Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 2 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gegen £sterhaz>, zur Verhandlung vor der Berufungsinstanz des Kriegsgerichts zu Rennes und schließlich zum letzten Urteil vor dem Strafsenat des Kassationshofes führen. — Das Buch ist äußerst klar und prägnant in Form und Aufbau; die Schreibweise ist knapp, fast Telegrammstil, und trotzdem ist jede zum Verständnis notwendige Kleinigkeit angeführt; das Buch scheint nicht von einem Juristen, sondern von einem stilistisch talentierten Historiker geschrieben zu seiri. Plastisch und dem Gedächtnis sich einprägend erscheinen Freunde und Feinde Dreyfus'-, — Der zweite Teil des Buches schildert uns die „andere Seite" in ihrer kurzsichtig, engstirnig und starrnackig geführten Politik der Heimlichkeit, erschütternd die Tragik des deutschen Gesandten Fürsten Münster, unangenehm berührend der Ehrgeiz Schwarzkoppens. Wenn man etwas vermißt, so sind es Auszüge aus den Briefen und dem Tagebuch Dreyfus' von der Teufelsinsel. Zusammenfassend, ein spannend geschriebenes und jedem zu empfehlendes Buch, das mehr als Augenblickswert hat. Artur Hermanns, Düsseldorf. Die nationalsozialistische Bewegung in der Jugend. In Heft 8 (August 1930) der Zeitschrift „1 >as junge Deutschland" berichtete Josepha Fischer an Hand des Schrifttunis der nationalsozialistischen Jugendbiimle über die Organisation und die Ziele der Bewegung. Charakteristisch erscheint der stark zentraiistisehe Aufbau der Organisation: Die nationalsozialistischen Schülerbiinde. deren Zweck die Propagierung der nationalsozialistischen Idee in den Schulen bildet, unterstehen unmittelbar der Reichsieitung. ihre Führer müssen Mitglieder der Hitlerjugend sein. Diese bildet außer den Schülerbünden die einzige Jugendorganisation der Nationalsozialisten; die Aufnahme von hündischen Gruppen in die Parteijugend lehnt man ab, um keine unnötige Problematik in die Bewegung zu bringen. Demgemäß ist auch die Stellung des Führers unselbständig, wichtige Entscheidungen, Aeußcrungen in Druckschriften bedürfen der Gegenzeichnung Hitlers. Hierdurch bleibt die Einheitlichkeit der nationalsozialistischen Idee gewahrt. Das Programm der jungen Nationalsozialisten stellt demgemäß die gleichen Forderungen auf wie die Partei: Abschaffung der Sklarenketten, Kampf gegen das herrschende System. Interessant ist da- Bekenntnis Zum Umsturz, das festgehalten zu werden verdient: ..Zerstörung ist das Mittel, das dem augenblicklichen Zustand illein angemessen erscheint. Der erste Teil seiner Aufgabi ist anarchistischer Natur, und wer das erkannt hat. wird uif diesem ersten Teil des Weges alles begrüßen, was zerstören kann." (Jünger in ..Die Kommenden" vorii 11. Oktobei 19-29.) : Der Aufsatz beschäftigt sich noch mit ijcr Frage, welche1 Ursachen das starke Anwachsen der Bewegung zu erklären vermögen. Wenn die Verfasserin die Wirtschaftsnot. den Willen zum sozialen Ausgleich, den Gedanken der unbedingten Unterordnung, die Ablehnung aller belastenden Problematik, den Willen, sich von Instinkt, nicht vom Verstand leiten zu lassen, als «reeentliehe Quellen für den Erfolg der Bewegung bezeichnet, su muß dem noch hinzugefügt werden, daß jedenfalls die ungemein geschickte Propaganda starken Anteil an dem Wachsen der Bewegung trägt, die die Instinkte des Menschen für ihre Zwecke auzunutzen vergeht. Der Aufsatz 'ist lesenswert; er drangt zum Nachdenken über das Problem der Massenpsychologie. Mb. Sabbatai Zewi von Josef Kastein, Ernst Rowohlt-Verlag. Die alte Hoffnung des jüdischen Volkes soll endlich erfüllt werdendes soll aus seiner Bedrückung, die nun schon über 1500 Jahre dauert, erlöst und in seine alte Heimat zurückgeführt werden. Ks sollen an ihm die alten Verheißungen in Erfüllung gehen, die die Propheten