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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Im Orient fuhr mich einmal ein oatjudischer Taxi- . hauffcur. Während der Fahrt erzählte er mir in jiddischer Sprache von Thomas Mann, Werfcl, Unruh u. a. (Oh wohl ein deutscher Taxichauffeur hiervon zu erzählen weiß?) Auch möchte man Fontane glauben, wenn man an den n.ilizier Max Reinhard denkt. Außer ihm gibt es u. a. noch folgende Ostjuden an der deutschen Bühne: Fritz Kortner, Kru^t Deutsch. Paul Grätz. Max Pnllonborg. Schildkraut! Granach, Elisabeth Bergner. Irene Triesch. Maria NOrska. Fritzi Massäry u. a. Man möchte bald fragen: Wer bleibt •loch übrig? (Das las ich in Arnold Zweigs Ruch: „Juden nif der deutschen Buhne.") Es hilft nichts, wir werden unsere törichte, lächerliche "»itiudenverachtung aufgeben müssen. Schon, weil man von der Außenwelt nicht Toleranz und \ >rurieilsIosigkeit verlangen darf, wenn man selber nicht h reit ist, sie nach innen zu gewähren. Schon, weil unsere Gemeinden verrohten würden, wenn licht in erster Linie Ostjuden bestrebt wären, aus den 'Yligionsgomoindcn echte ..Kehilloth", Volksgemeinden, zu Hiaffen. Schon, weil unsere Jugendbewegung nur durch den Zu- •mg von Ostjuden jüdisches Niveau errichten oder bewahren Vinn. . i Freilich müssen uns die Ostjuden ebenfalls entgegenkommen. Viele von ihnen tun folgendes: Halfen wir sie in ■ uropäischer" Beziehung für nicht vollwertig, halten sie uns zur Revanche in jüdischer Beziehung für minderwertig. Sta glauben, weil wir uns mehr assimilieren, seien wir weniger jüdisch, meinen, jede notwendige und erwünschte Anpassung an deutsche Sitte bedeutet Preisgabe eines entl'rechenden Stückes Judentum. Das ist natürlich grund- ■ rkehrt. (Zumal sie selber sich jetzt in raschem Tempo an" maische und polnische Sitten assimilieren.) " Wir werden uns verständigen müssen. Nicht mit der Zeit, sondern gleich, denn das jüdische Volk ist heute eine V'tgcmeinsehaft. Und wer es nicht kann, der kann es deshalb nicht, weil Verständigung Verstand voraussetzt. Walter K an t o r o w i cz, Schneidemühl. II. Ich halte es für höchst merkwürdig, daß junge jüdische Menschen unserer Zeit überhaupt noch über eine bestehende Differenz zwischen Ost- und Westjuden diskutieren können. Ks sollte doch für einen jeden positiv eingestellten Juden selbstverständlich sein, daß es mindestens eins gibt, das ihn mit der Judenheit der ganzen Welt aufs engste verknüpft, — und das ist die Tradition, die bis in jene grauen Zeiten der ägyptischen .Sklaverei zurückreicht. Schon dieses Band allein dürfte genügen, uns trotz aller liestehenden Verschiedenheiten, die unsere soziale Stellung, unsere politischen und weltanschaulichen Denkweisen und vielleicht, meiner Ansicht nach als nebensächlichstes, unsere verschiedenen Herkunftsländer bedingen, aufs innigste zu verbinden. Aber gibt es nicht' noch anderes,, was uns Juden unter uns verwandter macht, als unser gemeinsames BlutV — Und vollends in moderner Zeit, wo der Judenheit die große Aufgabe gestellt ist, das Land unserer Väter wieder zu einem jüdischen Lande zu machen. Hnd besonders jetzt, wo durch die Erweiterung der Jewish Agency die Palästinaarbeit eine überparteiliche wurde, und nicht mehr ala Schibolcth zwischen „Zionisten" und „Liberalen"' gilt, ist doch genug vorhanden, was uns Juden verbindet. Es liegt nur an jedem einzelnen, ob er mit anderen Menschen in Harmonie oder Unfrieden lebt. Es kommt eben darauf an, ob man mehr das Trennende oder das Verbindende betont. Junge Ost- und Westjuden, sucht euch persönlich näher zu kommen, sprecht euch gegenseitig über alle jüdischen und