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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Stuhl und kochen ihn elektrisch, hübsch langsam und sachte, daß er auch nach 10 Minuten tot ist. Aber rühren kann er sich nicht, wenn er auf dem Stuhl sitzt, denn er ist ja in_ -einen Bewegungen gelähmt und auch seine Ateiubewegung lu'irt auf, und so unterstützt das Ersticken das Kochen, alles «i-gi>ii <ler Humanität. L'od haben die Leute nichts zu arbeiten und hungern, so erlauben wir der Heilsarmee, den Leuten täglich 2 Brötchen mi einen Teller Bohnensuppe zu geben. Und das erlauben wir nur wegen der Humanität. 0, wir sind noch viel humaner; sehen Sie mal, früher. halten wir so große Schwierigkeiten, in Xordindien unsere steuern zu bekommen. iUnd, sehen Sie. da schickten wir einen Beamten hin und der pfändete die Kühe und quälte die Leute monate- und jahrelang. Heute sind wir viel talmaner. Kurz und schmerzlos. Line Bombe genügt für Eftnf Leute Fabelhafte Flugzeuge haben wir dafür. So dient, wie Sie sehen, die Technik der Humanität. Oder sehen Sie mal nach Afrika! Da sind wir den Schweinen von Liberia auf ihre schmutzige Sklavenhändler- E&hrfc gekommen. Wir in Südafrika kennen keine Negerfrage. Wir sind human, l änger ils V2 Stunden braucht kein Neger zu arbeiten, in die Schule brauchen die Kinder nu ll nicht, er bekommt seinen Dollar täglich als Verdienst und braucht nur "> Dollar an Miete und Steuern die Woche zu bezahlen. Dafür bauen' wir ihm sehr gesunde, kleine Lejimhiittchen, die so klein sind, daß er mit Möbeln kein^ \u-lagen hat. Wir schützen ihn vor den Weiften, und damit er seine Rasse rein hält, drohen wir ihm mit 15Jahrei /.tichthaus für Mischehen, wir schützen ihn auch radikal toi der Politik, die doch nur da* Glück des Menschen stört. Un; ebenso vor dem Besitz, denn wir sind human. Da waren in Polen einige Abgeordnete, die hatten lic! überarbeitet. Da schickten wir sie zur Erholung nach Bre- Litow-k und ließen sie dort Sport treiben. Denn wir sind j. ■*o human. Humor verlängert das Leben. Humor gehört zur Mensel lichkeit.. Hätten Sie sehen sollen, was das für ein Gaudi wai als unsere polnischen Heiter mit Peitschen die ukrainische Bauern neckten! Auch in Deutschland sind wir human. D.i verlangen immer Leute, wir sollten die deutschen Larve ubeiter im Osten selbständig innchen. Sollen wir dieseinnen Menschen, die sowieso nicht aus noch ein wissen, atic noch die Sorgen um Gedeih und Verderb der (Jüter aufladen l».iverbietet lins unsere Humanität. So wäre die Welt in schönster Harmonie, wenn nich diese Juden wären. Diese inhumanen Bestien, die die un schuhligen Kühe mit Messern ermorden, heute, im Zeitalte: der Technik. Dahrl der Gipfel der Inhumanität! Her mi item Schächtverbot! Denn nur so kann die Welt human »erden. Hins May. Jüdische Jugendorganisationen in England Wie von einer Stadt, in der ca. 200 000 Juden leben, nicht mders zu erwarten ist, hat London eine Unzahl jüdischer Societies, Clubs, Associalions, Corporations,"Unions oder wie immer unser deutsches Wort „Verein" heißen mag, der verschiedensten Tätigkeitsgebiete aufzuweisen. Fast jede der mehr als 90 Londoner Synagogengemeinden aller religiösen Schattierungen hat es in kluger Voraussicht verstanden (in vielen Fällen durch Hergabe ihrer Räume) eine Reihe verschiedenartiger Jugend- und anderer Organisationen um sich /.u vereinigen. Wenn ich aus der Fülle nur wenige Organisationen herausgreife und einiges Material hierüber gebe, so geschieht das unter dem Gesichtswinkel, daß nur diese wenigen größere jüdische .Jugendorganisationen in unserem Sinne sind, oder Organisationen, die uns außerdem im Hinblick auf eine zukünftige jüdische Weltjugendarbeit interessieren werden. Um es vorweg zu sagen: wer gut arbeitende Gruppen unseres Verbandes oder anderer jüdischer Juj'endorgane in Deutschland kennt und den gleichen Maßstab an englische Jugendarbeit legen wollte, wird zweifellos enttäuscht werden, üer Grund mag darin zu suchen sein, daß die englische Jugend von Nöten wirtschaftlicher und politischer Art, vom Antisemitismus und anderen Erscheinungen, die uns deutsche Jugend zu ernsthafter Arbeit