritte Teil befaßt sich mit der Lehre Jesu. Gegensätze zwischen Judentum und der neuen Lehre werden untersucht, ferner wie weit Jesus sich ans jüdische Gesetz hält, in welchen Punkten er davon abweicht. Gerade daraus können wir das Verhältnis der Pharisäer zu Jesus verstehen. Dann folgt noch eine Charakterisierung von Jesus, und mit der Frage: „Was bedeutet Jesus für die Juden?" schließt das Werk. Dieses Jesusbuch ist ein AVcrk, das durch seine Gründlichkeit, mit der es sich mit den einzelnen Fragen befaßt, vollste Anerkennung verdient! K. M. Dr. Bruno Weil: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyius." (Verlag Dr. Walter Rothschild, Berlin-Grunewald, 1930.) Das Schicksal des Hauptmanns Dreyfus ist wieder in das Interesse der Oeffentlichkeit gerückt worden. Oberst Schwertfeger gibt die Memoiren des damaligen deutschen Militärattaches an der Pariser Botschaft, des Oberstleutnants v. Schwarzkoppen, heraus. Steinthal bringt uns in einem lesenswerten Büchlein den Prozeß wieder nahe und Rehfisch und Weil zeigen uns auf der Bühne einen Ausschnitt der Sphäre, in der sich das Gerichtsverfahren gegen den französischen Generalstabshauptmann abspielte. Die umfassendste Beschreibung erhalten wir aber in dem obengenannten Buche des bekannten Berliner Rechtsanwalts. In äußerst objektiver Weise reiht Bruno Weil, nach knapper Schilderung der politischen Lage Frankreichs, die Tatsachen aneinander, die zum ersten Prozeß in Paris, zum Verfahren 13

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