verkündet, ja die Kabbalisten haben die Zeit genau vorausberechnet Die Anzeichen der Zeit deuten darauf hin: in Polen finden blutige Judenverfolgungen statt; die Wehen des Messias. In diese erregte erwartungsvolle Zeit hinein wird Sabbatai Zewi geboren, dessen Geburtstag (der 9. Av 1626) und Lebensumstände dazu beitragen, zu etwas Außergewöhnlichem bestimmt zu sein. Mit ungewöhnlich reicher Begabung eignet er sich alles rabhinische W issen an und ist in jungen Jahren bereits ..fhachaur". Lebensumstände tragen dazu bei. daß in ihm seine Schüler und Freunde den Messias er kennen. So wird Sabbatei in eine Bahn hineingestoßen, die er anfangs nur ganz widerwillig betritt. Er wird der ge feierte Messias, alle Welt glaubt an ihn. wir erleben Iii dramatischen Rildern, wie sie Kastein zeichnet, seinen Sturz, er endet einsam und verlassen. — Ist Sabbatai der Betrüger, der die ganze Judenheit mit Hof finnigen erfüllte, die spater zunichte wurden? Er kann es nicht sein, denn die Menschen der Zeit zwangen ihn. diene Rolle zu übernehmen. Wie alle Welt an ihn glaubt, glaubt er selbst an seine Mission. Ei selbst spielt im Zeitgeschehen von damals nicht einmal die Hauptrolle, er ist lediglich der Ausdruck einer von "Zu kunftshoffiiuiigen geschwängerten, überspannten Zeit. — Kastein hat in diesem" Werk ein getreues historisches Bild zu geben verstanden, das durchdrungen ist von seltenem Schwung einer dramatischen Gestaltungskraft. r. Die Siiigcrmniins. Roman von Myron Briiiig. Adolf Sponholtz Verlag. G. m. b. It.. Hannover. Eine rumänische, jüdische Familie wandert aus ihrem lleimtlande aus. um in Amerika das vielverheißene Glück zu finden. Dem Vater Singermann gelingt es, sich emporzuarbeiten, seine Frau und seine Kinder anständig zu ernähren. In schlichten, einfachen Bildern wird nun gezeigt, welche Wege die Kimler gehen, wie sich das Schicksal der Familie gestaltet. Die Kinder sind echte Amerikaner, sie wollen ihren 1 eberrsweg allein gehen und tun das auch. Es ist eine schmucklose Geschichte und darin ist ihre Stärke. Sie ist das typische Beispiel einer ausgewanderten jüdischen Familie, die zerfällt, weil die Umwelt zu sehr lockt und Neues bietet. In ihrer Einfachheit wirkt diese Erzählung erschütternd auf uns, so daß man das Buch nicht ohne Nach denken aus der Hand legen wird. m. Mitteilungen der Verbandsleitung 1. Diese Nummer cr-chi int in verstärktem Umfang für die Monate Februar und Mar/ zusammen. Aus pnslali-chcn Gründen darf diese Bezeichnung für den Kopf nicht gewählt «erden, da wir wegen der damii verbundenen Ersparnis den ..Jugendliund" als unregelmäßig erscheinende Zeitschrift angemeldet haben. 2. Am Sonntag, dem 22. März, findet die satzungsgemäß vorgeschriebene Sitzung des Verhand«vorstandes in Hannover -tatt. Neben den üblichen Punkten der Tagesordnung und der Vorbesprechung über die Richtlinien der Sommer- und W'interarbeit der Vereine werden als besonders wichtige Punkte behandelt: Der Eintritt des Verbandes in den Welt- Verband der jüdischen Jugend und die Neuordnung der fHMrnartoit. f. Die „Frankfurter Zeitung" bietet als Sonderdruck die im Laufe des Monats Februar, erschienenen Artikel von Friedrich Franz v. Unruh über ..Nationalsozialismus" an. Da bei Sammelbestellung nicht unwesentliche Preisermäßigungen erzielt werden können, bitten wir die Vereine, bei der nächsten Veranstaltung Bestell-Listen zirkulieren zu lassen und uns bis zum 1. April aufzugehen. Der normale Preis beträgt 1 Mark. 4. Der Keren Kajemeth Lejisrael bietet ein außerordentlich instruktives kleines Werk „Erez Israel in Zahlen" zum Preise von 1.50 Mark an. das in 25 statistischen Bildtafeln die gesamten bevölkerungspolitischen Probleme behandelt. Auch Bestellungen auf dieses Werk bitten wir bis zum I. April an die Geschäftsstelle gelangen zu lassen.