zusammengetrieben und uns vielleicht neuen religiösen oder bewußt jüdischen Auftrieb gegeben haben, bislang verschont geblieben ist. Jede Großstadt, besonders aber eine Stadt von einer räumlichen Ausdehnung wie London — z.B. ist es oft erforderlich, mehr als 30 Gruppen der gleichen Organisation in den \ erschiedenen Stadtteilen zu unterhalten — erschwert eine enge Zusammenarbeit und straffe Durchorganisierung der Arbeit. Mit Ausnahme einiger weniger zionistischer Gruppen, hinter denen Palästina als ständig treibende Kraft steht, ist die englische jüdische Jugendarbeit in erster Linie eine ..social" Angelegenheit (wobei ich bemerken muß, daß social im englischen nur die Bedeutung „geselliggesellschaftlich" hat, nicht den Sinn, den wir im deutschen unter dem Wort „sozial" im allgemeinen zu verstehen gewohnt sind). Die unserem Verband gedanklich in ihrer überparteilichen Einstellung Nächststehenden sind die Young Israel Societies. die ihren organisatorischen Zusammenhang in der 1925 gegründeten , Union of Young Israel Societies oi Great Britain and Irland haben. Diese Union vereinigt heute 14 Gruppen, darunter zwei Junggruppen, mit zusammen ungefähr 1000 Mitgliedern in sich. Charakteristisch für die Konzentrierung jüdischer Arbeit in London ist, daß hiervon 11 Gruppen mit ca. 800 Mitgliedern allein in London sind. Das Ziel der Young-Israel-Bewegung ist, 8 \ „jüdische Kultur unter jüdischer Jugend zu pflegen und zu verbreiten, die Traditionen des Judentums aufrecht zu erhalten und die jüdische Jugend in Gemeindeangelegenheiten zu vertreten" (Uebersetzung aus den Statuten). Zur Erreichung dieser Ziele hat jede Gruppe durchschnittlich zwei Veranstaltungen wöchentlich, und zwar einen Vortrags- oder Diskussionsabend über jüdische und andere Themen und einen geselligen Abend mit Tanz am Sonnabend oder Sonntag (wobei ich bemerken muß, daß die Tanzereien im allgemeinen besser besucht sind als die Vortragsabende). Die Union of Young Israel Societies betont ausdrücklich die gemeinsame Plattform ihrer Arbeit, ihr Bestreben, junge Juden unabhängig von ihrer politischen oder religiösen Einstellung, zusammenzubringen. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Gruppen soll durch gemeinsame Debatten (im letzten Jahre über Themen wie ..Hängt die Zukunft der Young-Israel-Bewegung von der Aufnahme aktiver zionistischer Arbeit als einen Teil ihres Arbeitsprogramms ab?", „Was bedeutet Judentum für mich?", „Was bedeutet Zionismus für mich?", „Die Ursachen des geringeren Besuches der Gotteshäuser" usw.) durch gegenseitige Besuche einzelner Gruppen, durch Union-Dances und ähnliche Veranstaltungen erreicht werden. Trotz dieser Bemühungen ist aber aus den eingangs erwähnten räumlichen Gründen der Zusammenhang nicht zu stark, und ein einheitliches Arbeitsprogramm und eine gemeinsame Monatszeitschrift als bindende raktoren bestehen noch nicht. Nur zwei Gruppen geben'eine kleinere, recht gute eigene Monatsschrift heraus. Aber die Young-Israel-Bewegung ist noch verhältnismäßig jung — die erste Society wurde 1921 gegründet — und wenn sich auch im Augenbiich noch das Fehlen einiger älterer tragender Kräfte bemerkbar macht, so kann doch nach den bisherigen Erfahrungen mit einer kräftigen Aufwärtsentwicklung gerechnet werden. Schon heute unterhält die Union freundschaftliche, wenn auch nur lose Fühlungen zur Union Universelle de Ia Jeunesse Juive, zur South African Young Israel Federation, zur Ligue de la Jeunesse Juive of Alexandria, zur Jewish Young People's Association of Melbourne und zur Young Israel Synagogue Organisations of America. Außerordentlich interessant ist eine Betrachtung der von der Union of Young Israel Societies jährlich veranstaltenden „Summer-Schoo 1", die weniger als Schule, sondern als gemeinsamer Ferienaufenthalt einer Anzahl Mitglieder mit einigen Vorträgen, Aussprachen, Sport und Wanderungen aufzufassen ist. Im letzten Jahr hat diese Summer-School von Mitte bis Ende August stattgefunden und .ungefähr 100 Mitglieder haben an ihr teilgenommen. — Es bleibt zu überlegen, ob ähnliches nicht auch von unserem Verband ins Leben ge-

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