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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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„Wer ist Lehrling!* Jedermann. Wer ist Geselle? Der was kann. Wer ist Meister? Der was ersann.'* Dieser einlache Spruch, mit dem schon die Alten ihre Meister ehrten, birgt ^len Sinn des wahren I ebens in sich, dieser aufsteigenden Linie des Lebens zum Können. Schaffen, zum Künstler als dem aus sich selbst Schöpfenden, Schaffenden. Kunst, alle Arten der Künste borgen Wullen in sich und Kämpfen, Sehaffen und Werden. Ist es nicht auch Euer Weg. Euer Werden, dieses Wollen und Kämpfen und Schaffen?.-Ist es nicht auch Euer Ziel, /um Können, zur Kunst, ja zum Schöpferischen:* Jugend und Kunst, nichts ist enger verwandt, ist diese doch nicht- ■veiter als ein Drängen, ein Streben, ein Wollen zu jenem. Lad nun. «MS ist es mit im-. Jagend von heute? Wms ist es mit Euch vielen im Blind lind der Kunst? Schaut Ehr nicht fast alle nur hin zu den großen Werken der Könnenden, bewundernd, weil alle bewundern, ablehnend, •eil alle ablehnen? Seid Ihr nicht befangen von dem Geis! einer Zeit, deren guter Ton in der Gesellschaft es erfordert, von allen Künstlern and ihnen Werken, von allen Großen und ihren Taten etwas zu wissen. Seid Ihr nicht gefangen von diesem Streben, von allem Möglichst etwas gesehen, gehört zu haben, um ..mitreden" zu können? Ach. Ihr habt ja nicht einmal Zeit, an das Große am Künstler iind an das Bergehohe in seinem Werke zu denken, nie atmet Ihr die reine I.uft solche! Berge des Erfolgs! Nie werdet Ihr selbst etwas Großes schaffen, nie werdet Ihr in Eurer Zeit stehen, denn da- Danebenstehen und Schauen raubt Euch Zeit und Atem. Nur der Schaffende -t,-1,i jn seiner Zeit, der Strebende, und "Wollende, weil er in die Zukunft schaut und schafft. Aher es gibt anefa Strebende und Schaffende, die nicht in ihrer Zeit stehen und n u r in die Zukunft schauen. Sie werden Künstler stets sein ohne Kunstwerk. Denn wie kann ich in die Zukunft hauen, wenn ich die Geeenwart vergesse, wie einem Maus das Dach aufsetzen, wenn ich die Grundmauern vergaß? Liebe Freunde! Wir junge, jüdische Menschen haben in unseren Reihen leider viele solche Künstler, viele solche Streitende. lue einen baneti an den Grundmauern und denken nicht an den Giebel, die anderen entwerfen Dach und Giebel und vergessen das Fundament. Die meisten aber wollen nichts, noch streben sie: sie stehen nur daneben. End "doch fehlen uns Juden zumeist und uns Deutschen {flieht minder, ja allen Menschen die großen Könner. Wenige Blitze nur geben dieser Menschheit noch Feuer. Rlut und Begeisterung. Wenijre Männer nur sehen bei uns Deutschen noch wahrhaft die Gegenwart und wollen zur Höhe. I'nd wer von uns deutschen Juden, bekämpft, verleumdet, geächtet, seht heraus aus der unheilvollen Resignation, aus der gegenwartslosen, vagen Zuknnftsmalerei. auf daß der Heiner ihn in die Höhe treibe? Eine nationale Welle in Deutschland brachte uns Juden Praß und Feindschaft. Gibt es für einen jungen Menschen Naherliegendes.;ils das Streben um Anerkennung seines Wollens. ja seiner Größe? Nein, es gibt'für ihn nichts Näherl legendes, als Wahrung seiner Lebensinteressen. •Wahrung seines Wollens zur Kunst, wenn nötig sogar mit Macht. Der Gegner aber, der ihm seine individuelle Art des Denkens. Strebens und Handelns (manche mögen sagen: seine Selbstherrlichkertl nehmen will, wird bekämpft, unerbittlich und bis zum letzten. Marxismus. Sozialismus setzte man mit: ..Jude" gleich. IHd die jungen Menschen, die kraft ihres Wollens gegen Sozialismus. Leber-Sozialismus kämpften, kämpften gegen uns Juden. Beweisen dies nicht unsere Universitäten? Wo seid Ihr nun. Ihr in die Höhe Wachsenden und Strebendon. wo -cid Ihr nun. Ihr Kämpfenden in unserem Bond, die Ihr abhold -cid der