allgemeinen Probleme aus, ohne euch -gegenseitig durch die Brille der Staatsangehörigkeit zu betrachten. Dann wird sich jede Debatte über Ost- und Westjuden erübrigen. Jeder deutsche Jude, dem die Erhaltung und Belebung des jüdischen Geistes auch bei den westeuropäischen Judem — und das Judentum soll doch für uns keine vertrocknete Mumie sein — am Herzen liegt, sollte froh sein, daß ostiüdisahe Menschen au» ihren jüdischen Massensiedlungen lebendiges Judentum mitgebracht haben und uns damit be fruchten. Mögen die spärlichen Reste der Westjuden der Emanzipationszeit heute noch voller Verachtung auf die „Galizianer" und „Polacken" blicken, wir modernen jungen Leute lehnen solche Betrachtungsweise Uber Menschen als flach und spießbürgerlich ab. _' Kommen wir doch endlich zur ge.samtjüdischen Tat! Fritz Borehardt. Berlin. Jugend und Kunst Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, verbundene jüdische Jugendvereine Deutschlands, verbundene ''Hinderte, ja tausende junger, jüdischer, deutscher Menschen, wie unendlich viel liegt in dieser toten Form des Wortes! Was bindet sie denn, diese jungen Menschen, dieses Heer •l'T ins Leben Strebenden, daß sie sich vereinten zu einem Namen? Reichten sie sich so die Hände zu irgendeinem Werke, war und ist es ein großes Wollen, das sie den Stoß -•■•gen das Widerstreben der Augenblicksumstände gemeinsam riihren hieß? Oder aber sind es die Tatsachen nnr. die ihr - in vorfindet, das Judesein, das Deutschsein, ihre Jugend? Verbindet sie nichts weiter als diese Tatsache und nichts. 19 sie mit solchen Gegebenheiten von der Zukunft verli L'en, verkettet sie nur ihre Situation oder ihr Streben, ihr Zielen und Wollen nach ihrer zukünftigen Lage? Ist es Mn Streben nach Gesellschaft oder ein Streben i n Gesell- -chaft? Fragen über Fragen, und die Antwort? Finde ich sie i der Zeitung des Verbandes als dem „lebendigen Ans- •inickswillen" derer, die sich zusammengeschlossen? Kämpfe 'im die Formen der Gesellschaft, um soziale Gesinnung, wn friedliches Zusammenleben, inniges Zusammenhalten •Micken die L'eberschriften ihrer Kapitel aus. Deren & ireiher aber sind beetgewillt, allen und jedem stets und -• :idig deutlich zu sagen, einzuhämmern, alle seid ihr Ii für jedeinen und jodeiner für alle. Das ist die ernstgemeinte Bitte an alle,- mitzuarbeiten am großen Werk einer erbaulichen Gesellschaft einheitlicher Menschen und mir deucht es ihr unverblümter Wille, jedem zu sagen, es gibt nur Deinesgleichen, Dir sind sie alle gleich, alle wollen sie das gleiche, somit: es ist Dir kein anderer und Du bist keinem anderen überlegen. Liebe Freunde! Ist es tatsächlich nur ein Streben näüh Gesellschaft, nach wohlgeformter, ebenmäßiger, wenig erregender Gesellschaft, das Euch zusammenführte? Wollt Ihr fürwahr mit die Gipfel des heutigen Lebens abgraben, daß Ihr in späteren Jahren Euch wohlig mit ergeht auf ebener Erde, ein Leben lebet, das nicht mehr Kämpfe und Not, nicht mehr Entscheidungen und Erfolg, nicht mehr Können und Kunst und keine große Tat mehr kennen wird? Für jeden von Euch ist doch seine Jugend ein Weg hinan, hinauf, Ihr alle kennt doch das Glück selbst bescheidenen Erfolgs. Und nun habt Ihr nichts, was Euch als Ziel herüberwinke'n könnte, denn einen großen Abhang, kennt keine Berge mehr in Eurem Wollen, Eurem Leben, die Euch des Glücks errungener Höhe teilhaftig werden lassen können? Ich glaube es nicht. Ich glaube es nicht, weil „Jugend und Kunst" Ihr als Thema wähltet. Denn nichts ist enger verwandt als Jugend umt Kunst, ins Leben streliende junge Menschen und Leben. Können, Kunst. 5

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