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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Ich bin als Rechtsanwalt bei dem Amtsgericht u. Landgericht in Essen zugelassen Dr. Julius Ernst Herzfeld IV. Wir werden die Rechtsanwaltpraxis gemeinschaftlich ausüben Max Abel, Dr. Herzfeld I, Dr. Krombach Rechtsanwälte und Notare Dr. Julius Ernst Herzfeld IV, Rechtsanwalt Essen, Hansahaus - Fernruf: 21644 45 rufen' werden könnte. (Die Kosten für die Teilnahme an dieser Summer-School ca. 70 RM. pro Woche, sind für unsere Verhältnisse sehr hoch.) Als Sammelbecken der englischen zionistischen Jugend, die einen größeren Raum innerhalb der Gesamtjugend einnimmt als in Deutschland, haben wir die Association of Young Zionist Societies zu betrachten. Vor 6 Jahren wurde diese Association als Konzentrationspunkt der vielen bestehenden zionistischen Jugendorganisationen gegründet, und sie umfaßt heute 42 Societies mit ca. 2000 Mitgliedern (19 Societies in London). Aufgabe dieser Association ist, wie aus den Statuten hervorgeht, die zionistische Jugendbewegung in England durch Ueberwachung und Anregung der ihr angeschlossenen Gruppen zu stärken und die zionistische Idee unter der jüdischen Jugend zu propagieren. Die Association stellt ihren Gruppen eine große Anzahl von i>rträgen zur Verfügung (die mir vorliegende Rednerliste uminßt mehr als 50 Vorträge über Gebiete wie Moderne jüdische beschichte, Entwicklung des Zionismus, Die zionistische Bewegung und ihre Führer, Palästina, hebräische Kultur etc.). Ferner n ird eine 16 Druckseiten umfassende Monatsschrift ,,The Young 'Monist" herausgegeben, die von einem beachtlichen_Niveau aus lieh mit den Fragen des Zionismus und der zionistischen Jugend m besonderen auseinandersetzt. Einige wenige Gruppen geben üene Monatsmagazine heraus, die naturgemäß in erster Linie Arbeitsberichte und engere Probleme der betreffenden Gruppen i-rhandeln. Ich hatte Gelegenheit, einer Aussprache der Association of ung Zionist Societies mit der Union of Young Israel Societies niwohnen, in der von zwei prominenten Vertretern der Heiden Organisationen über das Thema „Ist eine neutrale Haltung gegenüber dem Zionismus im Gegensatz mit jüdischer Bewegung?" Die sich an die Referate anschließende sehr erregte Diskussion litt darunter, daß der zionistischen Organisation .eine einheitliche Meinung der Young Israel Societies gegenübergestellt werden konnte. Die unglückliche und falsche Definition des Wortes Neutralität mit „Indifferentismus" ist scheinbar ein Weltübel. , Laut Statut könnten nur solche Gruppen der Association of Y'uing Zionist Societies angeschlossen werden, deren Mitglieder zu 75 Prozent unter 25 Jahre alt sind. Praktisch handelt es sich also um eine reine Jugendorganisation, deren Energie Beachtung verdient. Es besteben innerhalb dieser Association ungefähr 6 Jugendgruppen, deren Mitglieder im Alter von 13—17 Jahren sind. Aus dem bisher Gesagten war zu ersehen, daß die beiden Organisationen über verhältnismäßig wenig eigene Jung- Cruppen verfügen. Wir haben uns daher einen Augenblick mit einer Bewegung zu beschäftigen, die uns insofern interessiert. Ii sich in ihr ein Teil der jüdischen Jugend sammelt, die auf nsere Verhältnisse umgedacht, vielleicht in unseren Jung- ■ uppen zu finden wäre. Ich meine die Jewish Lads' Brigade (Jüdische Knaben-Brigade). tese wurde 1895 als erstes soziales Werk, größeren Ausmaßes an englischer jüdischer Jugend gegründet. Die Tatsache, daß : großer Teil der jüdischen Bevölkerung damals in ärmlichen rhältnissen, überfüllten und unhygienischen Häusern lebte, den Gründern Veranlassung, eine Bewegung ins Leben zu ifen, deren Ziel sein sollte, „die Mitglieder Ordnung, Reinheit und Ehrenhaftigkeit zu lehren, d.iniit sie durch Erlernung gegen- - itiger Achtung zu nützlichen Gliedern der Gesamtheit ■ rden." Unter Beibehaltung der jüdischen Eigenart sollte der ugend — besonders den damals zahlreichen Neu-Eingewan- -ten — der Anschluß an die englische Jugend erleichtert rden. Das Tätigkeitsgebiet der Jewish Lads' Brigade umit — unter Berücksichtigung der durch die eingetretene all- .ueine Besserung des Lebensstandardes der englischen Juden nderten Verhältnisse — körperliche und geistige Erziehung Mitglieder durch jede Art von Sport (merkwürdigerweise "<! hierunter auch Schießübungen zu verstehen), durch musiilische und literarische Tätigkeit, durch Wochenend-Camps ler einzelnen Gruppen und durch ein alljährlich gemeinsames roßes Zeltlager. Im letzten Jahre haben an diesem gemeinitmen Camp 1600 Lads teilgenommen. Die Mitglieder der Jewish Lads' Brigade sind im Alter von '3 bis 18 Jahren, insgesamt ca. 2500 Mitglieder, von denen ndon wiederum den größten Teil — nämlich 1500 — aufzuweisen hat; der Rest verteilt sich auf vier andere englische Großstädte. Das Ueberraschende ist, daß diese Organisation rein militärischer Basis aufgebaut ist. Die Einteilung scher Jugend in Bataillone, Regimenter und Kompagnien und Rangordnungen wie Colonels, Captains, Lieutnants etc. sind uns ungewohnte Begriffe, tm Jahresbericht der J. L. B. für 1929 i<t zwar zu lesen, daß, wenn auch die Disziplin nach außen! iii rein militärisch erscheine, doch die tragende Idee und der herrschende Geist „liberal, kindly and paeifie" sei. Immerhin dürfte diese Erklärung mit einiger Vorsicht aufgenommen werden, wenn auf einer anderen Seite des Berichtes zu lesen ist, daß eine Londoner Mannschaft 'der Jewish Lads' Brigade den Preis in einem für alle englischen Jugendorganisationen offenen Gewehr-Schieß-Wettbewerb errungen hat. — Der Jewish Lads' Brigade ist eine „Old Comrades' Association" angeschlossen, deren Aufgabe ist, der Brigade materiell zu helfen und den Zusammenhang unter den ausgeschiedenen älteren Mitgliedern aufrecht zu erhalten. — Interessieren dürfte uns noch (im Zusammenhang mit unserer eigenen Stellenvermittlungs-Nothilfe). daß ein besonderer Stellennachweis seitens der J. L. B. unterhalten wird, wobei der Ruf und Charakter jedes Stellungsuchenden als Ergebnis der Erziehungsarbeit der Brigade dem Arbeitgeber gegenüber garantiert wird Nach allem, was ich gesehen, gehört und gelesen, habe ich den Eindruck gewonnen, daß die Jewish Lads' Brigade mehr der Boy-Scout-Bewegung oder den englischen Cadet-Corps als einer jüdischen Jugend-Bewegung zugerechnet werden muß. Meine Annahme bestätigt sich auch dadurch, daß die Jewish Lads' Brigade regierungsseitig aus einem für Cadet-Corps zur Verfügung stehenden Fonds bislang erhebliche Zuwendungen erhalten hat. Als letztes ein paar Worte über die Union oi Jewish Literary Societies, die ungefähr 60 Vereine mit einer Mitgliederzahl von je 30 bis zuweilen über 200 Mitgliedern zur Pflege jüdischer Literatur. Geschichte, Kunst und Geselligkeit in sich vereinigt. Trotz einer großen Anzahl jugendlicher Mitglieder wäre es falsch, von der Union of Jewish Literaiy Societies (zu der übrigens Fäden unseres Verbandes auf dem Wege unserer internationalen Korrespondenzen laufen) als einer Jugendorganisation zu sprechen. Immerhin ist diese Union für uns insofern beachtenswert, als von ihr eine große Anzahl von Funktionen in einem weiteren Kreise ausgeführt werden (Vorträge, Debatten. Wanderungen etc.). die in das Tätigkeitsgebiet unserer Bünde, speziell unserer kleineren Gemeindevereine fallen. Bei meinen Besuchen einer dieser Gruppen habe ich wiederholt das harmonische Zusammenarbeiten von älterer und jüngerer Generation festgestellt, was leider bei uns noch häufig zu vermissen ist. Vielleicht ist in dieser Bewegung das zu sehen, was uns in Form von Aeltestengruppen oft noch fehlt, und was verhindert, daß Menschen nach einer mehrjährigen Mitarbeit in jüdischen Jugendorganisationen sich als aus der Bewegung herausgewachsen fühlen, von der Bildfläche verschwinden und somit jüdischer Arbeit verloren gehen. Die vorstehenden Ausführungen, die ich absichtlich rein sachlich gehalten habe, weil nur das Wissen um andere Menschen der erste Schritt zum Verstehen und zum Zusammenarbeiten sein kann, sind auf Grund meiner Korrespondenzen und Interviews mit den einzelnen Organisationen, nach Monatsschriften, Jahresberichten, Programmen und persönlichen Erfahrungen an Arbeitsabenden zusammengestellt. Diejenigen Verbandsfreunde, die über besondere die englische jüdische Jugend betreffende Fragen Auskunft wünschen, das Originalmaterial einsehen oder direkt mit einer der erwähnten oder anderen Organisation in Verbindung treten wollen, bitte ich sich mit mir in Verbindung zu setzen. Joe Israel.

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