Ebene, beruhigend gleich großer, d. h. gleich kleiner Menschen, daß Ihr aufsteht von Eurem Wollen, der großen Masse der anderen zu sagen, um die Höhe mit ihnen zu ringen; Euch mit ihnen in die Höhe zu ringen. Seid Ihr wahre Könner und Künstler, danu seid Unwahre Kämpfer und werdet Anerkennung Euch erringen, oder aber kennt Ihr nur Resignation und ein Streben nach guter Gesellschaft? > Dann geht ruhig weiter vorbei an den Kunstwerken der Könnenden und denkt nicht an ihre Höhe! ' A r t u r A u f o c Ii s. II. Nachfolgendes ist meine durchaus persönliche Meinung und darf deshalb mit allen Mitteln der Kritik abgelehnt werden. Die Kunst ist für den Schöpfer: Materie fni Gestaltungskraft und Gcstaltungswillen. Wiedergabe auf genommener, evtl. mit ganz anderen Sinnesorganen aufgenommener Eindrücke, wie Symmetrie. Wucht, Rhythinu.-. Entladung und Konservierung unbewußter Triebe oder abet auch nur Wiedorgabo von Stimmungen. Form, und zwar entweder ästhetische (lies symmetrische und sittliche, gerade, wahrhaftige, gesetzmäßige) odci packende (unsichtbar erotische, und wenn nicht sogar an irgendeiner Stelle fehlerhafte, so'doch demagogische) Forii. Für bewußte entweder Freiheiten oder aber Perversitäten (im weitesten Sinne) anstrebende Aeußeriingen. End letzten Endes Training und Ausbildung bestimmter technischer Fähigkeit und Schärfung gewisser Sinnesorgane Die Kunst ist für den Ausübenden: Ton. der in eine ganz bestimmte Form gebildet sein will; ein Gerüst, das gebaut ist und bekleidet sein will, aber nicht will kürlich, sondern ganz bestimmt, also: Saugapparat Tür. aber jeweils ganz bestimmter, ehemals aufgenommener Eindrücke aufgespeicherter grundsätzlicher oder ,-tbcr auch kombinierter Triebe; Gegenpol zum Gehirn von einer ihre Strahlen ausbreitenden Stimmungszone: also Führer und K 1 ä r e r. Zur Verbreiterung einer festgelegten Meinung, die mit der eigenen übereinstimmt, vorteilhaft benutzbare Form, wenn sjP für den Betreffenden gestaltbar ist, d. h. wenn er Bichl nur mit dem Inhalt übereinstimmt, sondern er außer der rein technischen Fähigkeit auch triebhaft, im Temperament. Stimmung usw. den Atisprüchen der betreffenden Ausdruoksform gerecht wird. End aueh wieder Training technischer Fähigkeiten und Schärfung der Sinne. Die Kunst ist für den Aufnehmenden: Be stätigung tiefer Triebe. Offenbarung unbewußter Dinge dem Bewußtsein in fremder Sprache, die verstanden aber nicht übersetzt wird. Erlösung in Form einer Entladung der Triebe und aufgenommenen Eindrücke auf einem Weg. zu dem der Betreffende vielleicht sogar die Gestaltungskraft und besonders den Willen gehabt hat. aber nicht die technischen Fähigkeiten, oder aber von der technischen Fähigkeit wegen geisticer und körnerlicber ganz einfacher Ermüdung oder Benuemlichkeit keinen Gebrauch gemacht bat: also Schrittmacher der Entspannung. Bestätigung einer verstandesgemäßen Ansicht in Ver bindung mit einer gleichfalls dein eigenen Aufnahmear.parat Wesen. «Ion eigenen Trieben entsprechenden Form oder aber nur I'ebereinstimmung der Form mit den eigenen Trieben und der daraus gezogenen Folge der willigen und leichten Aneignung der in der betreffenden Form dargebrachten, vielleicht sogar falschen Verstandesäußerungen. Die Kunst ist für das (aufnehmende) Kind: Ocstaltungsfaktor der fundamentalen (später unbewußten) geistigen Situation, sie soll deshalb dem Kinde nicht anders als in einwandfrei sittlich erkennbarer Form dargebracht werden. Also keinerlei Bilder, sondern in den Grundfarben gehaltene symmetrische Klötze und die Natur selber. Dort aber nicht in ..idyllischen" Tälern, „romantischen" Wäldern. ..gigantischen" Felsen, „sentimentalen Herbststimmungen" usw., denn damit wäre gerade das entgegengesetzte erreicht. Aber aus dein zweibeinigen, zweiarmigen. zweiäugigen

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