Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 2 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Problem Rußland Hinweise auf Eine Flut von Betrachtungen, L'eberlegungen und Auseinandersetzungen wird täglich durch das Machtinstrument ■ler Presse über Kußland losgelassen. Hier, ganz ohne Kommentar und ohne jede persönliche Kritik, eine knappe Auslese aus der Fülle des Materials: Zum Thema „Papst und Sowjetunion" spricht im Heft 11 der Monatsblätter der „Freien sozialistischen Jugend"' Kurt T. Neumann. Nach kurzem Abriß der historischen Entwicklungen in Rußland werden die Nachrichten über die Religionsverfolgungen vom Standpunkt des Marxisten einer eingehenden Prüfung unterzogen. — Wer sich über die internen Parteidinge der Sowjetunion informieren will, lese die sachliche Arbeit „Der Bolschewismus in Zahlen" von Oswald Zienau in der Foersterschen Zeitschrift „Die Zeit" (Rerlin-Baumschulenweg>), erstes Dezemberheft 1930. — Eine Reihe guter und recht objektiver Artikel über das Staatsrecht und über die Lösung der Nationalitätenfrage in Rußland veröffentlichte letztens die ..Vossische Zeitung", die in dieser Hinsicht gewiß unverdächtig sein dürfte. Der Verfasser, Dr. Herbert Weichmann. ein Jurist und Verwaltungsbeamter, beschreibt darin lie Resultate seiner Informationsreise durch Rußland. Zu erwähnen sind die Artikel in den Nummern vom 11. Dezember, vom 15. und 22. Januar der „Voss". — Zum Kapitel Justiz bringt das ..Berliner Tageblatt" vom 11. Dezember den ..Offenen Brief eines freiwilligen Emigranten an Maxini Gorki". "*n vorsichtig man gewöhnlich sein muß, wenn man Aeuße- Presaeberichte. rungen von Emigranten beurteilt, so eindrucksvoll ist jedoch dieser Brief, der sich mit dem Sabotageprozeß in Moskau befaßt. Ueber die tieferen Zusammenhänge dieses Prozesses berichtet in bemerkenswerten Auslassungen auch Lloyd George, der ehemalige britische Minister, im „Dortmunder Generalanzeiger" vom 20. Dezember. Lloyd George nimnii zu den wirtschaftlichen Leistungen der Sowjetunion positiv Stellung und ist weit davon entfernt, die russische Situatioi herabzusetzen oder zu unterschätzen. — Der bekannte Pazifiäi Dr. Hans Hartmann bespricht in längeren, grundsätzliche!. Ausführungen („Dortmunder Generalanzeiger" 23. Dezember» das neue Rußlandbuch von Max Hodann. — Gut unterrichte' über die Gründe, die zum Sturz Rykows, des Vorsitzenden der russischen Volkskommissare, geführt haben, ist dei Berichterstatter der ..Neuen Züricher Zeitung" (27. Dezbr.) der ausführlich über die Vorgänge zu erzählen weiß. — Mit bewundernswertem Mut und mit großer Deutlichkeit wag? ein junger katholischer Geistlicher eine Auseinandersetzung mit der Frage der proletarischen Revolution in der Dezember nummer der immer sehr empfehlenswerten Monatsschrift „Die junge Tat" (Wiirzburg). Diese Zeitschrift . ist da- Kampfblatt der christlich-sozialen Jugend. Diese L'ebersicht stellt bloß einen recht kurzen Auschnitt dar: Aber man muß sich mit den aktuellen Problemen konsequent beschäftigen, wenn man irgendwie mitreden, ah lehnen, zustimmen oder protestieren will. J. R. f Neue Politik in Palästina? Eigentlich haben wir ja miste eignen Sorgen und Nöte, a i rt-i hal'tlicln und politische. I'ihI dennoch spielt sich wieder einmal in einem W etterwinkel der Weltgeschichte eine höchst lehrreiche Tragödie ab. der man auch dann aufhorchend,' interessiert und in irgend einer Weise teilnehmend gegenüberzustehen hat. wenn man innerlich dem ganzen Gehjel fremd ist. Per international denkende Mensch, der Friedenskämpfer, der Anhänger einer neuartigen Politik von Gesittung und Vernunft hat an dem Problem Palästina, das sich in diesen Wochen erneut auf dem Forum wichtiger'Auseinandersetzungen ausbreitet, nicht vorüberzugehen. Palästina ist seit der Beendigung des Weltkriege- und -eil der Abfassung der diversen Friedensverträge kein rein religiöser Begriff mehr. Die bekannte Balfour-Erklärung vom 2. November 1917, eine der geschicktesten Kricgsmaßnahmen der englischen Diplomatie, hat ihre politischen Einwirkungen auf die Abfassung des - Paläst inamandats unverkennbar ausgeübt. Hie im Mandat den Joden und Arabern zu- -'e-iclierten und in höchst gewagten Formulierungen niedergelegten politischen Linien stellten mit einem Schlage das kleine l.ändchen mitten in das große Netz und die zumeist undurchsichtigen Verstricktheiten sogenannter Problene . i Einzelheiten über Wortlaut, Sinn und Durchführung de- Mandats in der von der Nachrichtenabteilung des Völker bundssekretariats herausgegebenen Schrift „Das Mandat- System".) Was sich dann im Laufe des Jahrzehnts an Zündstoff und Erregungen in den Reihen der Araber und Juden Palästinaansainmelte, ist gewiß nicht kurzerhand mit dem euphemistischen Ausdruck „Zwischenfälle" zu belegen, — ebensowenig darf das britische Lavieren zwischen der Scylla und Charyhdis der palästinensischen Schwierigkeiten eine gerechte Auführung der Mandatsbestimmungen genannt werden. England hat im Laufe seiner recht inhaltsreichen Geschichte viel ver sprechen und genügend „heilige Verträge" stabilisiert, un'l man muß, selbst wenn man nur ein Stümper historischer Betrachtungen ist, erstaunt sein über das Maß jenes Erstaunen:-, mit dem die Führer des Arabertums, und erst recht die son-t nüchternen und geschulten Inspiratoren der jüdischen Palästinaarbeit dio echt englischen Schach- und Winkelzüge nach der Tragödie der I'nruhen von 1921 und 1929 und nach den Komödien der „IJntersuchung.skommissioneu" aufgenom- Denkt an die $övöcm liftc des Dcibonöcs!